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Welche Qualifikation hat der Autor, über das Thema Morphinismus zu schreiben? Er entnimmt diese Qualifikation rund 40 Jahren persönlicher Erfahrung. Wem überließen Sie Ihren Wagen zur Reparatur, einem Automechaniker mit 40 Jahren praktischer Erfahrung, oder einem Akademiker mit Titeln und Positionen, der Schraubenzieher nur aus Büchern und vom Hörensagen kennt? Wem würden Sie mehr vertrauen, wenn es um ein sicheres Fahrzeug und somit um ihr Leben ginge?


Weil sie in Kreisen verkehren, in denen man Opiat konsumiert und das Opiat den Mitgliedern dieses Kreises offenbar wohl tut, greifen manche Leute ebenfalls zu Opiaten, wie z.B. zum Heroin. Sie tun es ein Mal, vielleicht zwei Mal oder auch drei Mal oder noch öfter. Dabei wundern sie sich, was ihre Mitkonsumenten am Opiat finden. Irgendwann sehen sie entgültig ein, Opiat ist kein Stoff für sie. Es tut ihnen nicht sonderlich gut, sie sehen keine Vorteile in seiner Einnahme. Schließlich lassen sie es wieder sein. Vielleicht haben sie aber unterdessen aus Dummheit schon so oft und so lange Opiate eingenommen, dass sich körperliche Gewöhnung manifestieren konnte? Dann suchen sie nach Möglichkeiten der Entwöhnung. Sie entwöhnen unter mehr oder weniger großen Qualen und fassen hinterher nie wieder Opiate an.

Andere Menschen dagegen, kommen vielleicht ebenfalls zufällig an ihr erstes Opiat. Vielleicht verkehren auch sie in Kreisen, in denen man es konsumiert, oder ein wohlmeinender Arzt verordnet ihnen eines Tages Hustensaft mit Dihydrokodein oder Morphin HCL im Inhalt. Diese erste Erfahrung mit Opiat schlägt ein, wie ein Hammer. Plötzlich fühlen diese Menschen, wie ein schmerzendes Loch in ihrem Leben gefüllt wird. Plötzlich fühlen sie sich zum ersten Male in ihrem Leben komplett, als ganzer Mensch, rundum gesund. Dass man diesen Menschen Opiate nur schwer wieder ausreden kann, versteht sich von selbst. Die meisten von ihnen kann man mehrmals in Gefängnisse schließen, mehrmals in Drogentherapien foltern und im sozialenn Leben verachten und unterdrücken, sie werden dennoch auf die Einnahme von Opiat nicht mehr verzichten wollen, zumal sie wissen, es ist relativ unschädlich und selbst ein chronischer Gebrauch führt zu keinerlei körperlicher Schäden. Diese Menschen haben erkannt, dass in ihrem Leben die regelmäßige Einnahme von Opiat eine medizinische Notwendigkeit darstellt. Sie brauchen den Stoff, um sich in ihrer Weise komplett und gesund, als ganze Menschen zu fühlen. Hinzu kommt, dass sie sich, zu Recht, gegen die Arzneimittel-Diktatur des Staates auflehnen und der Trotz in dieser Haltung einen weiteren Grund dafür abgibt, Opiate nicht mehr sein zu lassen.

Wie es scheint, erzeugt Endorphin, im Zusammenspiel mit anderen, entgegengesetzt wirkenden endokrinen Stoffen, das psychische und physische Gleichgewicht dass der Mensch benötigt, um sich wohl und gesund zu fühlen und vollständig funktionieren zu können. Ein Mangel an Endorphin kann sehr unterschiedliche physische und psychische Folgen haben. Er kann starke Unlustgefühle hervorrufen, denen man um jeden Preis entfliehen möchte. Im psychischen Bereich können sich zum Beispiel schmerzhaft hässliche Gedanken einstellen, oder es plagen einen extreme Schuld- und Schamgefühle. Der Ausblick auf die Welt und auf die eigene Gegenwart und Zukunft kann erschreckend verdüstert sein. Im physischen Bereich kann eine extreme Empfindlichkeit der Haut auf Berührungsreize auftreten. Man kann sich selbst nicht mehr ertragen und möchte entweder aus seiner Haut fahren, oder in die Hände des Todes springen. Menschen, erfahren im Opiatentzug, kennen dergleiche Zustände. Alle diese Zustände können als Folge eines Mangels an Endorphin auftreten.

Ein Mangel an Endorphin kann auf mannigfaltigste Weise zum Ausdruck kommen und sich in verschiedensten kompensatorischen Verhaltensweisen äußern. Viele Leute mit angeborenem oder erworbenem Endorphinmangel neigen zu extremen Sportarten, wie Bergsteigen, Motorsport, Fallschirmspringen etc. Diese Tätigkeiten regen ihre Endorphinausschüttung an und führen deshalb zu Wohlbefinden. Andere Menschen mit Endorphinmangel werden kriminell. Sie werden zu Räubern, Einbrecher, Schmugglern und so weiter, wobei es ihnen nicht primär um Beute geht, sondern, um den Reiz, die Spannung, die zu erhöhter Endorphinausschüttung führt. Auch so genannte „Spielsüchtige“, die noch ihr letztes Geld dem Spielautomaten anvertrauen, gehören hierher. Gewinnen sie, ist dieser Gewinn erfreulich und wird zu weiterem Spiel verwandt. Gewinnen sie nicht, richtet der Ärger sich weniger auf die Tatsache, dass man nun kein Geld mehr hat, sondern mehr darauf, dass man nun nicht mehr weiterspielen kann, um durch die Spannung des Spiels die eigene Endorphinausschüttung anzuregen. Der Alkoholiker neigt zu Alkohol, weil der Konsum davon zu erhöhter Endorphinausschüttung führt. Deshalb sind Alkoholiker auch gut mit Morphin zu substituieren. Gibt man ihnen Morphin, lassen viele von ihnen das Trinken sein. Auch der so genannte „Borderliner“, in dessen „Krankheitsbild“ die Selbstverletzung dominiert, greift zur Selbstverletzung, um seine Endorphinausschüttung zu erhöhen. Auch so mancher Mensch, der Nahrung verweigert und dadurch lebensbedrohlich an Gewicht verliert, bezieht erhöhte Endorphinausschüttung über sein Hungern. Der Co-Abhängige oder auch der „Sexsüchtige“, sie alle sind so ihrer Tätigkeit verhaftet, weil sie dadurch ihre Endorphinausschüttung erhöhen. Man sieht, all diese scheinbar verschiedenen „Krankheiten“, haben letztlich ein und denselben Ursprung.

Wieso können sogenannte 12 Schritte Selbsthilfegruppen, wie zum Beispiel Narcotics Anonymous, oder die Anonymen Alkoholiker, mit ein und demselben Programm bei so viel verschiedenen „Krankheiten“ hilfreich sein? Dort, wo ein und dieselbe Medizin bei verschiedenen Krankheiten zu Linderung oder Heilung führt, liegt es nahe, dass die verschiedenen "Krankheiten" ein und derselben Wurzel entspringen.
Bleibt zu guter Letzt der Morphinist, der Mensch, der, anstatt seine Endorphinausschüttung durch teilweise gefährliche oder schädliche äußere Praktiken zu erhöhen, zur externen Zufuhr von Morphin greift. Weshalb erzeugt gerade diese Art der endokrinen Morphinerhöhung zu solch extremen Gegenmaßnahmen seitens des Staates?


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