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Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


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Was Jason in dieser Gaststätte antraf, war nicht gerade, was man eine angenehme Atmosphäre nennen konnte. Aber er hatte sie auch nicht aus Gründen des gastlichen Aufenthaltes aufgesucht. Nur eben telefonieren wollte er und dass er sich hinterher auch noch ein Glas Coca Cola bestellt hatte, war nur dem heißen Wetter zu verdanken, das an diesem August Nachmittag herrschte. Als Jason bezahlen und dazu seine Brieftasche aus der Jacke holen wollte, war eine kleine Kunststoff Einmalspritze aus seiner Tasche gerutscht und vor jedermann Augen zu Boden gefallen. Als Jason sich bückte um die Spritze vom Boden zu nehmen, stellte sich ein Fuß darauf. Knirschend, zerbrach das kleine Kunststoffgebilde unter dem Gewicht. „Bist du einer von denen?“ hörte Jason eine barsche Stimme fragen. Als Jason aufblickte sah er, dass mehrere Gäste sich von ihren Plätzen erhoben hatten. Noch bevor er sich aufrichten konnte, traf ein Tritt ihn mitten ins Gesicht. Jason versuchte sich aufzurichten, doch es trafen ihn plötzlich Fausthiebe von allen Seiten. „Er kann noch nicht mal bezahlen!“, hörte Jason die Stimme des Gastwirts rufen. Natürlich konnte Jason seine Coca Cola bezahlen, man ließ ihm nur keine Gelegenheit dazu. Nach diesen Worten des Gastworts trafen Jason noch mehr Tritte und Hiebe. Er blutete bereits aus seiner Nase und aus einem Riss in seiner Unterlippe. Auch fühlte er sich plötzlich sonderbar atemlos. Die Tür der Gaststätte öffnete sich und ein Polizist in Uniform trat ein. Es war der Polizist der Nachbarschaft, der auf seiner Runde der Gaststätte einen Besuch abstattete. Wortlos, hielt einer der Gäste die zerquetschte Injektionsspritze in die Höhe damit der Polizist sie sehen konnte. Die Anwesenheit dieses Gesetzeshüters hinderte die Gäste nicht daran, weiterhin auf Jason einzudreschen und einzutreten. „So helfen sie mir doch!“, rief Jason zwischen den Tritten und Hieben dem Polizisten zu. Doch der lachte nur ein sonderbares Lachen, wobei sein fetter Leib auf und ab bebte und rief, „Leuten wie dir ist nicht mehr zu helfen!“ Nach diesen Worten verließ er die Gaststätte. Kaum hatte der Polizist die Tür der Gaststätte hinter sich zugezogen, als Jason sein Bewusstsein verlor und am Boden liegen blieb. Die Gäste der Gaststätte ließen ihn etwa eine halbe Stunde lang liegen um zu sehen, ob er von selbst wieder zu sich käme. Als das nicht geschah, nahmen zwei von ihnen Jason in ihre Mitte und schleppten ihn zu einem kleinen Park auf der anderen Seite der Straße, wo sie ihn auf eine Bank setzten und alleine ließen. Zuschauern erschien es, als hätten Gäste der nahe gelegenen Gaststätte einen betrunkenen Freund an die frische Luft gebracht.

Als Jason zu sich kam, war es bereits Abend geworden. Er fühlte, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung war und Angst überkam ihn. Durch die Bäume des Parks konnte er die Hauptstraße sehen und eine Telefonzelle, die am Straßenrande stand. Dorthin, machte er sich auf den Weg. Von dort wollte er die Polizei rufen, einen Notarzt, oder auch nur irgendeinen Menschen, der ihm helfen würde. Ein heftiger Schmerz in seinen Nieren verhinderte, dass er sich aufrichten konnte. Aufrecht zu stehen, war einfach zu schmerzhaft und so blieb ihm keine andere Wahl als die Strecke bis zu den Telefonzellen auf allen Vieren hinter sich zu bringen. Derart auf allen Vieren, erreichte Jason die Hauptstraße. Der breite Bürgersteig war gefüllt mit Menschen. Die meisten, eilten in Richtung der vielen Bushaltestellen vor dem Hauptbahnhof und in die entgegengesetzte Richtung Jasons. Komisch, wie diese Menschen auf Jason reagierten, der mit beblutetem Gesicht und bebluteter Jacke auf allen Vieren zwischen ihnen dahin kroch. Gar nicht, reagierten sie oder zumindest nur so, dass sie vor ihm zur Seite wichen und ihm Platz machten, auf dass er ohne gehindert zu werden weiter kriechen konnte. Es waren etwa 60 Meter bis zur Telefonzelle. Als Jason sie erreicht hatte, öffnete er die Türe und setzte sich in der Zelle auf den Boden. So sehr wie Jason sich nun auch anstrengte, es wollte und wollte ihm keine der Notrufnummern einfallen. Nachdem er schon vergebens mehrere Nummern durchprobiert hatte, öffnete sich plötzlich die Tür der Telefonzelle und zwei Polizisten standen vor ihm. „Was bin ich froh, euch zu sehen“, brachte Jason hervor. „Ich versuche die ganze Zeit schon, euch anzurufen“. Die beiden Polizisten sahen sich an. Darauf murmelte einer der Beiden, „Ja ja“, und griff in seine Hosentasche. Er holte ein Paar Latexhandschuhe hervor. Sein Kollege, tat ebenso. Beide, zogen sich die Gummihandschuhe über die Hände und griffen nach Jason. Sie ergriffen ihn an den Armen und zerrten ihn aus der Telefonzelle. Jason wurde gänzlich von Schmerz konsumiert. Er konnte von Schmerz nicht sprechen und hatte alle Mühe, bei Bewusstsein zu bleiben. Die Polizisten bemerkten von alldem nicht. Sie schleiften ihn über die Erde und zu einer Bank. Sie hielten Jason wohl für einen Betrunkenen oder für einen der Junkies von der nahegelegenen Drogenszene. Sie setzten Jason auf die Bank und lehnten ihn nach hinten damit er im Gleichgewicht bliebe. „Und wenn du dich hinlegst“, sagte einer der Polizisten drohend zu Jason, während sie sich beide schon entfernt5en, „dann hast du Probleme mit uns“. Es war in dieser Stadt verboten, auf öffentlichen Bänken zu liegen, nur sitzen, durfte man darauf. Die Worte des Polizisten hörte Jason wie durch eine dicke Schicht von Watte. Er war kurz davor, vor Schmerz das Bewusstsein zu verlieren und nur die Angst vor den beiden Polizisten, hielt ihn noch wach und aufrecht sitzend. Fingen die beiden Polizisten etwa an auf ihn einzuprügeln, in dem Zustand in dem er sich bereits befand, hätte er um sein Leben zu fürchten.

Und so setzte Jason alles daran, aufrecht zu sitzen und bei Bewusstsein zu bleiben. Während er so saß, strömten buchstäblich hunderte von Passanten an ihm vorüber und gewiss eine Stunde war vergangen, als sich aus der Masse von Menschen plötzlich eine Familie löste, offenbar Vater Mutter und Tochter. „Ihnen geht es nicht gut“, sagte die Mutter zu Jason, während die Tochter zu dem Schluss kam, „Sie brauchen einen Arzt“. Jason saß auf einer Bank ohne Lehne, auf der man von beiden Seiten sitzen konnte. Der Vater setzte sich hinter Jason, drückte seinen Rücken gegen den seinen und hielt ihn derart im Gleichgewicht. „Lehnen sie sich gegen mich“, sagte er. Die Tochter setzte sich neben Jason und ergriff seine Hand. „Drücken sie bitte hin und wieder meine Hand damit wir wissen, dass sie noch bei uns sind“. Die Mutter war unterdessen in die Telefonzelle gegangen um eine Ambulanz herbei zu telefonieren. Jetzt, da Jason sich anlehnen konnte und die Spannung des krampfhaften aufrecht Sitzens aus seinem Leib gewichen war, viel es ihm noch schwerer bei Bewusstsein zu bleiben. Wie aus weiter Ferne hörte er gelegentlich die Stimme des Mädchens neben sich: „Drücken sie meine Hand, damit wir wissen dass sie noch bei uns sind“. Jason drückte noch ein Mal diese kleine Hand, kraftlos und kaum noch bemerkbar, dann versank er in Bewusstlosigkeit.

Als Jason zu sich kam, lag er in einem weichen Bett das von Menschen in weißen Kitteln umgeben war.
„Man hat sie übel zugerichtet“, sagte einer der Ärzte. Sie haben Risse in beiden Nieren, einen kollabierten Lungenflügel und einen noch nicht genau gesicherten Schaden an der Wirbelsäule“, Haben sie irgendwelche Allergien, Unverträglichkeiten oder Krankheiten auf die wir achten müssten“? Jason dachte kurz nach und antwortete dann, „Ja“, Ich bin gegen Salatgurken allergisch und ich bin Diabetiker“. Kurz darauf trat eine Krankenschwester an Jason heran. Sie stach ihm mit einem kleinen Instrument in den Finger und nahm mit einer Glaskapillare etwas von dem hervorquellenden Blut auf. „Wir müssen ihren Zuckerstatus bestimmen“, sagte sie, als müsse sie sich für ihr Tun entschuldigen. Doch Jason war bereits wieder von Bewusstlosigkeit umfangen und hörte ihre Worte nicht mehr.

Als während der Nacht Jason wieder zu sich kam, wurde er einer Gestalt gewahr, die still neben seinem Bett auf einem Stuhle saß. „Wer bist du?“ fragte Jason benommen. „Ich bin Arzt“, gab die Gestalt zur Antwort. „Was tun sie hier?“ fragte Jason weiter. „Ich wache über sie für den Fall, dass sie in ein Koma geraten“, gab der Arzt zur Antwort. Jason lag einige Augenblicke still. Dann sagte er, „Ich habe so starke Schmerzen dass ich befürchte…“ Jason konnte seinen Satz nicht zuende bringen. Er hatte ihn kaum begonnen, als der Arzt sich erhoben und das Zimmer verlassen hatte. Kurz danach kam er mit einer Injektionsspritze in seiner Hand wieder zurück. „Was ist das“, wollte Jason wissen. „Das ist Morphium. Haben sie jemals Morphium chronisch gebraucht?“ Jason verneinte. „Ich muss sie das fragen“, erklärte der Arzt. „In dem Fall könnte es nämlich sein dass die Dosis, die ich ihnen nun gebe, nicht genügt“. „Ich weiß, weshalb sie mich das fragen“, sagte Jason. „Ich studiere Medizin…“ Der Arzt stach die Nadel der Injektionsspritze in Jasons Oberschenkel und drückte den Kolben nieder. Sekunden später spürte Jason, wie ein warmes wohliges Gefühl ihn überkam und seine Schmerzen mehr und mehr in den Hintergrund traten.

Gegen Mittag des nächsten Tages erschienen zwei Herren der Kriminalpolizei neben Jasons Bett. Da offenbar eine Straftat vorlag, waren sie vom diensthabenden Arzt herbeigerufen worden. Jason erzählte den Beiden in allen Einzelheiten, was vorgefallen war. Er erstattete gegen die Gäste der Gaststätte und gegen den Gastwirt Anzeige wegen schwerer Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung. Aus dieser Anzeige sollte nichts werden. Die Gäste der Gaststätte sowie der Gastwirt und auch der Nachbarschaftsschupo, schützten sich in ihren Aussagen gegenseitig. Jason hätte seine Zeche nicht zahlen können, sagten sie aus, und er hätte die Gaststätte in gesundem und völlig ungeschundenem Zustand verlassen. Ist er Stunden danach verletzt aufgefunden worden, hatte er sich diese Verletzungen wahrscheinlich nach seinem Besuch der Gaststätte zugezogen.

Vier Wochen, verbrachte Jason im Krankenhaus. Danach, ging er wieder nachhause. Einen kleinen Haltungsfehler hatte er von seinem Abenteuer übrig behalten. Der Schaden an seiner Wirbelsäule hinderte ihn daran, völlig gerade zu stehen. Ansonsten war er eigentlich weitgehend wieder hergestellt. Seinen Zuckerhaushalt solle er gut im Auge behalten, hatte der Arzt im Krankenhaus ihm noch eingeschärft. Er hatte Jason dazu ein elektronisches Gerät beschafft, das aus einem Tröpfchen Blut automatisch den Zuckerstatus lesen konnte.

Zwei Monate nach seiner Krankenhausentlassung, es war unterdessen November geworden, machte Jason einen Abendspaziergang durch die Weiten des großen städtischen Parks. Es war bereits sehr kühl geworden. Nur wenige Menschen befanden sich noch im Park. Die meisten von ihnen waren hier um ihren Hunden vor Einbruch der Nacht noch einen letzten Auslauf zu gönnen. Dieser große Park Amsterdams, der Vondelpark, war einst Privatbesitz. Als der ursprüngliche Besitzer den gesamten Park für einen symbolischen Betrag von einem Gulden der Stadt überließ, knüpfte er die Bedingung daran, dass es Hunden nie verboten werden dürfe, frei im Park umher zu laufen. Und so ist dieser Park bis zum heutigen Tage beliebtes Ziel von Hundebesitzern, um ihren Lieblingen freien, ungehinderten Auslauf zu bieten. Jason fühlte sich ein wenig unwohl werden. Er spazierte noch am Rondell und an der Bühne des Parks vorbei und vorbei am Restaurant, das um diese Jahreszeit geschlossen blieb. Erschöpft setzte er sich schließlich auf eine der Parkbänke am Ufer des kleinen Sees hinter dem Parkrestaurant. Dort saß er eine Weile und fühlte sich unterdessen müder und immer müder werden. Was wohl los sei mit ihm, fragte er sich in Gedanken. Ob die Kälte ihm so zusetzte oder ob sein Zuckerspiegel nicht in Ordnung war? Jasons Hände wurden taub und blutleer, wurden weiß wie Schnee. Ich fühle meine Hände nicht mehr, dachte er gerade noch, und auch seine Füße erschienen ihm plötzlich als wären sie von Holz. Matt und kraftlos geworden, sank Jason schließlich in Schlaf. Während des Schlafes schwand ihm aufgrund seines schlechten Zuckerhaushaltes das Bewusstsein.
Spät in dieser Nacht kamen drei Jugendliche des Weges. Sie waren im Dunkel des Parks unterwegs um Ausschau zu halten nach Menschen, die sie überfallen konnten. Da trafen sie auf einen Stadtstreicher, der in sich gesunken und vermutlich stark betrunken auf einer Parlbank saß. Die Jugendlichen gingen durch die Taschen des Mannes und entnahmen ihnen eine Brieftasche mit etwas Bargeld und einigen persönlichen Papieren. In einer Jackentasche fanden sie ein Etui voll Injektionsspritzen. Angewidert, zeigten sie sich gegenseitig ihren Fund. Einer der Jugenlichen rannte los, um etwas aus ihrem Auto zu holen. Als er kurz darauf wieder kam, hatte er einen Reservekanister voll Benzin in der Hand. Die jungen Leute zerrten den "schlafenden Junkie" von der Bank und auf die Erde. Dort schütteten sie den Inhalt ihres Benzinkanisters über ihm aus. Danach warf einer der Dreien eine Anzahl brennender Streichhölzer auf das nasse, leblose Bündel am Boden. Als fauchend die Flammen in die Höhe schlugen, rannten die Drei eiligst davon, verließen den Park, suchten ihr Auto auf und fuhren in die Stadt. Der Große Geist ist Jason gnädig gewesen. In seinem Zustand der Bewusstlosigkeit, spürte er nichts von der Hitze und nichts von den Flammen, die sein Fleisch von den Knochen schmorten. Jason glitt von der Umnachtung seiner Bewusstlosigkeit, übergangslos in die Umnachtung seines Todes hinüber...-



Anmerkung:
Diese Erzählung wurde aus drei wahren Begebenheiten zusammengefügt.
Im Jahre 2004 war einem jugendlichen Morphinisten, der eben seine Zeche von einer Coca Cola bezahlen wollte, eine Injektionsspritze aus der Tasche gefallen. Die anwesenden Gäste hatten dies zum Anlass genommen, solange auf den jungen Menschen einzuprügeln bis er verstarb.

Im Jahre 2002 war in einem Stadtpark ein bewusstloser Diabetiker von Jugendlichen mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt worden.

!996 war einer meiner Nachbarn in der Stadt von opiophoben Elementen niedergeprügelt worden. Er konnte nicht mehr laufen und kroch auf allen Vieren zur nächsten Telefonzelle um die Polizei zu rufen etc etc etc.....




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