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Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


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Die Bullen

Majnek. Kriminalkommissar. Vorsicht: Bewaffnet und unberechenbar!



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D I E   B U L L E N 

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„Hey, warte mal eben“, hörte ich eine Stimme hinter mir rufen. Die Stimme war mir bekannt, zu bekannt, und deshalb wollte ich nicht warten. Es war Majneks Stimme. Es waren Oberkommissar Majnek und seine Kollegin „Donnerelse“, die hinter mir her waren. Jetzt hörte ich beide im Laufschritt nahen. „So warte doch mal“, sagte der Oberkommissar außer Atem, und stellte sich vor mich hin. „Wir wollen dich doch nur was fragen“. „Ja. Das hatte ich mir schon gedacht", sagte ich, "dass ihr nur was fragen wollt. Ich will aber nicht befragt werden“. Damit wollte ich den Kommissar beiseite schieben und weitergehen. „Wenn du es so spielen willst", sagte daraufhin der Kommissar und verstellte mir den Weg. Er kramte in seiner Jackentasche. "Wenn du es so spielen willst, dann haben wir dies hier gerade bei dir gefunden“. Damit hielt der Kommissar ein kleines, geöffnetes Papierbriefchen unter meine Nase. Das Briefchen enthielt augenscheinlich ungefähr ein halbes Gramm Heroinbase. „Was ist das soeben für ein Pulver gewesen?“, fragte ich den Kommissar und schlug dabei mit meiner Hand unter die seine, in der er das Briefchen helt. Das braune Pulver hüpfte auf dem Papier, wurde von der Brise erfasst und war im Nu vom Winde verweht. Nun war des Kommissars Briefchen leer. „Du kommst dir wohl besonders komisch vor, wie?“ bemerkte der Kommissar, mit seinem leeren Briefchen in der Hand. „Aber ich habe noch eins“. Damit griff der Kommissar erneut in seine Jacke und zog mit listigiger Mine ein weiteres Briefchen hervor. Diesmal öffnete er es nicht, um mir den Inhalt zu zeigen. Ich sah auf das geschlossene Briefchen. In dieser Stadt kannte ich nur einen, der seine Briefchen auf solche Weise faltete. Nämlich Dieter, wegen der syphilytischen Pickel auf seinem Rücken, auch Pickel Dieter genannt. Pickel Dieter packte in seine Briefchen stets zu wenig Pulver. Um es aber denoch nach mehr aussehen zu lassen, verteilte er es über die gesamte Länge des Briefchens und gestaltete das Briefchen dafür besonders lang. Es handelte sich folglich mit ziemlicher Sicherheit um Briefchen, die sie Dieter abgenommen hatten. Wie sich zeigen sollte, hatte ich recht mit dieser Vermutung. Dieter saß zu diesem Zeitpunkt bereits in Untersuchungshaft...-

„Ist gut, Sheriff“, sagte ich. „Und was wolltest du mich fragen?“ Der Kommissar lächelte dieses schmutzige Lächeln, für das alleine schon er Ohrfeigen verdient hätte. Anstatt seiner, nahm nun seine Kollegin Donnerelse das Wort. „Wir wollen wissen, wo Peter Rede wohnt“, sagte sie. „Peter Rede?“ fragte ich, so nonchalant wie möglich. „Peter Rede wohnt in der Giselastraße 153, im zweiten Stock rechts“. Kommissar Majnek zog ein Gesicht, als hätte er Quallen im Mund. „Das wissen wir bereits“, fuhr seine Kollegin mich an. „Aber an dieser Adresse wohnt er seit einer Woche nicht mehr“. Ich gab mich verwundert. „Ach“, sagte ich. „Das wusste ich nicht. Tut mir den Gefallen und informiert mich, sobald ihr wisst, wo der Schurke neuerdings wohnt. Er schuldet mir nämlich noch Geld“. „Du weißt tatsächlich nicht, wo er sich jetzt aufhält?“, bohrte der Kommissar. „Nein“, sagte ich, unschuldig wie ein Lamm. „Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, dass Peter umgezogen war…“.

Sobald die Beiden von mir gelassen hatten, drehte ich noch eine Sicherheitsrunde durch die Straßen. Danach schlüpfte ich in eine Telefonzelle. „Hör zu, Peter“, sprach ich in den Telefonhörer und hielt dabei meine Hand vor den Mund, damit meine Lippenbewegungen von der Straße aus nicht gelesen werden konnten. Man wird mit der Zeit gewieft in dieser Branche, wie Agenten des KGB. „Majnek interessiert sich sehr für deinen neuen Aufenthaltsort. Ich fürchte es wird Zeit für dich, die Stadt zu verlassen“. Einen Augenblick lang herrschte Stille am anderen Ende. Dann hörte ich Peter sagen, „das trifft sich gut. Ich hatte ohnehin die Absicht, übermorgen nach Westdeutschland zu reisen“. Westdeutschland. Aus „Westdeutschland“, holte Peter auch immer sein Heroin herbei und auch ich gehörte anfangs zu den Leuten die sich den Kopf zerbrachen, wo in aller Welt Westdeutschland lag, bis ich begriffen hatte, Peter meinte Westberlin.

Zwei Wochen später, kreuzte Majnek wieder meinen Wege. Inzwischen hätten sie Peters Wohnung gefunden, wusste er zu erzählen. Nur war die Wohnung leer. „Ich weiß, wo er steckt“, erklärte ich verlockend. „Er hatte mir erzählt, wohin er wollte, kurz bevor er abgehauen ist“. Majneks Blick fixierte mich. „Na sag schon. Wo ist er hin?“ Ich holte tief Luft um die Spannung zu steigern und verkündete dann, nicht ohne Stolz: „Er ist nach Westdeutschland abgehauen, Majnek. Er ist jetzt in Westdeutschland“!

An diesem Abend hatte ich, zusammen mit meinem Partner Ralph, auf der Drogenszene vor dem Down Town in der Dachauerstraße zu tun. Dort vertrieben wir das feine weiße Heroin hydrochlorid, dass Peter aus „Westdeutschland“ herbei brachte. Während wir uns geschäftig tummelten, fiel mir ein Mann auf, der so gar nicht ins Straßenbild passen wollte. Es war, wie es schien, ein türkischer Gastarbeiter. Ein einfach gekleideter Mann mittleren Alters. Er hatte bemerkt, dass ich ihn betrachtete und kam auf mich zu. Im schlechten Deutsch der ersten Generation türkischer Gastarbeiter, stellte er die Frage, ob ich Heroin kaufen wolle. Ich rief Ralph herbei. „Du willst uns Heroin verkaufen? Wie viel hast du davon und was soll es kosten?“ 10 Gramm, so erklärte der Mann, hätte er. Kosten sollte es 150 Mark pro Gramm, für damalige Verhältnisse ein sehr guter Preis. Er hätte die Ware zuhause und er würde uns in seinem Wagen dorthin bringen, erklärte er.

Wir verließen die Stadt entlang der Dachauerstraße. In der Nähe der M.A.N. Werke und der MTU, zwischen Karlsfeld und Allach, bogen wir von der Hauptstraße ab und in eine Nebenstraße. Nach wenigen Sekunden gelangten wir zwischen Häuser einer Wohnsiedlung. Dort verließen wir den Wagen und betraten einen Hausflur. Unser Mann führte uns in ein kleines Zimmer, in dem drei Stockbetten standen. An der Wand hingen einige Blechspinte. In der Ecke hinter der Tür, hing ein Waschbecken mit einem kleinen Spiegel darüber. Wir befanden uns eindeutig in einem dieser Wohn- und Arbeitslager, in einer diesewr Sklavenbehausungen, wie sie in Deutschland Mitte der 60er für Gastarbeiter geschaffen worden waren. In der Mitte des Zimmers stand ein hölzerner Tisch, umgeben von einigen Stühlen. Der Tisch war mit den Seiten alter Zeitungen bedeckt. In der Mitte, lag ein selbstgebautes Messer mit schwerer, breiter Klinge. Das Teil wog sicher zwei Kilo...-

Ralph und ich setzen uns. Unterdessen ging unser Gastgeber zu einem der Spinde. Er entnahm etwas und kam damit zu uns an den Tisch. Er hatte einen Kunststoffbehälter in der Hand, in dem sich hellbraunes Pulver befand. Der Mann schien nicht unerfahren im Umgang mit Heroin. Er legte jedem von uns einen Teelöffel auf den Tisch. Ralph und ich lehnten seine Teelöffel ab. Wir griffen in unsere Jacken und holten kleine Soßenschöpfkellen hervor. Die Zeiten der Teelöffel, hatten wir längst schon hinter uns gelassen. Als unser Gastgeber sah, wie viel seines Pulvers wir auf unsere Kellen gaben, wurde er unruhig und warnte: „Nicht so viel“. Doch was nutzte es? Ralph und ich waren so hoch dosiert, dass wir ohnehin bezweifelten, von dieser Probeinjektion etwas zu bemerken. So war es schließlich auch. Keiner von uns hatte nach dem Abdrücken der Spritze auch nur die Spur einer Wirkung bemerkt. Wir sahen einander in die Augen, ob wir vielleicht kleinere Pupillen bekommen hatten. Doch auch dies, war nicht der Fall. Unsere Pupillen reagierten längst nicht mehr auf Heroin, es sei denn, wir befanden uns auf Entzug. In dem Fall wurden sie von extrem groß, zu normaler Größe.„Ich kaufe das Zeug“, sagte ich schließlich zu unserem türkischen Gastgeber und blätterte 1500 Mark auf den Tisch. Ich vertraute der Sache. Das Material sah ausgezeichnet aus und es schmeckte gut. Dass wede ich noch Ralph etwas davon bemerkten, lag nicht an diesem Heroin, sondern an unserer außergewöhnlich hohen Toleranz. Ich wog das Zeug ab und fand, dass es sich, selbst nachdem wir unsere gewiss nicht geringen Probemengen entnommen hatten, noch stets um 10,8 Gramm handelte.

„Wie kommst du an das Zeug?“, fragte ich unseren Gastgeber, „Kannst du noch mehr davon beschaffen?“ Nun erzählte unser durchaus sympathischer, türkischer Gastgeber seine Geschichte. Das Heroin war nicht von ihm. Es gehörte seinem Bruder, der ebenso wie er selbst, nebenan in den MAN Werken gearbeitet hatte. Jetzt allerdings, saß er im Gefängnis. Sein Bruder, wir wollen ihn Mehmet nennen, hatte eines Abends in der Stadt einen Mann kennen gelernt, mit dem er ins Gespräch gekommen war. Als der Fremde erfuhr, aus welcher Gegend der Türkei Mehmet stammte, fragte er rundheraus, ob ervon dort nicht vielleicht Heroin besorgen könne. Der Fremde malte Mehmet aus, wie viel Geld in kürzester Zeit mit Heroin zu machen wäre und Mehmet hatte eingewilligt, sich wenigstens danach umzuhören. Am Ende hatte Mehmet etwas über 1800 Gramm Heroin aus seinem Heimatland herbei geschafft. Als er es seinem Freund, dem Fremden, zeigen wollte, wurde er festgenommen. Sein Freund, der Fremde, so hatte sich ergeben, war ein Beamter des Landeskriminalamtes. Nur einem Zufall hatten wir zu verdanken, dass Mehmet seinem Bruder etwa 10 Gramm der Ware beiseite getan hatte, bevor er in die Stadt gefahren war, um den Rest seinem vermeintlichen Freund zu zeigen. Einmal, während einer Fahrt in die Stadt, hatte unser Gastgeber das Gesicht dieses Fremden und vermeintlichen Freundes Mehmets gesehen. „Wie hatte er ausgesehen?“, fragte ich. „War er klein? Hatte er schwarze kurze Haare und ein blasses, spitzes Gesicht, einer Ratte ähnlich?“ Ja. So hatte er ausgesehen. Es war, wie ich gleich gedacht hatte, der unermüdliche Kommissar Majnek. Er war es, der Mehmet so schäbig hereingelegt hatte. Majnek.

Unsere Rauschgiftbullen kennen längst keine Ethikmehr, keine Moral und keinerlei Hemmungen. Sie sind wie losgelassene wilde Hunde. Und man lässt sie sich austoben. Niemand hindert sie daran, selbst Rauschgiftringe zu bilden, nur um sie hinterher „hochgehen“ zu lassen und Lorbeeren dafür zu ernten. Der weit überwiegende Teil größerer Drogengeschäfte in diesem Lande, wird inzwischen von der Drogenpolizei selbst getätigt. Nähme man die Polizei aus dem Spiel, sänke die Kriminalitätsrate beträchtlich.


Wir haben zugelassen, dass im Btm Recht Grauzonen entstanden und hatten uns darauf verlassen, dass der beamtete Mensch in diesen Grauzonen ethisch und moralisch verantwortlich agiere. Wir waren Arschlöcher besonderen Ausmaßes, uns auf solche Scheiße einzulassen. Bullen müssen kontrolliert, und nicht in gesetzlichen Grauzonen losgelassen werden! Jetzt, da unsere Gesetzeshüter sich immer mehr benehmen wie terrorisierende Mafiosis, haben wir die Scheiße am dampfen und können zusehen, wie wir den Mist wieder in Ordnung bringen!

Das Heroin, das wir gekauft hatten, war gut. Sehr gut sogar. Die Leute kamen kurz nach ihrem ersten Kauf wieder und wollten mehr davon. Keine Stunde hatte es gedauert, und die 10 Gramm waren, in kleine Portionen verpackt, verscherbelt.


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Majnek Kommissar Lka. Abt. zur Bekämpfung der Rauschmittelkriminalität



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