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Pointierte Thesen und Tatsachen zum Heroin Problem
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I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
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1. Heroin ist ein Rauschgift wie andere
2. Heroin ist die härtere Droge.
3. Heroin-Tote sind sehr häufig.
4. Drogen sind keine Heilmittel
5. Verboten sind meist die Naturprodukte
6. Den Teufel mit dem Teufel austreiben.
7. Die Chronifizierung von Krankheiten.
8. Vermehrung des Heroin-Handels
9. Das Zögern der Ärzte ist nicht spontan.
10. Pädagogisch-Medizinisches Grenzproblem
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1 . H E R O I N I S T E I N R A U S C H G I F T W I E A N D E R E
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POINTIERTE THESEN UND TATSACHEN ZUM PROBLEM DES ILLEGALEN GEBRAUCHS VON HEROIN BEI UNS UND ANDERSWO
Manuskript zur Vorbereitung der Tagung des Arbeitskreises Junger Kriminologen (AJK) vom 5. bis 7. Oktober 1979 in Bremen
von Hannes Kapuste
"Rauschgift" ist durchaus ein häufig gebrauchter Oberbegriff für Heroin. Dagegen ist auch nichts zu sagen, weil man den von Süchtigen erstrebten Zustand bei Injektion, den sogenannten "kick" gefolgt von dem "Feeling" durchaus einen Rausch nennen kann und auch weil wegen der geringen therapeutischen Breite (das ist der Abstand zwischen der therapeutischen und toxischen Dosis) des Heroin tödliche Vergiftungen leicht vorkommen.
"Genussmittel" ist ein ebenso häufig gebrauchter Oberbegriff für Alkohol. Auch dagegen ist nichts zu sagen, weil die häufigste Art der Einnahme von Alkohol, beim Essen, diesem Oberbegriff durchaus gerecht wird. Obwohl also gegen die beiden Oberbegriffe wenig einzuwenden ist, ist viel einzuwenden gegen deren intuitive Erweiterung zum Gewinn von Erklärungen in Bezug auf Straftaten.
Als Sachverständiger vor Gericht bei der Verhandlung über die Beförderungserschleichung eines Patienten erlebte ich einen Richter, der immerfort danach fragte, ob vor der Straftat jeweils Heroin-Injektionen erfolgten. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass wie beim Alkoholgenuss Straftaten des Heroinsüchtigen "im Rausch" zu erwarten sind. Man kann aber ohne Übertreibung sagen: "Genau das Gegenteil ist der Fall." Straftaten des Heroinsüchtigen sind am wahrscheinlichsten im Entzugssyndrom, Straftaten des Alkoholikers nach Alkoholgenuss. Auf der anderen Ebene sind Todesfälle bei Heroin häufig nach einer Überdosis, bei Alkohol im Entzugs-Delirium, jetzt einmal abgesehen von der Unfall Gefährdung bei Alkohol.
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2 . H E R O I N I S T D I E H Ä R T E R E D R O G E .
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Hier ist meist der Vergleich mit Haschisch oder auch LSD gegeben, und die Assoziation gemeint: "Haschisch ist hart, Heroin ist härter." Dies ist nun ganz und gar unrichtig. Man kann wohl sagen, Haschisch sei härter als Marihuana, oder auch LSD sei härter als Haschisch. Heroin und LSD aber sind sehr viel eher Antagonisten als Drogen bzw. Medikamente der gleichen Klasse, wie ihre Subsumierung unter "Betäubungsmittel" im nationalen und internationalen Recht nahezulegen scheint.
Pharmakologisch gesehen sind die Halluzinogene, unter diesen LSD, Mittel, die die Nervenleitung im Zentralnervensystem mittels des sogenannten "Dopamin-Neurotransmitter-Mechanismus" beschleunigen, Opioide, unter diesen Heroin, sind dagegen "Dopamin-Antagonisten", also Mittel, die diesen Mechanismus behindern. Klinisch kann man also eine durch LSD erzeugte Psychose mit Heroin - natürlich in angemessener Dosierung - sofort beheben. Weder Opioide noch Halluzinogene kann man, genau genommen, als "Betäubungsmittel" bezeichnen. Medizinisch gesehen ist die juristisch definierte Kategorie ein Sammelsurium mehrerer Gruppen von recht verschiedenen Medikamenten, unter denen diejenigen, die nun wirklich als Betäubungsmittel, nämlich zur Narkoseverwendet werden, gar nicht enthalten sind. Zweifellos verleitet die Juristische Klassifikation zu vielerlei schwerwiegenden Irrtümern, wenn sie nicht medizinisch differenziert wird, was leider gar nicht üblich ist, sogar nicht einmal unter Ärzten.
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3 . H E R O I N - T O T E S I N D S E H R H Ä U F I G .
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Betrachtet man die Anzahl der unerwünschten Todesfälle statistisch im Zusammenhang mit den drei Klassen von wirksamen Substanzen: Genussmittel, Medikamente und Drogen, dann ergibt sich eine sehr eklatante negative Korrelation von da zur juristischen Klassifikation: frei verkäuflich, in Apotheken verkäuflich, auf Rezept in Apotheken verkäuflich, Betäubungsmittel-Rezept-pflichtig und verboten.
Weitaus am häufigsten dürften die unerwünschten Todesfälle durch Zigarettengenuss, der überhaupt nicht beschränkt wird, zu Buche schlagen, mit vielen tausend pro Jahr, die keinerlei Publizität genießen, allerdings erst nach chronischem Gebrauch in Form des Todes durch Lungenkrebs zu erwarten sind. An nächster Stelle nach Häufigkeit kommen Todesfälle durch Alkohol, die noch immer in der Größenordnung von Tausenden pro Jahr durch Unfälle, akute Überdosierung und Delirium tremens nach chronischem Gebrauch zusammenkommen. Todesfälle durch normalen oder unmäßigen Gebrauch von Genussmitteln sind also bei weitem am häufigsten.
Die nach Häufigkeit nächste Gruppe sind rezeptpflichtige Medikamente aus den Klassen der Schlafmittel, neben nicht-rezeptpflichtigen Schlafmitteln, meist Suizide, und Todesfälle bei einer Gruppe neuerer Psychopharmaka, den Neuroleptika, die bei alten Leuten pro Jahr sicherlich über der Tausendergrenze liegen, aber unter anderen medizinischen Kategorien (Herz-Kreislaufversagen, Lungenentzündung) berichtet werden. Neuroleptika sind für den Patienten sehr unangenehme "Tranquillizer", die bei Schizophrenien, aber auch Verwirrungszuständen im Alter von Ärzten verwendet werden, - oft genug gegen den Willen der betroffenen Patienten und dies nicht nur bei Entmündigten.
Erst an dritter Stelle stehen die Todesfälle, die zur Zeit bei uns die größte Publizität genießen, nämlich die durch Überdosis von Heroin oder durch dem Heroin beigemengte andere Gifte. Sie Überschreiten bei uns in diesem Jahr voraussichtlich zum ersten Mal die Fünfhundertergrenze.
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4 . D R O G E N S I N D K E I N E H E I L M I T T E L
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Der Begriff "Drogen" wird heutzutage im wesentlichen für psychoaktive Substanzen verwendet, die in größerem Umfang und vorwiegend ohne Konsultation eines Arztes verwendet werden. Da Opiate, zu denen das Heroin gehört, bei der Schmerzbekämpfung und zur Vorbereitung bei Operationen auch legal medizinisch Verwendung finden, reduziert sich der Drogenbegriff im wesentlichen auf deren illegale Anwendung. Die Anwendung von Opiaten wegen deren psychotroper Wirkung ist in der Medizin heute nicht üblich.
Das heißt bei weitem nicht, dass es keine heilende Wirkung der Opiate im Bereich psychischer Erkrankungen gibt oder dass darüber keine Publikationen existieren. Opiate haben eine ausgeprägte antipsychotische Wirkung, über die sowohl historische Berichte, so W. Perfect 1787, als auch moderne Berichte, so Gold et al . 1977 und Berken et al . 1978, existieren x). Man kann zwar nicht sagen, dass der antipsychotische Effekt von allen Opiaten bis hin zum synthetischen Methoden medizinisches Allgemeingut wären, sicherlich aber wissen dies noch ältere Psychiater, Ärzte, die Süchtige mit Methadon behandeln und in weitem Umfang die Süchtigen selbst.
Während Publikationen über positive psychopharmakologische Erfahrungen mit Opiaten in jüngerer Zeit eher selten sind, ist das für LSD und verwandte Substanzen ganz anders. Aus den fünfziger und sechziger Jahren gibt es mehrere hundert wissenschaftliche Publikationen über Erfolge der Psychotherapie mit Hilfe von LSD und auch einige seriöse Bücher, wie von H.A. Abramson "The Use of LSD in Psychotherapy and Alcoholism", The Bobbs-Merrill Company, Inc., New York 1967, oder von H.Leuner, "Die experimentelle Psychose", Springer-Verlag, 1962. Die therapeutischen Erfolge der LSD-assistierten Psychotherapie waren eher spektakulär, als gering oder zweifelhaft, wie die Erfolge der Psychotherapie im allgemeinen. Besonders groß waren die Erfolge bei chronischen Alkoholikern, bei unheilbaren Zwangsneurosen und bei vielen schwer heilbaren psychosomatischen Erkrankungen wie Asthma, ja sogar Psoriasis, dies oft bei einer einzigen Anwendung. Über den Erfolg der "hypnodelischen" Therapie bei Heroinsüchtigen wird weiter unten noch zu reden sein.
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5 . V E R B O T E N S I N D M E I S T D I E N A T U R P R O D U K T E
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Berücksichtigt man, dass ein Mohnbauer Opium herstellt, dass im Opium einige Prozent Morphin enthalten sind, dass Heroin in einem chemischen Schritt aus Morphin gewonnen werden kann, dass ferner Haschisch als Pflanzenharz gewonnen wird, dass Meskalin in großer Menge in bestimmten genießbaren Kakteen vorkommt, dass Psilocybin in essbaren Pilzen enthalten ist, dass LSD in wirksamer Menge in Pflanzensamen vorkommt, dass Cocain beim Kauen von Cocablättern eine milde Wirkung entfaltet, und dass alle diese Substanzen und Pflanzen bei uns verboten sind, liegt die Hypothese nicht fern, dass die legalen Maßnahmen Naturprodukte treffen, die nicht bereits industrialisiert sind, wie Tabak, Alkohol und Kaffee.
In diesem Zusammenhang stimmt nachdenklich, dass die genannten Drogen in ihrer natürlichen, d.h. nicht chemisch gereinigten Form, und in der natürlichen Situation von Menschen innerhalb des Familien- Sippen- und Siedlungsverbandes keineswegs deletäre Wirkungen entfalten. Man kann im Gegenteil eher sagen, dass Anthropologen lange vor der Drogengesetzgebung die kulturelle Potenz des natürlichen und religiösen Gebrauchs dieser Drogen nachgewiesen hatten, so W. H.McGlothlin in H.A. ABRAMSON 1967.
Interessant ist auch, dass die Bezeichnung "Betäubungsmittel" für diese im wesentlichen bewusstseinserweiternden Mittel höchst irreführend, für die Psychopharmaka aber, die man nicht dazu zählt, aber gerade sinnvoll ist. Wer also die offizielle Terminologie auf diesem Gebiet genauer betrachtet, kann nicht bestreiten, dass hier mit Beginn der fünfziger Jahre eine systematische Verfälschung der Begriffe erfolgte, die bis heute mit enormem didaktischen Aufwand immer mehr vervollkommnet wurde - Siehe z.B. Halbach: "Terminologie", 1975.
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6 . D E N T E U F E L M I T D E M T E U F E L A U S T R E I B E N .
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Gegen die Behandlung von Heroinsüchtigen mit Methadon wird oft ins Feld geführt, man würde dabei den Teufel mit Beelzebub austreiben. Da nur eine "ansehnliche Minderheit", so Kleber 1977, von der hochdosierten Methadonbehandlung wieder loskommt, ist diese Bezeichnung nicht irreführend, jedenfalls nicht, solange die Drogenfreiheit das Ziel der Behandlung bleibt. In hohem Maße erfolgreich ist Methadon bei der Behandlung der Kriminalität, dies aber nur in Verbindung mit der Legalisierung der Substitution durch Methadon. Man kann das gleiche auch mit Heroin erreichen, wie das englische Beispiel zeigt, so z.B. B.D. Johnson 1976, wobei allerdings auf lange Sicht wegen der besseren pharmakologischen Steuerbarkeit doch dem Methadon der Vorzug gegeben wird.
Die genauere Betrachtung der Literatur läßt aber vermuten, dass zumindest in den USA die Methode ä la Beelzebub der Heilung der Süchtigen vorgezogen wurde. Im Jahre 1965 lagen zwei wissenschaftliche Arbeiten vor, die eine von Dole und Nyswander: "Die medizinische Behandlung der Heroin-Abhängigkeit -ein klinischer Versuch mit Methadon " die andere von Ludwig und Levine: ''Eine kontrollierte Vergleichsuntersuchung von fünf Kurz-Therapie-Techniken unter Anwendung von LSD, Hypnose und Psychotherapie." Von der Qualität der Methodik her war die zweite die bei weitem bessere Auch die Ergebnisse der "hypnodelischen" Therapie, einer durch Hypnose eingeleiteten und kontrollierten LSD-assistierten psychotherapeutischen Sitzung von etwa drei Stunden nach klinischer Entziehung ohne weitere Nachbehandlung, übertrafen alle anderen Methoden bei weitem. Die Arbeit stammte auch nicht, wie die von Dole, von einem Neuling auf dem Gebiet der Drogentherapie - Mary Nyswander allerdings war eine in der allgemeinen Erfolglosigkeit sehr erfahrene Drogenärztin sondern aus dem in aller Welt bekannten Spezialkrankenhaus der USA in Lexington, Kentucky. Da die Arbeit außerdem auch noch vom National Institute for Mental Health finanziert worden war, kann nicht der geringste Zweifel bestehen, dass die Einführung der sogenannten narkotischen Blockade durch Methadon in hoher Dosierung eine klare Entscheidung gegen die Möglichkeit einer raschen Heilung und für die chronische Behandlung war.
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7 . D I E C H R O N I F I Z I E R U N G V O N K R A N K H E I T E N .
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Erweitert man diese Betrachtung auf das Gebiet der gesamten Psychiatrie, dann ergibt sich eine Tendenz von der Art, akute psychische Störungen mit Dauertherapien zu behandeln und dabei den Medikamenten den Vorzug zu geben, die eine industrielle Produktion erfordern und daher keinem natürlichen Wettbewerb mehr unterliegen. Während die akute Krisenintervention bei schizophrenen Psychosen - so ein Review von L.R. Mosher et al., Am. J. Psychiatry, 136:5, Mai 1979 - die besten Chancen im Sinne einer Heilung ergibt, wird ganz allgemein der Hospitalisierung mit anschließender, nicht selten lebenslänglichen, Behandlung mit Neuroleptika der Vorzug gegeben. Viele "Somatisierungen" nach psychischen Krisen, wie Asthma, Psoriasis, sowie auch die Behandlung akuter Angstzustände mit Valium und anderen der sogenannten "minor tranquillizer", laufen ebenfalls auf langfristige Medikation nach nicht geklärten und behobenen interpersonellen Konflikten hinaus. Auch der chronische Alkoholismus ist bei genauer Betrachtung verständlich nach diesem Muster, obwohl Alkohol nicht als Medikament in der Klasse der Betäubungsmittel geführt wird. Auch hier wurde die "akute Heilung einer chronischen Krankheit" mit legalen Mitteln unterbunden, dies wider die etablierte wissenschaftliche Erkenntnis - Vergl . F. Freemont Smith, in H.A. Abramson 1967.
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8 . V E R M E H R U N G D E S H E R O I N - H A N D E L S
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Schon 1955 hatte die "New York Academy of Medicine" die zwei mächtigsten Ursachen für das Wachstum und die Verbreitung der Heroin-Sucht herausgestellt: "Profit und Bestrafung". In einem zweiten Report 1963 legte die Akademie die Empfehlungen vor, die sich aus dem Studium der Ergebnisse der sogenannten britischen Methode ergeben hatten, unter anderen die "Wiederherstellung der Freiheit der praktizierenden Ärzte, nach eigener klinischer Erfahrung zu behandeln'', und "den Süchtigen als Kranken zu behandeln". Obwohl die zentralen Thesen dieser Akademie vorher und nachher in einer Reihe von soziologischen, medizinisch-epidemiologischen und systemtheoretischen Arbeiten belegt und untermauert wurden, ist die offizielle amerikanische Politik den Empfehlungen bis heute nicht gefolgt. Während das Heroin-Problem in der Folge und bis heute in Großbritannien -Siehe B.D. Johnson, The Intern. Journ. Addict. 12(2-3), 361-398, 1977 - kein wesentliches Problem geworden ist, hat sich dieses Problem in den USA an die Spitze der nationalen Probleme geschoben und wird bis heute kaum bewältigt.
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9 . D A S Z Ö G E R N D E R Ä R Z T E I S T N I C H T S P O N T A N .
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9. Das Zögern der Ärzte ist nicht spontan. Der Bericht der New Yorker Akademie macht auch klar, dass die unterschiedliche Haltung britischer und amerikanischer Ärzte erst infolge der massiven Verfolgungen amerikanischer Ärzte durch die Justiz zustande kam. Spontan neigen die Ärzte in allen Ländern dazu, die Süchtigen in Behandlung zu nehmen. Dabei gewinnen sie mit der Zeit die nötige Erfahrung und Vorsicht. Abgesehen von Ausnahmen ist das Problem der Opioid-Abhängigkeit nie von Ärzten vergrößert worden.
Auch in der Bundesrepublik ist die heutige Zurückhaltung der Ärzte bei der Suchtbehandlung keine spontane Reaktion. Noch bevor die Anzahl der Herointoten viel mehr als ein Prozent der heutigen Anzahl erreicht hatte, fing der Vorstand der Bundesärztekammer - von den Verfügungsmitteln her gesehen viel mehr ein Organ der pharmazeutischen Industrie als eine Ärztevertretung - in ungewöhnlicher Vorausschau der Dinge mit wissenschaftlich nicht gedeckten propagandistischen Erklärungen an, die Ärzte systematisch zu intimidieren.
Die Justiz unterstützt diese Kampagne in perfekter Kooperation mit den Gesundheitsämtern, die quasi automatisch die Rezeptdurchschläge mit allen Angaben über den Patienten an die Strafverfolgungsbehörden weitergeben. Auch ist es eher die Regel, als die Ausnahme, dass, die Gerichte die ärztlichen Aufzeichnungen beschlagnahmen lassen.
Flankiert werden diese direkten Maßnahmen durch die Abrechnungspraktiken der Kassenärztlichen Vereinigungen, die deutlich genug den finanziellen Riegel vor das nötige Engagement des Arztes legen.
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1 0 . P Ä D A G O G I S C H - M E D I Z I N I S C H E S G R E N Z P R O B L E M
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10. Pädagogisch-medizinisches Grenzproblem. Die Heroin-Abhängigkeit des einzelnen ist zweifellos ein pädagogisch-medizinisches Grenzproblem in weitestem Sinne. Keineswegs ist jeder Mensch geeignet, chronisch süchtig zu bleiben, wenn er einmal süchtig war. Nach einer Reihe von Untersuchungen ist es vielmehr nur eine kleine Minderheit, die nach Persönlichkeitsprofil und Herkunft Alkoholikern und Kriminellen sehr nahesteht. Dass nicht nur Beschaffungsdelikte, sondern krimineller Eifer ganz allgemein durch Opiate zu beruhigen ist, dürfte eine etablierte Tatsache sein. Da die Wirkung der Opiate nach der neueren Endorphin-Forschung bestimmten körpereigenen Substanzen außerordentlich nahekommt, kann man sagen: Alkoholismus, Heroin-Sucht und Kriminalität ganz allgemein, sind Probleme, die die Zusammenarbeit sehr vieler Disziplinen erfordern.
Copyright: Dr. med. Hannes Kapuste. München, Hufnagelstraße 1
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