******************************************************* Sehr geehrter Herr xxxxxx, wie erwähnt habe ich den Verlauf meiner Krankheit aus eigener Sicht dokumentiert und übersende ihn ihnen hiermit. Ich werde wie besprochen heute zw. 15 u. 16 Uhr bei ihnen eintreffen.
Ihr xxxxxx
Der Anfang des Verlaufs des Verlustes meiner geistig-seelischen Gesundheit lässt sich etwa auf Mai 1xxx zurückdatieren. Ich hatte mich damals mit sogenannten Freunden im Haus der Eltern einer der beteiligten Personen mit den anderen zusammen auf einen Trip, ausgelöst durch 2 verschiedene Sorten psilocybinhaltiger Pilze, begeben.
Durch eine weitere (nüchterne) Person, welche damals in das Geschehen hereinplatzte, wurde ich geschickt und mit einer hinterhältigen Absicht auf den bis dato schlimmsten Horror meines Lebens gebracht. Wie die anderen berichteten, sass ich mehrere Stunden, an die ich mich bis heute noch nicht erinnern kann, verkrampft und vor mich hin starrend auf einem Sessel. Nach deren Aussagen, die ich mir Jahre später einholte, waren sie selbst durch den Trip weit genug von der Realität entfernt, als dass sie mir zur Hilfe hätten kommen können.
Von Manipulationsversuchen meines damaligen Peinigers wussten sie nicht mehr viel zu berichten. Als dieser Trip damals abebbte und ich wieder zu Bewusstsein kam, war mein T-Shirt nass von den Tränen die ich mir herausgepresst haben musste.
Der "Manipulator" erwartete mich schon und verhöhnte mich. Das Gefühl, die Nachwirkung, die ich mitnahm, war tiefe Trauer (ich hatte auf einmal das Gefühl, in einer "grauen" und trostlosen Welt gelandet zu sein) und das Bewusstsein um etwas "unsichtbares" was mich permanent zu beobachten schien. Diese Wunde, dieses traumatischen Erlebnisses herrscht bis heute vor. Ich war wie "stumm", konnte mich keinem mitteilen, ein Zustand den ich nur vom Hörensagen von Vergewaltigungsopfern kannte. Ich bekam Jahre lang den Mund nicht auf um mich irgendjemandem mitzuteilen. Ich "bewältigte" dieses Erlebnis in der Folgezeit dadurch, dass ich mich zu Hause verriegelte, mich mit ausreichend Haschisch so müde rauchte, dass ich nicht mehr viel mitbekam, blieb der Schule fern so gut wie es ging, wodurch ich schlussendlich das Gymnasium in der 11. Klassse verliess.
Bis zu dieser Zeit nahm ich ausser Cannabis und in weitgestreuten Abständen den besagten Pilzen, nichts anderes zu mir, trank damals aber schon seit ca. 2 Jahren Alkohol, und hatte noch nie Medikamente oder harte Drogen genommen. Das sollte sich dann ändern...-
Durch die seit damals bestehende Depression fing ich schnell an Substanzen zu suchen, die meinen Zustand erleichterten und fing wieder mit dem Alkohol an. Zudem vereinsamte ich in dieser Zeit. Im September darauf versuchte ich es auf der Fachoberschule, musste aber feststellen, dass ich in keiner Weise belastbar war, worauf ich mit der Begründung "für soziale Berufe ungeeignet" der Schule verwiesen wurde.
Es folgte ein halbes Jahr auf einer Privatschule in xxxxxx, leider erfolglos, da sowohl die Menschen um mich herum als auch die Situation, etwas leisten zu müssen, in mir zu viel Stress auslösten. In der Folgezeit suchte ich nur noch meine Ruhe vor dieser Welt, meldete mich aus Alibizwecken zum externen Abitur an und gab bei meinen Eltern vor, dafür zu lernen. Ich geriet zusehends in die Drogenszene, konsumierte unterschiedliche Substanzen und machte dabei auch meine ersten Erfahrungen mit Opiaten.
Ich geriet in eine Abhängigkeit von Diazepam, (Valium), welches ich von meinen damaligen Hausärzten bekam und war nach etwa 1,5 Jahren auf einer Dosis bis zu 100 mg am Tag angelangt.
Auf das Anraten von Freunden, die sich um meine Abhängigkeit Sorgen machten, nahm ich mir einige Wochen Zeit um das Mittel, schliesslich erfolgreich, auszuschleichen. Meine Depressionen wurde in der ganzen Zeit nur in manchen Situationen besser, nur das irrationale Gefühl beobachtet zu werden, hatte ich verdrängen können.
Im September des Jahres xxxx fing ich eine schulische Ausbildung zum xxxxxxxx an der städtischen Volkshochschule an.
Im November stellten sich Anzeichen einer Psychose ein. In dieser Zeit erlebte ich, wie z.B. Gedanken die ich hatte, Thema von Fersehsendungen wurden, die meistens auf genau dem Sender liefen, den ich gerade einschaltete, aber auch während ich Sender wechselte. Dabei wurde ich sehr häufig "zitiert" oder es wurde auf meine Gedanken, die ich während des Schauens des Fernsehprogrammes gerade hatte, unmittelbar Bezug genommen. Auch auf der Strasse oder in der Schule hatte ich oft Erlebnisse, bei denen andere Menschen meine Gedanken laut äußerten, oft direkt nachdem ich sie gerade gedacht hatte. Ein Ereignis ist mir besonders haften geblieben: Ich dachte eines abends über die Möglichkeit nach, einen anderen Beruf zu ergreifen. Nach ca. 20 Minuten kam ich zu einem Schluss und dachte an etwas anderes. Am nächsten Tag auf dem Pausenhof, berichtete eine Mitschülerin einer weiteren Mitschülerin, ohne dass ich sie davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass sie am letzten Tag über das gleiche nachgedacht hätte, worüber ich mir am Tag zuvor Gedanken gemacht hatte. Dabei war nicht nur der abends zuvor von mir erdachte Beruf der gleiche, sondern vor allem auch die Wortwahl und die beteiligten Emotionen. Desweiteren fand ich Schriftzüge an Wänden innerhalb von Gebäuden und auf der Strasse, die denen die ich zu dieser Zeit daheim entwarf und für niemanden sichtbar in meinen Schubläden aufbewahrte, zu hundert Prozent glichen. Ich entdeckte Gegenstände in meinem Zimmer, wie Zettel mit Botschaften, die ich nie zuvor gesehen hatte.
Ich denke, dass es die ganze Reihe unerklärlicher Dinge war, die meinen ersten Schub auslösten. Ich habe seit damals Zustände, die von "Beziehungsdenken" zwischen mir und der Umwelt geprägt sind. Um es in einem weiteren psychiatrischen Fachbegriff zu sagen, meine "Ich-Grenze" schien ziemlich porös geworden zu sein.
Seit dieses ersten Schubes, nehme ich immer wieder Dinge ausserhalb meines Kopfes wahr, die, wie ich erzogen wurde zu denken, nur ich kennen konnte.
Unangenehme Begleiterscheinungen dieses neuartigen Erlebens waren immense Angstzustände, starke Akathisie, Misstrauen gegenüber meiner Umwelt, die sich so verhielt, als würde sie nicht wissen was gespielt würde (?), sobald man sie darauf ansprach.
Ich begab mich auf Anraten meiner Mutter zu einem Neurologen in Behandlung, der das Problem zur Psychose deklarierte. Er ging kein Stück auf das Warum und Woher meines Zustands ein, ich musste in der Folgezeit meine Behandlung feststellen, dass dieser in meiner Stadt hochgeschätzte Mann, mir und anderen ähnlich erkrankten Menschen gegenüber wohl den Mund nicht aufbekommen will. Warum ich bis vor 3 Monaten heute noch zu diesem Arzt gegangen bin, lässt sich wohl nur darauf zurückführen, dass ich seit meiner persönlichen Erfahrung mit der Psychiatrie resigniert bin, was die Hoffnung betrifft, es gäbe tatsächlich solche Ärzte, die einem helfen wollen und können. Ich wurde von ihm damals behandelt, indem er mir 20mg olanzapin (zyprexa) für in der Früh veschrieb (dazu noch Biperiden für die extrapyramidalen Symptome und Zoloft (sertralin, ein SSRI) gg. depressive Vestimmungen)
Die Mittel halfen nichts gegen meine Sichtweise der Welt, alle Phänomene die ich erlebt hatte waren und sind bis heute geblieben, mal auf einer Alltagsbasis an die ich mich scheinbar "gewöhnt" habe (es fällt mir schwer, mich wirklich daran zu gewöhnen), mal in manchen Phasen geballt.
Das Neuroleptikum hatte die Nebenwirkung, dass ich unangenehm gelähmt (an manchen Tagen von der linken Gesichtshälfte bis unter die linke Achsel!) und betäubt wurde und der Zustand den ich zuvor hatte sich schliesslich zu einer Depression mit Selbstmordgedanken wandelte, bei vorherrschender psychotischer Plussymptomatik.
Ich hatte auch einen akuten Schuldwahn, der sich dahingehend äusserte, dass ich mich viele Monate lang nicht traute dieses Teufelszeug abzusetzen oder mit meinem Arzt vernünftig darüber zu sprechen. Ich traute mich auch nicht hilfreichere Substanzen, die ja grösstenteils verboten oder verschreibungspflichtig sind, einzunehmen.
In den darauffolgenden Monaten schloss ich die Schule als Xxxxxxx ab, mit Fehlzeiten von über der Hälfte der gesamten Unterichtszeit. Ich litt, wie beschrieben, an einer schweren Depression, ich lag den ganzen Tag auf der Couch oder im Bett und starrte nur noch in den Fernseher um mich von meinem realen Leben abzulenken.
Das Neuroleptikum bewirkte bei mir auch Ausbrüche von Heisshunger auf kalorienreiche Nahrung, wodurch ich innerhalb von weniger als einem halben Jahr 30 kg zunahm, die ich heute noch nicht wieder runter habe. Im Sommer xxxx setzte ich alle Medikamente auf einen Schlag ab, wovon ich meinem Neurologen berichtete. Ich fing wieder an, gelegentlich zu kiffen und trank auch mal wieder ein Bier. Ich versuchte mich wieder zu fühlen wie vor dem Ausbruch des Schubs und kontaktierte wieder alte Freunde, die, wie ich es in meinem Schuldkomplex dummerweise zugelassen hatte, durch meine Mutter von mir fern gehalten worden waren.
Ich schrieb mich für September xxxx erneut auf die Fachoberschule ein, wo ich fürs erste Halbjahr mit einem Praktikum in einer Tagesstätte für psychisch erkrankte Menschen angetraut wurde. Es muss wieder am Stress, ausgelöst v.a. durch meine Mitschüler gelegen haben, dass ich wieder in etwas hereingeriet. Ich deute die Krankheitssymptome der darauffolgenden Zeit als Notmassnahme meines Organismus, um nicht wieder in den bekannten depressiven Zustand zu verfallen.
Schon kurz nach Beginn des Schuljahres bildeten sich auf meiner Kopfhaut kleine Hügel von Schuppen (mir wurde gesagt das sei Schuppenflechte). Vor allem aber hatte ich wohl so etwas wie eine Manie, (ich musste dies leider selber diagnostizieren, weil ich in der Zeit zu keinem Arzt gehen wollte, lediglich einmal, um mir Beruhigungsmittel verschreiben zu lassen, und ich hütete mich dabei, zuviel von mir preiszugeben) was sich dadurch bemerkbar machte, dass ich plötzlich nur noch etwa alle 3 Tage schlief, und dann auch nur für wenige Stunden. Zudem aß ich kaum etwas. Ich fühlte mich höchst energiegeladen und verbrachte meine Zeit mit Nachdenken, Lesen und dem Notieren meiner Gedanken, hin und wieder mit Zähneknirschen. Gänzlich ohne psychotisches Erleben war diese Phase zwar nicht, jedoch uchte ich, sicher auch aus dem Gefühl heraus es sollte doch "alles werden wie früher" verstärkt den Zugang zur "normalen Realitä" "anderer Leute". Das fiel mir auch leicht, da ich über ein grosses Selbstbewusstsein verfügte. Ich lernte auf der Schule sowas wie meine damalige Traumfrau kennen und war gleichzeitig verwundert und entzückt darüber, dass Sie sich in der Zeit mit mir abgeben wollte. Allerdings nur bis ich ihr von manchen Sachen erzählte, die ich so erfahren hatte, und auch nur bis kurz nach Sylvester 200x, da in dieser Zeit die Manie schleichend in eine neue Psychose überging, sicher mitbedingt durch den Schock dieser damaligen Beziehung.
Diese Episode war geprägt von wahnhaften Erlebnissen wie die bei meinem 1. Schub, ich gewann immer mehr den Eindruck, diese Welt in der ich mich befand, sei nicht real oder zumindest ferngelenkt von etwas/jemandem was/der jenseits von Raum und Zeit sein musste.
Ich begann vemehrt zu trinken, vor allem gleich nach dem Aufstehen erstmal 4-5 Bier und dämpfte damit ein bisschen meine psychomotorische Erregung. Meine damalige Gemütsvefassung wurde natürlich von meinen Eltern, bei denen ich immer noch wohne, bemerkt. Meine Mutter wusste, dass ich nicht bereit war noch mal ein Neuroleptikum einzunehmen, und so landete ich im Februar 200x bei einem Münchner Arzt für Homöopathie. Ich machte die Erfahrung, dass es auch Ärzte zu geben schien, die sich sogar mit Psychotikern aueinandersetzten. Ich hatte mit ihm ein Gespräch über mein Befinden/Symptomatik und er verordnete mir dann wenige Male Anacardium Orientale in 3000facher Verdünnung.
Die Erstverschlimmerung durch dieses Mittel ist dann auch eingetreten, und ich war auf eine angenehm stark sedierende, stark herzerwärmende Art "breit" wie noch von nichts zuvor, wobei dieser Zustand zwar bei der ersten Gabe 3 Tage lang anhielt, wobei aber die "Zeichen" um mich her in keinster Weise geringer wurden. Ich erinnere mich sogar an ein Auftreten von "Stimmenhören" aus dieser Zeit, etwas was ich erst 3 mal, immer für maximal 10 Sekunden hatte. Bei der letzten Sitzung musste mein Homöopath mich dann aufgegeben haben, da er einen befreundeten Psychiater aus dem selben Ärztehaus mit in die Sitzung bestellte.
Dieser Mensch hatte mich auf eine äusserst bescheuerte Art provoziert indem er seinen Dialekt ständig verstellte und sich dabei witzig vorkam, er nutzte das auch um nicht auf mich eingehen zu müssen (von der Angst mancher Psychiater vor psychischer Ansteckung oder Mitfühlens, hat man ja schon mal gehört). Er wusste mir dann zu berichten, mir könne nur ein Neuroleptikum helfen worauf ich die Behandlung abbrach.
In den Wochen danach kamen heftige Selbstmordgedanken, und ich wollte mich von einer Autobahnbrücke stürzen, da ich mit der Zeit überzeugt war mein Vorhaben durchzuführen (?!). Ich bin letzten Endes auf der Brücke umgekehrt, und ging heim, wo mich schon meine Mutter erwartete, die von einer Bekannten erfahren hatte, dass sie mich an der Brücke gesehen habe.
Ich war dann so offen und redete mit meiner Mutter, die in Panik ausbrach und mir erklärte, sie werde mich ins Bezirkskrankenhaus einweisen lassen. Daraufhin ergriff ich mit einem Fön in der Hand die Flucht in Richtung Bad wo ich mich in der Badewanne elektrisieren wollte.
Ich wurde von meinem Vater knapp abgehalten und es kam dann zu einem unschönen Handgemenge zwischen uns beiden, ich wollte, nachdem der Krankenwagen schon bestellt war, erst mal von zu Hause weglaufen, dann habe ich mich aber doch noch von den Pflegern die schon vor Ort waren breitschlagen lassen, "zumindest zu einem Gespräch" mitzukommen. Dort angekommen, erzählte ich dem Arzt, der mich aufnahm, bereitwillig von meinem geistigen Erleben, wieder einmal in der Hoffnung dafür Erklärungen zu bekommen.
Dies stellte sich als böser Fehler heraus, ich hatte ja keine Ahnung was auf mich zukommen sollte. Ein Richter kam vorbei und brachte mich für 4 Wochen stationär auf einer geschlossenen akut-psychiatrischen Station unter. Zeit für Gespräche, gab es dort kaum, ich bekam meinen zuständigen Arzt alle paar Tage bei der Visite für 5-10 Minuten zu Gesicht, wobei ich eine regelrechte Abneigung gegen ihn entwickelte, da ich mich von ihm nicht ernst genommen fühlte und wir zu oft verschiedener Meinung waren.
Ich bekam eine Zwangsbetreuung, vorgesehen für 2 Jahre mit den Aufgabenfeldern "medikamentöse Betreuung" (da ich ja das Zyprexa abgesetzt hatte) und Aufenthaltsbestimmung. Anfangs weigerte ich mich das mir verordnete Risperdal zu nehmen, angesichts der Tatsache, dass mir gesagt wurde dass ich die Welt ausserhalb der Anstalt wohl nicht so schnell zu Gesicht bekäme wenn ich die Einnahme verweigerte, fügte ich mich schliesslich.
Dieses Medikament machte mich ängstlich und hatte unangenehme körperliche Nebenwirkung, wie temporäre Impotenz, die nach Absetzen wieder vorbeiging.
Seit diesem Anstanltsaufenthalt habe ich Panikattacken, die sich in einem Gefühl von Lähmung der Muskeln und unwahrscheinlich heftigen Schweissausbrüchen niederschlagen. In der Klinik und in der Zeit nach meiner Entlassung hatte ich Albträume, von denen ich in den Nächten schweissgebadet aufzuschrecken pflegte. Zumindest waren die Ärzte so kulant, mich auf ein anderes Medikament (Solian 800 mg) umzustellen, da ich ihnen von meiner Impotenz berichtete. Ich war immer noch überzeugt mich töten zu wollen, und hatte dann in der Klinik auch einen unbemerkten Selbstmordversuch, wurde dann mit einer durch diesen Aufenthalt zusätzlich negativ geprägten schweren Depression ebtlassen. ("postpsychotisch" - die Erkärung dass ein Mensch der in einer schweren Phase war und sich Hilfe erhoffte, dann aber halb entmündigt, körperverletzt und gedemütigt wurde sich nach so einer Behandlung schlecht fühlt, finde ich allerdings einleuchtend!)
Zum Glück traf ich etwa 2 Monate nachdem ich entlassen wurde, 2 alte Bekannte die mit der Psychiatrie schon als Kinder (wg. ADHS) Erfahrungen machen mussten und seit ihrer Jugend Opiate zu sich nahmen.
Von den Beiden brachte ich in Erfahrung, dass mit dem handelsüblichen Blaumohn aus dem Supermarkt eine Opiumwirkung zu erzielen wäre. Diese Eigenbehandlung mit Blaumohnsud verschaffte mir letztendlich die Lebensqualität, die ich seit meines Horrortrips und meiner Psychosen nicht mehr hatte, und brachte mich von den Selbstmordgedanken weg. Es stellte sich ein Gefühl von Ausgeglichenheit ein, so dass meine Depressionen so gut wie nicht mehr vorhanden waren. Sogenannte "psychotische Erlebnisse" v.A. Plussymptomatiken, waren teils ganz weg, teils, wenn ich derartiges erlebte, nicht mehr furchterregend oder bedrohlich, warfen mich nicht mehr aus der Bahn und führten nicht mehr zu Zuständen wie Akathisie. oder Panikattacken (ich hatte keine einzige Panikattacke in der Zeit meines regelmässigen Opiatkonsums). Vor allem steigerte ich mich nicht mehr in mein Erleben rein, so dass es nicht zu Zuständen von Derealisation kam. In dieser Zeit konnte ich wieder unter Leute gehen und war für über ein Jahr als Gitarrist in einer Band beteiligt mit der ich landesweit eine Tour absolvierte.
Ich konsumierte diesen Blaumohnsud bis ca. November 200x. Ich führte einen warmen Entzug mit Codeinphosphathemihydrat-Tabletten ("Codiopt") durch, welche ich günstig auf dem Schwarzmarkt erstehen konnte, da ich mir Sorgen um meine Abhängigkeit machte.
In der darauffolgenden Zeit konsumierte ich vieles durcheinander, (Alkohol, Cannabis, manchmal Amphetamin) kümmerte mich vor allem aber darum, hin und wieder einen Streifen von 60 mg Morphiumtabletten auf Vorrat zu haben, für Notfälle. Meine Depression stellte sich schnell wieder ein, ebenso meine Panikattacken, ich musste feststellen, dass wenn ich mich in grösseren Menschenmengen befand, die aus unerfindlichen Gründen bedrohlich auf mich wirkten, und aus denen ich nicht kommen konnte (v.a. im Supermarkt, an der Schlange) mich die alten Symptome von Lähmung und Schwitzen wieder befielen.
Ich wurde dann im Februar/März 200x wieder von meiner Mutter zu einem Gespräch in meiner alten Klinik überredet. Ich "philosophierte" ihr zu der Zeit zu viel. Ich hatte meine üblichen Gedanken wie sie auch bei den Episoden davor auftraten, und kann leider aus meiner eigenen Perspektive heraus nicht beurteilen, ob diese diesmal sehr intensiviert waren. Jedenfalls kann ich mich an das Einweisungsgespräch zu dem sich meine Unterhaltung mit der Notfallärztin entwickelte, noch gut erinnern, ich achtete darauf keine Begriffe oder Ideen zu verwenden die mir schädlich werden konnten. Um so mehr verwunderte es mich, mich auf der geschlossenen Suchtstation wiederzufinden und auf den Richter warten zu müssen.
Ein weiterer Schlag ins Gesicht war 4 Wochen später der Entlassugsbericht, in dem ich bei meiner Einweisung Sätze gesagt haben soll, die ich niemals in den Mund genommen hätte. Beim diesmaligen Aufenthalt bekam ich wieder ein Neuroleptikum (Ablilify 30 mg), welches starke Kopschmerzen verursachte. Sobald wie möglich liess ich die Finger davon.
Schon am Tag meiner Entlassung nahm ich wieder Opiate, ich war wieder stimmungsmässig ins depressive Spektrum abgeglitten. Meine Probleme sind nicht geringer geworden, und so konsumiere ich bis heute neben viel Alkohol auch Substanzen wie Heroin, Morphium,Tramadol und Tilidin, alles Opioide, und auch bis vor einigen Monaten Doxepin das ich von meinem Neurologen bekam, wenn nichts besseres vorhanden war, um mich in den Schlaf zu "kicken". Auch erzählte ich ihm von meinem Konsum, worauf er mir , wortlos wie üblich, nur ein weiteres sehr stark wirksames Neuroleptikum (Taxilan/Perazin 300 mg/Tag!) verschrieb, das ich bereits kannte und fürchtete. Ich sollte dann ans MPI für Psychiatrie in XXX überwiesen werden, um mich medikamentös einstellen zu lassen.
Nachdem ich im Internet und anderswo gelesen hatte, dort wäre eine erfolgreiche Studie (Yassouridis/Schmauss) für depressive und psychotische Patienten mit Buprenorphin durchgeführt worden, setzte ich meine Hoffnung daran mich dorthin zu begeben und behandelt zu werden. Gut dass ich vorher noch einmal ein Telefonat mit einer dort praktizierenden Psychiaterin hatte, die ahnungslos tat was die Studie anging.
Diese Person behauptete dann, was ich mir ja vorstellen kann, dass solch eine Methode nicht Praxis sei, diese Ärztin war zudem äusserst ignorant meinen Aussagen gegenüber. Beispielsweise glaubte sie mir nicht, dass Risperidon bei mir Potenzstörungen verursachte ("das ist ein neueres atypisches Neuroleptikum bei dem solche Nebenwirkungen ausgeschlossen sind"), und sagte wenige Sätze später, dass man eine Symptomatik wie meine, sollte ich mich zu einem stationären Aufenthalt entschliessen, mit einem gut verträglichen (!) Mittel, am Besten mit Risperidon(!) behandeln würde.
Ich war jetzt seit über 3 Monaten nicht mehr bei meinem Nervenarzt, und habe versucht, mich bei einem anderen Psychiater anzumelden, von dem ich durch andere seiner Patienten erfahren habe, er sehe manches freiheitlicher.
Inzwischen ist der potente Blaumohn aus dem Sortiment der Supermärkte genommen worden. Daher muss ich mir nun auf illegale Weise, mit illegalen Opiaten, weiterhelfen.
Meine finanziellen Mittel reichen dafür aber kaum mehr aus und ich trinke längst wieder viel zuviel Alkohol...-
Gruss: XXXXXX
Anmerkung der Morphinistenseite: Obwohl in der Praxis tausendfach bewiesen, leugnen die Obermedizinmänner, all die einflussreichen Professoren der Psychiatrie unseres Landes noch stets beinhart, Opiat/Opioid eigneten sich nicht zur Behandlung psychischer Störungen. Sie empfehlen, man möge doch lieber zu einem ihrer Psychiater-Kollegen gehen und sich dort vernichtend verheerende Psychopharmaka verordnen lassen. Wir haben mit einigen dieser Professoren korrespondiert und sind dabei eindeutig zu dem Schluss gekommen, diese Leute wissen sehr wohl um die heilsame Wirkung des Opiats, aber sie wollen nicht darüber reden, vermutlich, weil sie es nicht dürfen, wollen sie weiterhin ihre Position bekleiden. Wir sind dieser Lügnerei und Herumdreherei satt und sagen: Verweigert man euch wirksame Behandlung, nehmt euch das Recht, mit den Mitteln euch selbst zu behandeln, die euch wirksam erscheinen.
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