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Dr. HANNES KAPUSTE:
Wohl eine der größten Kapazitäten des Landes, auf dem Gebiet der Suchtbehandlung. Am Arbeiten gehindert durch korrupte Elemente innerhalb Wissenschaft und Rechtssprechung.


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Histamin und die Methadonbehandlung

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Histamin und die Methadonbehandlung
von Hannes Kapuste
Die begründeten Sorgen um die Verbreitung von Aids durch unsterile Spritzen und Prostitution zur Finanzierung illegaler Opiate führt nun auch in den deutschsprachigen Ländern dazu, Methadon wieder als Mittel der Suchtbehandlung in Betracht zu ziehen (1). Dabei steht nach den allgemein schlechten Erfahrungen mit den Methadon-Entzugsprogrammen die Metadon-Erhaltungsbehandlung im Vordergrund der Überlegungen, und damit in Zusammenhang die Tendenz zu Ambulatorien, die erst geschaffen werden müßten. Wegen der daraus folgenden Verzögerung der Behandlung des Einzelfalls einerseits und der in den Methadon-Erhaltungsprogrammen andererseits oft beobachteten Entwicklung von Alkohol-Barbiturat-Abusus werden sich weitere Probleme ergeben. Dies gibt neueren biochemischen Befunden und Überlegungen ein pragmatisches Gewicht, weil sie wieder einen Ausweg eröffnen, eben doch mit Methadon-Entzugsbehandlungen in der ärztlichen Praxis Erfolg zu haben (2). Ganz im Gegensatz zu den bisherigen Gerichtsurteilen ist die gesetzliche Grundlage dazu - anders als in den USA, wo Methadon den Status eines “investigational drug” besitzt - seit eh und je gegeben, wie u. a. auch In Holland und in Großbritannien. Keineswegs jeder, der Heroin probiert und auch körperlich davon abhängig wird, gelangt in die Gruppe der Süchtigen, die aus eigener Kraft nicht mehr loskommen können. Für diese Entwicklung scheinen vielmehr individuelle Stoffwechselstörungen entscheidend zu sein, für die bekannte pharmakologische Eigenschaften von therapeutischer Bedeutung sind (2). So spielt unter anderem die antipsychotische Wirkung der Opiate eine Rolle, die durch deren Dopamin-Antagonismus erklart werden kann (3). Über den weniger bekannten Antagonismus zu Histamin, einem weiteren Neurotransmitter, der psychotische Episoden regulieren kann (4), führt die langfristige Methadonbehandlung dann zu einem Punkt, von dem der Weg zurück nicht mehr ohne weiteres gangbar ist. Die praktische Bedeutung solcher Überlegungen zeigt die Uberprüfung des Histaminstatus von Heroin-Süchtigen, die über längere Zeit mit Methadon behandelt worden waren. Sohler und Pfeiffer haben seit langem eine sehr enge Beziehung zwischen der Anzahl der Basophilen und Histamin im peripheren Blut nachgewiesen (R = 0,86), die man sich für solche Untersuchungen zunutze machen kann (5). Die folgende Abbildung zeigt, daß von 195 Methadon-erhaltenen Patienten in meiner Münchener Praxis 93% histapenisch waren - der Normalwert der Basophilen liegt zwischen 30 und 50 pro mm3 Blut.

ABBILDUNG: Anzahl von basophilen Granulocyten pro mm3 Blut als Indikator für den Histamin-Status bei 195 ehemals herolnsüchtigen Patienten nach längerer Methadon-Erhaltungsbehandlung (Vergleiche Sohler und Pfeiffer 1984 (5))



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Daß Opiate, einschließlich Methadon, die Histaminwerte senken können, ist allgemein bekannt. Nach Untersuchungen von Chronister und De France (4) modulieren Dopamin und Histamin miteinander die afferente Aktivität des nucleus accumbens im Hippokampus. Dabei kann sowohl ein Dopamin-Überschuß wie auch ein Histaminmangel zu der für Schizophrenien typischen Unfähigkeit führen, nicht relevante Ideen und Überlegungen zu unterdrücken. Daß Histaminmangel (aber auch Histamin-Überschuß) tatsächlich Schizophrenien erzeugen kann, ist auch schon des längeren bekannt (7). Nun haben neuerdings Helleniak et al. Eine enge Parallelität zwischen Histamin und Prostaglandin aufgezeigt (8), die in unserem Fall von großem Interesse ist, weil sie zu einem Verständnis des bekannten Alkoholproblems von Methadon-Abhängigen führt und daher einen Ausweg zeigt, der bisher nicht gegangen wurde.

Man weiß, daß Alkohol die Histaminwerte ansteigen läßt und kann also verstehen, daß Methadonabhängige mit Histaminmangel eine Erleichterung ihrer Symtome erleben, wenn sie zu dem Methadon, das die Histaminwerte senkt, zusätzlich Alkohol einnehmen. Dazu kommen bei der bisher propagierten kontrollierten einmaligen Tagesdosis von Methadon zwei weitere Effekte. Die Wirkungshalbwertzeit von 15 Stunden bei Methadon (9) führt natürlich zu einer relativen Unterdosierung spät am Abend, was zu Schlafstörungen führen und den Alkohol-Barbiturat- Abusus fördern kann. Nach der morgendlichen oralen Applikation von Methadon steigert Alkohol sehr deutlich die Resorptionsgeschwindigkeit. Damit Ist die empirische Erfahrung des massiven Alkoholmißbrauchs in Methadon-Erhaltungsprogrammen (10) zumindest hypothetisch erklärt.

Der Ausweg aus diesem Dilemma liegt erstens in der pharmakologisch angemessenen und gesetzlich vorgesehenden (11) Verschreibung von l-Polamidon bzw. die dreimalige tägliche Anwendung zur Vermeidung der großen Tagesschwankungen. Dazu kommt zweitens die möglichst frühzeitige schrittweise reduzierende Detoxifikationsbehandlung von Süchtigen durch niedergelassene Arzte vor Eintreten der beschriebenen Nebenwirkungen des chronischen Opiatgebrauchs. Drittens sollte die langfristig hochdosierende Methadon-Erhaltungsbehandlung wenn irgend moglich zugunsten einer Polamidon-Entzugsbehandlung vermieden werden. Viertens schließlich geht es um die Förderung der Entziehbarkeit der Opiatabhängigen im Stadium des Histamin-Mangelsyndroms durch einbiologisch begründete Begleitbehandlung. Dazu gehört erstens die von C.C. Pfeiffer beschriebene Behandlung der histapenischen Schizophrenie mittels Folsäure, Niacin, Vitamin B12, Tryptophan und allgemein proteinreicher Diät (12) und zweitens die von Horrobin be schriebene Alkoholismusbehandlung mit Zink- (und Mangan-) Salzen, Vitamin B6, Vitamin C und ungesättigten Fettsäuren von der gamma-Linolensäure (Nachtkerzenöl) bis hin zu den omega-3-ungesättigten Fettsäuren, die die überschüssige Produktion der Arachidonsaure und der Prostagtandine der E-2-Serie behindern und die der E-1-Serie fördern können (13). Außer weiteren Aspekten der Heroinsucht-Behandlung gibt es noch viele gute Gründe weit allgemeinerer Art für den Therapie-engagierten Arzt, den hier nur skizzierten Zusammenhängen genauer nachzugehen.

Literatur:

1) FAKULTÄTSGUIACHTEN der Wiener mediznischen Fakultät, Wiener Zschr. f. Suchtbehandlung Nr. 1/2 1986;
Der Minister der Landes Nordrhein-Westfahlen für Arbelt, Soziales u. Gesundheit: Symposium am 16. u. 17. Oktober 1986 in Düsseldorf.
... "Werbung für Methadon", Neue Zürcher Zeitung vom 29./30.3.1987, S. 29
2) Kapuste, H.: Wiener Zschr. f. Suchtbehandlung, Nr. 1/2 1986, S. 77 ff
3) Lal, H.: Life Sciences, 17, 483ff, 1977
4) Chronister, R. et al.: Med. Hypoth. 9, 1592
5) Sohler et al.: J. Orthomol. Psychiatry 3, 1984
7) C. C. Pfeiffer et al. In Hawkins et al. Orthomolecular Psychiatry. San Francisco 1973
8) Helleniak et al.: J. Orthomol. Psychiatry S. 162 ff, 1985
9) Jaffe, J. In Goodman & Gilman: The Pharmacological Basis .., New York 1975
10) Preble E. et al.: Sage Anal Rev of Drug and Alkohol Abuse, Vol. 1, P. 229 ff, 1977
11) Betäubungsmittelverschreibungsverordnung der BRD
12) C.C. Pfeiffer: Nährstofftherapie bei Geisteskrankheiten, Heidelberg 1986
13) Horrobin D. Med. Hypotheses 6, 929 - 942, 1980

Institut für Ausbildungsforschung, Hufnagelstr. 1, 80686 München 1987
Telefon: 089 5476 30-20, Fax -21, mailto:hannes.kapuste@t-online.de

Dr. med Hannes Kapuste



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