Startseite Zur 2. Morphinistenseite WEGWEISER RECHTLICHES VORWORT DER MORPHINIST DAS MORPHINISTISCHE MANIFEST Dr. HANNES KAPUSTE AXEL JUNKER KARLOS & Co. ERFAHRUNGEN KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN ANTIQUARIAT RECHT, POLITIK, WISSENSCHAFT UND MEHR.... SOZIAL & POLITISCH KRITISCHES GEMISCHTES GEDICHTE & PROSAISCHES BRIEFE SUCHEN

Dr. HANNES KAPUSTE:
Wohl eine der größten Kapazitäten des Landes, auf dem Gebiet der Suchtbehandlung. Am Arbeiten gehindert durch korrupte Elemente innerhalb Wissenschaft und Rechtssprechung.


Themen:
Eugenik als Hintergrund unserer Drogenpolitik?
Böse Folgen eines BGH Fehlurteils
Menschen, die keinen Arzt mehr finden.
Die verborgene Norm
Familientherapie und Schizophrenie
Therapie in der Familie
Schizophrenie eine körperliche Erkrankung?
Familientherapie und Psychiatrie
Alchimie des Gemüts
LSD gilt nicht als Heilmittel
Medizinisch nutriologische Grundlagen
Risikoträchtige Relikte
Histamin und die Methadonbehandlung
Medizinische Differenzierung Heroinsuchtproblem
ZUR PSYCHOLOGIE DER SUCHT
Persönlichkeit und Herkunft Heroinabhängiger
Aufschlussreicher Briefwechsel
Der verheerende Einfluss des Patentrechts
Pointierte Thesen und Tatsachen zum Heroin Problem
Das Geheimnis der sogenannten Heroinsucht
Pyrrolurie - Vit. B6 & Zink
Neuroleptika im Vergleich zu "Drogen"


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LSD gilt nicht als Heilmittel

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Liebe Gäste.
Hierbei handelt es sich wohl um die
ausführlichste und aufschlussreichste
Arbeit in Deutscher Sprache über die
Materie LSD.
INTRACEREBRAL.EU
Die Morphinistenseite



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I N H A L T S V E R Z E I C H N I S 

1. ALLGEMEINE LITERATUR
1 Notierte Verwendungen
2 Standard der Pharmakologie
3 Ausbildung von Psychotherapeuten

2. DER WEG ZUM KAVALIESDELIKT
1 Das Fehlen des legalen Weges
2 Indianische Erfahrung
3 Direkte Vorbilder

3. EIGENE LSD ERFAHRUNG
1 Vorüberlegungen
2 Der illegale Erwerb
3 Die achtel-Einheit
4 Anmerkung zum Thema
5 Verrückt sind Verrückte
6 Die Last der Verschwiegenheit

4. QUALITÄT DES BEWUSSTSEINS
1 Kulturelle Bedeutung
2 Es kommt auf die Umstände an
3 LSD moduliert die Wahrnehmung
4 Transmitter-Beschleunigung

5. INFORMATIONSTHEORIE
1 Gegenwartsdauer
2 Kapazitäten der Sinne
3 Kapazität des Bewußtseins
4 10 Sekunden rückwärts hören
5 Verschiedene Gedächtnisformen

6. BIOLOGISCH VERSCHIEDENE SPECIES
1 Gedächtnis-Qualitäten
2 Das Kurzzeitgedächtnis
3 Die "Pyrrolurie"
4 Die "photographische" Komponente
5 Die "sinnvolle" Komponente
6 Redundanz und rote Fäden
7 Die "Rush-Intelligence"
8 Sensibilitäts-Unterschiede
9 LSD und verschiedene Species

7. ZURÜCK ZU DEN LSD VERSUCHEN
1 Die biologische Uhr
2 Bewußtseinserweiterung
3 Subspecies R im Achtelbereich
4 Synästhesien
5 Erklärung der Zeit-Verschiebung
6 Phänomenale Verschiedenheiten
7 LSD war für mich nicht psychotogen
8 "Wahnsinn" ohne Krankheitswert
9 Kein Systemzusammenbr. b. Species R
10 Der antipsychotische Dosisbereich

8. PSYCHOSE - ERFAHRUNG OHNE LSD
1 Schizophrenie als Experimentierfeld
2 Emotional ästhetische Dissonanz
3 Konkrete Vorbereitungen
4 Der black out meines Lebens
5 Was im black out alles passierte
6 Des Experiments 2. Teil
7 Exkurs: Pädagogik der Sauberkeit
8 Der unerklärbare Phasenwechel
9 Kotschmieren als Katastrophe
10 Psychedelische Wirkungsdauer
11 Ein Modulatorenpaar

9. LITERATUR ÜBER LSD THERAPIEN
1 Zum Zeitpunkt der Sammlung
2 LSD, Mescalin und Psilocybin
3 Wirkungs-Beschreibungen
4 Psychotherapie mit LSD
5 Behandlung von Alkoholikern
6 Religiöse Erfahrung
7 Kreative Lösung von Problemen
8 Gefahren der LSD-Behandlung
9 Publizität bei Laien
10 Desinformation und andre Maßnahmen
11 Die Lizenzen für Ärzte
12 Vergleich der Gefahren
13 Woher der Eifer?

10. DAS PROBLEM MIT DER ILLEGALITÄT
1 Die Versuchung des Wissenwollens
2 Die Selbstanzeige
3 LSD ist kein Suchtmittel
4 Paradox pädagogische Wirkung
5 Systematische Eskalation
6 Die ärztliche Schweigepflicht
7 Legalität als Voraussetzung
8 Professionelle Nachspiele
9 Die Regierung von Oberbayern . .

11. LSD REFERENZEN
Nachtrag: 1974-1980

ANMERKUNGEN & LITERATUR

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L S D GILT NICHT ALS HEILMITTEL



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1 .   A L L G E M E I N E       L I T E R A T U R 

1_Notierte Verwendungen

konfliktinduziertes Verhalten.

Für LSD ist keine klinische Indikation gegeben. Nach einer Abbildung von Detre et al. (Siehe oben) bewirkt das "halluzinogene" LSD Euphorie, wirkt sympathomimetisch und im EEG erregend und gegenüber Analgetika und Serotonin antagonistisch, hat also keine bedenklichen Nebenwirkungen.
Morphin wird hier als Schmerzmittel - für depressive Störungen und Schizophrenie aber nicht - notiert. Nach Abb. 1 gehört es ebenfalls zu den Mitteln mit euphorischer Wirkung und nach den übrigen Abbildungen hat es außerdem sympathomimetische Wirkungen und normalisiert sind Parkinsonismus, Verstärkung von Anästhetika, blockierende oder gemischte Effekte auf das EEG, sympatholytische und parasympatholytische Wirkung, Sedierung, Inhibition spezifisch konditionierter Vermeidungsreaktionen, Zähmbarkeit von Tieren und Normalisierung von konfliktinduziertem Verhalten notiert.

Die Mittel gegen depressive Störungen (MAO-Inhibitoren und Imipramin und Amitryptilin) sind (wie LSD und Morphin) alle sympathomimetisch. Die MAO-Inhibitoren wirken (wie LSD) im EEG erregend und gegenüber Analgetika antagonistisch und Amitryptilin und Imipramin erzeugen (oder erleichtern) Krämpfe, haben partiell blockierende oder gemischte Effekte im EEG, potenzieren Analgetika und sind parasympatholytisch.

Damit scheint die Frage, warum Opiate und "Halluzinogene" durch Gesetz und Gesundheitsbehörden kontrolliert worden sind, weniger auf störende Nebenwirkungen, sondern darauf hinauszulaufen, daß Morphin und die Halluzinogene (LSD nur partiell) Naturprodukte sind, die neben ihrer möglichen antidepressiven oder antipsychotischen Wirkung eine Euphorie und damit ein besonderes Verlangen (Opiate wegen der sich entwickelnden Toleranz und Abhängigkeit auch Sucht) erzeugen können.

So darf der Arzt Opiate nur bei schweren Schmerzen und auf Rezepten verschreiben, die besonders gegen Fälschung gesichert sind. Für "Halluzinogene" gibt es, so sieht es zunächst aus, keine therapeutische Verwendung.

2_Standard der Pharmakologie

Auch das internationale Standardwerk der Pharmakologie von Goodman & Gilman, und da das Kapitel von Jarvic (19651) über Medikamente, die bei psychiatrischen Störungen verwendet werden, kennt für LSD keine psychiatrische Indikation.

Da dieses Lehrbuch unter Pharmakologen als das einzig verläßliche gilt (Kuschinsky et al. 19742), mußte also ein Mediziner, der sich auf einem hohen Standard in der allgemein medizinischen und der speziellen psychiatrischen Literatur informiert hatte, davon ausgehen, daß es keine therapeutische Verwendung für LSD gibt. Davon war auch ich zunächst überzeugt.

3_Ausbildung von Psychotherapeuten

Anders verhält es sich mit dem Gewinn therapeutischer Einsichten durch eine experimentelle LSD-Psychose. Die (S. 28) bereits im Wortlaut zitierte Bemerkung von Jarvik (in Goodman & Gilman) über LSD ist eine intellektuell und ethisch solide, nicht aber direkt therapeutische Indikation.

Wer in den 60er Jahren in München studierte, konnte leicht erkennen, daß eine Reihe von Psychotherapeuten durch experimentelle Verwendung von LSD bei sich und anderen besondere Einsichten gewonnen hatten (Marseille3). Wer damals - wie ich - in psychoanalytischer Ausbildung war, konnte darüber hinaus erfahren, daß in Bezug auf die therapeutische Verwendung von LSD verschiedene Meinungen zu finden waren (Otto4).

Während so deutlich schien, daß die therapeutische Verwendung von LSD zumindest große Schwierigkeiten mit sich bringen kann, war die Verwendung zum Gewinn von psychiatrischen Einsichten in psychotische Probleme unbestritten. Jedenfalls bestätigte mir das jeder Arzt, der LSD genommen hatte.






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2 .   D E R     W E G     Z U M     K A V A L I E S D E L I K T 

1_Das Fehlen des legalen Weges

Nach einer Phase relativ großer experimenteller Freiheiten war LSD, das wußte man schon Mitte der 60er Jahre, allgemein verboten worden. Parallel dazu wurden die Ärzte, die einen Bezugschein hatten, im Umgang damit immer vorsichtiger, und es war vorauszusehen, daß niemand sich bereit finden würde, bei mir - mit der familiären Belastung - mit LSD eine Psychose herzustellen.

Da der Arzt LSD im Prinzip auf Bezugschein bekommen konnte, gab es formal noch einen legalen Weg, der aber kaum zu beschreiten war, denn man war ja gerade dabei, auch den experimentellen Gebrauch zu reduzieren. Zwar behielten die Ärzte formal ihre Bezugserlaubnis, bekamen aber kein LSD (aus der Tschechoslowakei), weil die Handelserlaubnisse eingezogen wurden, ja selbst die Ärzte, die einen Vorrat hatten, reduzierten ihre Arbeit mit LSD wegen der Bedrängnisse, in die sie gebracht wurden.

2_Indianische Erfahrung

Mein Anliegen war die psychotherapeutische Behandlung der Schizophrenie in privater Praxis (Vergleiche S. 47f). Eine für dieses Ziel besonders wichtige Begegnung in Amerika war die mit Carolyn Atneave und Ross Speck (S. 14f und 48).

Carolyn Atneave war die Tochter eines gemischten Paares und hatte nicht nur indianisches Blut, sondern persönliche Erfahrung in indianischen Lebensgemeinschaften. Inzwischen Professorin der Soziologie an der Harvard University, behandelte sie selbst keine Psychosen, konnte aber höchst interessante transkulturelle Erfahrungen vermitteln.

Zu diesen Erfahrungen gehörten die in der indianischen Kultur geübten Riten der Erzeugung und Aulösung von Zuständen, die der psychiatrischen Vorstellung von Psychosen entsprächen. Und dabei wurde unter Umständen alles verwandt: Kommunikation, körperliche Anstrengung und Halluzinogene.

Carolyn hatte mit Ross Speck eines der für mich interessantesten Bücher geschrieben ("Family Networks" (S. 20 unter 31b) und mir sehr dazu geraten, diesen aufzusuchen, weil er mit Psychosen in freier Praxis die größten Erfahrungen hatte. Also machte ich von ihrem Büro in Cambridge aus einen Termin mit ihm in Philadelphia.


3_Direkte Vorbilder

Dieser Besuch war sehr eindrucksvoll. Ross Speck sagte mir, daß er in seinem Klientel ungefähr 120 als psychotisch klassifizierte Patienten außerhalb der Klinik halten könnte. Er schilderte mir seine Arbeitsweise und besprach die verschiedensten Möglichkeiten der Therapie psychotischer Störungen mit mir.

Einer der interessantesten Aspekte dieses Gesprächs war der Umgang von Ärzten, die Schizophrenien behandelten, mit LSD. Ich war darüber schon damals ganz gut informiert, hatte aber nicht sehr viele Arbeiten über Psychotherapie mit LSD gelesen.

Ross Speck ließ keinen Zweifel daran, daß die persönliche Erfahrung mit LSD ein Schlüssel für das Verständnis von Psychosen und den persönlichen Umgang mit psychotisch Gestörten ist. Er war auch davon überzeugt, daß praktisch alle, die mit einer interaktiven Psychotherapie bei Psychotikern beschäftigt waren, selbst Erfahrungen mit experimentellen Psychosen gemacht hatten.

Das bestätigte sich auch auf meiner weiteren Reise. Der Gebrauch von LSD, dessen Kauf und Verkauf auch in den USA damals schon verboten war, war unter diesen Ärzten ein Kavaliersdelikt5, und niemand stellte fest, ob die Vorräte noch die legalen waren oder vielleicht schon illegal erworben.







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3 .   E I G E N E     L S D     E R F A H R U N G 



1_Vorüberlegungen

Da ich auf dieser Ebene keinen persönlichen Lehrer hatte und die angestrebte Psychose auch heil und ohne Einlieferung überstehen wollte, mußte ich mir Gedanken darüber machen, worauf ich achten mußte.

In diesem Zusammenhang eindrucksvoll war die Lektüre der Bücher von drei Autoren, von denen man wußte, daß sie LSD genommen haben (RD Laing) oder die darüber schrieben (Timothy Leary, John D Lilly). Nach meiner Beobachtung gab es in deren Lebenswerk einen relativ plötzlichen Bruch, zum Teil von einem Kapitel zum nächsten, mit Verlust des normalen Urteilsvermögens (von dem ich gerade nicht annahm, daß ich das vom normalen Standpunkt aus falsch beurteile). Diese Autoren haben offenbar für eine längere Zeit einen Schaden gehabt, was mir in Bezug auf RD Laing von seinen Kollegen und in Bezug auf John D Lilly von Freunden auch bestätigt wurde.

Vielleicht doch zu spekulativ führte ich das auf zu hohe Dosen oder zu häufigen Gebrauch von LSD zurück und beschloß daher, sehr vorsichtig mit meiner Dosierung umzugehen.

2_Der illegale Erwerb

Da ich später im Interesse der Sache eine Selbstanzeige erstattet habe und dann "wegen Erwerb einer nicht mehr feststellbaren Menge von LSD" eine Strafe von DM 500.- bezahlen mußte, kann ich hier ohne weiteres befürchten zu müssen, davon sprechen, daß ich LSD illegal erworben habe.

Beim Erwerb von LSD gab es wenig begleitende Kriminalität, wie ich sie später bei Opiaten kennenlernte. LSD ist eine sehr delikate Substanz, bei der es um Brucheile von milligramm geht (ein "trip" liegt zwischen 100 und 300 mikrogramm). Also muß schon bei der Herstellung eine Analysenwaage benutzt werden, mit der etwa 1000 mal so genau gearbeitet wird wie beim Abwiegen von Heroin.

Dennoch gibt es Chargen-Unterschiede, so daß man im Interesse einer zuverlässigen Dosierung am besten nicht einzelne "trips", sondern eben "eine nicht mehr feststellbare Menge" aus zuverlässiger Quelle erwirbt, was für lange Zeiten in den meisten Hochschul-Städten kein schwer zu lösendes Problem gewesen ist.


3_Die Achtel-Einheit

Um die Wirkung des einzelnen Trips in meiner Charge sicher kennenzulernen, löste ich einen Trip in Wasser, das ich dann genau in acht Teile teilte und erst nur einen davon schluckte.

Geschätzt nach einer späteren Erfahrung mit genau 100 mikrogramm pharmazeutischem LSD bei Professor Bastiaans (19826) müßte die Achtel-Einheit einer Dosis aus meiner Charge etwa 25 von 200 mikrogramm gehabt haben.

Diese Dosis zeigte bereits eine unverkennbare Wirkung. (Zum Vergleich wären 25 mikrogramm nur der 4 000ste Teil einer Schlaftablette (Luminal 0.1g).
Es lohnt sich sehr, so klein anzufangen, weil man Zeit hat, im eigenen Bewußtsein Beobachtungen zu machen, die man sonst in so eindeutig gestaffelter Form nicht haben kann.

Um aber einen Teil der folgenden Erfahrungen verständlich beschreiben zu können, möchte ich längere Exkurse über Bewußtsein, Informationstheorie und über zwei in Bezug auf das Kurzzeitgedächtnis genetisch verschiedene menschliche Species einschieben, die ich nicht voraussetzen oder zitieren kann.


4_Anmerkung zum Thema

An diesem Punkt sollte vielleicht ein Hinweis auf den Zusammenhang zwischen den im folgenden detailliert beschriebenen Erfahrungen mit LSD und dem Thema gegeben werden.

Eine Bewußtseins-Veränderung hat einen von den normalen Erfahrungen kategorisch verschiedenen Effekt der Veränderung der gesamten Persönlichkeit. Diese besondere Erfahrung ergibt in gewissem Sinne eine nicht mehr rücküberschreitbare Grenze zum sogenannten Normalen, aber mit mehreren für einen psychotherapeutisch tätigen Arzt sehr wesentlichen Gewinnen:

A_Man entdeckt zunächst als Person in außergewöhnlich anschaulicher Form, wie subjektiv scheinbar eindeutige Wahrnehmungen, Bewertungen und sogar kategorische Entscheidungen sein können, die man bisher für objektiv hielt.

B_Diese Erfahrung bewirkt ein elementares allgemeines Interesse an Fragen der Bewertung von Beobachtungen, Einsichten und Regeln, das - zumindest im Fall der Erfahrung mit Halluzinogenen - meist auch positiv gestimmt ist.

C_Dieses positive Interesse richtet sich dann deshalb ganz allgemein auf die Erfahrung von Bewußtseinsveränderungen anderer Menschen, weil sie entweder eigene Erlebnisse bestätigen oder deutlich machen, daß es noch andere Typen bewußtseinsverändernder Erlebnisse gibt, die man sich durch Erzählung veranschaulichen lassen kann.

D_Diese sekundären Erfahrungen durch Gespräche mit anderen führen dann zu der Erkenntnis, daß psychotrope Substanzen bei verschiedenen Menschen entweder gleichartige oder ganz andere Wirkungen haben.

E_Daraus ergibt sich die Erkenntnis, daß Menschen wohl auch in den biologischen Grundlagen ihrer psychologischen Reaktionsformen genetisch verschieden sind.

Das alles bedeutet aber, daß die Gesetzgebung über psychotrope Substanzen und die Rechtsprechung auch bei zurückhaltender Auslegung der zwei Prinzipien:

1. Jeder Deutsche hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, und

2. jeder Deutsche hat das Recht auf Leben und Gesundheit.

die verfassungsmäßige Aufgabe haben, den Arzt zu schützen, der solche Unterschiede auch sehen und damit umgehen kann.

Die folgende Darstellung, die notwendigerweise Tabus verletzt, indem sie sehr persönliche Erfahrungen einschließt, soll also demjenigen, der nur ein normales Bewußtsein kennt und damit keine experimentellen Erfahrungen machen darf, kann oder will, die Verständnisgrundlage dafür vermitteln, daß Drogen bei spezifisch vom Normalen verschiedenen Menschen sehr heilsame Wirkungen haben können.

Da sie bei anderen Reaktionstypen aber schädlich sein können, wird - wenn man sich nicht dieser menschlichen Sonderformen auf längere Sicht aus eugenischen Gründen entledigen will bezw. darf - auch zu bedenken sein, wie man Menschen mit psychischen Krankheiten in dieser Hinsicht beraten kann.


5_Verrückt sind Verrückte

Naturgemäß stellen Menschen, bei denen aus natürlichen oder experimentellen Gründen schon einmal eine sprunghafte Bewußtseinsveränderung eingetreten ist, gegenüber den anderen eine Kategorie für sich dar, mit einer damit zusammenhängenden Möglichkeit der Verständigung. Und es ist von beiden Seiten vollkommen korrekt, so veränderte Bewußtseinszustände als Verrückung, bezw. "verrückt" zu bezeichnen.

Der Normale, der naturgemäß vor dem Verrücktwerden Angst haben mag, wird dann auch dazu neigen, mit aus seiner Sicht Verrückten möglichst nichts zu tun haben zu wollen. Das führt - aus reiner Hilflosigkeit - zu sehr ungünstigen Verhaltensweisen. Der wohl häufigste Effekt ist der einer nonverbalen Übertragung von Angst.

Für den Fall einer tatsächlichen Urteilsstörung auf der Seite des Verrückten führt das zu weiterer Behinderung.

Daher wäre ein besseres Verständnis für Verrückte auf der Seite der Normalen oder auch nur ein positives Interesse für die Formen der Verrücktheit von sehr großem Wert, weil es die Möglichkeit erschließt, über viele Fragen gemeinsam nachzudenken, denen der Verrückte sonst allein und verängstigt gegenübersteht.

So wie (nach LEC a.a.o.) Dummheit nicht vom Denken befreit, muß auch der Verrückte entscheiden, wie er handelt.


6_Die Last der Verschwiegenheit

Aus der Angst des Normalen, verrückt zu werden, und seiner verdeckten Angst bei Begegnung mit dem für "verrückt" gehaltenen Menschen folgt eine Last, deren Größe in unserer Bevölkerung nur zu erahnen ist, die Last des Alleinseins bei Entscheidungsfragen, bei denen man sich selber nicht vertraut.

"Wem darf man das sagen!" ist so oft nicht mehr die Frage. Zu viele Erfahrungen mit "verrückt sind Verrückte" machen deutlich: "man muß es verschweigen", und das führt in große Unsicherheit.

Selbst Kinder, die noch vor dem Erlernen der Sprache das Denken ganz selbständig lernten, können später damit manche Probleme haben: wenn die Eltern unerwarteten Fragen anstatt mit Interesse daran mit Angst davor begegnen.

Es gibt also vielerlei Gründe dafür, Bewußtsein einmal bewußt zu betrachten.

Wer den Anlaß dazu aber lieber vermeiden will, kann zu
Teil 9. LITERATUR ÜBER LSD-THERAPIEN überwechseln.







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4 .   Q U A L I T Ä T     D E S     B E W U S S T S E I N S 

1_Kulturelle Bedeutung

Zweifellos hat die Qualität von Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Bewußtsein eine große Bedeutung für Lebewesen und dabei vor allem für den Menschen als Einzelnen und die Kulturen, die er schaffen kann, als Ganzes.

Allerdings ist auf der höchsten, nämlich der kulturellen, Ebene die Qualität des menschlichen Bewußtseins schwerlich in nur einer einzigen Dimension zu definieren. Jeder Gebildete kann Beispiele dafür nennen, daß Genies, die entscheidende kulturelle Impulse gegeben haben, im realen Leben an gestörter Wahrnehmung leiden konnten. Jede Religion orientiert sich an Priestern, deren visionäre Erlebnisse Menschen in weniger bevorzugten Stellungen in psychiatrische Obhut bringen könnten. So dürfte die Frage, ob eine Störung des Gegenwarts-Bewußtseins während eines wahnhaft-visionären Erlebnisses positiv oder negativ zu bewerten ist, nicht bei jedem und unter allen Umständen gleich entschieden werden.

Viel leichter ließe sich die Frage beantworten, ob Kultur überhaupt von Menschen geschaffen werden kann, die alle die gleichen Bewußtseinsqualitäten haben. Die Antwort wäre sicher "nein", denn Kulturen entstehen durch ein sehr komplexes Zusammenspiel höchst verschiedener Persönlichkeiten.


2_Es kommt auf die Umstände an

So wertvoll also visionäre Störungen des Gegenwarts-Bewußtsein beim Genie auch sein können, gibt es Situationen, in denen man großen Wert darauf legen würde, daß Visionen nicht auftreten werden, beim Piloten z.B., beim Staatsmann, der Krankenschwester.

So gibt es Menschen, die sich zum Dichter eignen - andere nicht, und Menschen
die sich zum Führer eignen - andere nicht. Das Problem aber liegt darin, daß gute Führer manchmal nicht gut für gute Dichter sind und manchmal auch umgekehrt, vermutlich deshalb, weil sie verschiedene Qualitäten von Bewußtsein haben und einander daher nicht verstehen können.


3_LSD moduliert die Wahrnehmung

Seitdem 1974 in der geachteten Zeitschrift Science die Arbeit von Solomon H. Snyder (19747) mit dem Titel: "Drogen, Neurotransmitter und Schizophrenie" erschien, ist etwas klarer geworden, was LSD im Bewußtsein macht. Das soll die Übersetzung des Abschnitts vermitteln, den ich auf S. 26 schon in Englisch zitiert hatte:

"Die Tatsache, daß für Serotonin und Tryptamin gezeigt werden konnte, daß sie im normalen menschlichen Gehirn in Psychedelika-artige Verbindungen konvertiert werden, führt zu Spekulationen, daß Variationen der Aktivität des Amin-methylierenden Enzyms eine Rolle bei psychischen Störungen spielen können wie der Schizophrenie. Anstatt sich zu engstirnig auf mögliche Abnormalitäten dieses Enzyms bei Geisteskrankheiten zu konzentrieren, könnten wir besser seine Rolle bei normalen mentalen Funktionen bedenken. Der Geisteszustand, der durch psychedelische Drogen angeregt wird, ist der einer außerordentlich verbesserten Wahrnehmung seiner selbst und der Umgebung. Ähnliche Zustände treten während mystischer und religiöser Introspektion auf und wenn jemand sehr tief von Gefühlen oder äußeren Ereignissen ergriffen wird. Vielleicht funktionieren methylierte Amine normalerweise durch Modulation der Höhe der "internen" und "externen" Wahrnehmung des Menschen."


4_Transmitter-Beschleunigung

Folgt man dieser Überlegung und den weiteren Feststellungen in Snyders Arbeit, dann geben LSD, Mescalin und Psilocybin besonders leicht Methylgruppen an ein Enzymsystem ab, das diese auf Neurotransmitter überträgt, die damit energiereicher und reaktionsschneller sind. Das erklärt auch, warum die psychedelische Wirkung weiterbesteht, wenn LSD schon ganz abgebaut ist. LSD liefert damit ein adäquates Substrat für ein körpereigenes Enzymsystem und kann so auf eine in der Natur offenbar schon angelegte Weise eine besondere Beschleunigung von Bewußtseinsvorgängen bewirken. LSD ist, vielleicht unter anderem, ein besonders gearteter "Dopamin-Agonist" und führt zu Bewußtseinserweiterung.






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5 .   I N F O R M A T I O N S T H E O R I E 

Um das genauer zu verstehen, beziehungsweise eine Terminologie zu haben, in der man darüber reden kann, muß man sich etwas genauere Vorstellungen von Bewußtseinsvorgängen machen. In diesem Sinne sehr geeignet, ist die Art, wie Informationswissenschaftler über "Gegenwartsdauer" oder "Gegenwärtigung" reden. Sehr klar hat Helmar Frank das schon (19628) in der ersten Auflage seiner "Kybernetischen Pädagogik" dargestellt. Ich zitiere einige Stellen:


1_Gegenwartsdauer

"Selbstbeobachtung lehrt nun, daß alles, was uns zu Bewußtsein kommt, nicht im nächsten Augenblick (d.h. im nächsten subjektiven Zeitquant, also nach 1/16 sec) dem Bewußtsein wieder entschwindet, sondern daß es uns eine bestimmte Zeit T "gegenwärtig" bleibt. Moles nennt T "Gegenwartsdauer",
Frank spricht von "Fluoreszenzgedächtnis", Kurzspeicher, oder:

"Da alles, was uns als Wahrnehmung gegenwärtig wird, und alles, was wir durch Rückruf aus dem vorbewußten Gedächtnis vergegenwärtigen, in diesen Kurzspeicher eintritt, könnten wir den Prozess, auf dem er beruht, auch "Gegenwärtigung" nennen." (S.91)

Die zeitliche Ordnung des Eintritts ins Bewußtsein bleibt im Kurzspeicher, im Gegensatz zum vorbewußten Gedächtnis, gewahrt.

"Man beweist sich dies durch das nachträgliche Zählen soeben verklungener Glockenschläge, deren erster frühestens zur Zeit T vor Beginn des Zählprozesses verklungen sein
arf."

Dabei kann man für die Gegenwartsdauer eine Zeit in der Größenordnung von etwa 10 sec ermitteln.

"Dies entspricht den künstlerischen Einheiten der Musik ("Motiv", "Phrase" - also Thema ohne Variation), der Lyrik (Vers oder kürzere Strophe), der Mime (Bewegungsstück) - Einheiten, die nur deshalb als Einheiten empfunden werden können, weil sie in ihrer Gesamtheit gegenwärtig werden, d.h. nicht länger als die Gegenwartsdauer sind."

(Auch die Atemlänge und damit die Sprechdauer entspricht dieser Größenordnung und bedeutet eine optimale Anpassung zwischen "Sender" und "Empfänger" bei der zwischenmenschlichen Kommunikation.)
Unsere Gegenwart, in der wir mit allen Sinnen gleichzeitig wahrnehmen können, umfaßt also etwa 10 Sekunden.

Innerhalb dieser 10 Sekunden können wir unsere Aufmerksamkeit allem zuwenden, was unsere Sinne erfassen, aber auch allem, was unser Gedächtnis enthält, und alle Gedanken denken, die uns möglich sind - aber mit einem "Handicap":

Man kann nicht alles gleichzeitig erfassen.
Die Kapazität unseres Bewußtseins für die Informationen, die in einer Gegenwartsspanne überblickt werden können - also unser "Gegenwarts-Bewußtsein" -, ist deutlich beschränkt.


2_Kapazitäten der Sinne

Helmar Frank untersucht nun die Kapazitätsfragen der Informationsverarbeitung im einzelnen. Zunächst die Informationsmenge, die unsere Sinnesorgane dem Gehirn anbieten können: sie ist u.a. durch die "Kanalkapazität" der Nervenbahnen nach oben begrenzt, die man aus der Anzahl der Neurofibrillen und deren Leitungsvermögen in bit pro sec berechnen kan. Frank kommt dabei zu folgenden Werten (S.86f):

Kanalkapazitäten: bit/sec
optischer Kanal: bis zu 107
akustischer Kanal: bis zu 1.5 x 106
taktiler Kanal: ca 0.2 x 106
olfaktorischer Kanal: 15 - 46
gustativer Kanal: 13

Die Kapazität für die Augen ist demnach 6 - 7 mal so groß wie die für die Ohren, diese wiederum 6 - 7 mal so groß wie die Summe der taktilen Kanäle und diese an die 10 000 mal größer als die olfaktorischen und gustativen Kanäle. Diese Zahlen scheinen auch unserer Vorstellung plausibel. Nun stellt sich aber die Frage, wieviel davon unser Bewußtsein in einer Gegenwartsspanne erfassen kann.


3_Kapazität des Bewußtseins

Ausgehend davon (S. 85), daß die Beta-Wellen im EEG, die der Wach-Aktivität unseres Gehirns entsprechen, eine Frequenz von etwa 16 Herz haben, und daß auch das subjektive Zeitauflösungsvermögen gerade 1/16 sec beträgt, prüft Frank in dem Kapitel: "Die Gegenwärtigung als Funktion des Kurzspeichers" (S. 90ff) die Vermutung, daß die subjektive Information, die dem Bewußtsein pro sec zufließen kann, gerade etwa 16 bit/sec (oder allenfalls ein ganzzahliges Vielfaches davon) beträgt.

Bei Analyse einer Serie von Untersuchungen fand er seine Vermutung bestätigt (S 96):

Die Aufnahmekapazität ins Bewußtsein (in den Kurzspeicher) beträgt 16 bit / sec, und da die Dauer einer Gegenwart mit 10 sec angenommen werden kann, folgt weiter: Die Speicherkapazität des Fluoreszenzgedächtnisses ist 160 bit.

Im Vergleich zu den vorhandenen Kanalkapazitäten scheint das extrem wenig zu sein. Bei näherer Betrachtung entspricht es aber sehr wohl unserer Vorstellung.

Unser Bewußtsein muß also für die Dauer der Gegenwart jeweils eine Auswahl treffen und entscheiden, welchen Informationen die Aufmerksamkeit geschenkt wird.


4_10 Sekunden rückwärts hören

Interessanterweise geht das, wie oben schon von Frank zitiert, für akustische Informationen sehr deutlich, innerhalb der 10 Sekunden Gegenwartsdauer auch rückwärts.

Das merkt man zum Beispiel in der Schule, wenn man unter der Bank liest und gar nicht zuhört, was der Lehrer sagt oder fragt. Hängt dieser dann aber ans Ende seiner Frage den eigenen Nahmen an, holt sich die wachgewordene Aufmerksamkeit aus dem Vorrat der akustischen Wahrnehmung sozusagen spielend rückwärts die vor dem Namen gestellte Frage, die man sonst "gar nicht gehört hätte". (Und wenn man sich gelangweilt hatte, weil man das alles schon vorher gehört hatte, fiel einem dann auch gleich die richtige Antwort ein.)

So funktioniert das Bewußtsein, das Frank auch Fluoreszenzgedächtnis nennt, wirklich ähnlich einer nachleuchtenden Fernsehscheibe, und das ist außerordentlich praktisch.


5_Verschiedene Gedächtnisformen

In diesem Zusammenhang sollte man sich aber klar machen, daß wir über mehrere verschiedene Gedächtnistypen verfügen, mit sehr verschiedener Speicherungsdauer:

das Kurzzeitgedächtnis, das Langzeitgedächtnis und das ultra-Kurzzeitgedächtnis (das letztere entspricht wohl dem Gegenwartsbewußtsein),
mit extrem verschiedenen Kapazitäten und wohl auch ganz verschiedener Qualität.

Es gibt aber darüberhinaus - und das ist nur wenigen bekannt geworden - verschiedene menschliche Species mit genetisch bedingten Unterschieden in Bezug auf das Kurzzeitgedächtnis.

Da das bei LSD-Versuchen und auch in Bezug auf eine bestimmte Form der Störungen, die die Schulpsychiatrie unter Schizophrenie subsumiert, eine entscheidende Rolle spielt, soll das im Vorgriff auf meinen späteren Bericht (in Kapitel IV) im folgenden näher betrachtet werden








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6 .   B I O L O G I S C H     V E R S C H I E D E N E     S P E C I E S 

1_Gedächtnis-Qualitäten

Da ich selbst, wie etwas später erläutert wird, zur Subspecies R gehöre, kann ich Qualitätsunterschiede des Kurzzeitgedächtnisses im Gegensatz zur Subspecies N in mir selbst sehr leicht beobachten (je nachdem, ob ich eine mega-Dosis Vitamin B-6 genommen habe, oder nicht).

Daher will ich zunächst die für mich beobachtbaren Qualitätsunterschiede des Kurzzeitgedächtnisses beschreiben.


2_Das Kurzzeitgedächtnis

Das Kurzzeitgedächtnis muß - wie ich beschreiben werde - zwei unterschiedliche Komponenten haben, die eine ist biochemisch von Vitamin B-6 abhängig, die andere aber nicht.

Beide Komponenten setzen mit dem Ende einer Gegenwartsspanne ein und übernehmen die Informationen, die unsere Aufmerksamkeit aus dem ja 10 000-mal reicheren Informationsangebot unserer Sinnesorgane zunächst innerhalb des ultra-Kurzzeitgedächtnisses - wie Psychologen den Kurzspeicher auch nennen - ausgewählt hat.

Diese Übernahme erfolgt sozusagen schluckweise, Bild für Bild, Gedanke für Gedanke, Melodie für Melodie, im Takt der Größenordnung einer Atemlänge oder Gegenwartsspanne.

Das Kurzzeitgedächtnis übernimmt Informationen also verarbeitet, und diese Arbeit ist, wie schon gesagt, von unserer Aufmerksamkeit und dem Interesse gesteuert, das unser Bewußtsein der Gegenwart schenkt.

Aber zumindest bei mir, der ich eine Besonderheit des Stoffwechsels geerbt habe (und vererbe) ist das Kurzzeitgedächtnis auch abhängig von einem Vitamin, dem Pyridoxalphosphat (PALP) oder Vitamin B-6


3_Die "Pyrrolurie".

Diese Stoffwechel-Besonderheit heißt heute "Pyrrolurie", weil ihre Träger im Urin das Kryptopyrrol (ein Bruchstück aus dem Häm des Blutfarbstoffs) ausscheiden, das sich bei der Species N nur im Häm eingebaut findet. Kryptopyrrol hat eine chemische Affinität zum Pyridoxalphosphat, der aktiven Form von Vitamin B-6. Das Vitamin wird daher durch Bindung an Kryptopyrrol inaktiviert. Außerdem bindet der entstandene Kryptopyrrol-Pyridoxalphosphat-Komplex das wichtige Spurenelement Zink, so daß ein kombinierter Mangel an Vitamin B-6 und Zink entsteht, mit Behinderung von mehr als 200 Enzymen des intermediären Stoffwechsels, die B-6 oder Zink als Cofaktoren benötigen.

Diese Besonderheit im Urin wurde übrigens zunächst (von Payza 19589) bei Untersuchung von Personen in experimentellen LSD-Psychosen gefunden - als bis dahin unbekannter "malvenfarbener" Fleck auf dem Papierchromatogramm - und später von Irvine (196110) und Hoffer et al. (196111) auch bei etwa einem Drittel der Schizophrenien.

Schließlich fanden Hoffer und andere diese "Malvaria" auch bei etwa 7% der normalen Bevölkerung. Nachdem Irvine schließlich (196912) die chemische Struktur aufgeklärt hatte, fand
feiffer (197413) den oben beschriebenen Zusammenhang mit dem Mangel an Zink und Vitamin B-6 und damit die Therapie der dazugehörigen Störungen - einschließlich der "pyrrolurischen" Psychosen, wie vorher schon andere Therapien bei einigen anderen Formen schizophrener Psychosen (Pfeiffer 1988 und 198914, Kapuste 198915).

Da diese Entwicklungen in den USA und bei uns von der Schulpsychiatrie negiert wurden, bildeten die an diesen Entwicklungen beteiligten Wissenschaftler und Ärzte eine eigene, therapeutisch sehr erfolgreiche psychiatrische "Schule" außerhalb der Universitäten. Diese "orthomolekulare" Psychiatrie der Behandlung mit Naturstoffen hat sich inzwischen, unterstützt von dem zweifachen Nobelpreisträger Linus Pauling, im gesamten Bereich der Medizin außerordentlich solide präsentiert (Journal of Nutritional Medicine (England), International Clinical Nutrition Review (Australien), Journal of Orthomolecular Medicine (USA), Werbach (1987/197016), Gaby/Wright 199017).

Da die Kryptopyrrolurie als Besonderheit nicht nur 30% der Schizophrenien, sondern auch ungefähr 7 Prozent der normalen Bevölkerung betrifft, hat die Tatsache, daß sie von der Psychiatrie und der Schulmedizin völlig negiert wird, deutliche Folgen für die Gesundheit einer großen genetischen Subspecies, die umso bedauerlicher ist, als alle damit verbundenen Störungen durch die Gabe hoher Dosen von Vitamin B-6 und einer geigneten Dosis von resorbierbaren Zinksalzen vollkommen zu beheben sind. (mehr darüber in Kapitel IV).

4_Die "photographische" Komponente
Wenn ich nicht eine mega-Dosis Vitamin B-6 zu mir genommen habe, fehlt mir das auch "photographisch" genannte akustisch-optische Kurzzeitgedächtnis für Gegenwartsinhalte, deren Sinn ich in der Gegenwartsspanne nicht erfassen kann. Das hat weitreichende Folgen, die sowohl positiv als auch negativ bewertet werden können.
Was mir dann eindeutig fehlt, ist die Traumerinnerung - nach Pfeiffer neben weißen Fleckchen oder Streifen auf den Nägeln das Signal des kombinierten Mangels an B-6 und Zn - B-6 wird nach Traumerinnerung dosiert. Um (vor dieser Erkenntnis) überhaupt eine Psychoanalyse versuchen zu können, mußte ich mir nachts mehrfach den Wecker stellen und binnen zehn Sekunden soviele Stichworte notieren, daß ich dann anhand der Notizen den Traum wieder ins Bewußtsein rufen konnte.

(Möglicherweise sind die 7% der Bevölkerung mit B-6-Mangel, wie auch ich, wegen mangelnder Erinnerungsfähigkeit an Träume gar nicht analysierbar und haben wegen der sehr viel höheren kategorisch-assoziativen Vernetzung ihrer Gedächtnisinhalte vermutlich nur geringe Verdrängungsfähigkeiten und damit auch nur eine geringe neurotische Potenz).

Außerdem fehlt mir - ohne B-6 - typischerweise die Erinnerung, wo ich etwas hingelegt habe, wenn das nicht - wie bei konzentrierter Arbeit - im Rahmen eines durchdachten Systems geschah. Ganz extrem fehlt die akustische Namenserinnerung (nicht die als Arzt für geschriebene Namen). Und was deutlich fehlt, ist die reproduktive Fähigkeit für optische Formen und Farben, die Maler in hohem Maße haben.

Das alles hat zur Folge, daß ich mir nicht merken kann, was ich nicht verstehe, begreife oder sonstwie sinnvoll erfassen kann. So bin ich sicher ein schlechter Zuhörer bei Leuten, die einfach so der Reihe nach erzählen, ohne einen roten Faden zu haben. Gutes Zuhören ist dann nur "interaktiv" möglich. Durch Zwischenfragen kann ich den Inhalt mit Sinn beladen - und dann funktioniert mein Kurzeitgedächtnis.


5_Die "sinnvolle" Komponente

Ganz im Gegensatz dazu ist mein Gedächtnis für sinnvolle Zusammenhänge - logisch, lyrisch, optisch und musikalisch - im Vergleich zur normalen Species, wie ich annehmen muß, ungewöhnlich gut.

Ich kann z.B. stundenlang - zwei, dreimal gelesen - gereimte, rhythmische, sinnvolle Gedichte reproduzieren, Melodien singen, vergesse so gut wie nie eine neue Erkenntnis oder das Bild eines Ausdrucks im Gesicht eines Menschen, der etwas mit
besonderer Bedeutung für mich sagt. Im übrigen konnte ich mühelos etwa 500 Patienten am ersten Laut ihrer Stimme erkennen.

Die beiden letzten Beispiele sprechen keineswegs dagegen, von der sinnvollen Komponente des Kurzzeitgedächtnisses zu sprechen. Tonfall und Gesichtsausdruck sind emotional verständliche Kommunikationsträger, die mir einleuchten, unklar bleiben oder mich verblüffen können. (CG Jung zählt das Gefühl zu den "rationalen" Funktionen.) Jedenfalls kann ich sicher sein, daß die Erinnerung und das Erkennen verhaltenskommunikativer Elemente auch bei Mangel an Vitamin B-6 sehr gut sein kann.

Mein Eindruck ist, daß Handicap oder Tugend beim Mangel an B-6 eher in einer besonderen Empfindlichkeit für "sinnwidrige" double bind - Kommunikation liegen. Damit wäre - zumindest für die etwa 30% der pyrrolurischen Schizophrenien - das biochemische Korrelat der kommunikationstheroretischen Entdeckungen von Bateson, Jackson, Weakland und Haley gegeben, die wir oben (Seite 9) beschrieben haben.


6_Redundanz und rote Fäden

Redundanz - Wiederholung von Information - oder langsames Reden wird von Menschen, wie mir, wenn sie keine "Super-Ernährung" mit B-6 haben, als qualvoll empfunden. Das läßt sich zweifach erklären:

1. können wegen der verlängernden Redundanz die zehn Sekunden der Gegenwart vergehen, ohne daß ein roter Faden ergriffen werden kann. Dann ist der Text nach 10 Sekunden wegen der fehlenden photographischen Gedächtniskomponente nicht greifbar und entschwindet der Gegenwart ohne Erinnerung. Man muß dann dazwischenfragen oder sich - qualvoll - damit abfinden, daß man nicht gut verstehen kann.

2. hat man bei der verstehenden Kurzgedächtnisspeicherung - im Gegensatz zur photographischen - in Erwartung folgerichtiger Mitteilungen sozusagen schon den logisch folgenden Speicher im Griff. Wenn dann das gleiche noch einmal kommt, muß man den eben vorbereiteten Speicher wegtun und den anderen wieder herholen, was - irgendwie ärgerlich - das Erfassen der Zusammenhänge stört.

Auf der anderen Seite hat die Besonderheit des fehlenden B-6-abhängigen Kurzzeitgedächtnisses den großen Vorteil, daß man sich Unsinn nicht merken kann. Das Langzeitgedächtnis besteht dann aus "Systemen von roten Fäden", was wesentlich kürzere Zugriffszeiten zu Inhalten und Zusammenhängen im "vorbewußten Gedächtnis" bedeutet. Das macht sich nicht nur in mündlichen Prüfungen bemerkbar, bei denen die resultierende Fähigkeit, in Zusammenhängen zu antworten, besonders hoch eingeschätzt wird.

Das hat sicher mit einer Art Hochbegabung zu tun, einer Begabung allerdings, die - wegen des Fehlens nicht sinnbeladener, aber nichtsdestoweniger faktisch wichtiger Informationen - im Interesse des Realitätsbewußtseins einer verständigen Kommunikation mit der Species N bedürfen, die das photographische Gedächtnis für nicht erklärbare Tatsachen besitzt.


7_Die "Rush-Intelligence"

Aus dieser Darstellung ist vorstellbar, daß sich bei Leuten mit Malvaria oder Pyrrolurie eine kompensatorisch erhöhte Fähigkeit entwickeln muß, nämlich die Fähigkeit, spätestens alle 10 Sekunden mit den Gegenwartsinformationen einen roten Faden zu spinnen, an dem sich der Sinn einer Gegenwartsspanne im Kurzzeitgedächtnis festmachen läßt.

Da diese Fähigkeit deutlich auf Sinn oder Einsicht ausgerichtet ist, führt sie notgedrungen zu einem System kategorischer Klarheit, zu einer besonders raschen Einsicht, ohne die man nicht gut existieren kann und die als "Intelligenz" imponiert. Da es sich dabei sicher nicht um das gleiche handelt, was hohe Intelligenz bei Menschen mit photographischem Gedächtnis auszeichnet, will ich diese besondere Intelligenz "Rush-Intelligence" (engl. von "rush", eilig sein) nennen, weil sie immer rasch (innerhalb der 10 Sekunden des ultra-Kurzzeitgedächtnisses) Erfolg haben muß.


Die Rush-Intelligence birgt, wie man genauer darstellen könnte, Erfolge und Gefahren zugleich. Die Not-geborene Schnelligkeit führt zu leichten Erfolgen im Umgang mit anderen, da man schneller als andere Sinn und Zusammenhang erkennen und erläutern kann. Die Gefahr liegt in der Not der Tatsache selbst begründet, daß diese metabolische Besonderheit ihrem Träger ohne B-6-Supplemente nicht möglich macht, sich mit Hilfe des photographischen Kurzzeitgedächtnisses und der normalen Intelligenz einen Sinn aus zwei oder drei nicht in sich selbst verständlichen Bewußtseinsspannen zu suchen.


8_Sensibilitäts-Unterschiede

So empfindlich die Species R (mit der Rush-Intelligence) gegenüber double bind Kommuniaktion ist, so wenig empfindlich ist sie gegenüber unsinnigen Dingen, die Leute - manchmal Lehrer - einfach so sagen. Man kann sich den Unsinn nicht merken, also geht nur die Zeit verloren, aber es entsteht kein Schaden durch Schlucken von Müll-Informationen.

Anders ein Freund von mir von der Species N mit besonders gutem photographischen Gedächtnis: Er hat echte Probleme, mit Menschen an einem Tisch zu sitzen, die nicht gut überlegen, was sie sagen, weil sein Gedächtnis alles sorgfältig registriert, und er dann nicht weiß, wie er den gespeicherten Unsinn wieder "entsorgen" kann.

Ich glaube, daß hohe Intelligenz bei der Species N an eine Art Hygiene der sozialen Distanz gebunden ist, ohne die sie sich nicht erhalten kann. Das kann man deutlich am sozial distanzierten Verhalten sehr kluger Menschen mit besonders umfassendem Wissen erkennen, für die die sorgfältige Auswahl der Gesprächspartner offensichtlich zu den nötigen Tugenden gehört. (Das Recht auf freie Meinungsäußerung kann für diese Menschen auch zu einer argen Last werden.)

Die Species R hat andere Tugenden, soziale Distanz gegenüber einfachen Leuten gehört nicht dazu. Sie ist auch nicht so empfindlich gegenüber schlechten Schulen oder fehlerhaften Strukturen in der Wissenschaft.
Die kann sie neu strukturieren, wie Newton oder Darwin, die - laut Pfeiffer - zur Species R gehörten.


9_LSD und verschiedene Species

Der Sinn dieser informationstheoretisch-biochemischen Erläuterungen liegt in unserem Zusammenhang darin begründet, daß deutlich werden kann, wie verschieden die Phänome nach der Einnahme von "bewußtseinserweiternden" Substanzen bei den zwei beschriebenen Gedächtnis-Typen sein könnten:

A_der Species N mit normaler Intelligenz, mindestens zwei normalen Kurzzeitgedächtnis-Typen und einem sehr informationsreichen, aber nicht durch ein System der roten Fäden strukturierten - und damit verdrängungsfähigeren - vorbewußten Gedächtnis, und

B_der Subspecies R mit der Rush-Intelligenz, keinem photographischen Kurzzeitgedächtnis, einem informationsärmeren, systematisch strukturierten vorbewußten Gedächtnis ohne neurotische Potenz und einer hohen Kapazität für Assoziationen. Bei der Subspecies R kann man 2 Zustände unterscheiden:

a_ohne Substitution mit Vitamin B-6 und
b_mit einer mega-Dosis Vitamin B-6.

Naturgem
ß kann meine Darstellung eigener Erfahrungen weiter unten nur die Subspecies R betreffen, und da ich die Pfeiffer`schen Erkenntnisse seinerzeit noch nicht kannte und von meiner B-6-Abhängigkeit noch nichts wußte, die Subspecies R im Status a = nicht mit Vitamin B-6 supplementiert.

Meine heutige Sicht entspricht - komplizierterweise - der Subspecies R-50/RNa-9 im Status a, was bedeuten soll: 50 Jahre R-Erfahrung, 9 Jahre mit Vitamin B-6 supplementiert, zur Zeit supplementiert... Ich glaube schon, daß so genaue Unterscheidungen sich zur Beurteilung von Phänomenen unter LSD als nützlich erweisen könne







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7 .   Z U R Ü C K     Z U     D E N     L S D     V E R S U C H E N 

1_Die biologische Uhr

Helmar Frank zitierte (S. 85), Schopenhauer (184718) mit folgender Vorstellung der Zeitwahrnehmung :
"Die Zeit wird nur wahrgenommen, sofern sie erfüllt ist und ihr Fortgang nur durch den Wechsel des sie Erfüllenden."
Das ist eine schöne Beschreibung dessen, was man auch die "biologische Uhr" genannt hat. (Vergleiche die Modellvorstellungen von R.Fisher (S. 27).
Man glaubt, daß der physiologische Taktgeber des psychologischen Zeitempfindens in den Informationsgestalten liegt, die von Gegenwartsdauer zu Gegenwartsdauer als Bilder, Melodien, Gedanken via Kurzzeitgedächtnis abgespeichert werden.

Dieser Takt der Erlebnisse macht die biologische Uhr erstaunlich konstant und scheint auch - den ähnlichen Reaktiongeschwindigkeiten der Neurotransmitter entsprechend - von Mensch zu Mensch sehr ähnlich zu sein. Das führt uns von der Informationstheorie zurück zum LSD.

LSD verstellt - wie auch Psilocybin und Mescalin - die biologische Uhr:

"Sekunden werden zu Minuten, Minuten zu Stunden, der Tag eine lange Reise."

So erleben es alle. Und das hat Fisher (S. 27) auch experimentell untersucht.


2_ Bewußtseinserweiterung

Wenn die Menge an Informationen, die unser Bewußtsein bemerkt und ans Kurzzeitgedächtnis weitergibt, pro Zeiteinheit ansteigen kann, dann muß sich auch informationstheoretisch etwas beschleunigen können: der Informationsfluß ins Bewußtsein, die Frequenz der abgegebenen Bilder oder beides. Wenn die Dauer des Bestehenbleibens der Bewußtseinsbilder, das Fluoreszenzgedächtnis also, sich dabei verkürzt, dann müßte das nicht "Bewußtseinserweiterung" heißen.

Es spricht aber alles dafür, daß sich unter LSD die Nachleuchtezeit der Informationen im Ultrakurzzeitgedächtnis nicht verkürzt. Dann aber führt ein gesteigerter Informationsfluß in 10 Sekunden zu mehr Information im Bereich der Gegenwartsspanne. Das hieße dann zu Recht "Bewußtsseinserweiterung" und bedeutet einen sprunghaften Anstieg der Qualität der Bewußtseinsarbeit, wenn und solange - um mit Fisher zu sprechen - der Zustand "durch das Mithalten der Daten-Verarbeitung mit dem gesteigerten Daten-Anfall" charakterisiert wird oder - informationstheoretisch ausgedrückt - kein Systemzusammenbruch erfolgt.


3_Subspecies R im Achtelbereich

Meine persönlichen Erfahrungen mit Dosen im Bereich von ein, zwei oder drei Achteln eines Trips meiner Charge (geschätzte Größenordnung der Achtel-Einheit 25 mikrogramm LSD) war deutlich die eines Gewinns an Kreativität, Übersicht, Besonnenheit, Schnelligkeit, Sinnlichkeit, Stimmung, Humor und ästhetischem Vergnügen. Von "Schizophrenie" oder Fisher`s "jammed computer state of mind" gab es bei der Achtel- und Viertel-Dosierung nicht die Spur.

Tatsächlich
A_nahm & bekam ich von meinen sinnlichen Wahrnehmungen wesentlich mehr mit als sonst;
B_konnte ich Gedanken auf einmal im Bewußtsein halten, die ich sonst nur in getrennten Bildern nacheinander (und ohne so deutliche Zusammenhänge) sah;
C_konnte ich in einer Situation Gedanken und Gefühle realisieren und miteinander vergleichen;
D_konnte ich fühlen, denken, empfinden und dazu eine intuitive Idee haben
E_konnte ich mich später an alles besser erinnern als ich es sonst gewohnt war.

An der Bewußtseins-Verbesserung durch Achtel-Dosen von LSD habe ich daher bei mir persönlich keinen Zweifel. Auch das Zitat von Snyder (S. 60) spricht eindeutig in diesem Sinne. Also wird das wohl auch bei anderen - nicht besonders verstörten - Menschen so sein.

Andererseits ist leicht vorstellbar, daß verstörte Individuen der Subspecies R in double bind - Umgebungen auch bei kleinen Dosen psychotisch reagieren können.

Vorweggenommen sei hier, daß nach nach Hoffer und Osmond (1972, siehe 10. LSD-Refer
nzen) möglicherweise auch andere Subtypen, die durch Vitamin B-3 davor zu beschützen sind, psychotisch werden können. Und ganz sicher muß man bei höheren Dosen mit psychotischen Reaktionen rechnen, die in seltenen Fällen auch länger bestehen bleiben, wenn sie nicht in geschützter Umgebung - wie die tschechische Schule (Groof 1980 und Hausner 1973, siehe unten) beschrieben hat - therapeutisch abgefangen werden können.


4_Synästhesien

Bei Steigerung der Dosis auf vier bis acht Achtel tauchten qualitativ ganz neuartige Erfahrungen auf, die nach vielen Beschreibungen für Psychedelika typisch sind, nämlich Synästhesien.

Dabei kann man z.B. parallel zu Musik, die man anhört, bei geschlossenen Augen Figuren
und Farben sehen, die in deutlicher Weise mit dem korrelieren, was man gerade hört.

Die beste mir bekannte Simulation dieses Eindrucks ist der berühmte Film der Beatles "Yellow Submarine". Allerdings ist das Vergnügen, das man bei wirklichen Synästhesien unter LSD hat, sehr viel größer.
Besonders interessant fand ich dabei die Beobachtung einer deutlich konstanten zeitlichen Verschiebung der Wahrnehmung von korrelierenden Phänomenen.

Die Einsätze der verschiedenen Instrumente bei einem Brandenburgischen Konzert von Bach z.B. "kamen" für das Auge immer früher ins Bewußtsein, als die damit formal korrelierenden Töne für die Ohren. Das kann man ähnlich auch im Konzertsaal im Verhältnis der Bewegungen von Dirigent und Orchester beobachten. Warum bezahlen die Leute so viel, um beim Zuhören auch den Dirigenten zu sehen? Vielleicht bereitet das Auge dabei die Ohren spezifisch auf das Hören vor und steigert so das Vergnügen. Ein Kommilitone machte sich seinerzeit dieses Phänomen zunutze, indem er Musik von der Schallplatte - zum deutlichen Vergnügen der Zuschauer-Zuhörer - "dirigierte".

Die akustisch-optischen Synästhesien lösen allerdings sehr viel intensivere Gefühle aus, als Hören und Sehen in einem Konzert. Die Farben leuchten und in dem Bild hat sozusagen jedes Instrument (in abstrakter Darstellung) einen eigenen Dirigenten und diese zusammen zeigen in einer wunderbar erscheinenden Choreographie jede Note in Form und Farbe einen Moment vor ihrem Erscheinen anschaulich an.

Solche Beobachtungen bereiten in jedem Fall, also auch in Zusammenhang mit anderen sinnlichen Wahrnehmungen, einen enormen Spaß, und wahrscheinlich wird darüberhinaus auch auf pharmakologisch direkte Weise Euphorie stimuliert.


5_Erklärung der Zeit-Verschiebung

Wie aber ist die Erklärung des erstaunlichen Phänomens der optisch-akustischen Zeitverschiebung? Ich dachte mir, sie liegt in der Verschiedenheit der Größenordnungen der normalen Datenverarbeitung von Auge und Ohr, die ich oben schon erwähnt habe.

Wenn, was sicher der Fall ist, irgendwo auf dem Wege der akustischen Erregungsleitung die Erregungsmuster die normalerweise funktionierende Isolation gegenüber dem optischen Weiterleitungsystem überspringen und nun in beiden via Bewußtsein unterwegs sind, läßt sich denken, daß der optische Kanal, der ja routinemäßig siebenmal so viel bits transportiert wie der akustische, dabei schneller ist und mit seinen Bildern früher im Bewußtsein ankommt, als die auslösenden Töne selbst.


6_Phänomenale Verschiedenheiten

Damit war deutlich, daß die beschriebene Bewußtseinserweiterung nicht das einzige für LSD typische qualitative Phänomen ist. Das Überspringen von Informationsmustern von einer sensorischen Bahn auf andere, vermutlich benachbarte Bahnen, und dort die für das Sinnesorgan adäquate Repräsentation (also Bilder für das Auge) sind ein zweites.

Ein weiterer qualitativer Unterschied liegt im Stimmungsbereich. Positive Erlebnisse unter LSD sind vielfach vergnüglicher als normale, - negative, die ich nicht kenne, vermutlich auch. Da dieser Klassenunterschied auch in der Erinnerung bestehen bleibt, ist die von Timothy Leary bekannte Warnung vor intimen Beziehungen unter LSD bei Paaren, die gar nicht zusammenbleiben können, gewiß sehr berechtigt, weil das Erlebnis unter LSD eine qualitative Kluft gegenüber den normalen Beziehungen schafft - mit denkbar schweren sozialen Folgeproblemen.


7_LSD war für mich nicht psychotogen

Im Gegensatz zu meinen Erwartungen und der Zielsetzung meiner Versuche, eine experimentelle Psychose zu erleben, gelang es mir damals auch bei Erhöhung der Dosen auf bis zu anderthalb Trips meiner Charge (geschätzt auf 300 mikrogramm) nicht, eine experimentelle Psychose, d.h. einen Systemzusammenbruch des Geistes in Fishers Sinn zu erreichen. Ich hatte auch nie einen sogenannten "horror trip".

8_"Wahnsinn" ohne Krankheitswert

Natürlich könnte man das, was ich oberhalb von 2 bis 3 Achtel (beginnend mit 100 mikrogramm) erlebte, als "Wahnsinn" oder "Irrsinn" bezeichnen. Im normalen Sprachgebrauch gibt es ja auch diesen Sinn: "wahnsinnig schön" oder "irrsinnig lustig". Solange das Bewußtsein die Oberhand behält, sind Wahnsinn und Irrsinn offenbar nicht als krankhaft zu bezeichnen.

Diesen Unterschied will ich noch am Beispiel eines Patienten präzisieren, der das in seinem natürlichen Wahnsinn auch so sah. Seine "Stimmen" hatten ihm schon befohlen, den Fernseher zu zerschmeißen. Das hatte er auch getan. Nun aber verlangten die "Stimmen" von ihm, die Mutter umzubringen. Das hatte er besorgt seiner Mutter erzählt, die "sich aber nicht fürchtete".

Daraufhin kam er zu mir und bat mich um Einlieferung in eine geschlossene Anstalt, weil er sich - angesichts seines Wahns - nicht mehr sicher sein konnte, daß sein Bewußtsein die Oberhand behalten würde. Natürlich folgte ich seiner Bitte. Er wußte, daß er krank sein könnte, und das war ihm nun zu riskant geworden. Man kann so mit dem Wahnsinn leben und - je nach den Umständen -richtig urteilen. Wir müssen hier viel besser zu differenzieren lernen.

(Darauf werde ich später noch eingehen und zeigen, daß reale Gefahren bei LSD auch in Zuständen liegen, die man nicht als "krank" erkennen kann. Es geht dabei nicht mehr um Krankheitswert, sondern um die sprunghafte Persönlichkeitsveränderung, die bei einem selbst, aber auch bei den anderen, auf Basis der normalen Erf
hrungswerte falsch eingeschätzt wird und, aufgrund dieser Fehleinschätzung eben doch zu folgenschwerem Irrtum führen kann. Das läßt sich besonders dann nur schwer absichern, wenn Illegalität im Spiel ist, so daß die Tatsache, daß jemand (eine höhere Dosis) LSD genommen hat, einem Kommunikanten gegenüber nicht aufgedeckt wird.)


9_Kein Systemzusammenbruch bei Species R

Warum bekam ich unter LSD keine Schizophrenie im Fisher`schen Sinn? Heute, nach den oben beschriebenen Erkenntnissen, erkläre ich mir das damit, daß
A_mein System der roten Fäden, mir von innen nur vorverarbeitete Informationen in sinnvollen Zusammenhängen liefert,

B_die durch den Kurzgedächtnismangel über 50 Jahre verminderte Gesamtbelastung meines vorbewußten Gedächtnisses mir abundant viel Platz für rasche, freie Assoziationen gelassen hat ("Mein Arbeitsspeicher ist hoch dimensioniert"),

C_meine biologisch bedingt hohe assoziative Geschwindigkeit und Penetranz mir nur geringere Chancen gab, neurotische Schutzwälle gegen Erinnerungen aufzubauen, die unter LSD zusammenbrechen könnten,

D_meine Rush-Intelligenz ohnehin wenig dazu neigt, in einen Systemzusammenbruch des Denkens zu geraten und

E_die Bewußtseinserweiterung mich über die Möglichkeit der Zusammenschau von Gedanken-Gestalten mehr in die Richtung der normalen Intelligenz, als in Richtung Psychose veränderte.

Da ich auch mit einer hohen Dosis LSD bei mir keine experimentelle Psychose erreichen konnte, gab ich dieses Ziel auf. Auf keinen Fall wollte ich allein in noch höhere Dosisbereiche gehen.


10_Der antipsychotische Dosisbereich

Meine Überlegungen gingen inzwischen auf Linie der bereits mehrfach erwähnten Erklärungen von Fisher in die entgegengesetzte Richtung. Mir schien der Gedanke nahezuliegen, daß ich bei meiner Achtel-Dosierung gar nicht mit einem Psychotogen, sondern mit einer antipsychotisch wirkenden Droge befaßt war.

Mir war nämlich längst aufgefallen, daß bestimmte für mich typischerweise sehr unangenehme interpersonelle Probleme bei einem Viertel LSD nicht mehr auftraten. Double binds z.B. regten mich dann nicht auf und lösten auch nicht so scharfe und wenig erfolgreiche Gegenreaktionen bei mir aus: mit dem Viertel sah ich die double binds deutlich sozusagen im voraus kommen und hatte dann genug Zeit und Überlegenheit, daß ich lachen mußte oder sonst heiter reagieren konnte. Damit entfiel viel von dem "Psycho-Stress", über den die Familientherapeuten schreiben.

Die niedrigen Dosierungen, mit denen ich vorsichtshalber angefangen hatte, waren damit eine hochinteressante therapeutische Substanz und im Gegensatz dazu der "trip", um den sich so viele Interessen drehten, wie phantastisch er war, eine zwar somatisch unbedenkliche, im Grunde aber psycho-toxische Dosis.

Könnte es sein, daß LSD in Achtel-Dosen sich sehr gut dazu eignen würde, in der Familientherapie über ein höheres Bewußtsein bessere Beziehungsregeln einzuführen, was sonst sehr schwierig war?

Ich mußte mehr darüber wissen, ob andere Ärzte LSD auch therapeutisch verwenden. Darüber war im pharmakologischen Textbuch nichts zu finden und die Abbildung von Detre und Jarecki (S. 57) schloß, wie schon erwähnt, die klinische Anwendung aus.

Bevor ich aber (in Abschnitt 9.) auf die spezielle LSD-Literatur eingehe, will ich berichten, wie ich doch zu einer psychotischen Selbsterfahrung kam - allerdings auf "natürlichem" Wege und ohne LSD.

Das hat nicht unmittelbar mit dem juristischen Problemkreis zu tun, ist aber in den hier besprochenen Zusammenhängen sehr interessant - zumindest für den auch an psychoanalytischen Problemen Interessierten und in Bezug auf die Frage, ob es ein kurzwirkendes endogenes Psychedelikum gibt.







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8 .   P S Y C H O S E   -   E R F A H R U N G     O H N E     L S D 

1_Schizophrenie als Experimentierfeld

In meinem Reisebericht habe ich oben (S.59 erste Spalte) über die Arbeitsphilosophie im Soteria Haus berichtet. Dort durfte ich (auf Erlaubnis von Lauren Mosher vom National Institute of Mental Health in Washington DC) für zehn Tage als Gast mit den 7 psychotischen Patienten leben, die relativ frei, wenngleich immer neben Aufsichtspersonen in einem großen Haus mit Garten zusammen wohnten.

Ein junger Mann namens Peter präsentierte sich schon bei der Begrüßung als psychotischer Patient, indem er seine ausgestreckte Hand genau in dem Moment wieder zurückzog, als ich dabei war, sie zu ergreifen.

Im Anschluß daran setzte er seine Bemühungen fort, indem er sich beim Kaffee an die Ecke des Tischs gleich neben mich setzte und unter intensiver Augenkontrolle recht interessant erscheinende Dinge sagte. Weil er dabei aber
ziemlich genau in jedem Satz ein wichtiges Wort so unverständlich aussprach, daß es wirklich nicht zu verstehen war, war das Gespräch so eindrucksvoll anstrengend, daß ich bald nicht mehr konnte und wollte. Da er auf weniger eindrucksvolle Versuche von mir, das Gespräch zu beenden, nicht reagierte, hielt ich schließlich meine Hand in den Weg seines fixierenden Blicks und erklärte, wenn er weiter mit mir reden wolle, müsse er jedes Wort verständlich sprechen. Da ließ Peter von mir ab.

Er kam allerdings gleich nach dem Kaffee, als ich mein Bett bezog, auf das Zimmer hoch und machte das flehentliche Angebot: "Du tust mir nichts und ich tu Dir nichts!" Als ich lachend ja sagen mußte, umarmte er mich ganz ohne Falsch.

Da war mir klar, daß er offenbar dabei war, mit dem Bewußtsein anderer zu experimentieren und mit double bind`s zu probieren, wie er andere verrückt machen kann (siehe die Arbeit von Searles: "Das Bestreben, den anderen verrückt zu machen", S. 20 Nr.29) Das schien ihn zu faszinieren.


2_Emotional ästhetische Dissonanz

Er machte, wie ich mir erst später überlegt habe, dann offenbar ein paar gezielte Versuche mit mir. Dabei konnte er wohl feststellen, daß ich auf Ekel relativ empfindlich war. Jedenfalls rannte er aufdringlich mit einer vielfältig braun befleckten Unterhose herum, bis mir das zu viel wurde und ich später auf sein Zimmer ging, um diese Unterhose mit zum Wäschewaschen zu nehmen. Dabei mußte ich, um nicht irgendwo hineinzufassen, etwas genauer hinsehen, und sieh da, es handelte sich um eine mit Rostflecken präparierte sonst saubere Unterhose!

Ein Gespräch mit ihm über seine Mutter muß ihn dann auch davon überzeugt haben, daß ich bereit war, auf seine frühkindlich-psychoanalytischen Probleme einzugehen.


3_Konkrete Vorbereitungen

Dann muß er - was ich erst später rekonstruieren konnte - sehr konkrete Vorbereitungen getroffen haben.

Der Mastdarm ist, selbst ein sauberes Organ, dazu da, Exkremente zu trocknen. Wenn man die Trocknungszeit gekonnt verlängert, entsteht ein sehr hartes, nicht mehr schmierendes Stück, das sich - noch dazu säuberlich von farblosem Schleim überzogen - vermutlich irgendwie "gefahrlos handhaben" läßt.

Hat man - nach vielleicht drei Tagen konsequenter Trockenarbeit - so ein "gutes Stück" erfolgreich geboren, müßte man es leicht im inneren Raum einer neuen Rolle Toilettenpapier bergen können. Dann taucht man das ganze einmal tief ins Wasser und bringt es anschließend etwas abgetropft im Papierkorb gleich neben der Kloschüssel unter.


4_Der black out meines Lebens

Nach solcherlei Vorbereitungen schritt Peter zur Attacke. Er erschien plötzlich mit lautem angstvermittelnden Geschrei: "Ich brauche einen Geigerzähler!" und brachte mich damit als "freundlichen Analytiker" tatsächlich dazu, ziemlich kopflos irgend etwas zu ergreifen und für den armen Jungen wenigstens jemanden zu mimen, der einen Geigerzähler bringt.

Peter ließ sich inzwischen ruhig und in devoter Haltung stehend finden - auf dem besagten Klo - und bat auf eine unwiderstehliche Art um "Unterweisung in Benutzung einer Toilette". Das versuchte ich etwas bestürzt (ich hatte noch keine eigenen Kinder gehabt) und ausfluchtweise damit, daß ich begann, die ohnedies sehr saubere Toilette noch einmal mit feuchtem Papier zu reinigen.

Das ließ Peter auch freundlich geschehen. Als ich fertig war, wies er fragend auf den Papierkorb. Da sah ich denn auch das getauchte Toilettenpapier und meinte zu meinem Verhängnis, es ginge ihm nur darum, das verdorbene Papier nun ohne Stauungen durch die Toilette zu spülen.

Wieder mutig griff ich zu und hatte auch schon einen Batzen Papier von der Rolle abgebrockt, als Peter unmittelbar vor meinen Augen mit warnender Geste durch Drücken seiner Hände überkreuz zu den meinen ....

Da muß ich etwas gesehen haben wobei mir sofort Hören und Sehen eine Zeit lang vergangen ist! ....


5_Was im black out alles passierte

Als ich aufwachte, stand ich in unveränderter Haltung, auch die Hände noch unbewegt im Abstand der Dicke der Toilettenrolle. Diese Rolle war aber nicht mehr zu sehen. Dafür war die Kloschüssel randvoll mit klarem Wasser und das "gute Stück" schwamm - nun deutlich erkennbar - munter, wie ein Schiffchen, im Kreise.

Da muß also unmittelbar vor mir vieles geschehen sein, was ich mit offenen Augen nicht gesehen, mit den Händen nicht gefühlt und auch nicht gehört habe:

das Ganze aus meinen Händen nehmen, die Dinge trennen, das Eine oben lassen, die Rolle tief unten in den Abfluß stecken, mindestens einmal - eher zweimal - ziehen, das Wasser in kreisförmige Bewegung, bringen, zurücktreten und abwarten bis die Spülung wieder nachgelaufen war und beobachten, wie ich - erst als nichts mehr zu hören war - aufwachte

Das alles ergab eine wahrlich geraume "black out" - Zeit von mindestens zwei Minuten. So etwas habe ich vorher und nachher nie erlebt.

Und das alles muß Peter vorausberechnet und auch beobachtet haben. Welch ein psychiatrisches Experiment und was für ein Psychotiker!


6_Des Experimentes 2. Teil

Bei meinem Erwachen stand Peter also intensiv beobachtend neben mir. Als unsere Blicke sich trafen, machte er eine aufmunternde Geste in Richtung Schnur: Ich sollte die Spülung betätigen (und mir das "gute Stück" vielleicht über die Füße spülen)! Ich durchschaute aber inzwischen den Trick und mußte in diesem Moment ganz fürchterlich lachen, weil die strahlend hell blau leuchtende Inschrift:
American Standard

die Kloschüssel-Marke nämlich, im Inneren der Schüssel ins Porzellan gebrannt, mir das ganze Spiel sehr witzig zu kommentieren schien.

Ich muß in diesem Moment richtig "high" gewesen sein, weil die Far
en deutlich psychedelisch waren und ich mir nun auch einbildete, das so leuchtend braune "gute Stück" würde zusammen mit der Inschrift ein eindrucksvolles Photo ergeben. Ich rannte eilig fort, um eine Kamera zu suchen.
Als ich nach etwa zwei Minuten wieder zurückkam, war der ganze Spuk verschwunden, die Farbe verblaßt und mein "high" überwunden. Ich machte Peter spontan und in guter Laune ein Kompliment, zu dem er sich aber nicht äußerte. (Remember: "Schizophrene vermeiden Meta-Kommunikation".)

"Das Bestreben, den anderen verrückt zu machen" hat für mich seitdem einen Sinn erhalten, mit Motiven, die ich mir vorstellen kann.

Peter`s Experiment war aus meiner Sicht fair und - wenngleich befremdlich - doch genial. Ich hatte mich auf eine therapeutische Beziehung eingelassen. Das hat er benutzt, vielleicht um zu sehen, ob er mir (auch) real einen klassischen black out verpassen kann. Und der Ekel, an dem ich wohl ausgeklinkt war, war symbolisch geblieben, und keine Beschmutzung.


7_Exkurs: Pädagogik der Sauberkeit

Um seine Motive besser zu verstehen, muß man ein bißchen darüber wissen, in welchem Umfang Probleme um Exkremente die traditionellen Psychoanalytiker bei Analyse der Kinder neurotischer Eltern früherer Generationen beschäftigt haben. Das läßt sich leichter bei Betrachtung der Pädagogik erläutern, die die meisten aus diesen Jahrgängen für normal halten würden, nämlich die frühere Pädagogik der Erziehung zur "Sauberkeit".

In der Pädagogik kann man Motive, Ziele und kommunikative Mittel unterscheiden. Als Mittel sind Sprache und Verhalten und im Tenor, Vorbild, Anweisung, Erklärung, Lob, Belohnung, Tadel und Strafe bekannt. Wenn das Kind das Erstrebte nicht von alleine macht, soll es erkennen und tun, was es soll.

Das schwierigste Problem der Pädagogik ist immer ein Wechsel der pädagogischen Zielsetzung. Bei Erziehung Sauberkeit ist ein Zielwechsel beim Übergang von der Windelmethode zur Methode mit Töpfchen nötig. Allerdings gibt es bei der Erziehung zur Sauberkeit makabre Besonderheiten, weil kategorisch und singulär alle brauchbaren pädagogischen Mittel fehlen und das an dem Punkt eines ersten Wechsels der Zielsetzung, für den das Kind von sich aus meist überhaupt nicht motiviert sein kann.


8_Der unerklärbare Phasenwechsel

In einer langen, gemütlichen ersten Phase, in der das Kind von sich aus gerne macht, was es soll, wurde durch Lob und affektive Belohnung die Windelphase der Sauberkeit zu einem Zentrum der schönen Beziehungen gemacht.

Daher fehlen natürlich dem Kind die Motive zum Wechsel auf das neue Ziel, die Töpfchenphase, die auch sonst sehr wenig Anziehendes hat - man vergleiche die beiden Reinigungsprozeduren.

In der Sprache, die ja schon verstanden wird, fehlt dazu noch jedes vernünftige Wort für die Bezeichnung des gewünschten Aktes (man suche danach unter A,K,L,P,S,U oder sonst im Lexikon), also kann der Phasenwechsel sprachlich nicht erklärt werden, und die einzig funktionierende Alternative: Vormachen! ist nicht unmöglich, nein, Tabu.

Damit fehlen für die Ankündigung und Einleitung der zweiten Phase der Erziehung zur Sauberkeit das kindliche Motiv und alle positiven pädagogischen Mittel (Vorbild, Anweisung, Erklärung, Lob und Belohnung). Was übrig bleibt, ist unerwünscht, unverständlich, Zufall und Tadel und Strafe.

Die Folgen dieser für Generationen "normalen" Pädagogik ist eine ganze Epoche der Psychoanalyse, die im übrigen weitgehend nach ähnlich paradoxen Methoden verfährt.


9_Kotschmieren als Katastrophe

Wer über so etwas nicht ohne Panik nachdenken kann, sieht bei dem unter diesen Umständen natürlich nicht so seltenen Kotschmieren eine besondere Familien-Katastrophe. Dabei ist die Sache - die Mutter war fort - gleich zweifach erklärlich:

A_Es riecht so wie immer, wenn Mutter ganz nah und ganz freundlich ist, und

B_die Gefühle beim Gewindeltwerden sind immer so angenehm.

Woher soll also das Kind den Ekel bekommen?

Da ich nicht weiß, wie die Mutter von Peter das alles gemacht haben mag, gebe ich Peter Kredit auf Verständnis für sein Experiment mit mir. Ich bewundere sein Experiment gewissermaßen als die Entdeckung einer neuen regressiven Methode: vielleicht ein Versuch der Rückkehr in die Windelphase, die Phase ohne den Ekel. Den Therapeuten fehlen Experimente bisher.

In Zusammenhang mit dieser Beobachtung möchte ich besonders auf einen glänzenden Essay von Haley verweisen: The Art of Being Schizophrenic (196519), der mein Verständnis für das geniale Verrückte in verrücktem Kontext sehr gefördert hat.


10_Psychedelische Wirkungsdauer

Die von Peter erzwungene, schnelle Serie von kognitiv-emotionalen Dissonanzen hatte bei mir nicht nur für mehrere Gegenwartsspannen einen Systemzusammenbruch des Bewußtseins bewirkt, sondern hatte auch - wenn mich mein Eindruck nich
täuscht - den Anflug einer psychedelischen Nachphase von etwa gleich langer Dauer erzeugt, in der ich dann eine genügend hohe mentale Geschwindigkeit hatte, mich seinen suggestiven Manövern durch Entfaltung eigener Aktivität zu entziehen.


11_Ein Modulatorenpaar

Das hypothetische metabolische Psychedelikum oder Halluzinogen muß dabei eine im Vergleich zu den mit LSD entstehenden sehr viel kürzere Wirkungsdauer haben, wie das ähnlich für die körpereigenen Endorphine im Vergleich zu den Opiaten bekannt ist (vergleiche Verebey 1982 und Rodgers et al., zitiert in den Vorbemerkungen S. iii).

Da Endorphine und dieses "Endopsychedelikum"

A_beide euphorische Wirkungen haben,
B_in Bezug auf Bewußtseinsprozesse aber einander entgegengerichtete Wirkungen,
C_beide eine vergleichbare Wirkungsdauer haben und
D_beide durch kommunikative Interaktion ausgelöst werden können,

ergäben Endorphine und das Endopsychedelikum miteinander ein überzeugendes Modulatorenpaar für eine positiv gestimmte Steuerung psychologischer Interaktionen in Konflikten, das der Natur sehr deutlich entsprechen könnte. Vielleicht finden sich dazu in der neueren Literatur weitere Hinweise.






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9 .   L I T E R A T U R     Ü B E R     L S D     T H E R A P I E N 

1_Zum Zeitpunkt der Sammlung

Die im folgenden gegebene Übersicht (vergleiche die nach Jahren geordneten LSD-Referenzen in Abschnitt 11.) kann nur eine Skizze sein und ist keineswegs geeignet, alle Aspekte der Therapie mit LSD anzusprechen. Darüberhinaus ist es eine Skizze von damals - 1973 - und in diesem Kontext dazu da, meine Überlegungen darzustellen, die um Verständnis psychotischer Zustände kreisten und mehr und mehr davon beeinflußt waren, daß ich der Ethik der deutschen psychiatrischen Schule nicht mehr trauen konnte.

Nun sollte sich zeigen, daß in Bezug auf LSD auch die eingangs referierten amerikanischen Standardwerke nicht wirklichkeitsgetreu berichtet hatten.


2_LSD, Mescalin und Psilocybin

LSD war nach Entdeckung seiner außergewöhnlichen Wirkung durch Hoffmann sehr bald für viele Psychiater eine faszinierende Substanz geworden, mit der wissenschaftlich intensiv gearbeitet wurde.

Man vermutete bald, daß LSD die (von Ellis Haavellock 1898 und Stockings 1940) schon beschriebenen Wirkungen des natürlichen Alkaloids Mescalin hat. Das wurde experimentell überprüft (Matefi 1952, Cholden 1956, Rinkel 1957), auf Psilocybin, den Wirkstoff vieler Pilzarten, erweitert (Rinkel 1960) und für alle drei von zwei renommierten Forschern am US-Public Health Hospital in Lexington, Kentucky, in experimentellen Serien bewiesen (Isbell et al. 1961, Wolbach et al. 1961)
Der Nobelpreisträger Julius Axelrod untersuchte die Verteilung und den Stoffwechsel (1957) von LSD. Aus dessen Schule kam auch Solomon H Snyder, dessen Publikation (1973) ich schon mehrfach zitiert habe. Folgen wir aber zunächst den Beobachtungen der Untersucher in der Bibliographie:


3_ Wirkungs-Beschreibungen

Betrachten wir die folgende Tabelle mit den wesentlichsten Stichworten aus den Titeln der Autoren, die Mescalin, Psilocybin oder LSD untersucht haben:

Autor Stichworte Jahr
Ellis artificial paradise 1898
Stockgings psychotic states 1940
Stoll Phantastikum 1947
Becker Psychopathologie 1949
Rinkel schizophrenia-like 1951
Fischer Modell-Schizophrenie 1951
Matefi Rausch 1952
Jackson mental changes 1952
Rinkel experimental psychosis 1955
Bercel model psychoses 1956
Rinkel pharmacodynamics 1957
Amadeo psychotogen 1960
Rinkel psychotogen 1960
Sherwood psychedelic experience 1962
Leuner eperimentelle Psychose 1962
Savage transcendence 1962
Fanchamps drogues magiques 1962
Leuner psychotomimetic 1963
Alnaes change of consciousness 1964
" psycholytica " 1964
Harman psychedelic agents 1966
Clark religious experience 1968
Hoffer hallucinongens 1972
Cerletti Halluzinogen 1972
Savage psychedelic 1973
Rydzynski psychotomimetic 1978
Richards psychedelic 1978
Bastiaans hallucinogenic 1978
Tremlow J.Psychedelic Drugs 1979

Die Tabelle läßt deutlich die Probleme der Klassifizierung der Wirkungen erkennen. Die Beschreibungen schwimmen dem Sinn nach zwischen phantastisch und psychotisch, so wie ja auch die Ausdrücke "irre" und "wahnsinnig" im allgemeinen Sprachgebrauch schwimmen.

Der Ausdruck "psychedelisch", auf den sich die meisten Autoren aus diesem Grunde einigen lassen, beschreibt einen Zustand "intensivierter Wahrnehmung" und läßt offen, ob die begleitenden Gefühle angenehm oder unangenehm sind. Auch "halluzinogen" ist in diesem Sinne neutral, weil Halluzinationen ein "Horror" oder aber ein "phantastisches" Ereignis sein können.


4_Psychotherapie mit LSD

Die ersten therapeutischen Berichte nach der Phase der experimentellen Psychiatrie, in der chemische Konzepte der Psychose-Entstehung im Vordergrund des Interesses standen, kamen aus der analytischen Psychotherapie (hier Abramson 1955).

Wer Freud`sche Theorien, die Bedeutung der Traumanalyse für die Behandlung von Neurosen und das Problem verdrängter Bewußtseinsinhalte kennt, der kann sich vorstellen, daß die Arbeit des Analytikers wesentlich erleichtert werden kann, wenn es möglich wird, mit dem träumenden Menschen sozusagen während des Träumens zu reden.

Das ist in gewissem Sinne auch der Fall.

Auf der biochemisch-neurodynamischen Ebene kann man sich auch vorstellen, daß die rascher verlaufenden Neurotransmitter-Aktionen die neurotischen Barrieren überspringen, so daß sich "Ve
drängungen", die Ursachen der Neurosen, nicht mehr halten können.
Psychotherapie mit LSD wurde daher von vielen untersucht, hier von:

1959 Grover, Smith; 1960 Ling, Chandler;
1962 Böszörmenyi - die Titel verraten es:
"facillitating agent" oder "über die psychotherapiefördernde Wirkung einiger halluzinogener Substanzen".

1963 ein Buch von Ling - "LSD bei Behandlung der Neurose" -, und das -

"neue Konzept der psychedelischen Erfahrung" (Sherwood 1962)

bekommt neue Namen und Konzepte:

1963 - "personality change" - (Unger) -"Abreaction" - (Robinson) - "ego functions" - (Klee) und 1964 - "change of consciousness" - (Alnaes).

Schon 1962 stellt Leuner, Göttingen, in der Einleitung seines Buches fest, daß die Tatsache, daß LSD eminent therapeutische Wirkungen hat, allen gegenwärtigen psychiatrischen Theorien widerspreche (1963 zwei weitere Arbeiten aus Göttingen.)

Es gab also keinen begründeten Zweifel daran, daß LSD den psychotherapeutischen Erfolg erleichtert, erhöht und sogar in sonst unheilbaren Fällen möglich macht. Bald folgte die erste internationale Konferenz (Abramson (ED) 1966/67).

Diese Erfolge der Analytiker sind auch später nicht widerlegt worden

(Mechaneck 1968, Clyman 1972, Soskin 1973, Abramson 1973,1976,1977, Richards 1977,1978, Brandrup 1977, Bastiaans 1978, Grof 1978,1980, Hoffmann 1979).

Man lese besonders "Topographie des Unbewußten" von Stanislav Grof (1978) und "LSD - Mein Sorgenkind" von Albert Hoffmann (1979) oder (englisch) LSD-Psychotherapy von Grof (1980), eine Darstellung der LSD-Therapie nach 30 Jahren Forschung.


5_ Behandlung von Alkoholikern

Noch größer waren die Erfolge beim chronischen Alkoholismus. Es ist kaum denkbar, daß jemand die zitierten Arbeiten lesen könnte, ohne sich davon zu überzeugen, daß die Therapie mit Psychedelika ganz ungewöhnlich erfolgreich ist.

Die Erfolge bei chronischen Alkoholikern - deren Behandlung sonst kaum aussichtsreich ist - waren dem ersten Bericht (Chwelos 1959) noch kaum zu glauben: nach einer einzigen LSD-Behandlung- allerdings unter optimalen Bedingungen - hatte er bei 95% der Alkoholiker Abstinenz erreicht. Ohne weitere Betreuung waren nach 3 Jahren noch 60% abstinent.
Aber andere Untersuchungen folgten, McLean 1961, Savage, Jensen 1962, Smart 1964, viele Arbeiten in Abramson (Edit.), Abuzzahab 1971, die keinen Zweifel mehr ließen, daß die sorgfältig überwachte LSD-Sitzung, "the business man`s weekend trip", bei Alkoholikern, die vorher bis zu acht und zwölf Jahren schwer erkrankt waren, ein sehr hohes therapeutisches Potential hatte. Viele Behandler waren sich einig, daß die Dosis hoch genug sein mußte, um ein "transzendentales" Erlebnis zu bewirken.

Alkohol kann einen euphorisch-angenehmen Rausch erzeugen, ist aber ein Narkotikum, wie Schlafmittel eine Substanz, die die Funktion des Zentralnervensystems, die Neurotransmitter, verlangsamt, ein "downer" in der Sprache der Subkultur. LSD, Psilocybin und Mescalin sind "upper", Dopamin-Agonisten, die die Funktionen des Zentralnervensystems beschleunigen und - bei Dosen in der Größenordnung von 2 mikrogramm pro Kg Körpergewicht - ein mit "Rausch" kaum zu beschreibendes Erlebnis bewirken, unter erfahren-sensibler Führung des "supportive environment" eben eine "Erleuchtung" mit überlegener "Bekehrungstendenz".


6_Religiöse Erfahrung

Diese religiöse Ausdrucksweise ist der Sache nicht unangemessen. Es gibt Kulturgeschichten, die wesentliche kulturelle Quellen des Abendlandes, Mystik und Mysterien, indianischer Kultur, die Kunst der Azteken und andere in irdischem Zusammenhang mit Pilzen, Kakteen und anderen Pflanzen beschreiben, die psychedelisch wirkende Pharmaka bergen. "Pflanzen der Götter" heißt der Titel eines sehr gut ausgestatteten Buches von Richard E. Schultes und Albert Hoffmann (198020), in dem der Entdecker von LSD und der Direktor des berühmten Botanischen Gartens von Boston systematisch Zusammenhänge von Kultur, Religion und Drogen beschreiben.

Ein Pastor hat in einer Kirche in Cambridge, USA, einen Gottesdienst mit Laien und Geistlichen zelebriert, von denen jeweils die Hälfte eine Dosis LSD erhalten hatten. Die sorgfältige Studie der Auswirkungen dieses Gottesdienstes läßt keinen Zweifel an der religiösen Wirksamkeit "transzendentaler Erlebnisse" und der Potenz von LSD, sie in geeignetem Rahmen zu bewirken (Clark 1968).


7_Kreative Lösung von Problemen

Daß psychedelische Drogen kreativ machen können, bezweifeln die wenigsten, auch ohne eigene Erfahrungen; zu viele Maler und Musiker sind dafür bekannt, daß Drogen - soll heißen Psychedelika - in ihrer Arbeit eine Rolle spielen.

Weniger bekannt ist, daß auch für die kreative Lösung von Problemen LSD unübertroffen hilfreich ist. Das hat Harmann (1966) eindrucksvoll bewiesen.

In einem schönen Saal mit geeigneten Arbeitsplätzen versammelte er Menschen aus Berufen, in denen komplexe Probleme kreativ zu lösen si
d, Architekten, Planer u.a. Sie waren darauf vorbereitet worden, für einen Tag unter LSD an einer selbstgewählten Aufgabe zu arbeiten und hatten alles dazu Nötige mitgebracht.

Das Experiment verlief ohne Probleme und die Befragung nach einem Jahr ergab bei der Mehrzahl der Beteiligten dauerhafte und oft ungewöhnliche Erfolge dieses einen Tages.


8_Gefahren der LSD-Behandlung

Gemessen an anderen Substanzen, die Menschen - verschrieben oder nicht verschrieben - zu sich nehmen ist LSD - was für viele überraschend sein mag - ganz ungefährlich (Cohen 1960).

Die LD50 für die Maus (die Dosis, bei der gerade 50% der Versuchstiere sterben) liegt bei 50-60 mg/Kg, für die Ratte bei 16,5 mg/Kg und für Kaninchen bei 0.3 mg/Kg.

Da die wirksame Dosis beim Menschen aber bei 0.001 bis 0.003 mg/Kg liegt, wären erst 300-600 "trips" (im Vergleich zum Kaninchen) oder 50 000 bis 100 000 "trips" (im Vergleich zur Maus) eine Dosis, die in diesen Gefahrenbereich führt.


Es ist kein durch LSD direkt erzeugter Todesfall beim Menschen bekannt geworden. Allerdings starb ein Elefant, wenige Minuten nachdem ihm 297 mg LSD (ca 1 500 Trips) injiziert worden waren, im status epilepticus.

Man bekommt auch keine Leber-, Herz- oder Nierenschäden. Man hat erweiterte Pupillen - mit anderen Zeichen eines Sympathikotonus. Alles, was passiert, ist psychologischer Natur mit sehr neuartigen Erscheinungen.

Allerdings ist auch eine Geisteskrankheit, was das Überleben betrifft, recht ungefährlich, denn Schizophrene haben hohe Lebenserwartungen. Man kann also die Gefährlichkeit von LSD nicht nur an körperlicher Krankheit und Überlebenszeiten messen.

Deutlich ist, daß Ärzte, die Patienten mit LSD behandeln, sehr sorgfältig dosieren und außerordentlich sorgfältige Fürsorge für diesen Patienten arrangieren, bis die Wirkungen wieder abgeklungen sind.


9_ Publizität bei Laien

Man kann sich vorstellen, daß die Wirkungen von LSD nicht nur Ärzte interessierten. Zu viele hatten an Experimenten teilgenommen und an LSD Interesse gefunden. Manche Experimentatoren - die meisten wissen das von Leary (1963) - unterstützten auch den privaten Gebrauch außerhalb des ärztlichen "Setting".
Die Medien beschäftigten sich mit dem Thema, nicht nur im Dienste der Wahrheit (Glaser 1970), Desinformation und Information ergaben eine Informationslawine, die eine erhebliche Wirkung hatte (Dahlberg 1968).


10_Desinformation und andre Maßnahmen

Abramson (1967) berichtet über die konzertierten Aktionen der Medien, vor allem Life (25.6.1966), der pharmazeutischen Industrie und der Regierungen.

"In einige Fällen haben diese Regelungen die Forschung über den Wert von LSD bei der Behandlung schwerer neurotischer Verhaltensweisen aufgehalten bei genau den Ärzten mit der umfangreichsten Erfahrung in der klinischen und experimentellen Nutzung von LSD, die LSD-Forschung den Ignoranten und den Böswilligen überlassen." (So lautet die Formulierung von Dr. Frank Fremont-Smith, ehemaliger Präsident der "World Federation of Mental Health" und Direktor des interdisziplinären Kommunikations-Programms der New York Academy of Sciences, Seite XV.)

Vielleicht erklären sich so eine Reihe von kritischen Arbeiten gegen Ende der 60-er Jahre (Smart 1967, Ludwig et al. 1969, Johnson 1969). Überzeugender sind die Arbeiten von Kurland 1970 und Clyman 1972, die die Entscheidung der weiteren Forschung empfehlen. Da aber wird wieder deutlich, daß die Forschung damals - außer in den Ostblockstaaten (Hausner 1975, Rydzynski 1977) - offensichtlich drakonisch beendet wurde.


11_ Die Lizenzen für Ärzte

LSD ist eine international kontrollierte Substanz, daher sind Herstellung, Vertrieb Verkauf und Erwerb genehmigungspflichtig. Die Genehmigung erteilt in den USA die FDA (Food and Drug Administration), bei uns das Gesundheitsamt. Es gab keinen Rechtsanspruch auf eine Lizenz.

Es war also möglich, Therapien mit LSD zu unterbinden und es wurde unterbunden. Ein überzeugendes Gefühl für die Tragik dieser Entwicklung gibt ein Aufsatz von Abramson 1973, der darlegt, daß über 3000 die therapeutische Verwendung von LSD unterstützenden Arbeiten diese Entwicklung nicht aufzuhalten vermochten.


12_Vergleich der Gefahren

Das für den Naiven Unglaubliche an dieser - wie es scheint - totalen und mit Unterstützung der Mächtigen aller Sparten geführten Unterwerfung einer hoffnungsvollen Therapie im Bereich der Psychiatrie ist, daß keine der Kritiken an dieser Therapie auch nur den Versuch gemacht hat, ihre Gefährlichkeit für lege artis behandelte Patienten zu erweisen.

Während die Psychiater aller Länder offenbar ohne Bedenken über Jahrzehnte somatische Therapien einsetzten, bei denen die Mortalität pro Behandlung bei 1% und darüber lag,

(von der Kardiazol-Krampftherapie, über die Koma-Therapien, Insulinschocktherapie, bis hin zu Elektroschock, Lobotomie und der Pharmakotherapie mit Neuroleptika)

ist noch nie ein Todesfall durch direkte Einwirkung von LSD am Menschen beschrieben worden. Auch gibt es keine Nebenwirkung dieses Medikamentes, die eine körperliche Schädigung bedeutet. Das wird verständlich, wenn man wieder bedenkt, daß schon 20 mikrogramm davon eine unverkennbare Wirkung entfalten, das entspricht einem Zehntausendstel einer früher üblic
en Schlaftablette (0.2 Luminal).

13_Woher der Eifer?

Da war also die Frage, was hier den großen Eifer und die zähe Konsistenz aller Gegner dieser Therapie bedingt. Warum veranstaltet man weltweite Kampagnen, um sozusagen die Menschen auf der Straße gegen Drogen aufzubringen, die eher als Wundermittel der Natur anzusehen sind, denn als "Satansdrogen", wie das später der Stern bei Besprechung des Buches von Hoffmann in den Schlagzeilen bezeichnet hat? (Nicht Satan hat diese Pflanzen und Pilze gemacht.)

Wer die Studien über die Wirkungen von LSD bei normalen Menschen gelesen hat (wie die von Dittmann in Abramson 1966/67 S. 74-80, oder von Harmann (1966), oder wer die anthropologischen Arbeiten kennt (z.B. McGlothlin, in Abramson 1966/67 S. 3-43) wird vielleicht eher einen biblischen Krieg der neuen hohen Priester gegen den Apfel vom Baume der Erkenntnis sehen und sich deshalb erklären können, daß dabei zwar in aller Schärfe, aber doch mit verdeckten Waffen gekämpft worden ist.

Im Zusammenhang mit ähnlich kaschierten Tatsachen in Bezug auf die Wirkung von Opiaten werden später noch andere Erklärungen möglich erscheinen.







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1 0 .   D A S     P R O B L E M     M I T     D E R     I L L E G A L I T Ä T 

1_Die Versuchung des Wissenwollens

Die Klarheit der bisherigen Darstellung ergibt kein sehr treffendes Bild davon, wie schwierig es war, zu dieser Klarheit zu kommen. Vieles, was hier geordnet, vorbereitet oder besonnen erscheint, ist das Ergebnis eines zum Teil verworrenen Entwicklungsprozesses mit vielen Überraschungen.

Das größte Problem in diesem Prozess war die Unsicherheit in Bezug auf die ethischen Entscheidungen zwischen formalen Gesetzen und einer prinzipiell verstandenen ärztlichen Ethik. Diese Unsicherheit war umso größer, je mehr ich zu der Erkenntnis neigte, daß die Schulpsychiatrie auf ganz direkte Weise legale Mittel verwendete, um illegale Ziele zu verfolgen.

Interessanterweise verschwand die Entscheidungsunsicherheit meist dann, wenn ich etwas Wichtiges wissen wollte und eine Möglichkeit sah, die betreffende Frage zu klären. Ein Beispiel für so eine Frage ist:

"Kann man den Antagonismus von Halluzinogenen und Neuroleptika dazu verwenden, einem Patienten, der wegen einer zu hohen Dosis von Neuroleptika überhaupt nicht mehr reden kann, so weit zu helfen, daß man ihn explorieren kann?"

Man kann in der Tat. Nur durfte man das LSD ohne Sondererlaubnis nicht erwerben.

Nach einer Weile des relativ unbesorgten Wissenwollens wurde immer klarer, daß ich wenigstens mein Wissen auf irgend eine Weise legalisieren mußte. Der Anlaß dazu kam in einer Kampfsituation um einen Patienten, durch die bereits erwähnte offizielle Beschwerde von Professor Hippius beim Gesundheitsamt, "daß ich einen gemeingefährlichen Patienten in privater Praxis behandle" (vergleiche Abschnitt 4 S. 43).

Dieser "gemeingefährliche" Mensch war in der Klinik so hoch mit Neuroleptika dosiert worden, daß nicht ein Wort aus ihm herauszuholen war. Eine Weile nach meiner Behandlung mit dem geeigneten Antidot hatte er mich - original in schönstem Bayrisch - mit dem Vorschlag überrascht:

"Wir zwei halten zusammen!"

Als dann das Schreiben vom Gesundheitsamt mit der Aufforderung kam, zu der Beschwerde von Professor Hippius Stellung zu nehmen, sah ich eine Gelegenheit, mein Wissen zu legalisieren.
2_Die Selbstanzeige

In meiner Antwort an das Gesundheitsamt bat ich - in Zusammenhang mit dieser Möglichkeit der Behandlung einer zu hohen Neuroleptika-Dosis - um Befürwortung eines Antrags auf eine Sondererlaubnis zum Bezug von LSD an das Bundesgesundheitsamtin Berlin. Die dazu nötigen Erfahrungen, schrieb ich, hätte ich ohne Erlaubnis erworben.

Daraufhin erhielt ich vom Münchener Gesundheitsamt eine Aufforderung, "meinen Bezugschein zum Erwerb von LSD vorzulegen", sonst wäre man genötigt, bei der Strafverfolgungsbehörde Anzeige zu erstatten.

In meiner Antwort wiederholte ich meine Aussage, daß ich die nötigen Erfahrungen ohne Erlaubnis erworben hätte.

Einige Wochen danach kam dann ein Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft zur Bezahlung von DM 500.- wegen "Erwerbs einer nicht mehr feststellbaren Menge von LSD". Als Preis für die Freiheit, über Erfahrungen mit LSD die Wahrheit zu sagen, fand ich diesen Betrag angemessen und bezahlte ihn.


3_LSD ist kein Suchtmittel

Wer keine eigene Erfahrung hat und LSD nur vom Hörensagen oder von den Medien her kennt, geht meistens davon aus, daß LSD ein Suchtmittel ist, (das noch dazu oft den Wunsch erzeugt "auf stärkere Mittel überzugehen"). Das ist - bezogen auf LSD - auf gar keine Weise richtig, (und daß Heroin nicht ein "stärkeres Mittel" ist, sondern ein klares Antidot, mit dem man die Wirkung von LSD aufheben kann, wird in Kapitel IV berichtet werden).

Man kann nicht mehrere Tage hintereinander die gleiche Dosis LSD nehmen und dabei die gleiche Wirkung erfahren. Wenn man versucht, durch Steigerung der Dosis doch noch eine LSD-typische Wirkung zu erreichen, merkt man sogar
daß auch das nicht gelingt. Am vierten oder fünften Tag spürt man so gut wie gar nichts mehr.

Die sich rasch entwickelnde Toleranz ist also ganz anderer Art als die bei Opiaten, erklärt durch die Tatsache, daß LSD nur ein besonderes Substrat für eine im Körper angelegte psychedelische Reaktion liefert, eine Reaktion, die sich sehr bald erschöpft.

Es gibt auch keine Entzugssymptome, sondern - trotz der unter LSD meist erlebten Euphorie - mehr ein Gefühl der Erschöpfung, psychologisch einen Sättigungseffekt. Und obwohl die Toleranz gegenüber der Wirkung binnen Tagen wieder verschwindet, bleibt eher eine deutliche Abneigung gegenüber einem neuen LSD-Erlebnisrausch zurück, wie die Scheu vor einer riesigen Anstrengung, als ein besonderes Bedürfnis danach.

LSD ist also kein Suchtmittel und der Fall einer LSD-Sucht ist auch noch nie beschrieben worden.


4_Paradox-pädagogische Wirkung

Die allgemeine Fehlinformation der Öffentlichkeit führt zu großen Problemen für die vernünftigen Bemühungen, den illegalen Gebrauch von Halluzinogenen mit seinen vielfältigen Risiken wirksam einzuschränken. Paradoxerweise wirkt sich das oft besonders negativ in Familien aus, in denen die Eltern gerade gute Beziehungen zu ihren Kindern hatten. Auch Lehrer und Erzieher mit guten Beziehungen sind davon betroffen.

Man muß sich einen Jugendlichen vorstellen, der, von irgend jemandem dazu verführt, nun eigene Erfahrungen hat, und daher deutlich erkennt, daß seine Erfahrungen im Gegensatz zu der ("professionell informierten") Überzeugung seiner Eltern (Erzieher, Lehrer) stehen. Durch den Widerspruch zwischen seiner realen Erfahrung und der im Detail fehlgeleiteten Überzeugung der Eltern disqualifiziert sich eine im Kern völlig richtige pädagogische Bemühung der Eltern auf rein technische Weise. Der Jugendliche erkennt, daß die Eltern (Erzieher, Lehrer) deutlich falsche Vorstellungen von der Wirkung der Drogen haben und neigt dann dazu, die wohlgemeinten Ratschläge ganz in den Wind zu schlagen.

Wenn das nun in einer Beziehung passiert, in der die Eltern oder Lehrer - eben weil sie vernünftig sind - jedenfalls immer irgendwie ernst genommen wurden, geschieht in diesen Beziehungen etwas völlig Neues, nämlich die Erfahrung, daß mit dem Jugendlichen überhaupt nicht ("vernünftig") zu reden ist, "weil er Drogen genommen hat". Nachdem der Jugendliche das aus seiner Sicht logischerweise wieder anders sieht, muß nun eine echte Beziehungskrise entstehen, mit Besorgnis oder gar Angst auf beiden Seiten.


5_Systematische Eskalation

Dieses für gute familiäre Beziehungen unter Umständen schon verheerende Problem muß durch die Illegalität des Drogengebrauchs und den ohnedies großen Einfluß oder direkten Druck, den Jugendliche auf Jugendliche ausüben, auf ganz systematische Weise eskalieren.

Jeder Jugendliche weiß, wie gefährlich es für ihn sein kann, wenn die Eltern eines Freundes erfahren, daß er ihrem Kind verbotene Drogen gegeben oder gar verkauft hat. Also wird er Druck auf ihn ausüben oder sonst dafür sorgen, daß die Beziehungen dieses "Freundes" zu seinen Eltern unaufrichtig werden, und das wieder ganz besonders dann, wenn sie besonders aufrichtig waren. Auf der Freundschaftsebene bedeutet das den Übergang einer nach außen offenenen Freundschaft in eine Komplizenschaft, die nach außen gesichert wird.

Etwas weiter gezogen entsteht auf diese Weise eine Verstärkung der negativen Einflüsse des ohnehin sehr problematischen Gruppendrucks (peer-pressure) auf die Kinder mit gefürchteten Sanktionen für Aussteiger. So kommt es in losen oder engen Gemeinschaften - z.B. Lehrer, Kinder und Familien von Schulen, noch mehr in Internaten - zu einer schwer überwindlichen Kluft zwischen der wissenden Subkultur und den nun in doppelter Weise fehlinformierten Kreisen. Und das führte schon in vielen Familien, Schulen oder anderen pädagogischen Institutionen dazu, daß die gewünschten und nötigen pädagogisch-verläßlichen Beziehungen weitgehend verlorengegangen sind.


6_Die ärztliche Schweigepflicht

Unter diesen Umständen wäre das vom Gesetzgeber für solche Situationen idealtypisch sinnvoll durchdachte Prinzip der ärztlichen Schweigepflicht ein zumindest geeignetes Korrektiv.

Der Jugendliche könnte sich dem Arzt offenbaren und doch sicher sein, daß seine Information den Strafverfolgungsbehörden nicht zugänglich wird. Erweist sich der Arzt als gut informiert oder kann er sich durch sorgfältige Exploration seines Patienten reell informieren, wird er sich bei Problemen meistens hilfreich erweisen und so einen gewissen Einfluß auf die epidemiologische Entwicklung des allgemeinen Drogengebrauchs geltend machen.

Wenn aber, wie im vorigen gezeigt worden ist, die allgemeine Fehlinformation über die Wirkung von Drogen auch die Ärzte ergriffen hat, ist auch dieses Korrektiv gefährdet. Es kann dann im Kreise der Drogenbenutzer, wie die Erfahrungen bei Pop-Festivals in der Hippie-Zeit zeigten, zur Bildung einer therapeutischen Gegen-Elite kommen. So waren in den Kreisen mit LSD-Erfahrung immer Leute zu finden, die recht gut in der Lage waren, einen anderen aus seinem "Horror" zu befreien, mit einer sensiblen Zuwendung oder Geste, im Jargon auch
"vibration" genannt.
Das ist jedoch, professionell gesehen, ein bedauerlicher Kompromiß. So wird es zur Wiederherstellung der familiären und pädagogischen Beziehungen und eines professionell vertretbaren Arzt-Patient-Verhältnisses nötig sein, über die Wirkung von Drogen auf verschiedene Menschen die angemessene Wahrheit zu verbreiten.


7_Legalität als Voraussetzung

Obwohl in meiner Situation noch eine gesetzliche Lücke bestand, zeigte sich bald, daß eine klare Legalität auch die Voraussetzung dafür ist, daß man als Arzt LSD gefahrlos verwenden kann.

Die gesetzliche Lücke erläuterte mir der ältere Kollege, bei dem ich Assistent war. Nachdem ich LSD in meiner Hausapotheke habe, sei ich bezüglich der Abgabe nur meiner ärztlichen Verantwortung und der Einwilligung des Patienten unterworfen. Denn nur der Erwerb sei gesetzlich verboten, die ärztliche Anwendung nicht.

Leider ergab diese Konstruktion für mich in meiner damaligen Situation eine Unsicherheit, die mich dazu verführte, das LSD in einigen Fällen - gut überlegt und doch nicht besonnen - anzuwenden. Das Problem dabei waren Befürchtungen darüber, daß LSD in den Augen anderer illegal war. Daraus folgt eine Geheimhaltungstendenz gegenüber den Angehörigen der aufgeklärten Patienten.


So passierte etwas durch eine Patientin, die die erleichternde Erfahrung gemacht hatte, daß sie die dramatischen Konflikte mit ihrem Mann - noch dazu einem Freund von mir - unter LSD wie spielend vermeiden konnte. Da ihr Mann gegen die Benutzung von LSD eingestellt war, hatte sie mich beschworen, ihm nichts darüber zu sagen.

Um nun ihren Mann zu überzeugen, ging sie so weit, ihm ohne sein Wissen eine Dosis aufs Butterbrot zu streichen. Darüber war der Mann natürlich sehr empört. Glücklicherweise passierte nichts weiter, als daß er mich anzeigte.

Daraufhin erhielt ich einen zweiten Strafbefehl, diesmal über DM 1 000.-, gegen den ich Widerspruch einlegen wollte, weil meine Behandlung gut begründet war, ich gar nicht geahnt hatte, daß meine Patientin auf diese widerrechtliche Weise handeln würde, und weil ich ja auch davon ausgegangen war, daß die Verwendung von LSD nicht verboten worden war.