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Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


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Im Strafbunker



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I M   S T R A F B U N K E R 

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Ich saß in der Klemme, in dieser unserer Gemeinschaftszelle der Justizvollzugsanstalt. Wir waren zu dritt, Walter, Robert und ich und weil keiner der beiden anderen schreiben konnte, hatte ich die Briefe an Walters Mutter geschrieben. Es war meine Aufgabe gewesen, Mama exakt darüber zu instruieren, wo genau unter der Treppe Walters Heroin-Bunker zu finden war, wie sie das Zeug verpacken und wie sie es ihrem Sohn schließlich während des Besuches in den Kragen stecken musste. Mein Rechtsanwalt, der seine Neigung zur Lumperei von seinem Vater, einem ehemaligen Justizminister, geerbt haben mochte, hatte den Brief an der Zensur vorbei und aus dem Gefängnis geschmuggelt. An diesem Nachmittag sollte der lang ersehnte Besuch von Walters Mutter stattfinden und ausgerechnet an diesem Morgen war ich zur Arbeit aufgefordert worden. Gäbe ich dieser Aufforderung nach, verlegte man mich auf der Stelle in den C-Flügel, wo die Arbeitstätigen lagen und vorbei wäre es mit Mamas Heroin. Gäbe ich der Aufforderung nicht nach, so nannte man das „Arbeitsverweigerung“, wie der Wachbeamte langatmig erklärte, der in der offenen Zellentür stand und bereits ungeduldig mit seinem Schlüsselbund klimperte, und Arbeitsverweigerung brächte mich 14 Tage in den Strafbunker. Ich musste eine Entscheidung treffen. Ich sah Walter an. Walter schloss langsam die Augen, nickte leicht und öffnete die Augen wieder. Das war mir Antwort genug. Ich wusste Bescheid. Ich wies zu meinem Schrank, der voll stand mit Kaffee und Tabak, der Währung des Hauses, und sagte zu Walter: „Nimm soviel du brauchst“. Danach schlug ich dem Wachbeamten auf die Schulter und sagte, „Komm, wir gehen“. „Wohin?“ fragte er, verduzt durch die Raschheit meines Entschlusses. „Na, wohin wohl“, sagte ich, „Zum Strafbunker natürlich“.

Doch so einfach kam man nicht in den Strafbunker. Zuerst wurde ich noch zum Direktor gebracht der fragte, „Sie verweigern die Arbeit?“ Ich bejahte. „Dann gehen sie für zwei Wochen in die Strafzelle“. Ich nickte. Erst nach diesem Ritual, wurde ich hinab geführt in den Keller, wo die Strafzellen sich befanden.

Für die eher einfachen Geister unter den Lesern sei erwähnt, verstößt man in einem Gefängnis gegen Vorschriften, kann man dafür nicht mehr ins Gefängnis geworfen werden. Dort sitzt man ja immerhin schon. Für solche Fälle, ward der Strafbunker erfunden.

Der Strafbunker war ein Raum mit in etwa denselben Massen wie eine Einzellzelle des modernen deutschen Strafvollzuges. Das bedeutet, vier bis fünf Schritte lang und gerade so breit, dass man mit einem angewinkelten Ellenbogen die eine Wand berühren konnte und mit den Fingerspitzen des anderen ausgestreckten Armes, die andere. In der Mitte des Raumes stand ein Betonklotz, etwa 60 Zentimeter hoch, 70 cm breit und etwa 1.80 Meter lang. Darauf lag eine alte vergilbte Matratze die knisterte, wenn man sich drauf setzte. Das Knistern kam von verdorrtem Seegras, Algen, mit denen solche Matratzen gefüllt waren. Schmachtende Gefangene, rauchten dieses Seegras gelegentlich. Auf der Matratze lag eine alte braune Wolldecke, die schon lange hier liegen musste. Sie war mit einem Reichsadler verziert, der in seinen Klauen einen Lorbeerkranz mit Hakenkreuz hielt. An der Wand stand ein kleiner grober Holztisch mit einem Schemel darunter. In der Ecke, rechts der Tür, stand eine blanke Toilettenschüssel ohne Brille. Der Spülkasten war in die Wand eingelassen und konnte nur von außen betätigt werden. Hatte man gekackt, musste man auf den Knopf einer elektrischen Klingel drücken und warten, bis draußen einer kam und durchspülte. Neben der Toilettenschüssel hing ein kleines Handwaschbecken mit kleinem Metallspiegel darüber. An einer der Schmalseiten des Raumes, der Tür gegenüber, müsste eigentlich ein Fenster sein. Aber diese Strafzelle hatte kein Fenster. Sie hatte dort, wo eigentlich das Fenster sein sollte, eine kleine metallene Klappe. Eine Klappe, gerade so groß wie eine Zigarettenpackung. Diese Klappe diente der Luftzufuhr.

Wer meint, man konnte sich, nachdem man den Strafbunker betreten hatte, entspannt auf seiner knisternden Seegrasmatratze ausstrecken, der irrt. Erst musste noch der Arzt kommen, der einen begutachtete um festzustellen, ob man gesundheitlich auch in der Lage sei, zwei Wochen unter diesen Umständen zu verbringen. Danach kam noch der Anstaltspfaffe. Jawohl. Ein Pfaffe. Sie dürfen nirgendwo fehlen. Er gab einem seinen Segen, wie viel der auch Wert sein mochte.

Den Arzt, ließ ich gar nicht erst zu Wort kommen. „Hören sie“, sagte ich, „Ich wiege im Moment 75 Kilo. Wenn ich in den zwei Wochen in diesem Loch auch nur ein Pfund abnehme, mache ich sie dafür strafrechtlich wegen Körperverletzung verantwortlich“. Der junge Arzt erblasste. Er wandte sich an einen Wachbeamten und ordnete an: „Dieser Gefangene erhält doppelte Rationen“. Der Arzt war kaum weg, als der Pfaffe erschien. Ich kannte die Strafvollzugsordnung auswendig und wusste, dass einem Gefangenen die Gegenstände zur Ausübung seiner Religion zustanden und so sagte ich zu dem Pfaffen: „Ich bin Mohammedaner und wünsche zur Ausübung meiner Religion einen Koran in deutscher Sprache, einen Gebetsteppich und einen Kompass“. „Einen Kompass?“, fragte der Pfaffe verwundert. „Ja klar, einen Kompass“, sagte ich.“ Oder können sie mir so aus dem Stehgreif sagen, in welcher Richtung Osten und somit Mekka liegt?“ Nein, das konnte er nicht und so machte er sich in gebeugter Haltung auf den Weg, die gewünschten Artikel zu besorgen.

Als der Pfaffe weg war, musste ich vor die Zelle treten und alle Kleidung ablegen. Man guckte mir in den Mund, in die Ohren, unter die Arme, zwischen die Zehen und in den Arsch, ob ich nicht vielleicht irgendwo eine Panzerfaust verborgen hätte. Danach bekam ich einen frisch gewaschenen Overall und durfte wieder in meinen Bunker zurück. Erst als die Tür verschlossen war, sah ich mir die Matratze etwas genauer an. Oben links, am Kopfende, war die Naht ein wenig geöffnet, gerade groß genug, um mit dem kleinen Finger rein zu können. Ich tastete und fühlte. Unter dem Stoff der Matratze und ein wenig zwischen den getrockneten Strähnen des Seegrases verborgen, fühlte ich einen kleinen harten, länglichen Gegenstand. Ich fummelte den Gegenstand hervor und hielt einen Augentropfer in der Hand, an dessen Außenseite mit Klebestreifen der stählerne Teil einer Injektionsnadel, ohne den dazu gehörenden Kunststoffkonus, befestigt war. So weit hatte es geklappt, dachte ich. Hab Dank Walter. Was diese Aktion mich an Tabak und Kaffee gekostet hatte, wollte ich gar nicht wissen...

Der eine oder andere mag schon von der Injektion mithilfe eines Tropfers gehört haben. Bourroughs schreibt davon. Man nimmt die Nadel, umwickelt ihr stumpfes Ende ein wenig mit Zigarettenpapier oder Toilettenpapier, auf eine Weise, dass ein Konus entsteht. Damit pfropft man die Nadel in die Öffnung des Tropfers. Mit Tropfer zu injizieren, klappt ausgezeichnet. Zugegeben, anfangs erfordert es ein wenig Geschick, aber man hat den Dreh rasch raus. Im Grunde ist es einfach. Man muss nur darauf achten, dass beim Drücken auf das Gummibällchen des Tropfers, die zu injizierende Flüssigkeit auch an dem Ende sitzt, an dem die Nadel sich befindet und nicht etwa im Gummibällchen. Man quetscht das Gummibällchen zwischen Daumen und Zeigefinger platt und sticht dann die Nadel in eine Vene. Um nachzusehen, ob man auf Blut gestoßen ist, läßt man dem Druck auf das Gummibällchen ein wenig nach. Hat man eine Vene getroffen, schießt sofort ein Faden roten Blutes in den Tropfer.

Nach einigem Tasten und Stöbern im Seegras der Matratze, fand ich auch noch Tabak und ein Feuerzeug. Zigarettenblättchen allerdings, fand ich keine. Walter konnte doch nicht so dämlich gewesen sein, die Blättchen zu vergessen, oder? Vielleicht waren sie aber auch während des Transportes irgendwo hängen geblieben…?

Kaum hatte ich die Sachen wieder gut im Innern der Matratze verstaut, als die Kostklappe an der Zellentür geöffnet wurde und der Kopf des Anstaltspfaffen erschien. Sichtlich erschöpft war er, sein Gesicht nass von Schweiß. Alles, so versicherte er, hätte er unternommen, aber am Ende hätte er dann doch nicht mehr weiter gewusst. Wo soll er nur die von mir gewünschten Artikel hernehmen? Deshalb hatte er, quasi als Ersatz, seine eigene Bibel mitgebracht. Mehr noch, es war die Bibel seiner eigenen Pfarrkirche, die er mir durch eine etwas zu kleine Kostklappe wurmte. Damit, so bat er, möge ich bitte vorlieb nehmen.

Es war eine gewaltige Bibel. Größer als ein Telefonbuch und über eine handbreit dick. Zwei blank polierte und mit barocken Schnörkeln versehene Schnallen von Messing, befanden sich daran. Zwei kleine Schlüssellöcher zeugten davon, dass man sie im Bedarfsfalle sogar verschließen konnte. Und dass es sich bei dieser Mammut Bibel um die Bibel einer katholischen Pfarrkirche handelte, war nicht zu bezweifeln. Das roch man. Diese Bibel hatte sich noch keine fünf Minuten in meinem Bunker befunden und schon roch alles nach Weihrauch. Durch das jahrelange Liegen in einer katholischen Kirche, in der täglich das Abrakadabra dieser Leute inszeniert worden war, war das gute Stück förmlich mit Weihrauch imprägniert worden. Weihrauchgeruch, hing in jeder Faser dieser Bibel, und in jeder, aber auch jeder, Ecke meines Bunkers.

Nachdem um 22 Uhr das Licht gelöscht worden war, wartete ich noch etwa eine Stunde um sicher zu sein dass man mich auch ja in Ruhe ließ. Dann holte ich den Tabak und das Feuerzeug wieder aus der Matratze hervor. Was die Blättchen betraf, so hatte ich bereits eine Lösung gefunden. Viele Gefangene in ähnlicher Lage, drehen ihre Zigaretten, des dünnen Papiers wegen, mit Anklageschriften, Haftbefehlen oder Gerichtsterminen. Ich dagegen, würde dazu die Seiten meiner Bibel verwenden. Kaum ein Buch hat so dünnes Papier, wie eine Bibel. Nicht umsonst nennt man in Fachkreisen solch dünnes Papier dann auch"Bibelpapier".


Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich eines Tages vor der Gewissensfrage stünde, welche Seiten einer Bibel ich zum Drehen meiner Zigaretten verwenden sollte, die des Alten Testaments, oder die des Neuen. Diese Frage scheint auf den ersten Blick eine Frivole. Bedachte man aber, dass man für den Rest seines Lebens in die Lage versetzt sein würde, wahrheitsgemäß zu verkünden, man hätte diesen oder jenen Teil der Bibel nicht nur gelesen, sondern sogar inhaliert, ja, förmlich in sich hinein gesogen, so gewann die Frage durchaus an Gewicht. Als getaufter Christ, entschied ich mich schließlich für das Neue Testament. entschieden.
Durch den vielen Weihrauch im Papier dieser Bibel, gewann meine Selbstgedrehte etwas Orientalisches. Ihr Geruch ließ an Räucherstäbchen denken, an Zimbelklänge und an halb verdunkelte Räume voll tanzender Weiber, gehüllt in weite, wallende durchsichtige Scvhleier. Bei der dritten Zigarette kam es mir vor, als wäre ich stoned geworden. Ich hörte bereits Stimmen. Bei näherem Hinhören ergab sich, die Stimmen waren echt. Es waen die Stimmen von den Jungs in der Zelle über der meinen. Sie riefen nach mir. Sie hätten von Walter ein Päckchen erhalten und wollten es mir zukommen lassen, riefen sie. Dazu solle ich nur die Lüftungsklappe meiner Zelle weit genug öffnen, hörte ich sie erklären. Mit einem Auge lugte ich durch die geöffnete Klappe. Draußen schwang ein Bindfaden von einer Seite zur anderen. Ich streckte Zeige- und Mittelfinger durch die Luke, bekam den Bindfaden zu fassen und zog ihn zu mir herein. Ein Päckchen hing daran. Es enthielt fünf in Stanniol gerollte Filterzigaretten. Das konnte doch wohl nicht alles sein, dachte ich, oder?

Ich tastete die Zigaretten ab, wobei mir das Innere von zweien nicht identisch schien mit der Konsistenz, die man im Allgemeinen vom Inneren einer Filterzigarette gewohnt war. Diese beiden Zigaretten wogen auch schwerer als gewöhnliche Filterzigaretten. Im Schein des wenigen Lichts, das von den Scheinwerfern draußen an der Mauer durch meine Luke drang, breitete ich das Stanniol in dem die Zigaretten verpackt waren aufs Bett. Ich hielt eine der beiden Zigaretten darüber und riss sie der Länge nach auf. Feines helles Pulver, rieselte daraus hervor. Ich nahm die zweite Zigarette. Auch sie war, unter einem anfänglichen Stöpsel gewöhnlichen Tabaks, mit feinem Pulver gefüllt. Ich benetzte die Spitze meines Zeigefingers leicht mit Speichel, tupfte damit auf das Pulver und führte den mit Pulver behafteten Finger zum Mund. Walter ist großzügig gewesen. Vor mir lagen in etwa 3 Gramm feinsten Heroins...-

Die Jungs von oben riefen nochmal nach mir. Wieder schwang ein Bindfaden vor meiner Luke. Diesmal waren es zwei Fingerlinge voll Tabak, aber keine Blättchen. Was wohl in Walters Kopf vor ging? Doch das mit den Fingerlingen hatte er jedenfalls gut bedacht. Fingerlinge sind unentbehrlich, will man unter meinen Umständen Waren gut und trocken verbergen. Für die, die es nicht wissen sollten: Ein Fingerling ist wie ein Kondom für Finger. Er ist somit kleiner als ein Kondom und sein Gummi etwas dicker. Ärzte verwenden Fingerlinge, wenn sie aus medizinischen Gründen oder auch andern, fremden Leuten oder auch guten Bekannten, im Arsch fingern wollen. Tun sie es zum Vergnügen, lassen sie dabei vermutlich den Fingerling weg …-

Als Besteck hatte ich in dieser Zelle einen Metalllöffel mit Kunststoffgriff und Gabel und Messer aus Plastik. Dass der Löffel von Metall war, war ein unbezahlbarer Glücksfall. Ich benutzte ihn, um die erste Dosis Heroin aufzukochen. Wäre der Löffel aus Kunststoff gewesen, ich hätte das vielleicht etwas durchlöcherte Stanniol von Walters Verpackung verwenden, oder das Pulver schnupfen müssen.

In der Dunkelheit eine Vene zu finden, war für mich kein Problem. Ich konnte Venen tasten, und waren sie noch so klein. Venen die man nicht sah, weil sie zu weit unter der Haut lagen, findet man mit der Fingerspitze, wobei man leichten Druck auf das Gewebe ausübt. Gewebe, unter dem eine Vene liegt, federt rascher wieder hoch...-

Auf Blut zu stoßen, war und blieb einer jener magischen Momente im Leben eines alternden Morphinisten. Schön, wie rotes Blut in den Tropfer schoss. Erst war es einen Augenblick lang stramm, fest und gerade wie ein Strich, um sich im nächsten Moment wie ein fasernder Wollfaden zu dehnen, um danach auseinander zu treiben, wie eine rote Blüte, bis es am Ende die gesamte Lösung im Tropfer rot färbte...-

Danach rauchte ich noch einige, mit Bibelpapier gedrehte Zigaretten und verstaute hinterher all meine Sachen so gut ich konnte im Seegras der Matratze. Ein weiser Zug, wie sich am folgenden Morgen zeigen sollte…-

Am nächsten Morgen, noch vor der Frühstücksausgabe, wurde meine Zellentür geöffnet. Man forderte mich auf, aus der Zelle und in den Gang hinaus zu treten. Ich musste meinen Overall ausziehen und wurde erneut, wie schon tags zuvor, auf Gegenstände untersucht. Unterdessen filzten drei Wachbeamte die Bunkerzelle und fanden nichts. Mein Heroin und den Tropfer samt Nadel trug ich, wasserdicht in einem Fingerling verpackt, im Arsch.

Tabak und Feuerzeug waren so gut im Seegras der Matratze verborgen, dass sie nicht gefunden werden konnten, es sei denn, man schlitzte die ganze Matratze mehrmals der Länge nach auf. Als ich meine Zelle wieder betreten hatte und die Tür hinter mir verschlossen worden war, entdeckte ich zu meiner Verwunderung auf dem kleinen Sims unter der Lüftungsluke einige Glasscherben, die mit Sicherheit zuvor noch nicht dort gelegen hatten. Sieh an, dachte ich. Die uniformierten Schelme spielten mit mir. Vermutlich hatten sie untereinander schon Wetten abgeschlossen, ob ich im Laufe der zwei Wochen, die ich in diesem Bunker verbringen musste, Selbstmord beginge und wie lange es bis dahin dauerte...-

Zwei Tage später war erneut Zellenkontrolle. Als ich danach die Zelle wieder betrat, machte mich einer der Wachbeamten auf ein gewinkeltes Rohrstück aufmerksam, das knapp unter der Decke aus der Wand kam, um nach einem Bogen von neunzig Grad in der anderen Wand wieder zu verschwinden. „Wenn man seinen Overall als Strick verwendest“, erklärte der Beamte und wies dabei mit dem Finger zu dem Rohrstück hoch, „dann kann man sich dort oben gut erhängen“. Das sind so die Spiele dieser Leute. Sie langweilen sich und wünschen ein wenig Pfeffer in ihr lahmes Leben zu bringen und sei es, indem sie den Tod eines Mitmenschen provozierten. Es sind eben einfache Geister, die in Deutschen Gefängnissen Dienst tun. Im Ernst: Wer, mit etwas Grütze im Kopf, würde schon Gefängniswärter werden?

Als die zwei Wochen vorüber waren, überreichte ich dem Pfaffen seine Bibel. Sie war merklich dünner geworden, während der letzten beiden Wochen. Der Arzt kam und ich wurde gewogen. Wie man fand, hatte ich während meiner Zeit im Bunker 6 Pfund zugenommen...-
Als ich den Strafbunker verlassen sollte, setzte ich mich auf die Seegrasmatratze und schüttelte den Kopf. "Ich will nicht", sagte ich. "Ich gehe hier nicht raus".
"Wie, du gehst hier nicht raus?", brummte ein Beamter.
"Wozu soll ich hier raus gehen?", fragte ich. "Ihr würdet mich doch nur zurück in meine Zelle schaffen um morgen früh wieder mit Arbeit daher zu kommen, die ich wieder verweigern würde. Dadurch bekäme ich gleich wieder 14 Tage Strafbunker und deswegen bleibe ich am Besten gleich hier". "SOFORT RAUS!" brüllte einer. Ich widersetzte mich. Ich strampelte, schrie und spukte. Zu Viert, gelang es ihnen am Ende doch, mich an Haaren, Armen und Beinen aus dem Strafbunker zu zerren...-



Zum Schluss noch diese Ergänzung:

Als ich wieder oben im Zellentrakt war und unter normalen Leuten, erfuhr ich, dass inzwischen der Chef der Wachabteilung der Strafzellen im Keller, der Mann also, dessen Untergebene mich so gerne in den Selbstmord getrickst hätten, Selbstmord begangen hatte. In der Zeitung hatte gestanden, er hätte sich beim Rasieren tödlich verletzt. (Der Lacher !) Diesem Manne war noch nicht mal eine ernst zu nehmende Begründung für seinen Tod gegönnt. Er hatte sich mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben genommen, wie alle wussten, Gefangene wie Wachbeamte...- Gefängnisse, zumal deutsche, sind für alle Beteiligten traumatisierende Orte. In diesem Gefängnis z.B., war die Selbstmordquote unter den Wachbeamten prozentual eben so hoch wie unter den Gefangenen...-

Alle Rechte
INTRACEREBRAL
Die Morphinistenseite



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