Startseite VORWORT RECHTLICHES DER MORPHINIST DAS MORPHINISTISCHE MANIFEST Dr. HANNES KAPUSTE AXEL JUNKER KARLOS & Co. ERFAHRUNGEN KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN ANTIQUARIAT RECHT, POLITIK, WISSENSCHAFT UND MEHR.... SOZIAL & POLITISCH KRITISCHES GEMISCHTES GEDICHTE & PROSAISCHES BRIEFE SUCHEN

Dr. HANNES KAPUSTE:
Wohl eine der größten Kapazitäten des Landes, auf dem Gebiet der Suchtbehandlung. Am Arbeiten gehindert durch korrupte Elemente innerhalb Wissenschaft und Rechtssprechung.


Themen:
Eugenik als Hintergrund unserer Drogenpolitik?
Böse Folgen eines BGH Fehlurteils
Menschen, die keinen Arzt mehr finden.
Die verborgene Norm
Familientherapie und Schizophrenie
Therapie in der Familie
Schizophrenie eine körperliche Erkrankung?
Familientherapie und Psychiatrie
Alchimie des Gemüts
LSD gilt nicht als Heilmittel
Medizinisch nutriologische Grundlagen
Risikoträchtige Relikte
Histamin und die Methadonbehandlung
Medizinische Differenzierung Heroinsuchtproblem
ZUR PSYCHOLOGIE DER SUCHT
Persönlichkeit und Herkunft Heroinabhängiger
Aufschlussreicher Briefwechsel
Der verheerende Einfluss des Patentrechts
Pointierte Thesen und Tatsachen zum Heroin Problem
Das Geheimnis der sogenannten Heroinsucht
Pyrrolurie - Vit. B6 & Zink
Neuroleptika im Vergleich zu "Drogen"


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Medizinische Differenzierung des Heroinuchtproblem

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I N H A L T S V E R Z E I C H N I S 

Zusammenfassung

Heroinsucht als unfruchtbare Kategorie
Valide Konzepte
Gefahren der Methadon-Behandlung
Differenzierung des Schizophreniebegriffs
Vitamin C als Heilmittel
Die Situation in München und TEMGESIC
Die "MALVARIA" unter den Heroin-Süchtigen
Die " metabolische Dysperzeption"
Die Sucht und der Zuckerstoffwechsel
Suicidale Depression
Die "Histadelie"
Hohes Serum-Kupfer bei Süchtigen
Depressionen als Folge von Allergien
Antiallergische Eigenschaftender Opiate

Literatur

Brief und Gutachten



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Z U S A M M E N F A S S U N G 

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Seit Jahrhunderten ist das Opium das vielseitigste und wirksamste Mittel der Medizin zur Linderung von Leiden. Diese Tatsache wird die Grundlage einer Untersuchung von mehr als 100 Heroin/Temgesic-Süchtigen in München, die durch jahrelange Vernachlässigung durch die deutsche Ärzteschaft hochausgelesen, eine Häufung von Leiden aufweisen, die durch Heroin zweifellos gelindert werden: suizidale Depression. Psychosen, Angstsyndrome, Sinneswahrnehmungsstörungen, Schmerzen, Diarrhöen und im weitesten Sinne weit verbreitete Ernährungsstörungen. Der Autor belegt diese Hypothese anhand von Hoffer &Osmond's Diagnostischem Test für Schizophrenien, Depressionen und Dysperzeptionen und den folgenden Befunden: Hypoglykamien - die Ursache von fälschlich als Heroin-Entzugssymptome gedeuteten Beschwerden - bei 80 von 80 Untersuchten; mehr als 40% erhöhtes Serum-Kupfer - Ursache von Depressionen -; Malvaria (Pyrolurie) hei mehr als 30% - eine Ursache von Schizophrenie; ungezählte ökologische Krankheiten. Er plädiert für die Förderung medizinisch differenzierender Behandlungsprogramme dieser die Bevölkerung gefährdenden Seuche in Deutschland anstatt des gegenwärtigen Kampfes gegen so ein Programm.

„Unter den Heilmitteln, von denen es dem allmächtigen Gott gefallen hat sie dem Menschen zur Linderung seiner Leiden zu geben ist keines so universell und wirksam wie das Opium."
Diesen Satz von Sydenham (1680) zitiert Jaffe nicht ohne guten Grund zu Beginn seiner Darstellung der Opium-Alkaloide im Standard-Lehrbuch der Pharmakologie von L.S. Goodman und A. Gilman. Thomas Sydenham, von dem oft gesagt wurde, er habe für die Medizin des 16. Jahrhunderts getan, was Hippokrates zu seiner Zeit getan hatte, spricht von seiner Überzeugung, „daß der Arzt, der die natürlichen Phänomene verschiedener Krankheiten mit seinen eigenen Augen und nicht durch das Medium der Bücher - ernsthaft studiert, sich notwendigerweise auszeichnen wird in der Kunst der Entdeckung der wahren Indikationen dafür, welche heilenden Maßnahmen für jeden gegebenen Fall zu ergreifen sind" (Inglis, 1965, S.99).

Obwohl heute in vielen Ländern viele Heroinsüchtige zu finden sind, wurde es dem unbefangenen Arzt sehr erschwert, bei einer nicht bereits ausgelesenen Stichprobe dieser Jugendlichen, „die natürlichen Phänomene verschiedener Krankheiten mit eigenen Augen ernsthaft zu studieren". Besonders in den Vereinigten Staaten mußte sich die unbefangene Ärzteschaft schon vor Jahrzehnten aus Furcht vor Verfolgung und Inhaftierung aus dem Feld der Suche nach effektiveren Methoden der Suchtbehandlung zurückziehen und das Feld denen überlassen, die an ganz bestimmte Aufträge der Regierung gebunden waren. Je mehr nun deutlich geworden ist, daß bei allen „Programmen", die für die Heroin-Sucht etabliert werden konnten, diese Sucht ein großes Problem blieb, das nicht einmal in akzeptabler Annäherung gelöst werden kann (Lutz, 1984). umso wesentlicher wird es werden, daß Ärzte sich wieder diese Probleme ansehen, die die Heilung der Süchtigen nicht einfach aufgeben wollen. Dafür besteht bei uns eine nahezu optimale gesetzliche Grundlage, ganz im Gegensatz zu den Usancen der Rechtspflege über die an anderer Stelle berichtet wurde (Kapuste, 1984). Nun wird jeder, nicht nur der Arzt, der Gelegenheit hat, Heroin-Süchtige mit und ohne Opiaten, körperlich abhängig und körperlich entzogen, ausführlich zu beobachten und zu befragen ohne daß Gründe bestehen, die Wahrheit zu verschweigen oder zu beschönigen, feststellen müssen, daß noch heute wahr ist, was Sydenham 1680 festgestellt und publiziert hat. Das ist wohl auch der Grund dafür, daß die Forderung nach Behandlung der Abhängigen mit Opiaten auch in der Bundesrepublik trotz redlicher Bemühungen auf der Gegenseite nicht zum Schweigen zu bringen ist. Das Problem für alle aber - Befürworter und Gegner der Behandlung mit Opiaten - ist geblieben: den Weg von der Linderung der Leiden der Süchtigen zu deren Heilung zu finden.



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H E R O I N S U C H T   A L S   U N F R U C H T B A R E   K A T E G O R I E 

Eine Reihe von Beobachtungen bei der Behandlung einiger 180 nicht vorher ausgelesener Abhängiger mittels der langsamen schrittweise absteigenden Detoxifikation mit L-Polamidon (Methadon) Ende der siebziger Jahre in München (Kapuste, Sept. 1978 u. Okt. 1978. 1980b) hatten dem Autor zunächst deutlich gemacht, daß „Heroin-Sucht" als die dominierende Kategorie keine Grundlage für die vollkommene Heilung dieser Jugendlichen ergibt. Streng genommen gilt dieser Begriff ja nur für Gesunde, die infolge einer längerdauernden Heroin-Anwendung von Opiaten abhängig wurden. Das war z. B. bei einigen in Behandlung kommenden Frauen der Fall, die nur weil sie sich in einen Süchtigen verliebt hatten unter den damit gegebenen Umstanden abhängig geworden waren. Solche gesunde Heroinsüchtige sind meist leicht zu entziehen. Daß das auch ohne ärztliche Behandlung geht, ergibt sich aus dem Literaturbericht von Gossop (1978), der unter anderem darlegt, daß unter besonderen Umständen süchtig gewordene durchaus nicht süchtig bleiben müssen: von 348 US-Bürgern, die in Vietnam über ein Jahr Heroin injiziert hatten, fuhren nur 9% nach ihrer Rückkehr in die USA fort, Opiate zu nehmen, die anderen wurden ohne Behandlung „clean", wie oft auch bei uns (Kindermann, 1984). Es geht also nicht so sehr um die „Heroin-Sucht", sondern um die möglichen Störungen, die dem Abhängigen den Rückweg in die Drogenfreiheit verlegen (vgl. Behr, 1984). In Hunderten von Gesprächen mit Patienten während der Entzugsbehandlung, nach Abbrüchen und Rückfällen und durch die Beobachtung handfester Symptome während des Entzuges wurde dem Autor klar, daß in den allerwenigsten Fällen die fehlende Bereitschaft zum Entzug die Ursache für das Versagen der Behandlung ist — dies sogar dann, wenn der Süchtige expressis verbis sagt, daß er gar nicht daran denkt, zu entziehen. Darin liegt nämlich insofern gar kein Widerspruch, als bei genauerer Exploration immer sehr deutlich wird, daß jeder dieser Abhängigen eine Reihe von Versuchen gemacht hat „clean" zu werden, daß ihm das aber nicht gelingen konnte, weil regelmäßig Symptome zutage getreten sind, die so schlimm sind, daß man lieber die Sucht in Kauf nimmt als diese Symptome. Für den Arzt ist die in dieser Situation nötige Erkenntnis schwer zu gewinnen, daß es sich hei Süchtigen um Experten handelt, die viele Dinge genau wissen, die die Medizin nicht allgemein lehrt, und für die der Abhängige daher auch keine medizinisch akzeptable Terminologie haben kann (vgl. Fabriek, 1984).

Noch aus einem anderen Grund ist „Heroin-Sucht" eine unfruchtbare Kategorie. Eine der Störungen, die dem Abhängigen den Weg in die Drogenfreiheit verlegen, das war bald offensichtlich, steht in Zusammenhang mit der Schizophrenie. Ein nicht unerheblicher Anteil von Patienten nämlich, die langsam schrittweise mit L-Polamidon entzogen werden, bleibt psychisch stabil bis in die letzte Phase des Entzugs, erlebt aber unweigerlich beim Entzug der letzten Tropfen oder Tabletten Symptome, die Schizophrenien kennzeichnen. Mit solchen Symptomen kann man die Arbeit, die Wohnung und die Freunde verlieren. Läßt man dem Patienten aber die geringe Dosis von 6-10 mg (Apothekenpreis 53 bis 92 Pfennig) pro Tag, bleibt er damit über Wochen, Monate und Jahre arbeitsfähig. So etwas kann man aber nicht richtigerweise Sucht nennen. Es ist eine Medikamentenabhängigkeit wie bei anderen Krankheiten auch und beweist, daß L-Polamidon kein Suchtgift ist. Die heilende Wirkung von Opiaten bei Schizophrenien wurde von William Perfect 1787 entdeckt und steht bis heute wissenschaftlich außer Frage (Gold et al., 1977, Lal, 1977, Berken et al., 1978). So ist „Heroin Sucht” als leitende Kategorie eine für die Heilung dieser Kranken unfruchtbare Bezeichnung und muß daher differenziert werden.



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V A L I D E   K O N Z E P T E 

Valide Konzepte: Viel besser geeignet als "Aufhänger" der Suche nach therapeutisch fruchtbaren Ideen ist das Wort „universell") mit dem Sydenham die Wirkung des Opiums umschrieb. Nach Entwicklung einer anschaulichen Vorstellung von diesem Wort kann man folgende Arbeitshypothese annehmen:
H ypothese: „Wer trotz widriger Umstände über lange Zeit von Heroin abhängig bleibt, hat mit Wahrscheinlichkeit ein schweres Leiden, das durch Opiate wesentlich gelindert wird."
Theoretisch müssen zur Überprüfung dieser Hypothese alle Symptome, die Opiate zu lindern vermögen einschließlich aller Krankheiten, die diese Symptome verursachen können, in Betracht gezogen werden bevor man mit gutem Grund die Heilung der Süchtigen aufgeben und ihre langfristige Behandlung mit hohen Dosen Methadon akzeptieren kann.
Aus der Hypothese folgen einige Richtlinien:
1) Da dem Arzt über das Betäubungsmittelgesetz die Opiate nur dann als begründet zur Anwendung freistehen, wenn die erwünschte Wirkung durch kein anderes, nicht diesem Gesetz unterliegendes Mittel erreichbar ist, ist es denkbar, daß viele insbesondere in der Neuzeit neu aufgetretene Leiden durch Opiate gelindert werden, ohne daß dies in wissenschaftlichen Arbeiten erwiesen worden ist. Um eine Ubersicht über diese möglichen Ursachen des Verbleibens in der Heroin-Abhängigkeit zu gewinnen, könnte aber die illegale Erfahrung tausender von Süchtigen (z.B. der Kranken im Strafvollzug) wissenschaftlich genutzt werden. Dazu ist deren unvoreingenommene sorgfältige Befragung nötig, tunlichst nicht durch Mediziner, sondern medizinisch-unvoreingenommene Personen, die eine dafür auch geeignete Befragungstechnik praktizieren können. So käme man zu einem Spektrum von Leiden und Beschwerlichkeiten, das nicht dadurch beschränkt wurde, daß der Arzt fortfallen läßt, was ihm nicht begründet erscheint. Erst das wissenschaftlich gesicherte Befragungsmaterial soll dem Mediziner vorgelegt werden. Daran kann er seine Gelehrtheit erproben und wo es daran in der Medizin mangelt. an die Erforschung gehen. Man darf nicht vergessen, daß die „ärztliche Kunst" nur da besteht, wo Heilungen auch erfolgen.
2) Je widriger die Umstände und je länger die Zeit, umso schwerer werden die Leiden sein, die sich anhäufen. In der Bundesrepublik sind die Umstände für Süchtige, die nicht entziehen wollen oder können, besonders widrig. Daher wird auch die Zusammensetzung der Krankheitsbilder eine andere sein als in Holland oder Großbritannien. Zumindest prozentuale Vergleiche sind daher von Land zu Land in Frage zu stellen und ganz allgemein davon auszugehen, daß Untersuchungen im Lande erfolgen sollten, wenn besondere Lebensbedingungen herrschen, die Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Für das Auffinden der schweren Erkrankungen dürfte sich die Situation in der Bundesrepublik und in Österreich als besonders günstig erweisen, weil hier der Weg in die Opiat-Erhaltungstherapie systematisch verlegt wurde.
3) Um auch die schwersten Leiden kennenzulernen, müssen besonders die Kranken befragt und untersucht werden. die sich nicht bereit gefunden haben, in Behandlungen zu gehen, die Drogenfreiheit voraussetzen. Praktisch wird das nur möglich sein, wenn die Behandelnden mit L-Polamidon arbeiten. wozu die gesetzlichen Voraussetzungen in der Bundesrepublik durch den Entscheid des Bundesgerichtshofs vom 8. 5. 1979 gegeben sind. Allerdings sind dazu aus medizinischer Sicht Anmerkungen zu machen, weil — wohl über die allgemeine Meinung von der Überlegenheit der amerikanischen Medizin — einige Auffassungen in dieses Urteil eingegangen sind, die nicht auf medizinische Forschung, sondern Entscheidungen der US-Regierung zu rückgehen (Kapuste, 1980a).

Nachdem die Gesetze aber bei uns im Gegensatz zu den amerikanischen günstig für die Zielsetzung sind, Süchtige wieder zu heilen, sollte man sich von den bisher geübten Praktiken unserer Gerichte nicht abschrecken lassen und den Weg für ein vernünftigeres Verhalten der Justiz in Richtung der Verwirklichung der verfassungsmäßigen Ziele wieder bahnen helfen (vgl, Behr. 1984. Kindermann. 1984. (Quensel,



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G E F A H R E N   D E R   M E T H A D O N - B E H A N D L U N G 


Dank der Tätigkeit der Methadongegner sind die Gefahren der Methadonbehandlung weithin bekannt geworden, insbesondere das Problem der Vermehrung der Süchtigkeit bei den Abhängigen durch die hohen Dosen Methadon, die hei der sogenannten „Erhaltungstherapie" gegeben werden. Tatsachlich zeigt sich nirgendwo der schädliche Einfluß der Politiker und der fehlende Einfluß der amerikanischen Ärzte so deutlich, wie gerade bei den Methadon-Programmen. Für die hohen Dosen, auf deren Verträglichkeit hin die Sucht der Abhängigen anfangs schrittweise gesteigert wird, gibt es nämlich keine ärztlichen sondern ausschließlich politische Gründe. Mit der hohen Dosis soll der Süchtige so „tolerant" werden, daß ein Schuß von Heroin ihm nichts mehr bringt. So etwas ist aber unter normaler ärztlicher Beobachtung als Strategie nicht lange haltbar. Aus diesen Gründen oder anderen hat man jedenfalls den Ärzten in den USA das Methadon nicht freigegeben und keine Alternativen erlaubt (Libby et al.1982).
Dazu kommt noch ein anderer medizinischer Gesichtspunkt einfacher Art, der verwunderlicherweise nicht Allgemeingut ist. Die Wirkungshalbwertszeit von Methadon liegt nach Lehrbuch (Jaffe, 1975) hei 15 Stunden (nach genaueren Schweizer Arbeiten zwischen 13 und 47 Stunden, Lööf et al., 1982, vgl. auch Fabriek. 1984, Keup, 1984). Nach 15 Stunden jedenfalls kann „die Hälfte der Wirkung" abgeklungen sein. Methadonprogramme geben die Dosis aber einmal in 24 Stunden. Das bedeutet notwendigerweise Überdosierung (nach Einnahme) und Unterdosierung (in der Nacht).
Die Folgen sind soziologisch erwiesen und medizinisch erklärbar: Alkoholmißbrauch, Schlafmittelmißbrauch und auch Arbeitslosigkeit (Feest, 1984, Heckmann, 1984). Dazu kommt natürlich eine Vermehrung der Süchtigkeit durch den Schaukelmechanismus der täglichen Überdosierung (die die Toleranz erhöht) und der nächtlichen Unterdosierung (die das Bedürfnis nach Opiaten vermehrt). Es ist also kein Wunder, daß gegen diese Methadonprogramme auch therapeutische Gesichtspunkte sprechen (Heckmann, 1948, Deissler, 1984).

Das liegt aber nicht am Methadon, sondern an der von der US-Regierung diktierten und nicht von unabhängigen Ärzten entwickelten Methode. Die New York-Academy of Medicine hatte 1963 nach den Erfahrungen in London ganz andere Vorschläge gemacht. Die wurden aber nicht beachtet. Auch Klebervon der Yale University hat bessere. detailliert begründete Vorschläge gemacht (1977), die in den USA nicht nachvollzogen werden konnten, weil die Regierung alle medizinisch vernünftigen Verfahren blockierte. Daß dies nicht an technischen Problemen lag (der zweimaligen täglichen Abgabe), erweist sich daran, daß die Behandlung mit LAAM (l-alpha-Acetyl-Methadol) mit einer Wirkungshalbwertszeit von 72 Stunden - also ein Polamidon, das über drei Tage wirkt — nie freigegeben wurde, obwohl alle publizierten Studien dafür sprachen (TrueBlood et al.,1978, Senay et al., 1977, Savage et al., 1976, Karp-Gelernter,1976). Diese unbegründete Haltung gegen LAAM wurde in der BRD ohne eigene Recherchen übernommen (Junge, 19791. Das wird auch bei uns die Folge haben, daß das ideale Medikament für die langfristige Methadonbehandlung, nämlich LAAM, fehlt.

Diese Darstellung zeigt also, daß die meisten Gefahren der Methadonbehandlung, die von den Gegnern zurecht hervorgehoben werden, bei medizinisch vernünftiger Vorgehensweise überwindbar sind, Besonders sollte der Versuch unterlassen werden, politische Ziele — die Austrocknung des Heroin-Marktes — über den Körper der Kranken zu erreichen. Methadon darf nicht in höherer Dosis gegeben werden, als benötigt, wenn die Süchtigkeit nicht vermehrt werden soll. Das bedeutet aber auch den Verzicht auf die organisatorische Bequemlichkeit einer nur einmaligen Tagesdosis. Wir haben in Deutschland fälschungssichere Rezeptformulare, auf denen so genaue Anweisungen möglich sind, daß Schäden an Gesundheit und Leben der Kranken vermeidbar bleiben. Bei mehr als 6000 Verschreibungen des Autors ist nicht in einem Fall ein gesundheitlicher Schaden durch Mißbrauch einer Betäubungsmittelverschreibung aufgetreten (Kapuste,1984. S 45ff).



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D I F F E R E N Z I E R U N G     D E S     S C H I Z O P H R E N I E B E G R I F F S 

Das Auftreten schizophrener Symptome hei Süchtigen in der letzten Phase des Polamidon-Entzuges und deren Ausbleiben bei der Fortführung der Behandlung mit 6-10 mg pro Tag wirft die Frage auf, ob man sich dann mit der Methadonbchandlung auf lange Sicht abfinden muß oder ob nicht doch eine Heilung der Schizophrenie möglich ist. Dabei ist vorauszuschicken, daß es sehr schwer fallen würde, bei einem Opiatsüchtigen mit schizophrenen Symptomen die Opiate durch Neuroleptika - etwa Haldol — zu ersetzen. Beide haben nachweislich antipsychotische Wirkungen, die - zwar an verschiedenen Rezeptoren — auf ihre Dopamin-antagonistische Wirkung zurückzuführen ist (La1, 1977, Go1d, 1977). ln den Nebenwirkungen allerdings sind die Opiate sehr viel weniger beschwerlich durch Fehlen der extrapyramidalmotorischen Störungen und der Beeinträchtigung des Gefühlslebens, vor allem aber durch die Euphorie im Gegensatz zur Dysphorie. Aus diesen Erfahrungen heraus ist die neuroleptische Therapie eine Zumutung für Süchtige, objektiv nachvollziehbar durch Erhaltung der Arbeitsfähigkeit, der Beziehungsfähigkeit und durch die Bannung der Suchtgefahr durch sorgfältige Dosierung mit Methadon. Dennoch ist die Dauermedikation mit Opiaten ein nicht leicht akzeptabler Entschluß. Umso günstiger ist, daß Auswege hier bereits vorgezeichnet sind.

Auch der Begriff „Schizophrenie" hat sich allerdings als unfruchtbar für die Suche nach den Ursachen dieser „Krankheit" erwiesen, weil unter der Annahme eines einheitlichen Krankheitsbildes die erkennbaren Ursachen einer Untergruppe jeweils vernachlässigt werden, weil sie bei den anderen Untergruppen fehlen. „Die Schizophrenien" ist da besser, und eine Theorie, die D.G. Irwine in Zusammenhang bang mit der Aufklärung der chemischen Formel für den „malvenfarbigen Faktor” als Ursache einer ihrer Formen, der „Malvaria" (Hoffer und Osmond, 1961) ausführlich darstellt (1973). Nach dieser Theorie sucht man im Gegensatz zur traditionellen Forschung nicht nach Gemeinsamkeiten bei klinisch definierten Entitäten (Schizophrenie, Heroinsucht, Depression usw.), sondern sucht bei klinisch ähnlich erscheinenden Krankengruppen nach molekularen Unterschieden. Das führte zu einer Differenzierung des Schizophrenie-Begriffs, der inzwischen schon zu großen therapeutischen Erfolgen geführt hat, von denen allerdings in der Schulmedizin noch nicht viel zu hören ist.

C. C. Pfeif fe r, einer der bahnbrechendsten Pharmakologen und Kliniker auf diesem Gebiet vom Brain Biocenter in Princeton, New Jersey, differenziert anhand von vier biologischen Parametern: Histamin (im Vollblut), Kryptopyrrol (im Urin,) Blutzuckerregulation und allergischen Reaktionen fünf Grundformen der Schizophrenien: Histadelie, Histapenie, Kryptopyrrolurie, reaktive Hypoglykämie und Hirnallergie mit theoretisch 23 verschiedenen Kombinationen, die dann jeweils verschieden, insgesamt aber seht viel erfolgreicher behandelt werden können als ohne diese Unterscheidungen in der Schulmedizin (Pfeiffer, 1984). Die Behandlung erfolgt im wesentlichen mit Naturstoffen (Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, Ernährungsumstellung) und nur vorübergehend mit antipsychotischen Medikamenten. Da Heroin-Abhängige auch schizophrene Symptome zeigen, ist also zu prüfen, inwieweit diese Differenzierungen von Pf eiffer auch für Süchtige in Betracht kommen.



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V I T A M I N     C     A L S       H E I L M I T T E L 

Hypo-Askorbämie (ein Mangel an Vitamin C im Blut) und Kwashiorkor (eine schwere Erkrankung durch Eiweißmangel) wurden 1977 von Alfred F. Libby und Irwin Stone bei der überwältigenden Mehrheit von Heroinabhängigen entdeckt. Umfassende theoretische Vorarbeiten führten diese Autoren zu einer Theorie, nach der der sogenannte Morphin-Rezeptor (die Stelle an der die Opiate in den Zellen ihre Wirkung entfalten) entwicklungsgeschichtlich mit dem Askorbat-Pezeptor identisch ist. Da der Mensch und das Meerschweinchen im Gegensatz zu den anderen Säugetieren die Fähigkeit zur Synthese von Vitamin C im eigenen Körper verloren hat (es fehlt die dazu nötige Gulonolaktonoxidase) ist er im Prinzip „hypoaskorbämisch”. Eine Ziege z. B. von 60 kg synthetisiert sich pro Tag etwa 20 g Vitamin C, im Stress das doppelte. Das kann der Mensch nicht; er muß sich Vitamin C zuführen, was problematisch ist, weil Vitamin C in so großen Mengen in der Nahrung nicht vorhanden ist. Libby et al. (1977), die im Urin ihrer Süchtigen also einen schweren Mangel an Vitamin C und einen Mangel an Aminosauren (die Zeichen von Kwashiorkor) feststellten, führten den Patienten große Mengen von Vitamin C, hohe Dosen anderer Vitamine. Mineralstoffe, Spurenelemente und vorverdaute Eiweißpräparate anstelle von Opiaten zu und berichten über die Heilung von 30 Patienten mit körperlicher Abhängigkeit in wenigen Tagen ohne Ausnahme und sogar ohne Entzugssymptome. Einige Jahre später berichteten die gleichen Autoren über die Heilung der der Sucht zugrundeliegenden Sehnsucht nach Opiaten mittels ihrer ausgefeilten Ernährungstechnik. Diesmal wiesen die Autoren nach, daß auch Süchtige, die in einer Drogen-freien Behandlungsstätte körperlich nicht abhängig waren, schwere körperliche Störungen hatten: chronische metabolische Azidose, verminderte Alkalireserve (demonstriert wird eine schwere Verminderung des „Union gap" infolge von Protein-Mangel mittels einer mathematischen Technik), abnorme Cholesterin- und Triglyzerid-Werte, abnorme Urin-Befunde, abnorme Blutbilder und andere Zeichen von Stoffwechselstörungen. Durch eine systematische Drogen-freie Ernährungstechnik wurden diese Befunde dramatisch gebessert. Die Autoren wenden sich expressis verbis gegen die „barbarischen" Methadon-Erhaltungstherapien (1982).

Da Libby at al. unter ungünstigen Bedingungen keine sehr langfristigen Beobachtungen durchführen konnten, wäre eine Nachuntersuchung ihrer Befunde von großem Erkenntniswert. Auch sind sicherlich Unterschiede zu erwarten, was die Ernährung der Süchtigen in verschiedenen Ländern betrifft. Die ungemein positive Darstellung der Autoren fordert auch eine kritische Betrachtung der beschriebenen Möglichkeiten, besonders weil es nicht so leicht ist, den Autoren den Entzug mit reinen Vitaminen ohne Entzugssymptome nachzumachen. Da aber auch Philpott — allerdings bei intravenöser Applikation — ähnliches berichtet (Dickey, 1976, Ed. S. 499), eine hohe Dosis Vitamin C i.v. die Opiatwirkung bei Überdosen lebensrettend aufhebt, und auch L. Pauling über die geringere Ausscheidung von Vitamin C und therapeutische Effekte bei Schizophrenien berichtet (1973), liegen in diesen Publikationen sicher substantielle Informationen, denen nachzugehen therapeutische Erfolge verspricht, die überall so nötig.



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D I E   S I T U A T I O N   I N   M Ü N C H E N   U N D   T E M G E S I C 

In München war im Jahr 1983 durch ein neues und sehr wirksames Schmerzmittel, „Temgesic'' eine besonders dramatische Situation eingetreten. Dieses Mittel war von der Firma Boehringer Mannheim GmbH im Februar 1981 in der Bundesrepublik auf den Markt gebracht worden. Weil die begleitenden wissenschaftlichen Informationen das Abhängigkeitspotential dieses Schmerzmittels als „äußerst gering" einstuften und dafür seine „agonistisch/antagonistische‚ Wirkung ins Feld führten, wurde es von Ärzten eingesetzt, trotz des ganz ungewöhnlich hohen Preises von 18.000,- DM pro gramm Substanz (5 Ampullen DM 27.35). Obwohl die Landesapothekerkammer schon im August 1982 Mißbrauch in größerem Umfang festgestellt hatte, blieb die Firma in ihrer Standardinformation für Krankenhausapotheken bei der oben zitierten Einstufung bis zum November 1983. Auch dann stufte man das Abhängigkeitspotential noch als „gering" ein. obwohl die Kriminalpolizei in den ersten neun Monaten des Jahres 1983 allein schon mehr als 1000 gefälschte Rezepte sichergestellt und 267 Straftaten, großteils im Raume München, dokumentiert hatte (Beer, 19831). In einer Münchener Apotheke allein wurden 3.600 Packungen Temgesic abgegeben. Der Großhandelsumsatz stieg vereinzelt bis zum 30fachen.

In dieser Situation suchten den Autor einzelne Süchtige auf mit der Bitte um Behandlung der Entzugssymptome. Temgesic galt damals nicht als Opiat, war nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt, wurde aber in so großem Umfang mißbraucht, daß öffentliche Probleme auftraten durch die hohen Preise. die die Jugendlichen dafür in den Apotheken zahlen mußten und die damit in Zusammenhang stehenden Geldbeschaffungsdelikte. Natürlich konnte jeder Arzt, der einige Abhängige sorgfältig befragte, wissen, w orum es sich bei diesem Präparat handeln muß: um ein Opioid in einer Vorform der aktiven Form mit einer letztendlich größeren Affinität zum Morphinrezeptor als Morphin selbst. (Ein Pharmakologe mag dies wissenschaftlicher ausführen, für den Arzt ist die Erfahrung konkret.) Nachdem auch in der Anamnese der Abhängigen häufig genug das Heroin die Einstiegsdosis war und der Umstieg von Heroin auf Temgesic nach einer Karenz von Stunden bis Tagen befriedigend war, konnte der Autor davon ausgehen. daß die Temgesic-Abhängigen, die es in großer Zahl in München gab, einer Heroinsüchtigen-Population sehr nahe verwandt sind. Nachdem die ersten Untersuchungen auch gleich Ergebnisse bei den von Pfeiffer ausgeführten Parametern für biologische Grundlagen der Schizophrenie ergaben, lag der Gedanke nahe, diesen Befunden nachzugehen und eine genügend große Stichprobe von Heroin-Temgesic-Abhängigen zu untersuchen und zu behandeln.

Die Entscheidung, das auch wirklich zu tun, fiel dem Autor nicht leicht, obwohl die ersten Entzüge mit Temgesic ganz erfolgreich waren. Seine früheren Arbeiten mit L-Polarnidon hatten ihm genügend Erfahrungen mit Ärztekammer, KVB, Polizei, Gerichten und Sachverständigen bis hin zur Presse eingebracht, daß er sich vorstellen konnte, was möglicherweise auf ihn zukommt, wenn er jetzt wieder beginnt, diese besondere Gruppe von Kranken, die das Recht übertreten haben und dann weiter übertreten müssen. zu behandeln. Als der Einblick in die näheren Umstände aber größer wurde, gaben folgende zwei Überlegungen den Ausschlag in positivem Sinne:
1) Der Preis von 'Temgesic hatte dazu geführt, daß Süchtige, die sehr gekonnt Rezepte fälschten, an andere verkaufen mußten, wenn sie sich ohne Raub oder Diebstahl in den Besitz des Geldes bringen wollten. Weil Süchtige wenig Geld haben. wurden auch nicht-Süchtige in diesen Handel einbezogen. Verschreibung auf Kassenrezept würde das nicht nur ändern, ohne die Kassen zu schädigen, sondern auch die Abhängigen, die das Temgesic packungsweise kauften — und verbrauchten — besser unter Kontrolle von Arzt und Apotheker bringen. Erfreulicherweise waren sehr viele Apotheken bereit, den mit der durch die Verschreibung limitierten Abgabe der Tagesdosis verbundenen Mehraufwand kostenlos zu leisten.
2) Durch die Tatsache, daß Temgesic medizinisch ein Opiat war, juristisch aber kein Betäubungsmittel, entfielen eine Reihe von Gefahren für die Studie und die Kranken. Das war einmal die Gefahr von Haussuchungen, die zu Rückfällen, Therapieunterbrechungen und schlimmerem führen können; weiter die Gefahr von Verhaftungen, vor allem aber die Gefahr des Berufsverbots durch die Staatsanwaltschaft, die beim letzten Mal eine Reihe von Todesfällen nach sich gezogen hatte, die vorher in 90 Patientenbehandlungsjahren völlig ausgeblieben waren.

Da außerdem durch die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 8.5.1979 eine Verhaltensgrundlage auch für die Verwendung von Betäubungsmitteln bei Süchtigen in ambulanter Behandlung gegeben war, konnte — wenn man sich in angemessener Weise daran orientierte — von juristischer Seite kein Vorwurf kommen.

Die vorausschauende Vorsicht. von vorneherein so zu verfahren, als ob es sich bei Temgesic um ein Betäubungsmittel handle, obwohl natürlich die Sicherheit gegenüber Fälschungen durch die vorzüglichen Betäubungsmittelverschreibungsformulare entbehrt werden mußte, sollte sich bald als gut erweisen. Sobald nämlich genügend viele Erfahrungen aus Gesprächen mit Patienten und Beobachtungen ihrer Symptome vorlagen, wurde klar, daß Temgesic als Medikament so schwerwiegende Nebenwirkungen hat oder haben kann, daß seine Weiterverwendung als Entzugsmittel auch für rein Temgesic-Abhängige nicht zu verantworten war. Auf der körperlichen Seite bestanden diese Nebenwirkungen in epileptischen Anfällen, die bei L-Polamidon nicht vorkamen. Auf der psychischen Seite waren es eine große Anzahl von Beschwerden, vor allem eine geistige Lethargie und Beschwerlichkeit im Denken, die mit der Zeit also Dosis-unabhängig auftrat und ebenfalls bei l-Polamidon nicht zu beobachten ist. Aus diesen Gründen konnte und mußte der Autor begründet von Temgesic - vor Unterstellung unter das BtmG — auf L-Polaramidon übergehen, was den zusätzlichen Vorteil der oralen Applikation ergab.

Im folgenden soll also berichtet werden. wie sich die verschiedenen Ursachen der Heroin-Sucht bei einer Gruppe von hundert ambulant in Behandlung kommender und nicht nach Einstellung oder Entzugsbereitschaft ausgelesener körperlich von Heroin oder Temgesic abhängiger Jugendlicher in München medizinisch im oben beschriebenen Sinne differenzieren lassen. Leider waren einige angestrebte Untersuchungen technisch nicht möglich: so die Untersuchung des Histamin im Blut, die zytotoxische Untersuchung auf Nahrungsmittelallergien und einige der Untersuchungen, die die Gruppe von Libby et al. durchgeführt hatte, weil die Mittel des Autors durch Honorarkürzungen der Kassenärztlichen Vereinigung zu sehr limitiert wurden. Der weitere Verlauf mit dem unerwarteten Abbruch der Arbeit durch die Regierung von Oberbayern mittels Approbationsentzug reduzierte das Projekt weiter auf die Ebene einer Pilot-Untersuchung. Als solche aber wird sie für den Interessierten aber gewiß von Wert sein, wenn er daran geht, „die wahren Indikationen dafür zu entdecken, „welche heilenden Maßnahmen für jeden gegebenen Fall zu ergreifen sind''.



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D I E   " M A L V A R I A "   U N T E R   D E N   H E R O I N - S Ü C H T I G E N 

Die Kryptopyrrolurie wurde zuerst von Hoffer und Osmond (.1961) als „Malvaria" beschrieben. Es geht dabei um die Ausscheidung eines "malvenfarbigen" Faktors der im Papierchromatogramm mit Ehrlichs-Reagenz nachweisbar an einer Stelle zu finden ist an der auch das bekannte Halluzinogen „Bufoten in" liegt. Die Aufklärung der Struktur dieser Substanz als „Kryptopyrrol" (2,4-dimethyl-3-äthyl-Pyrrol) durch Irwine (1969) dauerte fast ein Jahrzehnt. Drei der vier Pyrrolringe des Häm im Blutfarbstoff entsprechen Kryptopyrrol. In einem Suchverfahren kann es inzwischen nach Sohler et al. relativ einfach photometrisch bestimmt werden. Bis zu 10, bei manchen Autoren bis zu 20 mcg%, gelten als normal (Simkovic, 1953. Sohler, undatiert)

Die Abbildung zeigt die Verteilung der 98 untersuchten Süchtigen gegenüber einer Kontrollgruppe von Psychotherapie-Patienten (n=56) in Prozent. Ein Unterschied zwischen beiden Gruppen an der Grenze bei 20 mcg%, ist deutlich, an der Grenze bei 10 noch deutlicher



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Zur Kontrollgruppe ist zu sagen, daß diese Patienten gegenüber einer Gruppe von Patienten in Psychotherapie analytischer Prägung wesentlich schwerer gestört sind, weil in der Praxis des Autors keine Auslese durch Wartezeit erfolgt; die Patienten harten zum Teil floride Psychosen, andere waren deutlich wahrnehmungsgestört und wenige fühlten sich „in ihrer Haut wohl". Eine wirklich gesunde Kontrollgruppe konnte mit den Mitteln des Autors nicht untersucht werden. Aus der Literatur ist bekannt, daß etwa 5% der Bevölkerung und etwa 30% der Schizophrenen Kryptopyrrol ausscheiden, aber auch die Familienangehörigen dieser Schizophrenen. ohne klinisch symptomatisch zu sein. Wie das mit dem Suchverfahren von Sohler bei Kontrollgruppen ohne Symptome in unserer Bevölkerung ist, müßte natürlich genauer untersucht werden.

Erst 13 Jahre nach Entdeckung der Malvaria als Sonderform unter den Schizophrenien konnte C.C. Pfeiffer et al. die Zusammenhänge klaren, die dann auch therapeutisch fruchtbar wurden. Kryptopyrrol hat eine chemische Affinität zu Pyridoxalphosphat – der aktiven Form des Vitamin B6 – und bindet so dieses lebenswichtige Co-Enzym, zusammen mit dem ebenfalls wichtigen Spurenelement Zink, das sich dem Kryptopyrrol-Pyridoxalphosphat-Komplex anlagert. Die Ursache der Störungen ist also ein kombinierter Mangel an Zink und Vitamin B6, der tatsächlich durch Substitution beider Substanzen in ausreichender Menge heilbar ist. Pfeiffer hat dies in Hunderten von Fällen gezeigt. Diese vorher besonders negativ verlaufende Schizophrenie ist damit eine der leicht zu heilenden Störungen geworden (Pfeiffer. 1974. 1984, Ward, 1975).

Bei den Süchtigen mit hohen Kryptopyrrol-Werten waren einige der von Pfeiffer beschriebenen klinischen Symptome sehr deutlich, besonders das Symptom des fehlenden Kurzzeitgedächtnisses. Ein bestimmter Bereich dieses Gedächtnisses ist an die DRNS gebunden, deren Aufbau auf Vitamin B6 angewiesen ist. Pfeif f er nimmt als Richtschnur für den B6-Mangel die Traumerinnerung, die mit genügend Vitamin B6 immer gegeben ist, bei der Malvaria aber weitgehend bis vollständig fehlt. Nach einiger Erfahrung erkennt man den B 6-Mangel beim Patienten aber schon im Gespräch, ohne Vitamin B6 wird das Zuhören so schwierig, daß in schweren Edlen – wie auch beim Betrunkenen – kaum noch ein ganzer Satz im Gedächtnis unterzubringen ist. Dieses Phänomen scheint enorm angstbesetzt zu sein. Man kann regelmäßig bemerken, daß in einer Situation, in der der Kranke dazu gebracht werden soll, etwas zu verstehen, dieser gerade umgekehrt versucht, einem etwas verständlich zu machen, und dies mit allen Ausdrücken der Angstbesetzung. Unterbricht man das Gespräch dann freundlich, gibt dem Patienten Vitamin B6 in Wasser mit Vitamin C oder auch ohne (Vitamin C hilft sehr viel im akuten Rausch des Alkoholikers in dieser Verbindung), dann kann man das Gespräch nach schon 10 Minuten mit wesentlich größerem Erfolg wieder aufnehmen.

Manche dieser Patienten spielen in der Gruppentherapie oft eine besondere Rolle, weil das beschränkte Kurzzeitgedächtnis über lange Zeit offensichtlich kompensatorische Fähigkeiten erzeugen kann, namentlich ein rasches und gut strukturiertes Denken. Wenn es darauf ankommt, Ideen zu entwickeln oder systematische Widersprüche in Gedankenstrukturen zu entdecken, sind diese Patienten – außerhalb ihrer psychotischen Episoden – kaum zu schlagen. Selber schwer zu führen, sind sie oft die Führenden, was – wenn ein verstehender Partner mit guter sozialer Integration mit dazu gehört – ganz und gar positiv zu bewerten ist. Dennoch ist Vitamin B6 für diese Patienten ein großes Glück, weil nun zu diesen Eigenschaften noch die soziale Wahrnehmungsfähigkeit und eine größere innere Ruhe kommt. In diesem Zusammenhang sind die Annahmen Pfeiffer’s interessant, daß Charles Darwin und Isaak Newton auch Pyrroluriker waren. „Genie und Wahnsinn", das jahrhundertealte Problem, gewinnt an dieser Stoffwechselstörung eine interessante und ungemein tröstliche Komponente (Pfeiffer, 1975).

Es gibt noch eine Reihe anderer Komponenten der Malvaria, die hier kurz sk izziert werden sollen. Der Zinkmangel – erkennbar an weißen Flecken auf den Nägeln – führt über die Rolle, die Zink beim Aufbau elastischer und kollagener Fasern spielt, zu Beschwerden und Krankheiten am Bewegungsapparat: Perthes, Schlatter. häufige Rückenschmerzen u. a. gehören hierher, aber auch die striae gravidarum. Die Rolle, die Zink für das Immunsystem spielt, und die vielen Funktionen des Vitamin B6 bei der Assimilation der Nährstoffe scheinen sich zu addieren in Richtung der Entwicklung von Nahrungsmittelallergien, McCabe (1983) berichtet über 8091 Nahrungsmittelallergien unter seinen Pyrrolurikern. Auch über größere Häufigkeit von Karzinomen in diesen Familien ist berichtet worden. Es bestehen Zusammenhänge mir dem juvenilen Ikterus (Meulengracht) und mit den Porphyrien. Das Feld für Untersuchungen dieser Zusammenhänge ist groß und gewiß fruchtbar. Alle Autoren sind sich darin einig, daß Malvaria eine Stressabhängige Störung ist: diese Menschen dekompensieren leicht bei Stress. War letztlich kausal an der Störung ist, muß noch erforscht werden. Die Implikationen für unser Thema aber scheinen klar: prüfen und zusätzlich behandeln – mit größeren Chancen auf Erfolg.



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D I E     "   M E T A B O L I S C H E   D Y S P E R Z E P T I O N " 

Da der Schizophrenie begriff, der bisher immer wieder verwendet wurde, aus verschiedenen Gründen problematisch ist, soll hier noch einmal genauer auf diese Störungen eingegangen werden.

Wenn eine sehr hohe Ausscheidung von Kryptopyrrol über Vitamin B 6-Mangel zu Psychosen führt und mit B6 wieder zurückgeht, ist die Frage, welche Störungen möglicherweise mit hohen, mittleren und gerade über der Norm liegenden Kryptopyrrolausscheidungen einhergehen, beziehungsweise allgemeiner, wie psychotische und praepsychotische Störungen qualitativ und quantitativ beschreibbar sind.

Hoffer und Osmond, die als erste Schizophrenien mit Naturstoffen behandelten, waren auch die ersten, die für diese Aufgabe eine Lösung erarbeitet haben. Der „Hoffer-Osmond-Diagnostische Test" (HOD) , ist ein Satz von Karten, auf denen einfache Aussagen über Erlebnisse stehen, die für eine bestimmte Person zu einer bestimmten Zeit zutreffen oder nicht zutreffen können (1961). Der Test wurde bald zum zuverlässigsten Instrument der Prognose der Schizophrenie, zuverlässiger als die klinische Diagnose (Kelm, 1973) und eignet sich insbesondere zur Verlaufsbeobachtung und Sicherung der Heilungsprozesse während der Behandlung. Was der Test mißt, sind Wahrnehmungsstörungen. wie sie bei schizophrenen Störungen vorkommen. Dem Test liegt die Annahme zugrunde, daß diese Wahrnehmungsstörungen neurologisch und diese wieder metabolisch bedingt sind. Schizophrenien werden somit definiert als „metabolische Dysperzeptionen", die psychometrisch qualitativ und quantiativ bestimmbar sind. Da glücklicherweise eine deutsche Übertragung von M,M. Kohn (1980) vorliegt, konnten wir den Test bei unseren Abhängigen anwenden, und die Erscheinungsbilder der Sucht im folgenden anhand der Ergebnisse dieser Studie beschreiben. Die folgenden Prozentzahlen beziehen sich auf 49 von 100 Abhängigen, die ohne besondere Auslese untersucht werden konnten.

Zur Veranschaulichung der in der Sucht liegenden Probleme sollen zunächst einige der von diesen Süchtigen mit großer Häufigkeit als zutreffend gewählten Aussagen zusammen mit inhaltlich dazugehörenden, aher weniger häufig gewählten dargestellt werden.

12) Manchmal kommt mir die Welt unwirklich vor. (56%)
13) Manchmal fühle ich mich sehr unwirklich. (54%)
15) Beim Anschauen kommen mir die Leute fremdartig vor. (52%)
17) Ab und zu ändert sich mein Gesicht, wenn ich in den Spiegel schaue und sieht anders aus. (46%)
21) Manchmal beim Lesen fangen die Wörter an komisch auszusehen – sie bewegen sich oder verschwimmen. (36%)
28) Manchmal habe ich das Gefühl, meinen Körper verlassen zu haben. (32%)
14) Beim Anschauen kommen mir die Dinge wie Stühle oder Tische fremdartig vor. (30%)
18) Mein Körper kommt mir ab und zu verändert vor - zu groß oder zu klein. nicht in der richtigen Proportion.(26%)
23) Manchmal habe ich das Gefühl, daß mich ein Nebel , oder Schleier von der Welt ausschließt. (28%)

Diese 10 nach Häufigkeit geordneten Aussagen stellen eine Mischung von visuellen Wahrnehmungsstörungen und Unwirklichkeits-Erlebnissen dar, die recht plausibel miteinander zusammenhängen können. Es ist leicht vorstellbar, daß solche Wahrnehmungsstörungen mit dem Ausfall konkreter Funktionen von Nervenzellen zusammenhängen, die Vitamin-abhängig sind, wie das Kurzzeitgedächtnis über die DRNS von Vitamin B6. Das wird mit den zwei folgenden Fragegruppen noch deutlicher.

125) Zigaretten schmecken jetzt konisch. (40%)
49) Das Essen schmeckt fad und lasch. (36%)
47) Manche Speisen, die vorher nie einen komischen Geschmack hatten, schmecken jetzt komisch. (36%)
126) Der Zigarettenrauch anderer Leute riecht fremdartig - wie ein Gas. (20%)
48) Bei manchen Essen kann ich bittere Bestandteile, wie etwa Gift, schmecken. (14%)

Zinkmangel führt zu Störungen der Funktion der Geschmacksknospen und des Geruchssinnes (C .C. Pfeiffer, 1977). So wird ein Mineralstoffmangel die Ursache paranoider, angsterzeugender Interpretationen. Opiate lindern Angst. Kausal aber wäre die Therapie mit Zink-Sulfat Tropfen (15 mg elementares Zink).

75) Ich bin jetzt viel vergesslicher. (70%)
63) Manchmal habe ich eine richtige Leere im Kopf. (66%)
56) Es fällt mir schwerer, meine Arbeit rechtzeitig zu erledigen. (58%)
55) Es fällt mir viel schwerer, Verabredungen einzuhalten. (52%)
54) Manche Tage gehen so schnell vorbei, als wären es nur Minuten gewesen. (42%)

Also hat die überwiegende Mehrheit der Süchtigen (Vitamin B6-bedingte?) Störungen des Gedächtnisses und der Zeitwahrnehmung mit offensichtlicher Rückwirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die HOD-Ergebnisse bestätigen also deutlich die Malvaria-Befunde. Aber nicht nur diese. Unter den 145 Aussagen des HOD sind solche, die auditorische, olfaktorische und Geschmacksreize messen wie auch die Zeitwahrnehmung, Denk- und Gefühlsstörungen. Einige Beispiele dafür sollen noch genannt werden.

121) Oft höre ich meine Gedanken im Kopf. (49%)
58) Mein Körpergeruch ist jetzt viel auffallender als früher. (40%)
46) Manchmal spüre ich sonderbare Vibrationen, die wie ein Schauer durch mich gehen. (40%)
39) Manchmal habe ich das Gefühl, daß etwas unter meiner Haut kriecht. (26%)
128) Die Zeit scheint sich kürzlich geändert zu haben, aber ich weiß nicht genau wie. (24%)
64) Meine Ideen verschwinden manchmal für einige Momente, um dann wieder aufzutauchen. (54%)
65) Ich werde von sehr störenden Gedanken belästigt. (48%)
124) Oft fühlen sich meine Knochen weich an. (20%)
43) Manchmal kommt mir mein Darm tot vor. (28%)

Man kann sich vorstellen, daß viele solche Wahrnehmungsstörungen zusammengenommen mit anderen, die in der Sprache schwer zu fassen sind, weil nur die Außenwahrnehmung von Mensch zu Mensch vergleichbar mitgeteilt werden kann, miteinander ein Problem auf einer höheren Ebene erzeugen. Das aber ist dann das, was Menschen mit .,verrückt" und Psychiater mit „schizophren" bezeichnen. „Wahrnehmungsgestört" oder „metabolische Dysperzeption" sind neutralere, bessere Ausdrücke. Dass Angst nicht nur ein Postulat, sondern auch Realität bei den Süchtigen ist, zeigendie folgenden Aussagen.

116) Oft habe ich Angst bei plötzlichen Geräuschen oder Bewegungen in der Nacht. (48%)
115) Bei plötzlichen Geräuschen reißt es mich hoch
oder ich zucke erschreckt zusammen. (44%)
80) Fremde Leute oder Orte machen mir Angst. (44%)

Das ist natürlich nur eine Stichprobe von Angsterlebnissen innerhalb eines Tests, noch nicht die volle Beschreibung dessen, was Süchtige erleben; wie groß das gesamte Spektrum ihrer Angst ist, kann daraus nur vermutet werden. Wer kann aus eigenem Erlebnis sagen, ob das was Süchtige im Opiat suchen, unerlaubte, vermeidbare Lust, oder menschlich notwendige Linderung schwerer Leiden ist? Ein großer Teil der HOD-Aussagen ist bei unserer Süchtigen-Gruppe mit Prozentzahlen belegt, die höher sind, als bei der publizierten Kontrollgruppe von Schizophrenien. Der sogenannte „Break off Point" für die akute Psychose liegt bei einer Punktzahl von 70. Über diesem Punkt lagen 12 Prozent unserer Gruppe. Die Grenze zum Normalen wird von der Schizophrenie aus bei 30 gesehen. Von unserer Gruppe lagen 65% an und über dieser Grenze. Warum man sie nicht einfach als Schizophrenie klassifizieren kann, soll weiter unten dargestellt werden. Zunächst sollen aber weitere Stoffwechselstörungen beschrieben werden, die erklären, warum auch die Süchtigen Wahmehmungsstörungen haben, die nicht an Malvaria leiden.



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D I E   S U C H T   U N D   D E R   Z U C K E R S T O F F W E C H S E L 

In ihren Darstellungen zur Heilung des „Verlangens nach Heroin" bei einer Gruppe körperlich nicht mehr abhängiger Suchtkranker beschrieben Libby et al. (1982) auch die Ernährungsgewohnheiten dieser Jugendlichen. Sie berechneten dabei den Zuckerverbrauch und kamen auf 27.5 pounds bei 29 Personen und den Durchschnitt von 92 Teelöffeln pro Kopf und Tag. Ein so massiver Missbrauch (normal gelten 5 Teelöffel pro Tag) bleibt nicht ohne körperliche Folgen, zu denen auch die „reaktive Hypoglykämie", eine der von Pfeiffer aufgeführten 5 Grundstörungen zählt, die zu schizophrenen Symptomen führen können. Diese reaktive oder funktionelle Hypoglykämie ist eine überschießende Gegenregulation auf Zuckerzufuhr mit dem Ergebnis von Blutzuckerwerten, die unter die Nüchternwerte absinken. Diese Gegenregulation ist – wie die Zuckerregulation überhaupt – komplexer Natur und nicht etwa nur die Folge einer erhöhten Insulinabgabe. Die Feststellung erfolgt durch direkten Nachweis der überhöhten Gegenregulation mittels Blutzuckermessungen nach Zuckerzufuhr hei nüchternem Patienten, im 5-Stunden-Glukosebelastungstest.
Von den in München studierten 100 Temgesic-Heroin-Abhängigen konnten 80 auf diese Weise untersucht werden. Die Abbildung auf der folgenden Seite zeigt das Ergebnis dieser Untersuchung als Gesamtdarstellung der Werte aller 80 Süchtigen (“Opiatabhüngige”) im Vergleich zur Lehrbuchdarstellung der funktionellen “Hypoglykämie” und des “Diabetes” nach C. C. Pfeiffer (1975) und vier Gruppen mit ähnlichen Verlaufsformen (“prädiabetische, überhühte und verzögert überhöhte Gegenregulation und flache Glukosekurve”). Man sieht deutlich den nahezu identischen Verlauf der Summenkurve der 80 Süchtigen mit dem der funktionellen Hypoglykämie. Tatsächlich erfüllten alle Patienten ohne Ausnahme mindestens eines der Kriterien für diese Diagnose. Nach Currier, Baron und Ka1ita (1977) rechnen dazu die folgenden:

1) Der Blutglukosewert muß in der ersten halben Stunde ansteigen und weiterin bis zur ganzen Stunde (= mindestens eine Stunde vermehrte Energie durch Glukosezufuhr).
2) Die Differenz zwischen dem Nüchternwert und dem niedrigsten Blutzuckerwert innerhalb der 5 Stunden darf 20% des Nüchternwertes nicht unterschreiten.
3) Keiner der Werte soll unter der etablierten Mindest- grenze für den Test liegen (60 mg%).
4) Der Abfall vom Höchstwert soll im Bereich von etwa 50% liegen.
5) Der 1-Stunden -Wert soll wenigstens 50% höher sein als der Nüchternwert.

5-Stunden-Glukose-Belastungstest. Auf der folgenden Seite finden sich die Daten unserer Untersuchungen und die erwähnten Abbildungen für den Glukosebelastungstests
Es wäre sicher übertrieben, die fünf oben formulierten Kriterien absolut zu sehen. Im Zusammenhang mit den Symptomen der Patienten bei der Glukosebelastungsuntersuchung selbst zeigt sich aber ihre Relevanz. Es ist durchaus nicht so, daß alle Kurven der Süchtigen der dargestellten Summenkurve ähnlich sind. Wie die Abbildung gezeigt hat, gibt es da typische Unterschiede. Um diese herauszustellen haben wir zunächst die Hälfte der Patienten mit den geringeren Gewichtungen, die wir anhand der oben geannten 5 Kriterien bestimmt haben, ausgeschieden und die verbleibenden schwereren Fälle nach Ähnlichkeit geordnet. Die vier Kurven der Teilgruppen zeigen anschaulich verschiedenen Reaktionstypen. Wir klassifizieren die Werte also so nach Schweregrad der überhöhten Blutzucker-Gegenregulation und nach dem Zeitpunkt ihres Einsetzens. Dabei sind in beiden Klassen die schwereren Fälle seltener, wie ja auch zu erwarten ist. Mit der Verlängerung der Verzögerung der Blutzucker-Gegenregulation beginnt der Weg zum Diabetes, der Zuckerkrankheit. Diese prä-diabetischen Reaktionen auf Zuckerzufuhr sind nicht unbedenklich mit dem starken Abfall der Blutzuckerwerte in der zweiten und dritten Stunde. Sie lösen schwere Symptome bis hinzu psychotischen Schüben aus, die — wenn sie in ihrer Ursache nicht erkannt werden — einen Lebensweg völlig vernichten können.

Für das Verständnis der Behandlung von Heroin-Temgesic-Abhängigen ist die Art der Symptome der reaktiven Hypoglykämie von besonderer Bedeutung. C.C. Pfeiffer nennt die folgenden Symptome die häufigsten: Müdigkeit und Erschöpfung, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Muskelschmerzen oder Muskelreißen, Prickeln oder Brennen der Haut. exzessives Schwitzen, Atemnot, Zittern, Schwindel, Schwächeanfälle, Ohnmacht, Doppeltsehen, verschwommenes Sehen, kalte Hände oder Füße, Heißhunger nach Zucker, Hunger, chronische Verdauungsstörungen. Übelkeit und als psychologische Symptome: Verwirrung, geistige Abwesenheit, Unentschlossenheit, Gedächtnis- und/oder Konzentrationsstörungen, Irritabilität Launenhaftigkeit, Ruhelosigkeit, Schlaflosigkeit, Furchtsamkeit, Alpträume. Paranoia, Angst und Depression.

Der Erfahrene wird bei der Lektüre dieser Symptome feststellen, daß viele auch im akuten Entzug von Opiaten beobachtet werden können. Tatsächlich meinten viele Patienten wahrend unserer Glukosebelastungsuntersuchung, sie kämen in den Entzug obwohl sie am Morgen als einziges Temgesic oder L-Polamidon eingenommen hatten. Anhand der später feststellbaren Blutzuckerwerte konnten aber diese „Entzugssymptome” regelmäßig auf die Hypoglykämie zurückgeführt werden.

Auch im Vergleich zu den im vorhergehenden Abschnitt dargestellten Erlebnissen, die mittels der HOD-Untersuchung festgestellt wurden, geben die oben angeführten Symptome Erklärungen. So wird deutlich, daß die funktionelle Hypoglykämie einen gewichtigen Beitrag liefert für die Erklärung der Symptome unserer Süchtigen, die ungeklärt nur dazu führen können, daß Süchtige weiter von Opiaten abhängig bleiben. Man denke sich einen Strafentlassenen, der zur Feier seiner Entlassung mit Ersparnissen in der Tasche am ersten Kiosk ein bis zwei Schokoladebarren verspeist, in den Zug steigt und dann ziemlich genau bei Ankunft in München einen ersten massiven Anfall hypoglykämischer Symptome erlebt. Was denkt er und was wird er tun, solange die Schulmedizin nicht einmal wahrnimmt, daß funktionelle Hypoglykämien Symptome machen? Oder ein Mitglied einer Gemeinschaft in Langzeittherapie mit gutem Stand in der Gemeinschaft wird zum Einkaufen nach München beordert, wenn es nicht genug Zeit findet zum und sigh daher die Kalorien an einem Kiosk besorgt? Heroinsucht als Irrtum!

Die Behandlung der Hypoglykämie besteht nicht in der Zuführung von Zucker, wie etablierte Internisten meinen können (Kathke, 1984). Zucker, gesüßte Getränke und Weißmehl sind jeder Form verboten wie auch Kaffee und Alkohol. Die Diät besteht aus Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Nüssen und nicht raffinierten Cerealien (Vollkornbrot etc.) in 6 bis 8 kleinen Mahlzeiten. Dazu sind Nahrungsmittelsupplemente (Vitamine, Mineralien) Spurenelemente und viel Bierhefe mit dem Chrom-haltigen Glukosetoleranzfaktor zu geben. Wenn das erreichbar ist, kann der Patient nach einigen Wochen Diät problemlos von Methadon entzogen werden, sofern nicht noch andere Ursachen vorlagen.

Es ist allerdings nicht leicht, einen Süchtigen, der nicht ohnedies schon auf die Vorteile einer guten Ernährung gekommen ist, von der Notwendigkeit einer Diät zu überzeugen. Oft sind die sozialen Bedingungen auch so, daß an eine Verbesserung der Ernährung gar nicht zu denken ist, jedenfalls unter den gegenwärtigen Bedingungen einer ambulanten ärztlichen Behandlung, die in Hinblick auf die Behandlung mit Naturstoffen arg limitiert wird. In der Kassenärztlichen Vereinigung gilt ja die Regel, daß Vitamine keine Heilmittel sind. Für den Arzt im Strafvollzug und die Therapeuten in Langzeittherapien aber dürften diese Erkenntnisse von Bedeutung sein, da es ja gerade darum geht, auf allen Ebenen größere Therapieerfolge zu erreichen. Diese Erkenntnisse wären aber vor allem für die ambulante Therapie besonders nützlich, für die Eltern von Süchtigen bis zu denen, die prophylaktisch denken und ihre Kinder vor Sucht beschützen wollen. Es fängt wohl mit Süßigkeiten an.



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S U I C I D A L E   D E P R E S S I O N 

Bisher hatten wir immer von schizophrenen Symptomen gesprochen, eine andere Komponente des Bildes der Sucht aber und der funktionellen Hypoglykamie, die Depression, nicht erwähnt. Aber der diagnostische Test von Hoffer und Osmond enthält eine Menge von 18 Aussagen, die depressive Symptome beschreiben. Im folgenden werden diese Ergebnisse dargestellt:

102) Sehr oft bin ich sehr müde (58%)
103) Sehr oft leide ich unter schwerer nervöser Erschöpfung. (56%)
104) Es fällt mir oft sehr schwer, nachts einzuschlafen. (62%)
105) Auf einer Party fühle ich mich meistens allein und traurig (40%)
106) Ich fühle mich meistens elend und niedergeschlagen. (62%)
107) Das Leben erscheint mir völlig hoffnungslos. (56%)

Beachtet man den Inhalt der Aussagen und die Häufigkeiten, die bei den Süchtigen ein Mittel von 56% erreichen, gewinnt man den Eindruck einer sehr schweren Depression. Der Vergleichsdurchschnitt von Schizophrenien bei Hoffer und Osmond (1961) liegt bei 35%. Somit kommt zu den oben beschriebenen Wahrnehmungsstörungen noch eine schwere Störung des Gefühls, die gefährlich erscheinende Ausmaße hat. Tatsächlich klagen die Patienten in der Behandlung vor allem über diese Depression, die sie dazu treibt, immer wieder eine Dosis Heroin zu suchen, um der tiefen und unerträglich werdenden Niedergeschlagenheit für kurze Zeitzu entgehen.

Die Depression dieser Jugendlichen erscheint nicht nur gefährlich, sie ist es auch. Durch den zweimaligen Entzug seiner Behandlungserlaubnis hatte der Autor die tragische Gelegenheit, eine Reihe von Suiciden kennenzulernen, die dem Behandlungsverbot serienhaft folgten, Diese Suizide erfolgen immer im Entzugsstadium bzw. im Zustand der sogenannten Drogenfreiheit und dürften die häufigste Todesursache bei dieser Krankengruppe sein, häufiger noch als die Überdosis, wenngleich seltener in der Presse berichtet. Es gibt ein typisches Bild dieser tragischen Vorfälle, das an drei Beispielen gezeigt werden soll:

Martina W.: Ist schrittweise entzogen, dann wieder rückfällig geworden und nun seit längerer Zeit zwischen Entzug und Abhängigkeit. Auf dem Weg, ihren vierjährigen Sohn zu einer bestimmten Zeit in einem Kinderheim, wo er von den Behörden untergebracht wurde, zu besuchen kommt sie mit ihrem Mann gerade zu spät zu der U-Bahn, die die richtige S-Bahn noch erreicht hätte. Wenige Minuten später springt sie völlig unvermittelt unmittelbar vor den Augen ihres Mannes vor den nächsten Zug und ist sofort tot.
Ulli H.: Nach der schrittweisen Detoxifikation wieder rückfällig gewesen, jetzt aber seit einigen Tagen ohne Opiate ist der große, kräftige junge Mann dabei, ein Auto herzurichten, das er sich gekauft hat. Dabei kommt er in der Garage der Eltern mit einer Schraube in Konflikt und findet keinen Weg das Problem zu lösen. Plötzlich rennt er, nach einer kurzen Verwünschung, nach oben in die Küche und sogleich wieder mit etwas in der Hand an der Mutter. die ihm besorgt nach oben folgte, vorbei wieder nach unten, wo er den Benzinkanister ergreift, ihn auf die Straße und den Platz laufend öffnet, Benzin über sich schüttet und sich dann stehenbleibend vor den Augen der folgenden Mutter anzündet. Im Krankenhaus dann darf ihn die Mutter — als Krankenschwester — pflegen, bis er am dritten Tag an den Verbrennungen stirbt.
Claus F.: Ebenfalls nach schrittweise durchgeführter Entziehung und Rückfall ohne Behandlungsmöglichkeit durch den Arzt geht der bis dahin aufs sorgfältigste für seine Arbeit denkende Angestellte in der Erwartung einer kleinen Menge Heroin an die S-Bahn, um seine „Connection” zu treffen. Die Connection bleibt aus. Wenige Minuten später wird Claus F. außerhalb des Bahnhofs auf den Schienen von der S-Bahn überfahren tot aufgefunden.

Süchtige leiden oft an schweren suizidalen Depressionen, deren Ursache nicht nur im psycho-sozialen Bereich angesiedelt ist, möglicherweise davon sogar ganz unabhängig besteht. Was sind die Ursachen und Mechanismen, insbesondere der Mechanismus dieser plötzlichen Anfälle von absolut fehlender Frustrationstoleranz, der von Süchtigen sehr gefürchtet wird und psychologisch ausgelöst werden kann? lm folgenden sollen drei biologisch bekannte Ursachen für Depressionen untersucht werden, von denen die erste, die „Histadelie" einen Mechanismus für die plötzliche Änderung der Frustrationstoleranz birgt.



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D I E   " H I S T A D E L I E " 

Im Lehrbuch der Orthomolekularpsychiatrie, herausgegeben von D. Hawkins und dem Nobelpreisträger Linus Pauling wird der Überschuß an Histamin im Blut, die Histadelie, als eine der möglichen Ursachen der Schizophrenie beschrieben. Diese Form der Schizophrenie ist besonders suicidgefährdet. Da wir aus Mangel an Möglichkeiten in der Bundesrepublik Histamin im Blut nicht bestimmen konnten, soll hier anstelle eigener Befunde zunächst ein Abschnitt aus diesem Lehrbuch zitiert werden.

„Ein gewisser Grad von Histadelie charakterisiert auch den Süchtigen, der aber gewöhnlich zusätzlich eine Charakterstörung hat, die es schwierig macht, ihn zu behandeln. Wir wissen aber, daß wenn alle anderen Maßnahmen versagen (Elektroschock, Insulin und antipsychotische Medikamente) der Patient doch langsam besser wird mit kleinen Dosen von Methadon, die zu Schlafenszeit gegeben werden; wenn wir die Alternativen bedenken wird Methadon eine lebensrettende Droge. Bevor man mit dieser Therapie anfängt, sollte die Methadonbehandlung sorgfältig mit dem Patienten und verantwortlichen Angehörigen besprochen werden.” (Pfeiffer,1973).

Im Blut liegt das Histamin vorwiegend in den basophilen weißen Blutzellen, die bei der Histadelie entsprechend vermehrt sind. Es ist bekannt, daß Opiate Histamin im Blut senken. Umgekehrt ist denkbar, daß die Histaminwerte steigen nach Absetzen des Methadons. Wie aber kommt es dann im Stress zur Auslösung der plötzlichen suicidalen Reaktion? Der Mechanismus ist denkbar in Analogie zu allergischen Mechanismen, die von Shelley et al. in diesem Zusammenhang beschrieben werden. Diese Autoren verwendeten die von ihnen eigens entwickelte Technik der speziellen Färbung dieser basophilen Zellen im Blut zu deren Zählung bei allergischen Reaktionen. Sie konnten nachweisen, daß Patienten, die auf bestimmte Substanzen allergisch waren. zehn Minuten nach deren Injektion in einen anaphylaktischen Schock geraten können der zurückgeht auf den plötzlichen Zerfall der basophilen Blutzellen und die Freisetzung größerer Mengen von Histamin ins zirkulierende Blut mit entsprechend schweren Allgemeinreaktionen. Daß so etwas in besonderen Umständen auch psychologisch ausgelöst werden kann, legt wieder eine Beobachtung von Pfeiffer nahe, der nachweisen konnte, daß bei einem Histadeliker nach dem Erlebnis des Abbrennens seines eigenen Hauses die basophilen Blutzellen aus dem Blut verschwunden waren, wie hei den allergisch reagierenden Patienten von Shelley et al. auch (1965, 1984) Das ist zwar zunächst hypothetisch aber doch begründet und kann darüberhinaus leicht untersucht werden.

Es ist interessant, dass von den Symptomen, die Pfeiffer für Histadelien aufführt, einige bei unseren Patienten besonders häufig sind, so z. B. Wahrnehmungsstörungen, Selbstmord-Depression, Gedankenleere, hohes Schmerzempfinden, Magerkeit, abnorme Befürchtungen, Schlaflosigkeit, Drogen-, Zucker- und Alkoholsucht. Paranoia dagegen und Halluzinationen — also die besonders „schizophrenen” Störungen — die nach Pfeiffer bei Histaminmangel häufig genannt werden, waren nach den Auszählungen der entsprechenden Fragen im HOD im Vergleich zu der Kontrollgruppe der Schizophrenien von Hoffer und Osmond besonders selten vorhanden. Pfeiffer selbst fand unter 12 Heroinsüchtigen keinen ohne erhöhte Histaminwe rt e (1984).

Zur Behandlung der Histadelie gehören Kalzium, Methionin, Diphenylhydantoin, Zink + Mangan, Molybdän und im — Fall der Heroinsüchtigen — kleine Dosen von L-Polamidon zur Schlafenszeit, als lebensrettende Droge (vgl. auch Bschor, 1984).



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H O H E S   S E R U M - K U P F E R   B E I   S Ü C H T I G E N 

Schlechte Ernährung, vor allem mit viel Zucker und Weißmehl, den sogenannten "nackten Kalorien" hat die Tendenz der Verminderung des Mineralstoffreservoirs zur Folge. Das führt infolge Kalzium -Magnesium-Mangels (neben den bekannten Ursachen der Karies) zum Zahnausfall, über Zinkmangel zu den bereits erwähnten Beschwerden und theoretisch zu einer Ansammlung toxischer Mengen Kupfers im Serum, das aus den Trinkwasserleitungen kommend mit der Zeit das fehlende Zink im Körper ersetzt. Wir haben bei den Süchtigen und einer Kontrollgruppe die Kupferwerte im Serum bestimmen können. Das Ergebnis zeigt die folgende Abbildung.

SERUM-KUPFER-WERTE VON OPIAT-ABHÄNGIGEN im
Vergleich zu den Werten einer nicht—süchtigen Kontrollgruppe von Patienten in Psychotherapie. Bei den Opiat-Abhängigen liegen mehr als die Hälfte der Werte im toxischen Bereich.



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Diese toxischen Kupferwerte sind eine weitere Ursache für Depressionen. Hohes Kupfer macht aber auch Psychosen, wie nach der Entbindung (in der Schwangerschaft steigt das Kupfer im Serum an, wie bei der AntiBaby-Pille auch) und zu früheren Zeiten bei der Dialyse gegen Trinkwasser in der „dementia dialytica". Der Unterschied der Kupferwerte unter den Süchtigen zu denen der Patienten in Psychotherapie ist sehr groß. Man kann sich vorstehen, daß Psychotherapie bei Patienten mit Depressionen aufgrund toxischer Kupferwerte im Serum letztenendes wesentlich erfolgreicher verlaufen, wenn auch die Kupferwerte gesenkt würden. Das ist möglich mit einer Kombination von Zink und Mangan und eventuell Molybdän zusammen mit Vitamin C, die das Kupfer ausspülen. In resistenten Fällen kann der Chelatbildner D-Penicillamin angezeigt sein. Dieses Arzneimittel ist sicher, wenn es in einer niedrigen Dosis und zusammen mit Zink und Vitamin B6 verwendet wird (Brain Rio Center, Princeton, N.J., 1981).



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D E P R E S S I O N E N   A L S   F O L G E   V O N   A L L E R G I E N 

Verwendet man den Begriff „Allergie" im ursprünglichen, nicht durch immunologische Definitionen eingeengten, Sinne, gewinnt man mit der „klinischen Ökologie" eine weitere medizinische Spezialwissenschaft, die sehr wirksame Beiträge zur Heilung von Psychosen und Depressionen geleistet hat, aber auch viele der Störungen behandelt, die an den Körpern der Süchtigen zu beobachten sind. Die bisherigen Literaturangeaben bezogen sich weitgehend auf die andere, wesentliche medizinisch-biologisch fortschrittliche und eminent therapeutische Richtung, auf die „Orthomolekularmedizin" (Williams, 1977). Aus der klinischen Ökologie kommen u. a. die Techniken der Diagnose und Heilung der bei Pfeiffer schon erwähnten .,Hirnallergie". Darunter versteht man besondere Formen der Sensibilisierung auf Chemikalien in der Umwelt und in Nahrungsmitteln, aber auch auf alltägliche Nahrungsmittel selbst, die deshalb häufig unerkannt bleiben, weil sei über eine Stimulation kurz nach Einnahme und erst verzögertes Eintreten der Krankheitssymptome — ähnlich wie auch bei „Schwips und Kater'' im Alkoholismus — über das anfänglich offensichtliche Woldbefinden „maskiert" sind, wie die klinischen Ökologen sagen. Eine der häufigen, späten und schweren Folgen der Sensibilisierung auf Umweltgifte oder alltägliche Nahrungsmittel ist die Depression (Randolph,1984). Die klinische Ökologie ist eine bei uns noch nicht etablierte professionelle medizinische Spezialität, die in den USA schon in der zweiten Generation, in Großbritannien gerade in die erste Blüte kommt. In den Reihen der klinischen Ökologen können Depressionen zuverlässig auf ihre Ursachen hin geklärt und zum Teil völlig geheilt werden: im wesentlichen ohne alle Medikamente.

Für das Verständnis der Suchtproblematik hat die klinische Ökologie, vor allem durch die bahnbrechenden Arbeiten von Th. Randolph einen völlig neuen und grundlegenden Rahmen geschaffen. Das wird besonders deutlich am Alkoholismus in Randolphs Beschreibung, die auch für Laien mit einschlägiger Erfahrung sofort verständlich ist. An diesem Punkt hat die Neuzeit medizinisch eben erst begonnen. Da erfreulicherweise Dank der Initiative und Subvention der Georg Michael Pfaff-Gedächtnisstiftung das wesentliche Werk von Theron G. Randolph schon in deutscher Sprache vorliegt, kann hier auf dieses Werk verwiesen werden (1984).

Nach der klinischen Beobachtung spielten Unverträglichkeitsreaktionen bei den behandelten Süchtigen eine ganz große Rolle. Unter den Noxen ist dabei mit großem Abstand an erster Stelle die Zigarette zu nennen. Für den Autor erscheint es noch schwieriger, Heroinsüchtige von der Zigarette zu befreien, als von Opiaten selbst. Der Begründer der klinischen Ökologie in Großbritannien, Richard Mackarness hält ebenfalls „die Sucht nach Tabak für die schädlichste aller Süchte, abgesehen davon, daß sie auch die häufigste ist" und hat in Australien in einer von der Regierung finanzierten Klinik zum Entzug von Rauchern eine eigene Form der in der klinischen Ökologie bekannten intradermalen Hyposensibilisierung entwickelt (1984). Dabei werden serielle Verdünnungen von Zigarettenrauchextrakten als kleine Quaddeln in der Haut getestet, um die Konzentration zu finden. die dann in Tropfen unter die Zunge gebracht, das Bedürfnis zu rauchen völlig oder wesentlich vermindert.

Die Depression ist nur eines der vielen möglichen Symptome der Unverträglichkeit von Umweltfaktoren oder Nahrungsmitteln, dem in der Regel viele andere vorausgehen. Auch die manischen Reaktionen gehören als Ergebnis der anfänglichen Stimulation dazu. Die Aufzählung aller möglichen allergischen Symptome würde den hier gegebenen Rahmen sprengen. Das ganze Spektrum schließt alles mit ein, was bei uns unter den Begriff „Psychosomatik" fällt, dabei aber im Gegensatz zu den Erfahrungen der klinischen Ökologie meist als „psychisch verursacht' gedeutet wird. Auf keinem Gebiet ist die klinische Ökologie oft zur großen Erleichterung von Patient und Familie wirklich so überzeugend wie bei dem Nachweis, daß diese Symptome „somatopschisch" zu verstehen und zu behandeln sind: bei den Reaktionen auf die körperliche Noxe gehen die psychologischen infolge der höheren Geschwindigkeit der Reaktionen des Zentralnervensystems denen im körperlichen Bereich voraus. Es handelt sich bei dem bisherigen Verständnis der Psychosomatik also !weitgehend um die klassische Verwechslung von „post" und „propter".

Ein für das Verständnis der Gesamzahl aller Phänomene am Körper derjenigen unter den Heroinsüchtigen, die über lange Zeiten von der Sucht nicht losgekommen sind, sehr wichtiger Begriff ist der von der „allergischen Belastung". Klinische Ökologen referieren eine überzeugende Fülle von Beispielen dafür, daß bei bestimmten Patienten mit multiplen Allergien eine drastische Verschlechterung gerade nach einer besonderen Belastung mit Umweltgiften oder durch eine dazukommende virale Infektion eingetreten ist. Man spricht dabei von einem Zusammenbruch der immunalen Abwehr. Aus diesen Einzelbeobachtungen schließt man überzeugend auf andere Fälle, bei denen die massive Belastung als Ereignis nicht erkennbar ist, aber angeommen werden kann als Addition vieler verschiedener Noxen. So ein Ereignis kann natürlich die Injektion giftiger, unreiner Substanzen sein, die ein Heroinsüchtiger anstelle des reinen Heroins verkauft bekam. Aber auch die als Folge des finanziellen Ruins häufig miserable Ernährung kommt als Ursache Für den Zusammenbruch des Immunsystems hei Süchtigen infrage, weil die körperliche Abwehrkraft gegenüber Umweltnoxen und unverträglichen Nahrungsmitteln natürlich auch von der allgemeinen Gesundheit abhängt und diese eben wieder von der Qualität der Nahrung.

In therapeutischer Hinsicht spielt in der klinischen Ökologie — sehr verwandt zur Orthomolekularmedizin — die Vermeidung von Fremdstoffen und eine natürliche aber nicht eintönige Ernährung die entscheidende Rolle in der Heilung vieler psychologischer und somatischer Störungen, die in der Schulmedizin oft noch als Rätsel gelten. Unter den Münchener Süchtigen fand sich eine wahre Fülle solcher Störungen, ohne daß es unter den sich entwickelnden Umständen möglich war, eine quantitative Darstellung vorzubereiten.



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A N T I A L L E R G I S C H E   E I G E N S C H A F T E N D E R   O P I A T E 

Wenn man einmal süchtige Patienten in ihren körperlichen Reaktionen auf Nahrungsmittel — von denen die Reaktion auf Zucker nur ein Teil gewesen ist — anschaulich beobachtet, fällt einem wirklich auf, daß diese Menschen ja ganz offensichtlich normale Dinge zum Teil schlecht vertragen. Wer bekommt denn regelmäßig Durchfall, wenn er Milch trinkt oder Äpfel ißt? Hier liegt natürlich die Antwort nahe: „Opiatsüchtige". Abgesehen davon, daß an dieser Antwort das eine und andere fehlt, ist Durchfall aber für den Arzt eine ernstzunehmende Sache und für den Süchtigen natürlich auch. Gibt es nun in der Bundesrepublik oder sonstwo jemanden. der sagen kann, bei wieviel Prozent der Heroinsüchtigen der Durchfall ein Durchgangssymptom des Entzuges ist und bei wieviel Prozent eben nicht, weil der Durchfall so lange bestehen bleibt bis der erschöpfte Kranke eben doch wieder Opiate findet — und der Durchfall ist weg?

Soweit jedenfalls der Autor sehen konnte, spielen Durchfall und andere gastrointestinale Symptome bis hin zum Malabsorptionssyndrom hei Süchtigen eine ungemein große Rolle, und dies eben beobachtbar genau auf die Art, wie die klinische Ökologie Allergien auf Umweltgifte und Nahrungsmittel beschreibt. Einmal abgesehen von der sich daraus ergebenden Möglichkeit der Heilung durch die Methoden der klinischen Ökologie — was ohnedies eine Reihe von vorbereitenden Arbeiten erfordert, bevor es viele Süchtige erreicht haben kann — ist der klinische Eindruck vom Verschwinden aller Symptome allergischer Natur durch Heroin oder Polamidon wirklich so verblüffend, daß man sich fragt, wie die Opiate das alles eigentlich machen: Schmerzen, Angst, Psychosen, Depressionen, Durchfall, Unverträglichkeiten und Allergien mehr oder weniger verschwinden zu lassen. In weiten Bereichen sind diese Beschwerden die Folgen der industriellen Verschmutzung, der Denaturierung der Nahrungsmittel und der Belastung des menschlichen Körpers mit Chemikalien, die er nicht kennt. Vielleicht wissen die Forscher an der Spitze des Feldes der Morphin- und Endorphin-Forschung wie Avram Goldstein schon das meiste oder erst die Hälfte über die Wirkungsmechanismen der Opiate. Die Beschwerden der Süchtigen aber sind viel weniger die Folge von „Rauschgift" als die einer Entwicklung, die viele andere mehr betrifft, als nur die Süchtigen. Ist da jemand, der wirklich etwas besseres weiß, außer uns wieder gut zu ernähren und die Gifte in Umwelt, Essen und in der Medizin sofort zu eliminieren?

Haben wir heute schon für die am schwersten von Ernährungsschädigung, Malabsorptionssyndrom, Allergien und Störungen der körpereigenen Endorphinsynthese betroffenen Süchtigen etwas besseres, als ihnen doch zu erlauben, Opiate in einer genau dosierbaren Form so lange zu nehmen bis die Ärzte das anbieten, was ihnen besser bekommt?

Je länger wir warten mit der Antwort auf diese Frage, mit der Entgiftung von Umwelt, Ernährung und Medizin, je länger wir warten mit einer ganz allgemeinen, sorgfältigen Rückbesinnung auf die biologischen Möglichkeiten des in Jahrmillionen gewachsenen menschlichen Körpers gegenüber der Menge der chemikalischen Maßnahmen, die wir alle schlecht beraten in jüngster Zeit gegen ihn ergriffen haben ... je länger wir also warten, umso deutlicher werden wir es sehen:
„Unter den Heilmitteln, von denen es dem allmächtigen Gott gefallen hat. sie dem Menschen zur Linderung seiner Leiden zu geben. ist keines so universell und wirksam wie das Opium.”

Summary:
For centuries Opium has been the most universal und effective remedy to relieve man's sufferings. This fact is the theoretical ground for a search in hundred and some heroin/temgesic-addicts in Munich who show
selected for years by neglection through the German medical profession an accumulation of maladies which certainly can be relieved by the use of heroin: suicidal depression, psychoses, anxiety syndroms, dysperceptions, pain, diarrhoeas and frequent nutritional disturbances in the broadest Sense. The author supports this hypothesis on the basis of Hoffer & Osmond's Diagnostic Test for schizophrenia, depression and dysperceptions and the following findings: 80 times hypoglycemia - the source of symptoms erroneously taken for heroin withdrawal symptoms in 80 patients, high serum-copper - the cause of depression in more than 40%; malvaria (pyroluria a cause of schizophrenia in more than 30%; an uncounted number of ecological diseases. He pleads for the support of treatment programs medically differentiating different causes of an epidemic which is dangerous for the population in Germany instead of the present fight against such a program.



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Dr. med. Hannes Kapuste



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B R I E F   U N D   G U T A C H T E N 

SVANTE Z M TRAVENIUS
Dr sci med
Jeans väg 55
S-284 00 PERSTORP
Sweden
Tel. 0435-314 67

Research project:
ACTION SCENARIOS FOR LIMITING THE IMPACT
OF PSYCHOACTIVE SUBSTANCES ON SOCIETY
At the Lund University's
Center for Community Medicine
Perstorp 1983.05.25



Dr H. Kapuste,

Glasererweg 4,

D-8015 Marquartstein

Bundesrepublik Deutschland



Sehr geehrter Dr Kapuste,

Ich danke Ihnen herzlich für die mir im vorigen Jahre eingesandten 2 Sonderdrucke, von denen ich die "Medizinische Differenzierung des Heroin-Suchtproblems" als einen der besten Artikel auf diesem Gebiete schätze.

In diesem Artikel schreiben Sie, dass diese Arbeit 1984 abgeschlossen wurde und dass eine weitere in Vorbereitung ist.

Wenn diese zweite Arbeit schon erschienen ist, möchte ich Sie bitten, mir einen Sonderdruck oder eine Xerox-Kopie derselben gefällig zu schicken. Wenn sie noch in Druck ist, bitte ich Sie, mein Interesse daran vorzumerken und mir dieselbe nach deren Erscheinung zu schicken.

Sonst interessieren mich sehr auch Ihre weiteren Arbeiten, wie auch jene Ihrer Kollegen und Mitarbeiter, betreffend alle Probleme und Aspekte des Ge- und Missbrauches psychoaktiver Stoffe aller Art (Alkohol, Nikotin, legale Medikamente, illegale Drogen, organische Lösemittel, Alkaloide usw.) und ich würde es sehr begrüssen, wenn ich auch von diesen anderen Arbeiten Sonderdrucke oder Xerox-Kopien bekommen könnte.

Ich danke Ihnen im voraus für Ihr Entgegenkommen und bin



mit freundlichen Grüssen

Specialist for hygiene

and toxicology

PS. Bitte verwenden Sie das beigefügte abziehbare Adressenetikett für Ihre Antwort.

To

Dr Svante Z M Travenius

Jeans väg 55

S - 284 00 PERSTORP

Sweden


******************************************************************
Zum Vergleich zu obigem Brief nun dieses "Gutachten", das zeitgleich mit der Veröffentlichung der Arbeit entstanden ist, die der obige Brief zum Gegenstand hat. In Schweden galt Herr Dr. Kapuste als wertvoller Arzt und Wissenschaftler, in unserem ideologisch geprägten Deutschland zur selben Zeit als Verrrückter...-


An den

Herrn Vorstand

der Justizvollzugsanstalt

München


Dr. Kapuste, Johannes, geb. am 27.09.1932



Die Untersuchung am 28.07.1986 hat Hinweise für das Vorliegen einer überwertigen Idee im Sinne eines messianischen Sendungsbewußtseins sowie einer extremen Zwanghaftigkeit ergeben. Da die Symptomatik und auch sonstige Hinweise (familiäre Belastung hinsichtlich endogener Psychose) den Verdacht auf eine endogene Psychose lenken, halte ich eine Begutachtung zur Frage der Schuldfähigkeit gemäß § 81 StPO für dringend indiziert.


Dr. med. Ingo C. Wiederholt



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