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KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


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Am Amsterdamer Straßenstrich



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A M   A M S T E R D A M E R   S T R A ß E N S T R I C H * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * 

Der Amsterdamer Straßenstrich findet fast schon traditionell statt, an der De Ruiter Kade, gleich hinter dem Amsterdamer Central Bahnhof.
Vieles, hatten Stadtverwaltung und die Polizei im Laufe der Jahre schon versucht, um diesen Strich von hinter dem Bahnhof an einen anderen Ort zu verlegen. Vergebens. Was man auch versuchte, der Straßenstrich an der De Ruiter Kade zeigte sich wie eine Schüssel voll Brei: So kräftig man darin auch rührte, die Oberfläche wurde in kürzester Zeit wieder wie zuvor, nahm das Rühren ein Ende.
Die De Ruiter Kade, ist einfach zu gut geeignet für einen Straßenstrich. Sie befindet sich mitten im Stadtzentrum, dadurch haben die Mädchen nicht weit zur Arbeit, und es herrscht viel Verkehr an der Kade, was dem Verdienst zu gute kommt.

Unterhalb der östlichen Eisenbahnbrücke, welche die Kade mit dem Platz vor dem Bahnhof verbindet, haben Nonnen eines christlichen Ordens eine Wärmestube eingerichtet. Dort können arbeitende Mädchen duschen, Kleider wechseln, Tee, Kaffee und Brötchen serviert bekommen und sich Winters ein wenig wärmen, bevor es wieder nach draußen geht, zur Arbeit in eisiger Kälte…-

Erstaunlich viele der Mädchen, die an der Kade arbeiten, kommen aus Deutschland. Es sind Desillusionierte, die einst mit schillernden Träumen in die Stadt gekommen waren und bald einsehen mussten, will man an das viele Geld kommen, das nötig war, um eine Opiatabhängigkeit aufrecht zu erhalten, muss man auch in Amsterdam mehr tun als nur hinter der Kasse eines Supermarktes zu sitzen. Deshalb landen Viele über kurz oder lang dort, wo für Ärsche noch Geld gegeben wurde. An der Kade, hinter Amsterdams Central Bahnhof…-

Die De Ruiter Kade geht mit Mädchen keineswegs schonend um. Man altert dort rascher als anderswo. Es ist wahr. Man kann dem Abbau manch jungen Mädchens förmlich zusehen. Für die meisten ist das Leben an der Kade gestrickt aus chronischer Geldknappheit, mangelnder und schlechter Ernährung und ständigen Entzugserscheinungen. Die meisten Mädchen dort sind freilich opiatabhängig. Lange Arbeitsstunden, wenig Schlaf, HIV, Hepatitis und viel allgemeines Elend bereiten jeder Jugend den Rest.

Das Leben als opiatabhängige Prostituierte auf dem Straßenstrich der Kade hat die Eigenschaft des Fliegenfängers, von dem man nur schwer wieder los kommt, ist man einmal darauf gelandet.

Die Mädchen kommen nach einem durchschnittlichen Abend mit etwa 100 - 200 Gulden, etwa 90 – 180 Euro nachhause. Nicht viel wenn man bedenkt, dass die meisten eine Opiatabhängigkeit zu füttern haben.

Wunderliche Frauen, trifft man dort zuweilen. Sogar solche, die gar keine sind, wie etwa Jackie. Die heißeste Frau auf diesem Straßenstrich, und darüber war man sich im Allgemein einig, war zweifelsohne Jackie. Mit ihrem kleinen runden Hintern, ihren mandelförmigen grünen Augen und ihrem welligen blonden Haar, war Jackie der Star dieses Strichs. Nur war Jackie keine Frau. Jackie war ein Mann, und das war auch allgemein bekannt. Jackies Reizen tat es keinen Abbruch. Jackie war selbst Frau genug, um von den Barmherzigen Schwestern, den Nonnen der Wärmestube, eingelassen zu werden. Männern hatten ansonsten dort grundsätzlich keinen Zutritt. Martina ließ man dort nicht ein. Weshalb nicht, hatte mir nie so richtig eingeleuchtet. Freilich, auch Martina war eigentlich ein Mann, hieß während der Tagesstunden Martin und es muss zu ihrem Nachteil gesagt werden, dass es ihr nie so recht gelang, wie Jackie Frau zu sein. Das lag möglicherweise daran, dass Martina nur abends und zum Zwecke des Straßenstrichs zur Frau wurde, während Jackie rund um die Uhr Frau war.

Nie werde ich den Abend vergessen, an dem Martina von Schlaftabletten betäubt, wankend am Straßenrand stand und nur noch mit Mühe ihre Augen offen halten konnte. Dennoch, hielt ein Kunde gerade bei ihr an. Während der gesamte Straßenstrich neugierig zusah, stieg Martina in den Wagen und man fuhr los. Dieser Freier, war offenbar noch nicht über Martinas wahres Geschlecht aufgeklärt worden. Sie waren gerade erst etwa 50 Meter gefahren, als der Wagen mit kreischenden Reifen mitten im strömenden Verkehr der Kade stehen blieb und die Beifahrertür aufflog. Fahrzeuge, an der Weiterfahrt gehindert, hupten und fuhren schließlich im Bogen an dem Hindernis vorüber. Aus der geöffneten Beifahrertür kam Martina gesprungen. Hinter ihr erschien der Fuß ihres Freiers, der sie aus dem Wagen getreten hatte. Kaum war Martina aus dem Fahrzeug, brauste ihr Kunde davon. Mitten auf der Fahrbahn stand Martina, im hellen Schein der Straßenbeleuchtung, Autos hupten um sie her, während unter den Falten ihres gerafften Rocks eine monströse Erektion hervorragte, die sie erregt und zornig hin und her schwang. Dabei brüllte sie mit erhobener Faust und dröhnender Bärenstimme, ihrem entflohenen Freier böse Verwünschungen hinterher.

Für jene, denen der niederländische Begriff „Knaak“ unbekannt ist, sei gesagt, ein „Knaak“ war vor der Einführung des Euro ein zweieinhalb Guldenstück.
Knaak-Jennie, verdankte ihren Namen dem Umstand, dass sie bereit war, jedem Mann für den Mindestbetrag von 2,50 Gulden, einem Knaak also, zu jeder Tages- oder Nachtstunde und an buchstäblich jedem Ort der Stadt, Einen ab zu lutschten.
Es konnte am helllichten Tage geschehen, beispielsweise an einem der verkaufsoffenen Samstage, zwischen all den Menschen der Einkaufszone, auf einer der Brücken im Rotlichtviertel, oder auch in einer dunklen Ecke des Straßenstrichs. Jennie und ihre Kunden, kannten keine Hemmungen. Es scherte sie einen Dreck, wie vorüber ziehendes Bürgervolk über sie dachte, wenn Jennie am helllichten Tag mitten unter dem Menschengewimmel der Innenstadt auf den Knien lag und die Nudel irgendeines Kerls mit dem Zahnfleisch bearbeitete. Ich sage bewusst "Zahnfleisch", denn Zähne hatte Jennie keine. War sie schon so alt? Nein, alt war sie nicht wirklich. Ich schätzte sie auf etwa 30 - 35...-
Ob Knaak-Jennie noch lebt, bezweifle ich. Einmal kam sie bei der medizinischen Anlaufstelle einer städtischen Einrichtung an und klagte über Unterleibsschmerzen. Nachdem Theo, ein junger Assistenzarzt, sie eingehend untersucht hatte, zog er mit überdimensionierter Pinzette einen blutigen stinkenden Tampon aus ihrer Scheide, der dort schon über ein halbes Jahr gesteckt haben mochte. Man muss freilich nicht darauf hinweisen, dass Knaak-Jennie von allen anderen Mädchen der Kade tunlichst gemieden wurde. Gewiss, Jennie war ein bedauernswerter Mensch. Durch ihre psychologische Verfassung und die Beschaffenheit der Orte, an denen sie verkehrte, wurde sie hinein geworfen in ein Leben, das eines Menschen unwürdig war. Ich hatte mich nie von ihr "bedienen" lassen, - Frauen, und besonders zahnlose -, gehören weniger zu den Geschöpfen zu denen ich mich sexuell hingezogen fühle. Dennoch schien mir Jennie gegenüber die rechte Reaktion nicht Verachtung zu sein oder gar Mitleid. Begegnete ich ihr, gab ich ihr in aller Regel alles Kleingeld, dass ich gerade in Münzen in der Tasche hatte...-

Es ist nicht ungefährlich, hinter dem Bahnhof an der De Ruiter Kade zu arbeiten. Immer wieder kommt es vor, dass eines der Mädchen von einer ihrer Fahrten nicht wieder kommt. Eines Abends war Iris, durch und durch Frau, in einen Wagen gestiegen und mit ihrem Kunden davongefahren. Eine Stunde später war sie zu Fuß und splitternackt die viel befahrene De Ruiter Kade entlang laufend, wieder zurückgekommen. Ihr Kunde hatte sie mit Schusswaffe bedroht, sie vergewaltigt und ihr alles entnommen, was sie an Werten bei sich hatte, selbst Kleidung und Schuhe. Danach war das Schwein davon gefahren und hatte sie nackt in der Nacht zurückgelassen. Dass sie noch lebte, empfand Iris als Trost. Es geschieht aber durchaus auch in erschreckendem Regelmaß, dass eines der Mädchen bei ihrer Arbeit hinter Amsterdams Hauptbahnhof an der De Ruiter Kade, zu Tode kommt. Es scheint, als gehörte das Morden ebenso zu dieser Stadt, wie das Lieben…-
In aller Regel achten die Mädchen gut aufeinander. So notieren die zurück Bleibenden beispielsweise das Kennzeichen von Fahrzeugen, in die ihre Kolleginnen steigen. Auch die Polizei Amsterdams, das muss gesagt sein, die ansonsten gar nicht gut auf die Mädchen der Kade zu sprechen ist, kommt sofort in Aktion, widerfährt einem der Mädchen durch einen Kunden ein Leid. Zusammen gefasst ist für die meisten dort arbeitenden Mädchen die Kade Teil eines Kreislaufes, der nur schwer wieder zu verlassen ist, hat man ihn einmal betreten. Ein anderer Teil davon wäre die Heroin und Kokain Szene nicht weit von der Kade, am Zeedijk. Zwischen Kade und Zeedijk hin und her pendelnd, verläuft das Leben der meisten Mädchen der Kade. Die meisten bleiben, wie ich gesehen habe, lang in diesem Kreislauf hängen und werden dabei von Tag zu Tag zusehend älter. Er ist nicht zu empfehle, der Straßenstrich der De Ruiter Kade, hinter dem Amsterdamer Central-Bahnhof. Aber welcher Straßenstrich ist dann auch schon wirklich zu empfehlen? Empfehlenswert wäre vielleicht, erst nicht die Kade zu Amsterdam aufzusuchen und sich eines Straßenstriches in der Nähe seines Heimatortes zu bedienen. Dann wäre man im Falle von Not nicht gar zu weit von zuhause entfernt.


Hein de slager


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