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Dr. HANNES KAPUSTE:
Wohl eine der größten Kapazitäten des Landes, auf dem Gebiet der Suchtbehandlung. Am Arbeiten gehindert durch korrupte Elemente innerhalb Wissenschaft und Rechtssprechung.


Themen:
Eugenik als Hintergrund unserer Drogenpolitik?
Böse Folgen eines BGH Fehlurteils
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Familientherapie und Schizophrenie
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Schizophrenie eine körperliche Erkrankung?
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Alchimie des Gemüts



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Hannes Kapuste


Wenn ich ehrlich bin, muß ich sagen, daß ich unser Referat über "Therapie in der Familie" (psychologie heute, Juni 74) durch die Stellungnahme von G. PETERS (psychologie heute, Sept. 74) zuerst "nicht genügend gewürdigt" fühlte, weil er gar nicht darauf einging, was wir berichtet haben. Ich machte mir dann aber klar, daß er es schon getan hätte, wenn etwas auszusetzen wäre daran. Auf diese Weise nicht "durchgefallen" danke ich ihm die Gelegenheit, auch auf der biochemischen Seite der Diskussion etwas beitragen zu können. Sie ist in der Tat interessant.

Peters stützt sein Argument, "Schizophrenie entstehe somatisch (aus körperlicher Ursache)" mit einer Reihe von genetisch-biochemischen Befunden, die beim Normalen nicht gefunden wurden. Die Befunde sind mit seinem Argument verträglich. Die gleichen Befunde vertragen sich aber auch mit dem Widerspruch: "Die schizophrenogene soziale Umgebung erzeugt im entsprechend veranlagten Menschen Reaktionen, die sogar biochemisch nachweisbar sind", so wie bei dem Bild von Henne und Ei.

Weiter kann schizophrenes Verhalten durch bestimmte Psychopharmaka (Neuroleptika) normalisiert werden, was dem Mediziner als Therapie erscheint, so lange er Schizophrenie als Krankheit versteht. Der Familientherapeut findet dagegen über das Symptom "Schizophrenie" den Weg zur Störung im System der Familien-Kommunikation. Nach seiner Intervention ist, soweit er erfolgreich ist, beides beseitigt, das Symptom beim "Patienten" und die Störung in der Familie.

Die Gabe von Schmerzmitteln bei Verdacht einer Blinddarmentzündung ist medizinisch ein Kunstfehler, weil mit den Schmerzen das für die Diagnose wichtigste Symptom beseitigt wird. In gleicher Weise beseitigen Neuroleptika das Symptom für die Erkennung der Störung in der Familie (und erfolgreiche Selbstmordversuche bei medikamentös behandelter Schizophrenie sind etwa so häufig wie Todesfälle bei nicht operierter Appendicitis).

Die Medizin hatte bisher den Krankheitsbegriff nur auf Störungen der normalen Funktionen im menschlichen Körper, nicht aber auf Störungen im System der Interaktionen zwischen Menschen angewendet. Täte sie das nun im Falle der Schizophrenie (und betrachtete die vom Familientherapeuten beobachtete "Störung" als "Krankheit") wäre auch für den Mediziner die familientherapeutische Intervention die richtige Behandlung und die Gabe von Neuroleptika der Kunstfehler, der die richtige Diagnose verbirgt.

Die Psychiater könnten allerdings "ihre Behandlung des “Patienten" stützen, wenn sie zeigten, daß "Störungen", die Familientherapeuten beheben, keine "Krankheit" sind, sondern Regelungen des Familienlebens, die aus ihrer gesellschaftspolitischen Sicht unterstützt werden sollten. Damit hätten wir aber eine politische Diskussion, in der Wissenschaftler nur Experten sind. Diese Überlegung ist keineswegs absurd und sollte vielleicht in den Diskurs aufgenommen werden. Ich will daher offen lassen, wie viele Fälle von sogenannter Schizophrenie in der Anstalt mit ihrer Behandlung eine dem Volksempfinden nach (und den Regeln des Rechts entsprechend) gerechte oder akzeptierte Strafe für das gezeigte "irritierende Verhalten" verbüßen.

Um so wichtiger scheint mir daher die Prüfung der These "Schizophrenie ist eine Krankheit des Gehirns" auf molekularbiologischer Ebene.

Alle Psychopharmaka, die schizophrene Symptome beheben, behindern unter anderem bestimmte Stoffwechselvorgange, mit deren Hilfe bestimmte Nerven des Gehirns Erregungen weiterleiten. Sie können das, indem sie mit ihrer strukturellen Ähnlichkeit zur körpereigenen Neuro-Transmittersubstanz "Dopamin" die Dopamin-Rezeptoren täuschen. Damit wird ein Teil dieser Rezeptoren falsch besetzt und fällt in der Nervenleitungskette aus (sogenannte kompetitive Hemmung). Dem entspricht die Erfahrung, daß Menschen nach der Einnahme von Neuroleptika nicht mehr so komplex denken und sich weniger gut bewegen.

Die Neuroleptika sind außerdem die besten Mittel gegen Psychosen, die nach hohen Dosen von Amphetaminen (Doping-Substanzen) auftreten und klinisch so aussehen wie Schizophrenie, so wie bei den durch geringe Ampetamindosen beim,Schizophrenen auslösbaren "psychotischen Schübe".

Nun ist in sehr exakten neurologisch-pharmakologischen Experimenten am Tier gezeigt worden, dass die zentralnervösen Nervenbahnen, deren Erregungsbereitschaft die Amphetamine steigern (z.B. beim "Doping" von Pferden), genau jene sind, in welchen die Neuroleptika über die Täuschung der Dopamin-Rezeptoren die Erregungsbereitschaft hemmen. Amphetamine und Neuroleptika sind in ihrer Wirkung also antagonistisch (gegensätzlich).

Interessanterweise ist die funktionelle Beziehung dieser Nervenbahnen zu den bei der präfrontalen Leukotomie - nach dem durch den Nobel-Preis im Jahr 1955 geehrten Egas Monitz - durchschnittenen so eng, daß auch diese chirurgische Intervention im gleichen Bezugssystem verständlich wird.

Die gedankliche Konsistenz dieser molekularbiologischen Befunde an Strukturen des menschlichen Gehirns wird überzeugend verdichtet durch unsere Kenntnisse über eine weitere Klasse von Substanzen, die in höheren Dosen Psychosen erzeugen, die - anders als bei Amphetaminen - sehr ähnlich aussehen wie die allerersten Schübe schizophrener Patienten. Sie heißen daher in der Wissenschaft "psychoso-mimetisch" oder "Halluzinogene" (Psychosen bzw. Halluzinationen erzeugend). Diese Substanzen werden im Sprachgebrauch unserer Gesetze mit anderen in die Klasse der "Drogen" geworfen, obwohl sie im Gegensatz zu Heroin oder Amphetamin in axakter pharmakologischer Sprache überhaupt nicht als Suchtmittel bezeichnet werden können. Ihre - die Wissenschaft Ende der fünfziger Jahre überraschende - Wirkung verdanken die Halluzinogene allesamt einem "Methyl"-Element, das sie in den Nervenleitungs-Stoffwechsel einbringen. Dieses Methyl sitzt genau an der Stelle einer organischen Ringverbindung, die entweder durch ein Stickstoff-Atom (LSD, Dimethyl-tryptamin) oder durch ein Sauerstoff-Atom (Cannabis, Meskalin) in ihrer Bindungsfestigkeit so gelockert ist, daß das Methyl-Element sehr leicht auf körpereigene Substanzen übertragen wird.

Genau dies aber wäre eine "Nahrung", die das Dopamin-Neurotransmittersystem, das durch Neuroleptika verlangsamt wird, wieder flott machen kann.

An diesem Punkt ist unsere Frage nach der Schizophrenie als Krankheit zu prüfen.

Wäre Schizophrenie wie der von Peters erwähnte Brenztraubensäure-Schwachsinn auf einen Enzymdefekt zurückzuführen - etwa im Abbausystem für die nervenstimulierenden Substanzen - dann wäre es medizinisch richtig, Schizophrenie als Krankheit zu verstehen. Sind aber die entsprechenden Enzyme bei jedem Menschen vorhanden, dann verstehen sich Enzym-Substratverschiebungen bei Schizophrenen in der Klinik auch als Ergebnis einer besonders ausgeprägten Beanspruchung normaler menschlicher Reglersysteme, wie z.B. die bekannnte Adrenalin-Ausschüttung, die auf ein Schreckerlebnis folgt.

In einer in Science im Juni 1974 publizierten Arbeit haben S.H. Snyder et al. Enzymsysteme dargestellt, die in der Tat bei jedem Menschen vorhanden sind und aus den körpereigenen Substanzen Serotonin und Tryptamin mithilfe körpereigener oder exogen zugeführter Methylgruppen-Spender Substanzen aufbauen, die ebenfalls "psychoso-mimetisch" wirken, indem sie die Nervenleitung in den Gehirnstrukturen verbessern, die von den Neuroleptika gehemmt werden.

"The fact that serotonin and tryptamine have been definitively shown to be converted to psychedelic-like compounds in the normal brain provokes speculation that variations in the activity of the amine-methylating enzyme play a role in mental disturbances such as schizophrenia. Instead of focusing too narrowly upon possible abnormalities of this enzyme in mental illness, we might do better to consider its potential role in normal mental functioning. The mental state elicited by psychedelic drugs is one of greatly enhanced perception of oneself and one's environment. Similar states occur during mystical and religious introspection and when an individual is profoundly moved by emotions or external events (79). Perhaps methylated amines normally function in modulating people's level of "internal" and "external" perception.

S.H. SNYDER et al. "Drugs, Neurotransmitters, and Schizophrenie" Science, June 1974, 5. 1243 - 1253; 1515 Mass. Ave., Washington, D.C. 20005

Die psychopharmakologische Forschung hat damit eine Entdeckung gemacht, die unser Verständnis für ein Reglersystem im menschlichen Bio-Computer molekularbiologisch vertieft, ohne allerdings die traditionell-psychiatrische These von der Schizophrenie als Krankheit einseitig zu stützen.

Die Alchimie des Gemüts kennt demnach zwei gegensätzliche Richtungen: die Bewußtseins-Dämpfung durch Neuroleptika und die Bewußtseins-Erweiterung durch Halluzinogene. Beide zusammen ergeben ein “pharmakologisches Steuer” für Bewußtseinsvorgänge, das dem entdeckten körpereigenen Steuersystem nach Snyder et al. sehr ähnlich ist. Dieses biochemisch verständliche Modell von der Schizophrenie ist in allen Punkten' sehr gut belegt. Ob es tatsächlich bei Schizophrenie eine Rolle spielt, wird man erst in einigen Dezennien entscheiden können, wenn die Funktionen des Gehirns biochemisch so gut gesteuert werden können wie z.B. der Zuckerhaushalt beim Diabetiker heute.

Jeder Diabetiker wäre froh, wenn seine Bauchspeicheldrüse so gut funktionierte wie das Gehirn des sogenannten Schizophrenen, denn seine Diät ist auf die Dauer wie eine Strafe der Natur. Vielleicht wird man dem Diabetiker bald einen Computer ins Pankreas bauen, der sein synthetisches Insulin so freigeben kann, wie es der Anmarsch der Zucker im Zwölffingerdarm im Verhältnis zu ihrer Konzentration im kreisenden Blut gerade verlangt. Etwa dann, glaube ich, wird man auch die Computer für die wissenschaftliche Regelung der Dopamin-Nervenleitungssysteme haben und die Alchimie des Gemüts in den Rang einer wissenschaftlich begründeten Therapie erheben können.

Die Familientherapeuten vertrauen heute ihrer persönlichen Intervention mehr als der psychopharmakologischen Regelung, obwohl sie praktisch alle Ärzte sind und durchaus rezeptieren können. Der Grund liegt auch für den Pharmakologen klar auf der Hand: sie dürfen bisher keine Halluzinogene verschreiben. Wer wollte mit einem Auto fahren, dessen Steuer nur nach rechts drehbar ist?!

Es ist ein für die wissenschaftliche Welt des heutigen Westens merkwürdiger Umstand, daß die Erforschung der Halluzinogene der Wissenschaft nicht mehr a priori freisteht. Sie bedarf einer Genehmigung der Behörden, die nur selten erteilt wird. In den Vereinigten Staaten wurde die Weiterführung erfolgreicher Untersuchungen verboten.

So wurde die Wissenschaft vom Politiker angehalten. Die systematische Untersuchung der psychopharmakologischen Steuerung des Menschen in eine von der Natur selbst angelegten Richtung muß warten, während die Gesundheitsbehörden - das muß man hinzufügen - die Öffentlichkeit in ihren Aktionen falsch über Halluzinogene und ihre erwiesenen Wirkungen informieren. Auch der gebildete Laie wird daher heute nur selten zutreffende Vorstellungen darüber haben können. (Die Jugend, aber auch Propagatoren der "psychodelischen Erfahrung" nehmen in der Regel höhere Dosen dieser Substanzen als einer optimalen Steuerung der Gehirnfunktion dienlich sein kann.)

Auf der öffentlich geförderten Seite der Alchimie des Gemüts habe ich - das muß ich gestehen -nur beschränkte Erfahrungen. Bisher konnte ich mich noch nicht dazu überwinden, Neuroleptika selbst einzunehmen, und kenne keine publizierten Erfahrungsberichte von Menschen, denen sie vom Psychiater verordnet wurden. In meiner Darstellung bin ich daher angewiesen auf Berichte meiner Patienten und Beobachtungen in ihren Familien.

Die Frage nach Neuroleptika ist meist meine erste, denn noch bevor der psychiatrische Patient etwas sagen kann, sehe ich seinen unsicheren Gang und sein eigenartiges Lächeln. Der Effekt ist so deutlich, daß wohl jeder Arzt sagen könnte, er erkenne eine Schizophrenie heute sofort an den Wirkungen der Medikation.

Die Familie bestätigt mir dann die Mängel der psychopharmakologischen Therapie - bisher ohne Ausnahme - durch die strikte Weigerung von Vater und Mutter, die Medikamente einmal selbst zu versuchen. So wird allen klar, daß die Arbeit beginnt mit dem Absetzen der Neuroleptika.

Die Konflikte in schizophrenogenen Familien sind komplex und auf vielfältige Weise subtil verborgen. Auch machen die Familienmitglieder mit ihren "raffinierten Tricks" nicht vor dem Therapeuten halt. Daher ist es auch für den Erfahrenen schwer, unter den oft dramatischen Umständen zu Beginn, schnell und komplex genug zu verstehen.

In dieser Situation ist eine Modellvorstellung von R. Fisher für ein Verständnis der Schizophrenie von so großer praktischer Brauchbarkeit, daß ich hier kurz darüber berichten will.

Fisher untersuchte "die biologische Struktur der Zeit" mit Psilocybin (einem Halluzinogen aus mexikanischen Pilzen). Subjektiv fand er bei den Probanden regelmäßig eine Überschätzung der Dauer der abgelaufenen Zeit (Sekunden scheinen Minuten), objektiv, mittels Schreibtests, eine Steigerung des Daten-Anfalls im Bewußtsein (Verbesserung der Nervenleitung im Dopamin-Systern) und als beobachtender Nervenarzt und Psychologe zwei deutlich verschiedene Zustandsbilder, die er "kreativ" oder "schizophren" nannte, weil sie für ihn von den gleichnamigen und natürlich entstehenden Zuständen nicht unterscheidbar waren.

Seine Schreibtests erlauben eine, weitere Unterscheidung zwischen der Menge des Daten-Anfalls und der Menge der Daten-Verarbeitung im Bewußtsein, mit deren Hilfe er kreative und schizophrene Zustände differenzieren konnte. Kreativität war so charakterisiert durch das Mithalten der Daten-Verarbeitung mit dem gesteigerten Daten-Anfall, während schizophrene Zustandsbilder von einem Zurückbleiben der Daten-Verarbeitung begleitet waren. Er nannte den schizophrenen Zustand "the jammed Computer state of mind" (System-Zusammenbruchs-Stadium des Geistes).

Dieses Bild von dem primären Verwirrungszustand, der zweifellos oft als Beginn einer schizophrenen Psychose gedeutet wird, ergibt eine Erklärung der so entscheidenden Frage, warum in einer schizophrenogenen Familie Psychosen "natürlich" entstehen, während man sonst zu ihrer Erzeugung Halluzinogene benötigt: "Die Dichte der ambivalenten Informationen (double binds) in diesen Familien ist so groß, daß die im Bewußtsein des Betroffenen ausgelösten zirkulären Assoziationen (unentscheidbare Fragen) die normale menschliche Speicherkapazität für Erkenntnis der Gegenwart (160 bits nach H. Frank. Kybernetische Grundlagen der Pädagogik. Agis Verlag 1969) überfordern." Da die Situation dem Betroffenen bedrohlich erscheint, erlebt er als Mensch diesen "black out" in Form einer Panik, die vom Psychiater nur bei umfassender Betrachtung der verwirrenden Menge aller expliziten und implizierten Informationen richtig erklärt werden und bei falscher Behandlung in den bekannten Verlauf einer Schizophrenie führen kann.

Im Computer-Zentrum behandelt man einen System-Zusammenbruch nach der Regel: "alles ausspeichern und sorgfältig wieder einspeichern", und der Computer läuft. Der menschliche Bio-Computer läßt sich zufriedenstellend entspeichern durch "ausreichend viele sensorische "Inputs" und motorische "Outputs" mit anschließendem Schlaf bis zum nächsten Morgen". Es gibt nämlich eine physiologische Regel, nach der geistige, sinnliche und Bewegungs-Aktivitäten beim Menschen miteinander ein Maximum ergeben, das vom Normalen nicht überschritten werden kann. Daraus ergibt sich eine "erste Hilfe" beim plötzlichen "Durchdrehen" eines Menschen in familiären Konflikten, die ein beherzter Außenstehender und der hinzugerufene praktische Arzt der Familie überwachen können:

"Sensorische Inputs" heißt in der Familie z.B.: feste Umarmung oder Rücken reiben, Tränen oder kaltes Wasser und Schreien oder Lachen. "Motorische Outputs" heißt z.B.: mit den Brüdern Wettlauf ums Haus, mit den Schwestern Raufen ums Bett, von den Eltern Kopfwaschen mit scharfer Seife und Musizieren im Wohnzimmer. "Anschließender Schlaf" heißt z.B.: Valium für alle, die Angst haben, ein oder zwei gute Nachbarn ins Haus, eine ausführliche Speisefolge direkt aus dem Vorratsschrank in der Küche, Licht aus bei offenen Türen und einer Lampe für den wachenden Nachbarn im Wohnzimmer.

Sehr umfangreiche ärztliche Erfahrungen von anderen und von uns erweisen so den Menschen in einer Psychose auf der Grundlage aller hier mitgeteilten Fakten als normal durch den Erfolg der Anwendung alter physiologischer Regeln.

Wer als Arzt solche menschlichen "Nerven-Zusammenbrüche"besser verstehen will, kann einer pharmakologischen Empfehlung folgen, die hier im Wortlaut zitiert werden soll:

"Die Fähigkeit (von LSD) experimentelle Psychosen im Menschen zu erzeugen macht es möglich, diese Zustände noch präziser und besser kontrolliert zu studieren als die natürlich entstehenden. Auch Medikamente, die antagonistisch oder potenzierend auf den psychotischen Zustand wirken, kann man untersuchen. Darüber hinaus sind Psychiater in der Lage, einige der Gefühle der Patienten während einer psychotischen Episode für sich selbst zu erleben, wobei das entstehende Verständnis sich bei der Schulung von Psychotherapeuten nützlich erweisen könnte." (GOODMAN und GILMAN, "The Pharmacological Basis of Therapeutics", New York 1965, S. 207 - Übersetzung vom Verfasser)

Die Erfahrungssammlung auf der Basis von Selbstversuchen - zum Verständnis dieser intrapsychischen Zustände das Mittel der Wahl - kann dem Wissenschaftler im Rahmen unserer Verfassung nicht verboten werden.

Wem dieser Weg zu beschwerlich erscheint kann über eine Aufsatzsammlung von Jay HALEY (“Die Kunst schizophren zu sein.” in: Die Jesus-Strategie. Die Macht der Ohnmächtigen. Carl-Auer-Systeme ISBN 3-89670-294-7) eine der interessantesten Entdeckungen dieses Jahrhunderts besser verstehen lernen, nämlich: daß Schizophrenie nicht die Folge einer medizinisch erfaßbaren Krankheit ist, sondern das Erscheinungsbild einer besonders hohen Begabung und Einsatzkraft in einer besonders verfahrenen sozialen Situation.

Soweit die bildhaft verkürzte Darstellung einer Zusammenschau von familienärztlicher Erfahrung mit den Ergebnissen der naturwissenschaftlich forschenden Medizin - mit einer Empfehlung an die Politiker Deutschlands, die gerade größere Investitionen in die Stätten der institutionellen Psychiatrie planen: Gebt den Gutachtern ein Jahr Bedenkzeit!


Alle rechte: Psychologie heute & Dr. Hannes Kapuste


mailto:hannes.kapuste@t-online.de


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