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KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


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Abende der Suchtstation



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Wir nannten sie „unsere filofofischen Abende“, verstehen Sie? Was würden Sie tun, wären Sie mit zwei anderen Leuten Monatelang in ein und demselben Raum eingeschlossen? Nach einiger Zeit verliert auch das Kartenspiel seinen Reiz. Kennt man erstmal alle Kartentricks diesr Erde und man hat ohnehin außer Streichölzer nichts, das man beim Spiel einsetzen könnte, ist es bald vorbei mit dem Kartenspiel. Mensch ärgere dich nicht? Da Würfelspiel für Debile? Vergessen Sie’s. Wir hatten ein selbstgebasteltes Schachspiel. Das Brett hatten wir mit Filzstift auf den Tisch gemalt. Die Figuren bestanden aus Stücken Papier, mit den Symbolen der entsprechenden Figur darauf. Ansonsten hatten wir nur unseren kleinen Mittelwellentransistorradio, kaum so groß wie eine Postkarte. Wir legten ein leeres Nescafe Glas vor seinen Lautsprecher, damit der Klang an Qualität gewann und ein wenig hallte. Ging gegen 22 Uhr das Licht aus, hatten wir nur noch uns selbst und die Margarinekerzen aus dem Toilettenverschlag. Kleine Aluminiumschälchen waren es, in deren Mitte, von einer Drahtkonstruktion aufrecht gehalten, ein Stück Putzlappensaum als Docht diente. Diese Schälchen füllten wir mit Anstaltsmargarine, Affenfett, wie wir sie nannten. Wir stellten das Margarinegefüllte Schälchen auf die Heizung, bis die Margarine soweit geschmolzen war, dass der Docht sie aufnahm. Dann entzündeten wir den Docht. Es funktionierte redlich. Man musste nur ständig darauf achten, dass sich genügend Margarine im Schälchen befand und der Docht nicht zu kurz wurde. Brannte die Margarinekerze erst mal, knisterte und zischte sie und spritzte nach allen Seiten, von dem Wasser, das die billige Anstaltsmargarine enthielt. Zwei oder drei der Dnger auf den Zellentisch gestellt, gab immerhin genügend Licht, dass man sich gegenseitig sehen konnte.

Zwei Stunden vor Erlöschen des Lichts, ging ein Sanitäter durch den Korridor. Er öffnete die Kostklappen der Zellen, in denen Gefangene waren, die um diese Zeit Medikamente erhielten. Wir kannten die Arbeitspläne der Sanitäter. Hatte Sanitäter Huber Dienst, drückten wir um diese Zeit den Alarmknopf unserer Zelle. Dadurch brannte draußen im Korridor über der Zellentür und auf einem Schaltbrett der Wachstube am Ende des Ganges ein Lämpchen. Öffnete Sanitäter Huber schließlich unsere Kostklappe, standen wir in Reih und Glied und zogen erbärmlich lange Fressen. „Die Nieren, Herr Huber, die Nieren“, jammerte der erste von uns, der andere schrie während dessen mit unterdrückter Stimme dazwischen, „Oh, dieser Ischias“! Der Dritte klagte über Schlaflosigkeit. „Bringe deine Becher“, sagte dann Sanitäter Huber zu dem Schlaflosen, der diese kleinen Kunststoffbecher schon in sener Hosentasche bereit hielt. Er stellte sie auf die gekippte Kostklappe und wir sahen zu, wie Sanitäter Huber sie voll Himbeerfarbenem Valiumsirup goß. Zehn erbärmliche Milligram Valium, enthielt einer dieser, randvoll mit Sirup gefüllten Becher. Unterdessen klagten und wimmerten die anderen beiden erbarmungswürdig weiter. "Die Nieren, Herr Huber! Und oh, dieser Ischias"! Sanitäter Huber lächelte, zwinkerte mit den Augen und warf zwei Ketten mit grünen, Kodeinhaltigen Spasmo-Cibagin Zäpfchen durch die Kostklappe ins Zelleninnere. Fütterung der Raubtiere! Sanitäter Huber war der einzige Sanitäter dieser Suchtstation, der Verständnis für uns hatte.

Den erhaltenen Valiumsirup gaben wr in das bereits halb volle Marmeladenglas, zu all dem anderen, vor Tagen schon gesammeltem Valiumsirup. Dann teilten wir die Menge in drei exakt gleiche Teile und tranken die süße Pampe. Die Zäpfchen teilten wir ebenfalls untereinander und schoben sie uns in den Arsch, wo sie brannten und juckten, bis sie sich erwärmt hatten, zerflossen, und die Wirkung begann. Wohlig, fühlten wir uns danach, mit wabbelndem, breit dahin fließendem Bewußtsen...-

Auf dem Zellentisch erwärmten sich unterdessen, zischend und spukend, unsere Margarinekerzen. Draußen auf dem Korridor und in den anliegenden Zellen, herrschte Stille. Wir öffneten beide vergitterten Fenster und ließen frische, kalte Winternachtluft herein. Samtschwarz, war draußen die Nacht, übersät mit Millionen eisig funkelnder Diamanten. Große Schneeflocken schwebten vom Himmel. Lautlos, bedeckten sie die Erde und die Krone der Gefängnismauer. Ebenso lautlos stach der Lichtfinger eines Scheinwerfers durch die Nacht. Er glitt entlang der Mauer und huschte über die vielen vergitterten Fenster des Südbaus.

„Wir leben in einem bösen Land“, bemerkte Walter. Rudi und ich sahen ihn an. Walter schwieg. Dann fuhr er fort. „Ich träume gerne. Träume ich, so träume ich mit einigem Glück von alten Freunden, von denen der eine oder andere bereits tot ist. Ich erinnere mich vergangener Zeiten, voll Freiheit, Leichtigkeit und Gelächter. Alles Dinge, die hier in Deutschland nicht mehr möglich scheinen. Es herrscht Angst vor, in diesem Lande. Wie Blei, sinkt Furcht auf den Grund meiner Seele.. Meine Grundstimmung in Deutschland ist Angst. Deshalb gefiel mir der Aufenthalt in Amsterdam so sehr. Noch nie zuvor, hatte ich mich so frei und so ohne jede Angst gefühlt, wie dort. Aber saß ich im Zug nach Deutschland und überquerte ich die Grenze, senkte sich sofort wieder diese bleierne Furcht tief in meine Seele. Deutschland ist ein böses Land. Ein böses Land, voll verquerer Menschen, denen man die Vergangenheit und ihr rohes Naturell verboten hat. Nun laufen sie einher, innerlich zerknirscht und verbogen und äußerlich wie ein schlauer Bauer mit Zahnschmerzen. Es gibt hier etwas wie eine Nationalpsychose. Ich glaube, sie entstand durch die Bemühungen der Alliierten, die Deutschen zu Entnazifizieren. Die Gewitzteren und Klügeren unter ihnen, die Fettaugen, die in jeder Situation oben auf schwimmen, ließen diese Entnazifizierung und den ganzen Schlechten Gewissens Rummel von sich abperlen wie Wasser von einer Ölhaut. Das gemeine Volk aber, litt schwer unter der Schuld die man erfand für sie und ihnen auflud. Heute noch gehen sie krumm unter dieser Last. Auch die Niederländer haben in dieser Hinsicht ihre "Nationalpsychose". Sie schleppen sie aber nicht ständig mit sich umher. Sie hat sich nicht sio fest und beständig eingenistelt in ihren Seelen. Sie wird erst auf gewisse Stichworte hin aktiviert. Stichworte wie beispielsweis Widerstand, Rotterdam, DIE Deutschen etc. Merkwürdige Kreaturen bevölkern derzeit unseren Erdball...“.

"Ich sehe es vor mir“, sagte Rudi. „Ich sehe die Fettaugen vor mir, wie sie davongeschwommen sind, übers Meer, beladen mit Gold und Juwelen, mit dem Raubgut, das die deutsche Reichsbahn am Ende noch an die entferntesten Häfen Südamerikas beförderte, damit den Fettaugen in Argentinien ein neues Leben finanziert werden konnte. Seitdem ist das Volk noch böser geworden, als zu Kaisers Zeiten. Die Männer sind verbittert, weil sie den Krieg verloren und ihrer Jugend beraubt, mit 100 Mark vor einer kalten Neuzeit standen“.

Walter steckte eine seiner besonders krummen Selbstgedrehten in den Mund, zündete sie an und murmelte aus dem Mundwinkel. „Fett gemästete Schurken mit Diplomatenpässen des Vatikanstaates, entlang dem "Rattenpfad" durch die Berge, hinweg unter Nachttaut tropfenden Tannen und hin, zu Schweizer Banken, die schamlos Tresore voll Goldzähne horteten“.

„Wären sie nur alle ausgewandert“, meldete Rudi sich zu Wort. „Nach Argentinien meinetwegen, dann ginge das noch. Aber sie wurden per "Paperclip" in die USA geschifft und dort als Hochschullehrer an den Universitäten etabliert. Daurch konnten sie ihr Gift unter der Jugend verbreiten. Und schlimmer noch, sie fanden flugs Eingang in die höchsten Positionen Internationaler Organisationen, wie der UNO, WTO, WMF, WHO und so weiter. DAS, ist das Problem! Wir hatten die Verbrecher von den höchsten Positionen im III Reich, direkt und unbeschadet in die höchsten Positionen der Nachwelt kriechen lassen. Dort sitzen sie jetzt, festgeklaut wie Zecken, und verströmen Böses in die Welt. Sie werden uns den nächsten großen Krieg bringen. Er wird bereits vorbereitet. Das Volk wird längst schon wieder auf ihn hin indoktriniert. Man zeigt den Leuten, wie toll doch Panzer sind, wie geschickt wie sie gebaut wurden, und ach, ihre Feuerkraft! Und unsere neuen Düsenflieger, und wie gestromlined doch dieser neue Radar sichere schwarze Vogel aus Mordor aussieht. Schck, nicht wahr? Be all dem verschweigt man freilich geflissentlich, dass all diese Apparate nur dafür geschaffen wurden, Menschen und Menschenwerk zu zerstören und sie drängen bereits alle gierig zum Einsatz! Jetzt schicken wir sogar schon unsere Kinder in Afghanistan in den Tod, in einem Krieg, den ein Geldgieriger amerikanischer Präsident aus reiner Gewinnspekulation vom Zaun gebrochen hatte. Und unsere Politiker spielen alle mit. Freilich, sie sind ja auch alle im selben "Kegelklubs, der Heritage Foundation
http://www.heritage.org/ zum Beispiel, oder in The Council on Foreign Relations http://www.cfr.org/ , The Trilateral Commission http://www.trilateral.org/ , The Project for the New American Century http://www.newamericancentury.org/ oder der Bilderberg Gruppe http://en.wikipedia.org/wiki/Bilderberg_Group X http://www.bilderberg.org/ und wie sie alle heißen mögen, diese Vereine, in denen am langen Tisch über den Profit einiger Weniger nachgedacht, und im selben Atemzug über den Tod ganzer Bevölkerungen entschieden wird! SIE PROFITIEREN ALLE Vom Tod unserer Kinder! Und wer sitzt, von Fett glänzend, jovial lächelnd und einen Palmenzweig in Händen am Ruder dieser gigantischen Todesmaschinerie? Ein Clone Hermann Görings“! Wir lachten, das letzte fröhliche Gelächter dieses Abends...-

„Ja Leute“, sagte ich schließlich. „Wir sitzen ordentlich in der Tinte, so viel steht fest. Lasst uns, wie wir verabredet hatten, nur abhauen, sobald wir aus diesem Loch heraus sind“. Rudi reckte sich, streckte seine Arme zur Decke und stöhnte. „Beschlossene Sache Leute. Und nun, lasst uns schlafen gehen. Wir haben noch viele solcher Abende vor uns“. Noch ein letztes Mal, huschte der Scheinwerfer des Westturmes über unser Fenster. Ich tauchte die brennenden Dochte der Margarinekerzen in die verflüssigte Margarine. Sie zischten widerborstig, bis sie erlöscht waren. Dann legten wir uns schlafen. "Gute Nacht, Leute".

"Gute Nacht".
"Gute Nacht"...-


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