******************************************************************************************* Injiziert man sich mehrmals am Tag intravenös, und die meisten Junkies tun das früher oder später, sollte man darauf achten, es möglichst Venen schonend zu tun, sofern eben von Venenschonung die Rede sein kann, wenn man eine Vene mehrmals am Tag mit Stahlnadeln punktiert.
Grundsätzlich sollte man die Nadel in Flussrichtung der Vene einstechen. Ich kenne allerdings nicht einen Junkie, der das tatsächlich auch bewusst täte. "Hauptsache, der "Spike" stößt auf Blut", ist die allgemeine Auffassung.
Man sollte sich die kleine Mühe machen, möglichst immer an derselben Stelle der Vene einzustechen. Dazu kann es hilfreich sein, wenn man an zwei oder drei verschiedenen Venen jeweils einen Einstichpunkt wählt und zwischen diesen hin und her wechselt. Injiziert man derart Punktweise und nicht Streckenweise, halten Venen länger. Sticht man über die ganze Länge einer Vene immer wieder an einer anderen Stelle, zieht diese Vene sich bald in die Tiefe des Gewebes zurück und ist nur noch schwer zu finden. Oder sie vernarbt auf ihrer gesamten Länge und es findet kein Blutfluss in ihr mehr statt.
Venen wollen nicht angestochen werden. Deshalb bilden allzu häufig angestochene Venen zuweilen Schutzmechanismen. So kann es geschehen, dass man bei einem Versuch, eine zu häufig verwendete Vene anzustechen, einen plötzlichen Schmerz verspürt, der sehr einem Stromschlag ähnelt. Dabei gehen Konsumenten oft von der irrigen Annahme aus, sie hätten einen "Nerv" getroffen. Auch kann es vorkommen, dass eine oft angestochene Vene, hat man sie bereits angestochen, mit peristaltischer Bewegung versucht, die Nadel wieder los zu werden. Die Vene windet sich dann peristaltisch, wobei der Endpunkt ihrer peristaltischen Bewegung den Sitz der Nadel darstellt. Man sieht dann zuweilen, wie die Nadel sich mit jeder Bewegung der Vene mitbewegt und bei jeder vollendeten Peristaltik ein Stückchen weiter aus der Vene geschoben wird, bis sie am Ende zu Boden fällt.
Beinvenen sollte man nicht zum Injizieren verwenden. Scheinen sie im Augenblick gut dafür geeignet, bilden sie aber auf Dauer an den angestochenen Stellen Krampfadern. Das kann Jahre dauern, bis an den alten Stichstellen durch Erweiterung der Vene aufgrund verlorener Elastizität der Venenwand eine Krampfader entsteht, aber entstehen wird sie. Die Wände der Beinvenen sind stets der gesamten Last des Körperblutvolumens ausgesetzt. Deshalb müssen die Wände von Beinvenen besonders stabil, dabei aber elastisch sein. Sticht man sie an, zerstört man diese nötigen Eigenschaften.
Beim Gebrauch von Halsvenen besteht stets die Gefahr, dass man die Vene durchsticht und mit der Nadelspitze, ohne es zu bemerken, in einer tiefer liegenden Arterie landet. Man bemerkt es, sobald man die Spritze abdrückt. Es ist sehr schmerzhaft und kann lebensbedrohend enden. Man achte überhaupt im Allgemeinen darauf, dass die Nadelspitze auch sicher im Hohlraum einer Vene steckt und nicht etwa in dem einer Arterie. Arteriell injiziertes Morphin bereitet nicht nur starke Schmerzen in dem Körperglied, das von dieser Arterie mit Blut versorgt wird, es kann im schlimmsten Falle auch zum Verlust dieses Körpergliedes führen. Darüber hinaus kommt arteriell injiziertes Morphin nicht gut zur Wirkung. Venöses Blut kann man gut von arteriellem Blut unterscheiden, wenn man etwas davon in die Spritze fließen läßt. Venöses Blut ist dunkelrot, fast schwarz, arterielles Blut ist hellrot.
Das die Stelle des Einstichs sauber und möglichst steril sein sollte, versteht sich zwar von selbst, wird aber so gut wie nie beachtet. Und Leute, lasst die Flüssigkeit in der ihr eure Schwarzmarktsubstanzen zu lösen gedenkt, oder besser noch die ganze Lösung, wenigstens ein Mal kurz aufkochen. Man verhindert Spritzenabszesse damit. Wer befürchtet, sein zu injizierendes Kokain könne durch Aufkochen an Wirkung einbüßen, der koche wenigstens das Wasser auf, in dem er sein Kokain lösen wil.. Damit, und mit dem vorher Reinigen der Einstichstelle, lassen sich nahezu 100 Prozent aller Spritzenabszesse verhindern! In manchen Deutschen Städten gibt es eutzutage Spritzenautomaten, aus denen man Spritzen, Alkoholtupfer und ein Ampüllchen mit physiologischer Salzlösung erhalten kann. Streng medizinisch gesehen ist es korrekt, dass man zum Injizieren physiologische Salzlösung verwendet, die man sich auch sebst machen kann. Täusche ich mich nicht, besteht diese Lösung aus 5% Kochsalz. Das wären dann 5 Gramm Salz aus der Küche, auf einen Liter Wasser. Sterilisieren läßt die Lösung sich durch abkochen. In Zeiten, da es noch keine Spritzenautomaten gab und noch kein Gedanke an physiologische Salzlösung in der Luft lag, verwendeten Junkies Wasser aus Toilettenschüsseln, Spülkästen, Wasserpfützen, aus Bächen, Seen und Tümpel. Einmal erlebte ich gar, wie jemand aus Wassernot, seine Heroinbase erfolgreich im eigenen Speichel aufkochte. Ich selbst bin früher auch nicht gerade wählerisch gewesen in der Wahl meiner Wasserquellen. Auch ich habe Wasser zur Injektion schon aus Toilettenschüsseln, Spülkästen, Wasserpfützen und Bächen entnommen.. Dabei habe ich mir noch nie auch nur die kleinste Infektion geholt. Ich hatte noch nie Hepatitis. Mehr zum Thema Sterilität und Folgen unreiner Injektionen, findet man hier: Spritzenabszesse und hier: Der "shake"
Nach dem Herausziehen der Nadel, nach vollendeter Injektion, sollte man nicht versäumen, die Einstichstelle durch einige Zeit des Drucks, etwa des Daumens, an innerem Bluten zu hindern.
Lou war verzweifelt, weil er keine Vene mehr zum Einstechen finden konnte. „Nimm doch die Vene an deinem Schwanz“, hatte Dieter lakonisch geraten. Als Lou einige Tage später wieder zum Einkauf in meinem Hotel erschien, ließ er die Hose herab und klagte, „Hier", sagte er. "Sieh dir das an"! Ich sah hin und erschrak. Lou's Schwanz, seine Klöten, sein ganzes Gehänge, war schwarz wie eine verdorbene Banane. "Das habe ich Dieter zu verdanken und seinen klugen Ratschlägen", jammerte Lou. "Nein Lou", sagte ich: "Das hast du dir zu verdanken und deiner verdammten Nachlässigkeit. Du hast nämlich versäumt, nach dem Herausziehen der Nadel noch eine Weile auf die Einstichstelle zu drücken…" .
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