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S U B S T I T U T I O N   I M M E R   W I E D E R . . . - 

Ich selbst bin ja (wie schon gesagt) in einer Substitutionsbehandlung. Ich hatte mir im Hinblick auf die Medikation vieles anders vorgestellt. Zum Beispiel bin ich davon ausgegangen, daß es als Substitutionsmittel nicht l-Methadon sondern Nor-Methadon gibt. Nor-Methadon wird aber garnicht mehr hergestellt. Eine Sozialarbeiterin hat mir einmal erzählt, daß in einer Teamsitzung über dieses Thema gesprochen wurde. Nor-Methadon wurde angeblich deshalb nicht als Substitutionsmittel eingesetzt, weil es 'kickt'. Es hat eine opiatgleiche Wirkung, l-Methadon hat dagegen eine nur opiatähnliche Wirkung. Das Gespräch ist allerdings schon einige Jahre her.
Zu der Zeit war das primäre Ziel noch die völlige Abstinenz.
Heute ist man zwar zu einer Konsumakzeptanz orientierten Arbeit übergegangen, hat dabei aber die Medikation nicht revidiert.
Ich bin vor ca. zehn Jahren in eine andere Stadt gezogen,-habe eine Therapie gemacht und bin 'rückfällig' geworden. Da ich fremd und wenig organisiert war, kam irgendwann der Tag an dem ich mich soweit herrunter gewirtschaftet hatte, daß ich vor der Frage stand, jetzt wieder eine Entgiftung zu machen, oder ins Methadon-Programm zu gehen.
Ich hatte mir früher (80'ger Jahre) gesagt, wenn ich jemals in das Methadon-Programm gehe, dann ist das für mich die endgültige Entscheidung 'mit' dem Opiat zu leben.
Es wäre besser gewesen, wenn ich mich vorher gründlicher informiert hätte...
Zwar habe ich, als ich die abstumpfende Wirkung des Methadons (l-Methadon oder l-Polamidon, es ist alles das Gleiche) gespürt habe, gestutzt, aber ich war in einer Notsituation, und so habe ich das Ganze erst mal 'geschluckt'. Auf welche Art und Weise die Türen zugehen würden (Initiativbereitschaft, Konzentration, Kreativität, Komunikation, Anteilnahme usw.), hätte ich mir nicht träumen lassen.
All das, was mir vorher heilig und wichtig war, verlor mehr und mehr an Bedeutung. Vorher hatte ich einen unbändigen, fast fanatischen Produktionstrieb. Meine damalige Freundin (wir hatten uns in dem Künstler-Atelier in das ich mich nach meiner Therapie eingemietet hatte kennengelernt) war ebenso 'gepolt'. Im Laufe der folgenden ca. 3-4 Monate nach Eintritt in das S-Programm verlor ich dann aber mehr und mehr das Interesse an fast allem (Freundin mitgezählt) was von Bedeutung war. Meine Freundin versuchte mich zu animieren, um mich wieder zu 'beleben', doch meine Apathie war stärker.
Anfangs bin ich auf ihre Animationsversuche noch eingegangen, doch mit dem Herzen war ich schon lange nicht mehr dabei. Ich sah, wie ihr Gesicht immer trauriger wurde, bis sie es schließlich aufgab...
Wir haben uns dann (aus Vernunftsgründen, wie man so sagt) getrennt.
Meine Freundin war nicht opiatabhängig, hatte aber nichts dagegen, daß ich Opiate nahm. Ich war agil, diskussionsfreudig und voller Ideen, und wir hatten viel gemeinsam unternommen. Ich hatte auch keinen Umgang mit Leuten von der Scene (bis auf die jeweils kurzen Kontakte die ich - nach meiner Therapie in einer fremden Stadt, um der Besorgung willen hatte).
Ich hatte mich ja schon längst von der Scene distanziert, da mir mein früherer Hausarzt sehr entgegenkommender Weise Codein verschrieb...naja.
Was ich aber eigentlich noch sagen will; - ich habe mal der für mich zuständigen Sozialarbeiterin von dieser Seite und meiner Suche nach einer qualifizierteren Behandlung erzählt, und sie sagte mir, daß sie immer bzw. erst durch entsprechende Gespräche mit mir auf den Gedanken kommt, daß es in der Substitutionsbehandlung noch viele Aspekte zu überdenken gibt.
Vielen 'Substitutions-Beschäftigten' ist garnicht bewußt, wie groß und belastend das Dilemma ist, in dem ihre Klienten stecken. Die meisten Ärzte und Sozialarbeiter scheinen der Auffassung zu sein, daß alles in Ordnung ist, wenn die Leute ihr Substitutionsmittel bekommen und weiter keine Auffälligkeiten zeigen. Und wenn Leute Auffälligkeiten zeigen (Beikonsum z.B.), dann werden sie sanktioniert.
Mein früherer Hausarzt in meiner Heimatstadt (er substituiert mittlerweile auch programmmäßig), hat sich die Mühe gemacht den Leuten, die danach gefragt haben, eine Behandlung mit Codein zu ermöglichen. Es ist also nicht unmöglich.
Wenn ich, der ich in einer Substitutions-Ambulanz untergekommen bin, das Thema anspreche, stoße ich nur auf taube Ohren.
Ich bereue inzwischen, daß ich aus meiner Heimatstadt weggezogen bin und dadurch meinen entgegenkommenden Arzt verloren habe.
Ich bereue überhaupt in eine Substitutions-Ambulanz gegangen zu sein, denn dort, auch wenn man mir gegenüber in einem gewissen Rahmen entgegenkommend ist, kann ich doch kaum auf eine bessere Behandlung hoffen.
Mit freundlichem Gruß,
twk



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