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KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
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Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-
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Themen: |
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KNASTGESCHICHTEN
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Leben auf der Suchtstation H2
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Sterben auf der Suchtstation H2
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Abende der Suchtstation
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Unfall auf der Suchtstation H2
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Weihnachten auf der Suchtstation H2
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Im Strafbunker
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Kriminalfälle aus der Suchtstation H2
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Erinnerungen an H2
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Suchtstation H2
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Die Burg
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JVA Landsberg
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JVA Kaisheim
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Flucht aus dem Familienknast von F.
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Im Amsterdamer Gefängnis
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Ein Gefangenentransport
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Quasimodo
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Albert
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Der Stuhl an der Mauer
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REISEN
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Keats' Urlaub in Marokko
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London Town
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Marihuana auf Jamaika
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Vom Hindukush zum Eifelturm
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Mit Morphiumhydrochlorid im Paradies
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Tropische Szenerien
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Rückkehr ins Paradies
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Die Rampe zu Dachau
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Deutschlandreise
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Einladung nach X-Stadt
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VON MENSCHEN UND ANDEREN TIEREN...
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Von Ratten Joe und anderen Menschen...
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Jane, und die Asylantenstadt
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Der alte Hassan
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Johns Wohnbus
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Das Partyschiff
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Das Moormädchen
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Von Klausens Reichtum
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Annas Story
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Hells Angels
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SALLY
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Sylvia, oder die tödlichen Mühlen
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Dorothea
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Qualle
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Magere Zeiten...
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Wieder ein besonderer Fall...
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Der Fall Herbert...
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Das Beispiel "Walter"
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Beim Amsterdamer Arbeitsamt
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Paranoia im Park
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Im Sexclub
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Frankies Abgang
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Bone ist tot...-
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Hein de slager
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Erinnerungen an den Schauspieler W. Hefeteig
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Szenen einer Ehescheidung
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JAGDSZENEN
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Die Urinkontrolle
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Die Bullen
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Der Fall Lee
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Der Sprung
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Regnerische Zeiten
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Ein Grenzübergang bei Kleve
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Verfluchter Doppelmord
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Der letzte Apothekenüberfall
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Fabians Tod und mehr...
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Die Überdosis
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Kommissar Hanser und seine Jungs...
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Freitag der 13.
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Der Wixer auf dem Bahnhofsklo
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Methadon & Elend in Nürnberg
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Korruption
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Vom Kommissar & der Nummer 7
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Erzählungen & Kurzgeschichten 2
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Pedros Rache
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Die Regenbogengemeinschaft
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Das alte Lied...
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Bei der Musterung
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Das endgültige Ticket
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Codex Alimentarius
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Zeedijk, Amsterdam
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Spritzutensilien
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Am Amsterdamer Straßenstrich
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Ein Blick hinter die Coffeeshops
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Dort, wo man Hass sät...
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Der Ladenraum
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Der Surinamische Medizinmann
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Die Streckmittelindustrie
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Die Akha Khan Teestube
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Die Interviews der Morphinistenseite
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Kiffer wie Du und ich.
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Heroin mit Salzsäure
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Euro - Top Tour
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Bengali, und die Macht der Steine
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Amsterdamer Spirit
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Vergangene Früchtchen
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Rückkehr ins Paradies
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R Ü C K K E H R I N S P A R A D I E S * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *
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******************************************************************** Fünf Jahre war es her, da ich diese Insel verlassen hatte. Und noch stets herrschte Krieg im Paradies. Allerdings war mir versichert worden, die Kriegsschauplätze lägen mehr im Norden der Insel. Im Süden dagegen, sei ich verhältnismäßig sicher. Ich mietete in der Hauptstadt ein Motorrad und knatterte damit Gall Road, die Küstenstraße, entlang in Richtung Süden.
Während der Fahrt hatte ich das Meer, weiße Strände, Steilküsten und Palmen auf der einen Seite, und Dschungel, kleine Dörfer, und rauchende Kohlenmeiler auf der Anderen. Kleine, vom Rauch geschwärzte Teufel, sprangen um die Kohlenmeiler und öffneten oder verstopften hier und da eine Öffnung, um die Luftzufuhr zu regeln. Trotz ihrer Geschäftigkeit fanden sie die Zeit, Beleidigungen und Obszönitäten hinter mir her zu rufen...-.
Viele eigensinnige Verkehrsteilnehmer, gab es auf dieser Strecke: Je größer ihr Fahrzeug, desto dreister ihr Fahrstil. Viele extrem gammelige und Wolken stinkenden Dieselrauchs speiende Lastautos, traf man unterwegs. Und dabei noch Linksverkehr, wie in England! Tropennächte fallen wie Vorhänge so rasch. Gerade war es noch taghell, PATSCH, einen Augenblick später ist es stockfinster. Straßenbeleuchtung, kannte man nicht in diesem Land und auch die Lampe meines Motorrads wollte nicht so richtig leuchten. Fuhr ich über eine holperige Erhöhung, flackerte sie etwas müde auf und erlosch dann wieder. Zwischendurch taugte sie höchstens als zweifelhaftes Positionslicht. Und dann die Mönche! In orange Gewänder gehüllte, kahl geschorene Wahnsinnige mit Regenschirm unter dem Arm. Sie hatten den Schutz Buddhas und der Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies verlieh ihnen eine Art Idiotenimmunität, die ihnen erlaubte, bei Tage und bei schwärzester Tropennacht, völlig unbesorgt mitten auf der Fahrbahn zu wandeln. Wehe, man fuhr einen dieser selig Wahnsinnigen über den Haufen! Rammte man etwa einen von ihnen, die aufgebrachte Bevölkerung risse einen in Stücke...-.
Und dann noch Elefanten! Grosse, breitärschige Ungeheuer, die 24 Stunden am Tag träge die Rüssel schwenkend, mitten auf der Fahrbahn schlenderten. Man fahre doch einem dieser Kolosse mit einer 750er Suzuki und 75 kmh von hinten zwischen die Beine...!
Nach vier Stunden sehr vorsichtiger und anstrengender Fahrt, kam ich schließlich in dem kleinen, malerischen Fischerdorf Hikkaduwa an. Die erste Nacht verbrachte ich, wie früher, im Sea Side Hotel. Tags darauf ging ich los, eine andere Bleibe zu suchen. Ich sprach eine junge Bananenverkäuferin an, die am Rande der Hauptstraße einen kleinen Stand unterhielt. Sie wisse ein Zimmer, das zu vermieten sei, erzählte sie aufgeweckt. “Ein Stück hinterm Dorf und im Wald. Dort wohnt ein pensionierter Schuldirektor, der in seinem Haus immer ein Gästezimmer frei hat. Der Pfad führt über die Bahnstrecke und in den Dschungel. Gehe nur immer gerade aus und folge dem Pfad. Immer nur geradeaus, und du stößt ganz von selbst auf das Haus”.
Es war ein schmaler Pfad, der sich überhängender Vegetation wegen, streckenweise in einen grünen Tunnel verwandelte. Nach einer Weile wurden links des Wegs zwei schiefe, augenscheinlich baufällige Häuser sichtbar. Kleine nackte Kinder, plantschten dort in einem grünen Wasserlauf. Auf einer Lichtung, diesen Häusern gegenüber, waren zwei Männer dabei, der Länge nach Bretter aus einem dicken Baumstamm zu sägen. Dazu lag der Stamm auf einem hölzernen Gerüst, unter dem eine Grube ausgehoben worden war. Oben auf dem Gerüst stand einer der Männer breitbeinig über dem Stamm, während der andere darunter in der Grube stand. Beide hielten das Ende einer ungewöhnlich langen Säge in Händen. Ihre nackten Oberkörper glänzten von Schweiß, während der eine in der Grube unter dem Stamm, die Säge nach unten und der andere oben auf dem Gerüst, nach oben zog. Dadurch frassen die stählernen Zähne des langen Sägeblattes sich langsam aber unerbittlich durchs Holz des Baumstammes.
Nach einer weiteren Weile weitete sich der Pfad und eine Gabelung erschien. Immer geradeaus, hatte das Bananenfräulein gesagt. Immer nur geradeaus. Von einer Gabelung hatte sie nichts erwähnt. Der linke Weg schien schmäler als der rechte und auch weniger ausgetreten. Ich entschloss mich deshalb für den Rechten. Ein gewaltiger Schwarm Fledermäuse zog über meinem Kopf dahin. So groß war ihre Zahl, dass sie für einige Augenblicke das Licht der Sonne verdunkelten. Beiderseits des Pfades stand, abweisend und undurchdringlich wie eine Wand, schillernd in allen Schattierungen des Grüns, die Vegetation des Dschungels. Dort standen Stämme, dick wie Arme und Beine, keine zehn Zentimeter voneinander entfernt. Man stelle sich vor, man müsse sich mit einem Hackmesser den Weg durch dieses Dickicht bahnen. Man hätte keine Chance. Mit Dynamit, ginge es vielleicht... -
Ich kam an eine Lichtung, auf der im hellen Sonnenscheinein, ein weißes, in englischem Kolonialstil erbautes Haus erglänzte. Es war das Haus des pensionierten Schuldirektors... Der pensionierte Schuldirektor war ein kleiner, auffallend magerer Mann mit einigen schlohweißen Haaren auf braun gebrannter Kopfhaut. Schneeweiße Tropenkleidung hing an diesem mageren Menschen, wie Kleider an drahtenen Kleiderbügeln. Sein Gesicht war faltig und ledern und erinnerte an Dörrobst. Ich erschrak, als ich dem Mann die Hand reichte. Wie ein Kondom, vollgestopft mit Vogelgerippe, so fühlte die seine sich an. Man befürchtete, sie könne unter dem Druck einer gewöhnlichen Hand zu Staub zerfallen. Hakadiwala, hieß dieser kleine magere Mann...-
Hakadiwala war wie ein Geist. Er materialisierte sich immer erst dann, wenn er lächelte. Lächelte er, blitzten 64 schneeweiße falsche Zähne in seinem dunklen, vertrockneten Altmännergesicht. Dadurch, bemerkte man ihn. Lächelte er nicht, schwebte er in weißer Kleidung neben einem her, unscheinbar wie eine Strähne Nebel.
Hakadiwala führte mich durchs Haus und zeigte mir das Gästezimmer. Es lag in einem Nebenflügel. Es war ein einfaches Zimmer, der Boden von Stein. An den Wänden hingen einige farbige Tücher, in der Mitte des Raumes, etwa einen Meter voneinander, standen zwei Betten. Auf der rechten Seite eines jeden Bettes stand ein altertümliches Nachtkästchen mit grünlicher Marmorplatte obenauf. Eine schmale Flügeltür führte vom Gästezimmer hinaus in einen Garten voll hoher Kokospalmen. Hakadiwala winkte einen Diener herbei, ein kleiner, drahtiger Mann in Lendenschurz. Hakadiwala sprach einige Worte mit ihm. Daraufhin klemmte der Diener ein Hackmesser zwischen seine Zähne, krallte die nackten Füße um den Stamm einer Kokospalme und klettert geschwind wie ein Äffchen daran empor. Oben angekommen, nahm er sein Hackmesser und schlug damit eine Kokosnuss aus der Palmenkrone, groß wie ein chinesischer Lampion. Mit dumpfem Schlage, fiel die gewaltige Nuss direkt neben mir zu Boden. Geschwinder noch als er empor geklettert, sauste der Akrobat wieder von der Palme herab. Er nahm die goldgelbe Kokosnuss vom Boden, schlug mit wohl gezieltem Hieb seines Hackmessers den oberen Teil davon hinweg und reichte mir die geöffnete Nuss zum Getränke. “King Kokonut”, sagte er dabei voller Stolz. “King Kokonut”, und seine Augen blitzten vom Wissen um die Qualität dieser Frucht. Die Kokosmilch schmeckte köstlich, wie kein zweites Getränk das ich kannte. Man müsste Heroin in Kokosmilch aufkochen und das Ganze dann intravenös ballern -. Das täte bestimmt gut und wäre gewiss auch noch gesund obendrein.. -
Der Diener Hakadiwalas nahm die leer getrunkene Nuss aus meinen Händen und schlug mit dem Hackmesser ein ovale Scheibchen von ihrem Äußeren. Er reichte mir dies ovale Stück der Schale, zusammen mit der Nuss und erklärte, die Schale sei als Löffel zu benützen, um damit das Innere der Nuss, das Kokosfleisch, zu essen. Das Kokosfleisch war weich und zart, schmeckte süß und so unglaublich intensiv nach Kokosnuss, dass man dabei mit Scham an die trockenen, braunen und haarigen „Elefanteneier“ dachte, die einem in europäischen Geschäften als Kokosnüsse angedreht werden...
Vier Rupies pro Nacht, kostete Hakadiwalas Gästezimmer. (...das waren 25 Cent) Gegen Abend ging ich nochmal ins Dorf zurück. Bevor ich aufbrach, fragte ich meinen Gastgeber ob man sich im Dschungel vor Skorpionen in Acht zu nehmen hätte. Der alte Hakadiwala lachte (64 schneeweiße falsche Zähne…) “Nein nein”, versicherte er, geraden, aufrechten Blicks, wie nur pensionierte Schuldirektoren es können. Über 50 Jahre, lebe er jetzt schon hier in seinem Haus mitten im Dschungel, erzählte Hakadiwala, und in all diesen Jahren hätte er noch nie, aber noch NIE, auch nur einen kleinen Skorpion zu Gesicht bekommen. Keine Skorpione also. In der Hinsicht beruhigt, machte ich mich auf den Wege ins Dorf...-.
Als ich am Ende des Pfades wieder bei den schiefen baufälligen Häusern angelangt war, vor dem die nackten Kinder in einem grünem Wasserlauf planschten und vorbei an den sägenden Männern, kam links des Weges ein kohlrabenschwarzer Skorpion von sicher einem halben Meter Länge aus dem Dickicht gekrochen. Wie ein Betrunkener, torkelte das Scheusal direkt vor meinen Füßen dahin. Dabei schleifte es im trocknen Laube raschelnd, seinen Schwanz mit dem giftigen Stachel am Ende hinter sich her. Jetzt hatten auch die Kinder das Ungeheur entdeckt. Schreiend, kamen sie herbei gerannt und trampelten vor meinen ensetzten Augen mit ihren nackten, bloßen Füßen das Scheusal zu Tode. Danach, rissen sie dem breitgetretenen Ungeheuer den Stachel vom Schwanz, ein Stachel von sicher 6 Zentimeter Länge und einer Giftblase daran, groß wie ein Taubenei, und stritten sich lautstark darüber, wer die Trophäe behalten dürfe...-
Als die Kinder lärmend wieder abgezogen waren, blickte ich verstört auf das verstümmelte, breitgetretene Biest vor mir am Boden. Für einige Augenblicke fühlte ich mich versucht, das Ungeheuer mit zu nehmen und es Hakadiwala in den Schoss zu werfen oder es an seine Haustür zu nageln: Damit der arme Mann wenigstens ein Mal in seinem Leben einen Skorpion zu Gesicht bekommt...-. Nur die Vorstellung, ich müsse dies ekelige Teil vom Boden nehmen und einsacken, ließ mich davon absehen...-.
Ich verbrachte noch zwei Stunden am Strand. Danach ging ich in die drei Apotheken des Ortes. Ich war von einer Apotheke zur anderen gelaufen und überall war es dasselbe gewesen. Keiner an diesem Orte hatte mich nach all den Jahren wieder erkannt. Meine Apotheker dagegen erkannten mich sofort. Ein jeder von ihnen sprangen aus seiner entspannten Haltung, als er mich eintreten sah. Jeder begrüßte mich ausgiebig. Vermutlich hatten sie die vergangenen Jahre vor ihren kleinen Buddhaschreinen gekniet, Räucherstäbchen verkokelt und Buddha darum gebeten, er möge mich bald wieder zu ihnen schicken. Jetzt war ich wieder da und kaufte wieder Morphiumhydrochlorid Ampullen zuhauf. Jetzt konnte man die Kinder wieder zur Schule schicken, das leckende Dach konnte endlich repariert werden und vielleicht konnte man jetzt sogar die falschen Zähne für Opa anschaffen, die er sich so lange schon wünschte. Ob ich Morphium haben wolle, fragten sie alle, die Schelme. "Jajaja!", hatte ich gerufen und um allen eine Freude zu machen, kaufte ich von jedem der Dreien gleich 50 Ampullen mit je 20 Milligramm...-. Als es schon spät geworden war, ging ich zum Sea Side Hotel, um meine Sachen zu holen. Mein Motorrad ließ ich vorerst dort untergestellt. Es stand gut und sicher, in einer kleinen Garage gleich neben dem Auto des Hotelbesitzers. Danach lief ich den schmalen Dschungelpfad entlang wieder zurück zu Hakadiwalas Haus. Kohlrabenschwarz war inzwischen die Nacht geworden. Ich sah buchstäblich die sprichwörtliche Hand vor Augen nicht mehr. Nur dort, wo der Mond ein wenig durchs Blätterdach schimmerte, konnte man ein wenig sehen. Jetzt fehlte nur noch, fiel mir ein, dass mir vom Blätterdach her einer dieser Riesenskorpione in den Kragen fiele -. In diesem Moment stolperte ich über einen Gegenstand, der mitten auf dem Wege lag. Erst sah er aus wie ein Fußball. Doch dann bewegte der Fußball sich. Am Ende erkannte ich, es handelte sich um eine Schildkröte. Ich wollte das Tier aufnehmen, um es auf der anderen Seite des Weges wieder laufen zu lassen. Als ich es aber anhob, begann das Biest so bösartig zu fauchen und stank plötzlich so furchtbar, dass ich es erschrocken wieder fallen ließ: Haben Schildkröten Stinkdrüsen, oder leidet dieses Exemplar an einer besonders bösartigen Erkrankung? – Und seit wann fauchen Schildkröten eigentlich? –
Über die Biologie von Schildkröten nachgrübelnd, kam ich an eine Stelle, an der das Mondlicht gut durchs Blätterdach schien. Plötzlich kam es mir vor, als bewege sich der Weg vor mir. Ich sah genauer hin und prallte zurück. Vor mir kroch eine Schlange, dick wie ich selbst und sicher viermal so lang, träge über den Weg. Wollte ich weiter, musste ich über diesen Lindwurm hinwegsteigen. Das wagte ich nicht. Und so wartete ich eine halbe Ewigkeit, bis das Ende des monströsen Wurms endlich in Sicht kam. Schließlich verschwand das Tier im undurchdringlichen Dickicht jenseits des Pfades...-. Die Lichter von Hakadiwalas Haus kamen in Sicht. Erleichtert, lief ich darauf zu.
Pflaumengroße Insekten, umkreisen lärmend die elektrische Beleuchtung über dem Hauseingang. Der Diener Hakadiwalas öffnet die Tür. Im Empfangsraum des Hauses, sprangen Geckos umher. Eidechsenartige Akrobaten mit scheinbar klebrigen Füssen, die, ohne zu fallen, an den Wänden hoch und entlang den Decken rannten. Blitzeschnell, sprangen sie aus Winkeln des Dachgebälks und schnappten nach Insekten, weit größer als sie selbst...-.
Ich grüßte den Hausherrn und wollte mich sogleich in mein Zimmer zurückziehen. Doch der Herr des Hauses, der alte lederne Hakadiwala, blieb mir hartnäckig auf den Fersen. Der ließ selbst dann nicht ab, als ich längst schon im Bett lag und gerne noch eine Gutenachtinjektion gemacht hätte. Hakadiwala stellte sich neben mein Bett und begann, Schauergeschichten von Dieben zu erzählen. Von Jungs aus dem Dorf, erzählte er, die vor nichts zurück schreckten und das Gepäck von Touristen klauten, während die in ihren Betten lagen. Diese bösen Buben kämen mit langen Stangen, Haken an ihren Enden, und fischten das Gepäck, während die ahnungslosen Besitzer schliefen, mäuschenstill durchs offene Fenster. Hakadiwalas Diebesgeschichten nahmen kein Ende. Sie wurden immer dreister, immer ausgebreiteter, immer waghalsiger. Langsam wurde mir mulmig zumute. Hakadiwalas Schauergeschichten, kombiniert mit seinem Aussehen und dazu die Aussicht, ganz alleine, zusammen mit Hakadiwala, hier mitten im Dschungel, die Nacht zu verbringen? Obendrein gewann ich immer mehr den Eindruck, Hakadiwala erzähle mir all diese Diebesgeschichten nur, um mich darauf vorzubereiten, dass am nächsten Morgen mein Gepäck verschwunden sein würde. Tatsächlich würde er, der alte Hakadiwala, es gestohlen haben... -
Mir war es schließlich zu viel geworden. Ich stand auf und drängte das lederne Gestell Hakadiwalas zur Tür hinaus und machte mir rasch eine Injektion. Damit fertig, nahm ich meine beiden Reisetaschen. Alles Wertvolle, wie Papiere, Geld, Fotoapparatur usw., packte ich in eine Reisetasche. Die Zweite füllte ich mit weniger wichtigen Sachen und einigem zerknüllten Zeitungspapier. Als Indikator für Hakadiwalas Ehrlichkeit, steckte ich eine Brieftasche mit vier 20 Dollarscheinen dazwischen. Danach suchte ich Hakadiwala auf und erzählte, ich hätte im Sea Side Hotel etwas sehr Wichtiges liegen lassen. Etwas, das keinen Aufschub duldete. Etwas, das ich noch diese Nacht und zwar sofort, holen musste. Hakadiwala legte einen Finger an sein Kinn. Er dachte kurz nach und meinte schließlich: “Sicher sehr wichtige Medizin?” “Ja”, antwortete ich. “Verteufelt wichtige Medizin sogar”. Ich drückte Hakadiwala die Reisetasche mit wertlosem Zeug und zerknülltem Zeitungspapier in die Hand und sagte, “In dieser Tasche befinden sich alle meine Wertsachen. Ich vertraue sie ihnen an. Geben sie gut Acht auf diese Tasche. Ich bin gleich wieder zurück”.
Ich klemmte die Reisetasche mit meiner eigentlichen Habe unter meinen Arm und verließ Hakadiwalas Haus. Ich tastete mich den Pfad entlang zurück ins Dorf und übernachtete im Sea Side Hotel.
Am nächsten Morgen ging ich zurück zu Hakadiwala, um meine Tasche zu holen. Von den vier 20 Dollarscheinen fehlten zwei. Mochte er sie behalten, die 40 Dollar. Hakadiwala, alter Schurke, du hast einen Morphinisten aus den Straßen Münchens beklaut und er gestattete es dir. Aber treibe es nicht zu bunt, sonst endest du mit einem deiner noch nie gesehenen Riesenskorpione in deiner Hose...!
Ich besuchte die kleine Bananenverkäuferin an ihrem Stand an Gall Road und erzählte ihr, in Hakadiwalas Haus gäbe es zu viele Skorpione. Ich fragte, ob sie nicht noch eine Bleibe wüsste. “Aber ja”, sagte sie. Sie wisse noch eine. “Eine Beamtenwitwe. Selber Pfad wie zu Hakadiwala, aber dann an der Gabelung links weg”. Ich ging hin.
Das Haus der Beamtenwitwe war ebenfalls ein weißes, in englischem Kolonialstil erbautes Haus. Anstatt aber nur Garten nach hinten, gab es hier auch Garten nach vorne. Der vordere Garten mit sattgrünem englischen Rasen, war von einem Lattenzaun umgeben, der kürzlich in grell-weißer Farbe gestrichen worden war.. Als ich durch das kleine Gartentor trat, fiel mein Blick auf ein Grab. Ein Grab im Garten? - dachte ich verwundert…- Und wie seltsam es aussieht? So sehen Gräber ja für gewöhnlich nicht aus. Dieses hier ist ja mit denselben weißen Fliesen gekachelt wie bei uns zuhause die Toiletten...-
Die Beamtenwitwe war die weibliche Ausgabe Hakadiwalas. Sie war ebenso mager, ebenso braun, ebenso ledern und ebenso faltig. Der gibst du besser nicht die Hand -, dachte ich weiseund hob zum Gruß nur meine Hände in die Höhe. Die Frau war Mutter dreier Kinder. Sie wohnten alle zusammen im Haus der Mutter. Das älteste Kind war eine Tochter von einundzwanzig Jahren. (Meine Hoden zogen sich spontan zusammen, als ich sie sah…) Amely, hieß sie. Amely studierte Altgriechisch und Hebräisch im nahegelegenen Gall. Sehr klug sah sie aus, mit ihrer feinen randlosen Brille auf ihrer feinen spitzen Nase. Es dauerte nicht lange und ich wagte in Amelys Anwesenheit kein Wort mehr zu sprechen. Kaum machte ich den Mund auf, schon lächelte Amely und sah mich an als wolle sie sagen: “Mein Gott, bist du dämlich. Und wie du schon sprichst! Wie ein Tier. Typisch. Zu viel Hoden und zu wenig Gehirn”. Die beiden anderen Kinder, zwei sympathische, aufgeweckte Jungs, einer siebzehn, der andere achtzehn, betrieben an Gall Road eine Snackbar, in der ich mir einige Tage später meine erste wirklich gefährliche Lebensmittelvergiftung holen sollte... Das gekachelte Grab im Garten? Dort lag der Witwe verblichener Gatte. Er hatte beim nachhause Kommen den Zug am unbeschrankten Bahnübergang nicht kommen sehen. Ob davon noch etwas im Grab liegt? - überlegte ich. Und so ja, wie viel und was? - Mann ohne Unterleib oder so... ?
Das Gästezimmer der Witwe kostete fünf Rupies pro Nacht. Im Zimmer nebenan hatte sich ein Junge aus England einquartiert. Ralf, hieß er. Ralf hatte Gelbsucht höchster Qualität. Er war gelb wie eine Zitrone. Woher die Gelbsucht? “Vom Brunnen hinten im Garten”, greinte Ralf so man ihn danach fragte. “Vom gottverfluchten Wasser aus dem beschissenen Brunnen hinten im Garten! Gehe nur mal hin, schöpfe ein Glas des Wassers aus dem Brunnen und sieh nach. Du wirst sehen, in dem Wasser wimmelt es nur so von Krankheitserregern”.
Der altmodische Ziehbrunnen im Garten der Witwe, war von rotem, grün bemoostem Backstein. Er sah aus, wie ein Brunnen aus einem Bilderbuch. Ein Blecheimer mit einem langen Tau daran, stand daneben. Ich ließ den Eimer in die hallende Tiefe des Brunnens scheppern und zog ihn am Tau wieder hervor. Ich füllte ein Glas mit dem frisch geschöpften Wasserund hielt es gegen das Licht. Ralf hatte Recht. In diesem Glas befindet sich mehr Leben, als Wasser. Darin schwimmt gewiss auch Ralfs Gelbsucht -. Pass auf -, nahm ich mir vor, und trinke nur noch abgekochtes Wasser... -
Die Toilette der Familie befand sich unweit des Brunnens im Garten hinter dem Haus. Es war ein Verschlag, leidlich aus Brettern zusammen genagelt, von etwa der Größe einer Telefonzelle. Eine Toilettenschüssel im eigentlichen Sinne, gab es darin keine. Um sein Geschäft zu verrichten, musste man sich breitbeinig über ein Keramikteil stellen, das im Boden eingelassen war. Wie ich hörte, handelte es sich um eine französische Konstruktion. War die Sache glücklich in das Keramikteil gezielt, lief man mit einem Blecheimer zum Brunnen um Wasser zu holen. Damit eilte man zurück zur Toilette und spülte die Sache aus dem Keramikteil und hinweg. So jedenfalls die Theorie. Doch gelegentlich erwies sich das Objekt im Keramikteil als zu groß und schwer und blieb trotz kunstvoll ausgeführten Wassergüssen aus dem Blecheimer störrisch im Keramikteil liegen. Einen Eimer Wasser nach dem Anderen, hatte ich herangegeschleppt und in das Keramikteil gegossen. Vergebens. Das Objekt blieb unbewegt. Schließlich versuchte ich es mit einem Stock. Doch wie ich auch manövrierte, die Scheiße wollte nicht durch die zu enge Röhre. Entweder sind die Toilettenröhren in diesem Lande grundsätzlich zu eng bemessen, oder Europäer scheißen ganz einfach gewaltiger. Sicher zehn Mal lief ich mit dem Blecheimer von der Toilette zum Brunnen und wieder zurück. Alles umsonst. Inzwischen hatte die gesamte Familie und einige Nachbarn sich im Garten versammelt. Sie standen in einiger Entfernung und sahen meinen Bemühungen mit Interesse zu. Dabei steckten sie immer wieder die Köpfe zueinander und tuschelten in ihrer fremden, schnatternden Sprache. Gewiss komentierten sie meine Aktionen. Schließlich war es mir zu viel geworden. Ich trat wütend gegen die Toilettentür dass sie in ihren Scharnieren krachte, scheppernd warf ich den Blecheimer hinterher und stampfte erbost ins Haus zurück. Die Versammlung im Garten, sah erschrocken hinter mir her. Eine halbe Stunde später war ich neugierig geworden. Ich ging zur Toilette um nachzusehen, was aus der Sache geworden war. Siehe da: Das Keramikteil im Toilettenhäuschen war leer...-
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************************************************************************************ Ich kratzte mich verwundert am Hinterkopf. Ich kam zu dem Schluss: Sie haben meine Geburt volller Bewunderung aus dem Keramikteil gehoben und sie unter ehrfürchtig gemurmelten Gebetssprüchen irgendwo im Garten vergraben...
Eines Tages lernte ich am Strand Mike kennen. Mike, war ein farbiger Amerikaner aus der Motorstadt Detroit. Er hatte kürzlich Burma durchwandert und von diesem Abenteuer einige Kilogramm Heroin mitgebracht. Von diesem Tag an vernachlässigte ich meine Apotheker und injizierte nur noch Mikes Heroin. Bis Mike eines Tages verschwunden war. Über Umwegen konnte ich erfahren, Mike war von der Polizei festgenommen worden. Die Bullen hatten ihm sein Heroin geraubt (beschlagnahmt?) und ihn auf das nächste Flugzeug in Richtung USA gesetzt.
Wenige Tage nach Mikes Verschwinden, sprach mich am Strand ein dickbäuchiger Einheimischer an und fragte, ob ich am Kauf von Heroin interessiert sei. Er beschrieb, wo sein Haus stand und sagte, ich könne ihn jederzeit besuchen kommen. Erkundigungen ergaben, dass es sich bei diesem Mann um einen Polizisten des Ortes handelte. Gegen Abend, besuchte ich den Kerl.
Der Dorfpolizist saß, zusammen mit einem etwas geistig behinderten Kollegen, in einer dunklen, rauchigen Stube. Auf dem Tisch stand eine gelblich brennende Petroleumlampe. Die Lampe warf einen flackernden Schein über die Gesichter der Anwesenden. „Lass mal sehen, was du anzubieten hast“, sagte ich. Der Dorfpolizist verschwand für einige Augenblicke in einem anderen Zimmer. Er kam mit einer Papiertüte wieder. Ich besah mir das Zeug. Es war Heroinbase und es war genau dieselbe Base, wie ich sie vor kurzem noch von Mike gekauft hatte. Sieh an, dachte ich, hatten die Strolche Mikes Heroin beschlagnahmt, um es nun unter der Hand wieder weiter zu verkaufen…-
Der Dorfpolizist hatte keine Waage im Haus. „Ich kenne mich aus mit den Mengen“, sagte ich. Ich holte ein leeres, gläsernes Tablettenröhrchen aus meiner Tasche und malte mit einem Filzstift einen Strich darauf. „Wenn du dieses Röhrchen bis zu diesem Strich hier füllst“, erklärte ich dem Dorfbullen, „dann sind das genau zwei Gramm“. Tatsächlich waren es eher fünf Gramm, aber der Gimpel ließ sich darauf ein. Von dem Tage an, kaufte ich vom Dorfpolizisten fünf Gramm Heroinbase für den Preis von zwei.. Auch was Preise betraf, tappte der Dorfbulle im Dunkeln. Ich erwarb rund fünf Gramm für 5 Dollar.
Wie der Zufall es wollte, würde ich wenige Wochen später in Malaysien Mike wieder begegnen. Dabei würde ich erfahren, dass man ihm auf der Insel ganze 300 Gramm abgenommen hatte. Er war aber gerissen genug, sich mit weiteren drei Kilogramm im Gepäck abschieben zu lassen. Dass er damit in Malaysien eingereist war, in ein Land, in dem auf den Besitz von Heroin die Todesstrafe stand, zeugte von seinem Unternehmungsgeist. Wir beide sollten uns, zusammen mit seiner Heroinbase, noch einige unterhaltsame Tage in Malaysien machen.
Alle Rechte INTRACEREBRAL Die Morphinistenseite
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