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KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


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Die Urinkontrolle



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I N H A L T S V E R Z E I C H N I S 

Der Bewährungshelfer

Die Pension

Die Urinkontrolle

Das Institut



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D E R   B E W Ä H R U N G S H E L F E R 

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Sie hatten mich nach Verbüßung eines Drittels meiner Haftstrafe förmlich aus dem Gefängnis geworfen. Sie brauchten Platz. Zuviel, gab es von meiner Sorte…-

Ich hatte mich breit kneten lassen, von der Gefängnispforte weg, direkt in eine „Drogen“ Therapie zu gehen. Dort war ich nicht lange, einige Tage nur und schon hatte ich genug von dem Schwachsinn, den man dort veranstaltete. Ich war nach München getrampt. Jetzt bestand aber ein Problem: Man hatte mir Bewährung gegeben und dazu noch Führungsaufsicht. Weil aber alles in solcher Eile geschehen war, hatte man versäumt, mir einen Bewährungshelfer zu stellen.

In der Goethestraße, ganz in der Nähe des Münchener Hauptbahnhofs, gab es ein Gebäude von dem ich wusste, dass es vom Keller bis unter das Dachgeschoss angefüllt war mit Büros von Bewährungshelfern. Dort ging ich hin. Irgendwo in den oberen Stockwerken öffnete ich eine Tür. An einem Schreibtisch, halb hinter einem Stapel Aktenordnern verborgen, saß eine junge Frau. Sie sah auf, als ich eintrat und blickte mir mit großen grünrn Augen neugierig entgegen. “Guten Tag”, sagte ich. “Sie sind Bewährungshelferin"? “Das bin ich”, gab sie zur Antwort. “Das trifft sich gut”, erwiderte ich. “Ich bin nämlich ihr neuer Trabant”. “Proband”, korrigierte sie mit freundlichem Lächeln. Hypnotisiert von diesem Lächeln, dachte ich: hier bist du richtig und setzte mich in den Sessel vor ihrem Schreibtisch. “Mein Name ist K.”, begann ich zu erzählen und ich war schon mitten in meiner Geschichte, als sie mich unterbrach. “So funktioniert das leider nicht“, sagte sie. „Hier geht es nach Alphabet und die Namen meiner Probanden beginnen bei A und enden bei F. Ihr Name beginnt aber mit einem K.”. “Tatsächlich?” –murmelte ich und riss meinen Blick von ihren übergeschlagenen Beinen los. “Schade. Das hätte sicher ganz toll werden können...”.

Plakate, hingen im schlecht beleuchteten Korridor, befestigt mit Reißnägeln und Klebestreifen. “Drogen? Nein danke!” –stand auf einem zu lesen. Ein anderes zeigte einen schillernd illuminierten Totenkopf, der zwischen gelben Zähnen eine trompetenförmige Zigarette hielt. “Du machst dich kaputt”, stand darunter, “Und der Dealer macht Kasse”. Ein Plakat alllerdings, auf dem durchtrainierte und bewaffnete Polizisten zu sehen gewesen wären, die ersichtlich kranke junge Menschen zu Tode hetzten, hing dort keines...-

Einige Plakate weiter, öffnete ich die Tür zu einem weiteren Büro.
Es war ein karg eingerichteter Raum. Ein Schreibtisch, ein Aktenschrank von grau gestrichenem Blech und ein Kleiderständer, bildeten die Einrichtung. An der Wand hing als Poster, Lech Walesa, daneben, eine Antikernkraftreklame...

Ein junger Mann der hinter dem Schreibtisch gesessen hatte, sprang hoch als er mich eintreten sah. Dabei riss er eine Kaffeemaschine zu Boden, die hinter ihm auf dem Fensterbrett gestanden hatte. Heißer Kaffee, spritzte über den Schreibtisch und über einige Aktenordner auf der Schreibtischoberfläche. Klirrend, zerschellte die Kaffeekanne am Boden. Hier bist du nicht verkehrt, dachte ich und blickte über das Chaos hinweg. Den hast du in der Tasche, noch bevor er die Chance hat seinen Namen zu nennen.

Ich grüßte und trat an das Chaos heran. Mit dem Handrücken fegte ich einige Kaffeespritzer vom Stuhl, setzte mich und erzählte meine Geschichte erneut. “Mein Name ist K...”, begann ich und endete mit den Worten: ”Und Sie, sind ab jetzt also mein neuer Bewährungshelfer”. Nach einer Pause fügte ich hinzu: “Ich sähe es allerdings gerne, wenn Sie nicht so steif dasäßen und sich grundsätzlich ein wenig lockerer gäben”. Ich blickte auf die Scherben der zerbrochenen Kaffeekanne am Boden: “Und springen sie vor allen Dingen nicht gleich auf, wenn ich Ihr Büro betrete...”

Herbert Streitfuss, hieß mein frisch gebackener Bewährungshelfer. Herbert war neu in der Bewährungshelferbranche. Ich war sein erster Proband. “Das trifft sich gut”, sagte ich, als ich davon erfuhr. “Verlassen Sie sich ganz auf mich. Ich habe jede Menge Erfahrung mit Kriminellen und werde Sie schon einarbeiten, in das Bewährungshelferfach”.
Herbert freute es, als ersten Probanden einen Mann mit Erfahrung zu haben. Er war der Meinung, er und ich, bildeten ein gutes Team. “Aber Ja doch”, stimmte ich zu. “Davon bin ich überzeugt. Seien Sie unbesorgt und überlassen Sie alles mir, dann kann gar nichts schief gehen...”

Herbert schien zufrieden. Er rief sofort bei meinem Richter an und erzählte dem, dass er ab jetzt mein Bewährungshelfer sei. “Herr K. macht einen sehr vernünftigen Eindruck”, hörte ich ihn sagen. “Er scheint sehr motiviert zu sein, ein neues Leben zu beginnen”.
Ich hatte mich bereits verabschiedet und war schon auf dem Weg zur Tür, als Herbert hinter mir her rief: “Und einmal die Woche bei mir melden, hören Sie"!? “Aber ja doch”, rief ich zurück und war zur Tür hinaus...



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D I E   P E N S I O N * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * 

...gross wie Hirschhornkäfer-. 



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D I E   P E N S I O N 

Ein Verein für Haftentlassenenhilfe erklärte sich bereit, zwei Wochen lang die Kosten für eine Pension zu übernehmen. Danach, so sagte man, wäre ich auf mich selbst gestellt...

Suchte man nach einer klassischen Absteige als Kulisse für einen Film, so böte die “Pension Edelweiß” in der Schillerstraße sich an. Vom Empfangstresen im Erdgeschoss, wandte eine knarrende Treppe, zusammengehalten hauptsächlic von Bohnerwachs, zu den Zimmern in den oberen Stockwerken.
Eine hochschwangere junge Frau, die einen ständigen Geruch nach sauren Gurken verströmte, schrieb meinen Namen in das Gästebuch. “Polizeiliche Vorschrift”, sagte sie, als sie bemerkte, wie ich beim Nennen meines Namens zögerte. “Sie machen hier auch Ausweiskontrollen”, fügte sie hinzu. “Meist morgens, gegen 7”. Ein kleiner Junge schlich heran und klammerte sich an die Hosenbeine der schwangeren jungen Frau. Er sah zu mir hoch und rülpste. Ein Geruch nach Hühnersuppe verbreitete sich, die Speise der Armen. Ein Ventilator auf dem Empfangstresen, verrührte unter rhythmischem Geklapper die Gerüche in der Raumluft. Lose Ränder einer längst verblichenen Tapete, schaukelten in seiner Brise...

Im Zimmer Nr. 23 roch es nach frischem Bohnerwachs und alter Katzenpisse. Aus einem Fenster fiel der Blick durch verblichene Vorhänge auf einen schattigen Hinterhof mit überfüllten Abfalltonnen, auf denen Ratten turnten. Kakerlaken, groß wie Hirschhornkäfer und überwiegend nur aus den Augenwinkeln wahrnehmbar, huschten über die Wände. In der Schublade des Nachtkästchens fand sich ein verrußter Teelöffel und drei Kondome, noch verpackt zwar, aber mit einer verrosteten, blutverkrusteten Injektionsnadel durchstochen. An einem Haken im Kleiderschrank, hing, möglicherweise Relikt eines früheren Gastes, oder vielleicht gar eine Aufmerksamkeit des Hauses, eine schlaff aufgepumpte Sexpuppe mit weit aufgesperrtem, knallrot umrandetem Maul. Auf der Pobacke klebte ihr ein schwarzes, rot umrändertes vulkanisiertes Gummiläppchen, wie man es zum Flicken von Fahrradschläuchen verwendet. Berührte man die Puppe, entwich ihr am Rande dieses Gummiläppchens sachte pfeifend die Luft...-
Von der Decke hing, spiralförmig, ein gelber vertrockneter Fliegenfänger herab, vollgekleistert mit vertrockneten Fliegenleichen und summend umkreist von einem Heer fetter, metallisch-blau schillernder Schmeissfliegen...

Im Zimmer nebenan wohnte Rosi, eine Prostituierte in den Sechzigern.
Rosis Gesicht schien, als sei es mit Farbe auf ein Stück faltiges Leder gemalt. Wie Rosi es schaffte, trotz ihres dramatischen Aussehens Freier zu finden, blieb mir schleierhaft. Aber dass sie es schaffte, und das sogar noch jeden Abend, konnte ich durch die dünne Bretterwand, die mein Zimmer von dem ihren trennte, sehr deutlich hören. Lag ich nachts im Bett, hörte ich nebenan Rosis Freier stöhnen: “Jaaaohjaaaohjaaaaa!” – während Rosi heiser dazwischen kreischte: “Ooooh! Tiefer, tiefer! Fester, fester, fester!” Männerstimmen grölten, „Du Schlampe! Du Nutte! Du Sau! Dir werd ich’s geben!“ und Rosi schrie beglückt, „Ohjaaaaa du Bock, du Schwein, oh gib mir's! Aaahh du geiler Eber! Gib mir's! Gib mir's“! Gib mir's! Uh uh uuh!



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D I E   U R I N K O N T R O L L E * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * 



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D I E   U R I N K O N T R O L L E 

Auf dem Viktualienmarkt, ganz in der Nähe des Marienplatzes, gab es getrocknete Kapseln von Papaver somniferum, dem Schlafmohn, zu kaufen. Es waren Importe aus Opium produzierenden Ländern. Sie zeigten um ihre runden Körper senkrechte Schnitte in Dreiergruppen. Um diese Schnitte klebte pechschwarz eingetroclnetes Opium.
Beladen mit drei Kartons voll Mohnkapseln, begab ich mich wieder zurück zu meiner Pension. Unterwegs kaufte ich noch rasch einen Kochtopf von Aluminium und einen Campinggaskocher. Wieder zuhause , zerkrümelte ich einige der Mohnkapseln und kochte die Krümel auf meinem Campingkocher zu Opiumtee...

Einige Tage später ging ich zu Herbert, meinem Bewährungshelfer, um mich zu melden.
“Alles läuft ausgezeichnet”, erzählte ich Herbert und wischte dabei mit dem Handrücken den Schweiß aus meinem Gesicht, den all der Opiumtee aus meinem Körper presste. “Die Welt”, so verkündete ich, “könne gar nicht besser beschaffen sein"! Nur der Arbeitsmarkt, ließe leider sehr zu wünschen übrig. Auf dem Arbeitsmarkt sei für einen Mann meiner Qualität leider nichts, aber auch gar nichts zu finden. Herbert rang die Hände vor Begeisterung: “Es freut mich”, rief er, “dass alles so ausgezeichnet läuft!” – Dabei schob er, wie nebensächlich, einige Dokumente über seinen Schreibtisch. “Dies hier”, so erklärte er, “ist eine Anordnung deines Richters. Er wünscht, dass du dich unverzüglich und auf dem kürzesten Wege zum Gerichtsmedizinischen Institut begibst. Dort musst du Urin abgeben, den man auf illegale Substanzen prüfen wird. Und hier ist noch etwas. Auf diesem Papier, trage ich den Zeitpunkt ein, an dem du mein Büro verlässt. Du nimmst es mit zum Institut und gibst es dort ab. Dort wird man deine Ankunftszeit eintragen und es an deinen Richter senden, damit der überprüfen kann, ob du dich auch unverzüglich und auf kürzestem Wege zum Institut begeben hattest. Es ist jetzt 13 Uhr. Du könntest in etwa zwanzig Minuten beim Institut sein. Das wäre dann 13 Uhr 20. Aber ich denke, wir wären auch alle zufrieden, wenn du es bis 13 Uhr 30 schaffst. ”Oh mein Gott! – schoss es mir durch den Kopf. All die Opiumrückstände des Opiumtees in meinem Urin! Nicht mal Tee, kann man mehr in Frieden trinken!
Ich nahm die Papiere vom Schreibtisch und steckte sie in meine Hosentasche. “Dann werde ich mich mal gleich auf den Weg machen!” – rief ich Herbert zu und war zur Tür hinaus...

Als erstes, eilte ich in einen Supermarkt und kaufte ein Glas saurer Gurken und eine gelbe Gummizitrone voll Zitronensaft. Wieder auf der Straße, goss ich die Gurken und den Zitronensaft in einen Straßenabfluss und eilte weiter. Mein nächstes Ziel war der Hauptbahnhof, wo erfahrungsgemäß tagsüber Alkoholiker saßen. Auf einer kleinen Mauer neben dem Haupteingang, saßen einige Männer beieinander und ließen eine dickbäuchige Rotweinflasche zwischen sich kreisen. Ich ging auf sie zu und sprach einen an. “Komm mal mit”, sagt ich und nahm den Kerl beim Ärmel. Ich zog ihn um die Ecke und hielt ihm mein leeres Gurkenglas unter die Nase. “Wenn du in dieses Glas pisst”, sagte ich, "dann gebe ich dir zehn Euro”. Vermutlich hielt der Kerl mich für den größten Perversen dieser Erde, aber die zehn Euro gaben den Ausschlag. Mürrisch nahm er das Glas und verschwand damit, leise vor sich hin fluchend, in Richtung Bahnhofstoilette. Als er nach wenigen Augenblicken wieder kam, reichte er mir ein bis zum Rand mit Urin gefülltes Glas. Ich nahm es, füllte vor den Augen des staunenden Trinkers etwas davon in meine Gummizitrone, sagte, “Vielen Dank, aber so viel brauche ich nicht”, und goss ihm den Rest vor die Füße. Mit der gefüllten Gummizitrone und dem leeren Gurkenglas, eilte ich zur Bahnhofstoilette.

In der Bahnhofstoilette, füllte ich das Gurkenglas mit warmem Wasser und legte die mit Urin gefüllte Gummizitrone hinein...
In einem Geschäft für Laborbedarfsartikel, das auf dem Wege lag, kaufte ich noch rasch einen Meter Gummischlauch und einen, auf den Schlauch passenden Kunststoffhahn. Danach eilte ich, mit meinem ganzen Krempel unter der Jacke, zum Gerichtsmedizinischen Institut...



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D A S   I N S T I T U T * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * 

Das Gerichtsmedizinische Institut 



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D A S   I N S T I T U T 

Halb verborgen hinter finsteren Tannen, erhob sich drohend die dunkle Silhouette des im neoklassizistischen Stil erbauten Instituts. Drei Seiten des roten Backsteinebäudes grenzten an einen Friedhof. Ein schmiedeeiserner Zaun umgab bezeichnender Weise beide, Friedhof und Institutskomplex. Aus frisch ausgehobenen Gräbern, stieg der Geruch aufgeworfener Erde. Krähen, flogen krächzend vom Dach des Instituts, umkreisten einige Tannenwipfel und ließen sich mit klatschenden Flügelschlägen auf Moos begrünten Grabsteinen nieder...
Hier fühlten Bela Lugosi und Boris Karlof sich sicher zuhause, einige Deutsche Ärzte und Wissenschaftler auch, aber ansonsten sicher niemand…-

In der Abgeschiedenheit des Friedhofs vor den Fenstern des Instituts verborgen hinter den ausgebreiteten Flügeln eines marmornen Grabsteinengels, steckte ich meine Urin gefüllte Gummizitrone, deren Inhalt im warmen Wasser des Gurkenglases auf Temperatur geblieben war, auf ein Ende meines Kunststoffschlauchs. Den Kunststoffhahn, stak ich auf sein anderes Ende. Diese Konstruktion stopfte ich unter meine Kleidung. Dabei klemmte ich die Gummizitrone unter meine linke Achsel und fummelte den Schlauch in meine Hose hinab. Dabei platzierte ich den Hahn so, dass er genau hinter meinem Hosenreißverschluss zu liegen kam. Derart ausgerüstet, betrat ich schließlich das schauerliche Gebäude des Gerichtsmedizinischen Instituts...

In der düsteren, hohen Empfangshalle, sie roch nach Feuchtigkeit und Schimmel, kam mir mit wehendem weißen Kittel und hallenden Trritten, ein Onkel Doktor entgegen. Ich grüßte und reichte ihm meine Unterlagen. Onkel Doktor riss die Papiere unfreundlich aus meiner Hand. Nach einem Blick auf die Formulare und einem verächtlichen Blick auf mich, sah er auf seine Armbanduhr. Wortlos, zückte er einen Kugelschreiber und trug meine Ankunftszeit ein. Danach forderte er mich mit einer Bewegung seines Kopfes auf, ihm zu folgen. Hinter ihm her, lief ich einen Korridor entlang, an einer Rezeption vorüber, links einen kleinen Gang entlang und auf eine Herrentoilette. Dort ging es schließlich zur eigentlichen Sache, dem Tauglichkeitstest meiner Konstruktion. Schweigend, reichte mir der Onkel Doktor ein Laborglas, einen so genannten Becher. Dann stellte Onkel Doktor sich direkt neben mich ans Pissbecken und gab gut acht, das auch ja nicht geschummelt wurde. Am Ende jubelte ihm hier einer ander Leute Urin als den Eigenen unter! Wo käme man da hin? Langsam, öffnete ich meine Hose und holte mit einigem Gefummel, anstatt meiner Nudel, den Hahn hervor. Keusch, bedeckte ich ihn mit einer Hand, öffnete ihn mit der anderen und sah Onkel Doktor geradewegs ins Gesicht. So genau, wollte der das dann auch wieder nicht wissen. Er blickte zur Seite, nahm seine Brille ab und wischte mit einem Stück Toilettenpapier die Kondensation seines Schweißes von den Gläsern. (Jede Wette, ein verkappter Homosexueller...) Inzwischen drückte ich mit dem Oberarm auf meine Gummizitrone. Es funktionierte. Brühwarm und geräuschvoll, plätscherte die Sache durch den Schlauch aus dem Hahn und in den Becher. Stolz, überreichte ich Onkel Doktor mein Produkt. Misstrauisch, hielt der das Glas gegen das Licht der Deckenlampe. Es soll nämlich Schlingel geben, die fremden Urin mitbringen und ihn als den eigenen ausgeben. Das merkt Onkel Doktor dann, der Fuchs, weil durch die zu geringe Temperatur des mitgebrachten Urins das Glas nicht beschlägt. Ich wusste das allerdings auch und folglich beschlug mein Glas wie es sich gehörte. Onkel Doktor war zufrieden mit meinem Urin. Erleichtert verließ ich diese düstere Stätte von schamlos in anderer Leute Urin schnüffelnden Bütteln.
Trinke du nur tapfer weiterhin deinen Mohntee, dachte ich, während ich nachhause lief. Er tut dir gut und hält dich von den Drogenszenen fern. Die Drogenszenen nämlich, sind die Gärten, in denen Drogenbullen sorgfältig ihre Erfolge ziehen, um sie nach Bedarf zu ernten. Aber was, wenn Herbert mir noch öfters mit solchen Schweinereien käme? Was, wenn dabei einmal etwas schief ginge? Eine Spur verdächtiger Rückstände in meinem Urin oder auch nur der Verdacht, ich hätte mit dem Urin geschummelt und ich konnte mich von der Freiheit verabschieden. Was zum Teufel, haben diese Pinsel eigentlich in meiner Pisse zu schnüffeln? Schnüffele ich in der ihren? Hätte ich nicht genauso das Recht, beispielsweise einen Blick in die Unterwäsche dieser Leute zu tun um nachzusehen, ob sie darin nicht vielleicht Anrüchiges verbergen? Bremsspuren etwa, oder vor der Steuer verborgene Diamanten? Wer weiß, verbirgt Onkel Doktor die seinen gar in reinseidener Damenunterwäsche...?


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