Startseite Zur 2. Morphinistenseite WEGWEISER RECHTLICHES DER MORPHINIST DAS MORPHINISTISCHE MANIFEST Dr. HANNES KAPUSTE AXEL JUNKER KARLOS & Co. ERFAHRUNGEN KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN ANTIQUARIAT RECHT, POLITIK, WISSENSCHAFT UND MEHR.... SOZIAL & POLITISCH KRITISCHES GEMISCHTES GEDICHTE & PROSAISCHES BRIEFE SUCHEN

KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


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Tropische Szenerien



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T R O P I S C H E   S Z E N E R I E N 

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Günter war gelb wie eine Quitte und damit ist gemeint, so richtig GELB!
Eine Gelbsucht war es, was er sich gefangen hatte. Gab es etwas, das man sich in den Tropen keineswegs zuziehen durfte, so waren das Infektionskrankheiten. Unter den feuchten Bedingungen solcher Gegenden, gedeihen Bakterien besonders gut. Teufel, alles gedieh dort gut. Spukte man nur auf den Boden, konnte man daneben stehen und zusehen, wie sich Keimlinge aus der Erde wanden...-

Günter war Schweizer und war vor den Schweizer Justizbehörden hierher auf die grüne Insel getürmt. Dieses Thema, war Santos jedenfalls nicht unbekannt. Günther hatte seine Freundin bei sich. Sie war ihm aus Liebe oder sonst was, hierher ins grüne Paradies gefolgt. „Lass uns doch in die Hauptstadt fahren“, nervte sie ständig. „Dort gibt es europäische Ärzte, die dir ganz gewiss helfen werden“. Aber Günter wollte nichts wissen von europäischen Ärzten. Der hatte nämlich im benachbarten Galle längst einen einheimischen Medizinmann aufgetrieben, dem er all sein Vertrauen schenkte, und zurecht. Sechs gläserne, durchsichtige Einliter Flaschen, hatte dieser Medizinmann Günter mit auf den Weg gegeben. Sechs Flaschen, wovon jede eine andersfarbene Flüssigkeit enthielt. Jede davon, roch übler als die andere. Kräuterextrakte, wie der Medizinmann versicherte. Diese Flüssigkeiten musste Günter in vorgeschriebener Menge und nach festem Zeitplan zu sich nehmen. Und siehe da: Drei Wochen nur, hatte es unter dem Regime dieses einheimischen Medizinmannes und seiner dubiosen Medizin gedauert, drei Wochen nur, und Günter war wieder rosafarben wie junge gesunde Schweizer sein sollten.

Kaum war Günther wieder auf den Beinen, waren Santos und er in einem dieser lebensgefährlichen Busse der Sri Lankanesischen öffentlichen Verkehrsbetriebe in die Hauptstadt gefahren. Dort, am Duty free shop, wollten sie ein wenig Geld verdienen.

Rechts des Gall Road und etwas unterhalb des Mount Lavinia Hotels, gab es ein mächtiges Gebäude, das den Duty free shop beherbergte. Vor diesem Gebäude standen stets Hunderte Einheimischer. Ihnen war es verboten, im Duty free shop einzukaufen. Das war nur Ausländern gestattet und die mußten die erworbenen Waren außer Landes bringen. Verblieben sie im Lande, mußte nachträglich ordentlich Steuern dafür bezahlt werden. Und Steuern zu zahlen, war ja nicht Sinn und Zweck eines duty free shops.

Die Einheimischen, die vor dem Shop versammelt standen, versuchten Ausländer dazu zu überreden, ihnen Artikel wie Farbfernseher, (Dabei gab es auf der ganzen Insel noch nicht mal einen Fernsehsender...) Waschmaschinen und andere Luxusartikel zu kaufen. Sie bezahlten einen dafür. Das Problem war nur, dass einem Ausländer, kaufte er im duty free shop beispielsweise eine Waschmaschine, ein entsprechender Stempel in seinen Reisepass gedrückt wurde. Hatte man bei der Ausreise dann keine Waschmaschine bei sich, mußte man die Steuern dafür nachzahlen.

Auf dieses Problem, hatten Günther und Santos eine Lösung gefunden und die hieß: Bremsflüssigkeit. Nimmt man Bremsflüssigkeit aus einem Auto und taucht einen feinen Pinsel darin ein, kann man damit entlang den Konturen eines Stempels fahren und der Stempel verschwindet wie von magischer Hand hinweggefegt. Man gebe nur Acht und verwende nicht zuviel der Bremsflüssigkeit, da ansonsten nämlich auch die Farbe des Papiers unter dem Stempel schwindet.

Mit diesem Wissen bewaffnet, kauften Günther und Santos Waschmaschinen und Fernsehgeräte zuhauf. Wochenlang, hatten sie abends, unter dem Geschrei tropischer Vögel und Affen, auf der Veranda der Villa gesessen, die sie gemeinsam gemietet hatten, und hatten Stempel des duty free shops aus ihren Reisepässen entfernt.
All das ging so lange gut, bis ihre Gesichter den Leuten im Shop nur allzu bekannt vorkamen. Von da an mussten sie neue Streiche ersinnen. Da beide mehr zu gewinnen hatten, als zu verlieren, waren sie auch bereit, einige Risiken dafür einzugehen.

Santos kaufte als erster Citi bank Reiseschecks. Ginge es bei ihm gut, wollte auch Günter auf derselben Masche reiten. In der Citi bank von Colombo kaufte Santos versicherte Reiseschecks im Werte von 12.000 US$.

Zwei Wochen später, begab Santos sich in das Restaurant am Strand, wo er sich schon einmal eine Fischvergiftung geholt hatte, die ihn beinah das Leben gekostet hätte. Das Restaurant gehörte vier Brüdern und hieß dann auch „The four brothers“.

Santos trank einen Cocktail. Danach ging er zur Toilette. Es war eine Außentoilette. Ein überdachter stinkender Verschlag mit winzigkleinen pechschwarzen Ameisen, die angriffen, sobald man die Hose herabgelassen hatte. Die Bisse dieser Biester brannten so teuflisch, dass man rasch wieder in die Hosen kam. Santos kehrte von der Toilette zurück, stand kurz ratlos an seinem Tisch und rannte dann, für jedermann sichtbar erregt, erneut zur Toilette. Danach verschwand er für einige Zeit in der Düsternis des Strandes.

Der Sternenhimmel in diesen Breiten ist so bezaubernd, dass es einem den Atem verschlägt. Einzelne Sterne erscheinen zuweilen zum Greifen nahe. Man erkennt deutlich die unermessliche Tiefe des Raumes. Es ist berauschend. Santos drehte eine Zigarette voll des guten, auf der Insel üblichen Marihuanas aus Kerala, einer Region Südindiens, und blickte hoch zum Kreuz des Südens. Während er so saß und paffte, bemerkte er plötzlich rechts von sich ein dunkles Schemen, einen großen rundlichen Körper, der aus dem Meere zu kommen schien und sich langsam den Strand hoch bewegte. Gleich daneben, bemerkte Santos einen weiteren und danach noch einen und plötzlich, kam eines dieser großen runden Geschöpfe aus dem Wasser und direkt auf Santos zu. Es waren Meeresschildkröten, die diesen Strand schon seit unermesslichen Zeiten zum Ablegen ihrer Eier aufsuchten. Die Schildkröte kam auf Santos zu. Sie arbeitete sich durch den Sand, sichtlich nicht ihr Element, und schob sich so dicht an Santos vorüber, dass der sie berühren konnte. Der Geruch des Meeres, den dieser große Körper ausströmte, stieg Santos in die Nase. Santos folgte dem Meerestier einige Meter den Strand hoch. Dort warf das Tier mit seinen Hinterbeinen den Sand in die Höhe und scharrte ein Loch, um darin Eier zu deponieren. Während die Schildkröte mit dem Legen ihrer Eier beschäftigt war, setzte Santos sich neben sie in den Sand. Er sah dem Tier mitten in das Gesicht. Ein Blick sah ihm daraus zurück, so ruhig und tief und so erschütternd voller Weisheit, dass Santos Tränen kamen. Am Ende dachte er: Dieses Tier bereist schon seit Jahrmillionen schon die Welt und tut das ganz ohne Citi Bank Reiseschecks und ohne Betrügereien...-

Gestärkt vom uralten Geiste des unendlichen Meeres, begab Santos sich nach Gall Road, der Hauptstraße des Ortes, und spazierte zur Polizeistation am Ende der Ortschaft.
Mit Citi Bank Reiseschecks verhält es sich so: Verliert man sie oder werden sie einem gestohlen, stellt man bei der Polizei Verlust- bzw. Diebstahlsanzeige. Mit der Durchschrift dieser Anzeige geht man zur Citi Bank und man bekommt innerhalb von 24 Stunden die verlustig gegangenen Schecks ersetzt. Hat man die angeblich verloren gegangenen Schecks in Wirklichkeit noch, sollte man sich klugerweise auch gleich einen neuen Reisepass besorgen. Dann kann man die neuen Schecks mit dem neuen Reisepass und die alten Schecks mit dem alten Pass versilbern gehen. Dabei sollte man allerdings gut darauf Acht geben, nicht aus Versehen die alten Schecks mit dem neuen Pass einzulösen und umgekehrt...-..

Der Polizeichef saß zusammengesunken und mit geschlossenen Augen, in einem altertümlichen Ohrensessel hinter seinem Schreibtisch. Über ihm drehte, vor seinem entgültigen Tode knatternd, ein Deckenventilator seine Runden. Links des Schreibtisches, befanden sich Gitterstäbe in der Wand. Dahinter, im Halbdunkel, konnte man einige in der Ecke kauernde Gefangene erkennen. Neben dem Gitter, hingen Handschellen an der Wand und Ledergurte von verschiedner Länge und Breite.

„Ich möchte eine Verlustanzeige aufgeben“, sagte Santos freundlich. Der Polizeichef öffnete träge ein Auge. „Ich war im Restaurant "The four Brothers“, fuhr Santos fort, „und dort hatte ich wohl meine Tasche, entweder in der Toilette, oder kurz davor unbeaufsichtigt im Restaurant stehen lassen. Auf jeden Fall ist sie jetzt weg“. Der Polizeichef hob seinen Kopf. Sein Gesicht schwoll an. Es wurde rot und schwoll noch mehr an. Sein Gesicht wurde purpurn. Die Haut seines Halses, stülpte sich wie ein Wulst über seinen Hemdkragen. Er stützte sich mit beiden Fäusten auf die Oberfläche seines Schreibtisches. Dann wuchtete er sich schwer atmend aus seinem Ohrensessel und röhrte, dass es sicher noch weit über die Hauptstrasse hinweg und bis an den Strand zu hören war: „The four Brothers?!!1 The four Brothers!? Diese Bastarde?! Aber diesmal kriegen sie was sie verdient haben! The four Brothers?!“ Nach dieser Aufführung, ließ der Polizeichef sich erschöpft wieder zurück in seinen Ohrensessel fallen. „Was haben diese Schweinehunde diesmal wieder gestohlen?“ „Nun“, antwortete Santos, „in meiner Tasche waren mein Reisepass, Zigaretten, ein Feuerzeug, meine Taschentücher, eine Taschenlampe und Reiseschecks im Wert von ungefähr 12000$“. Ein Polizist, der Kragen und die Ärmelmanschetten seines Uniformhemdes in Fransen, hatte unterdessen hastig mitgeschrieben. Als der Polizeichef die Summe von 12000$ hörte, drohte er nochmals aus seinem Ohrensessel hervor zu kommen, hätte ein Untergebener ihn nicht mit sanfter Gewalt in ihn zurückgedrückt. „Gehen sie bitte sofort zu diesen vier Bastarden“, stöhnte der Polizeichef, „und sagen sie ihnen, sie sollen morgen früh um 8 Uhr hier bei mir im Büro erscheinen und zwar alle vier!!! Und sie, Sir, kommen dann bitte auch“. „Ist gut, Chef“, erklärte Santos. „Ich werde es den Brüdern ausrichten. Verlassen sie sich darauf. Ich wünsche ihnen noch einen angenehmen Abend“. Mit diesen Worten war Santos zur Tür hinaus. Aufatmend stand er in der frischen Brise, die sanft vom Meere herüberwehte.


Gelassen, schlenderte Santos Gall Road wieder hoch und hin zum Restaurant "The four Brothers". Er hatte Glück. Die Vier hatten wohl gerade etwas zu besprechen. Sie standen alle beieinander. „Guten Abend“, grüßte Santos freundlich. „Ich soll euch vom Polizeichef ausrichten, er will euch alle Vier morgen früh um 8 Uhr in seinem Büro sehent“. Ihre Gesichter, die dunkle Haut der Einheimischen, wurde noch um einiges dunkler. Es begann beim Jüngsten und arbeitete sich hoch bis zum Ältesten, bis sie schließlich alle vier fast schwarz geworden waren vor Ärger. Komisch war, dass ihnen gar nicht in den Sinn kam zu fragen, weshalb sie morgen beim Polizeichef sein sollten. „Wir gehen nicht hin“, sagte der Älteste der vier entschlossen. Etwas schien zu bestehen, zwischen diesen Vieren und dem Polizeichef. Etwas schien sie zu verbinden. Santos wollte gar nicht wissen, was es war. Gelassen, sagte er, „Ich habe euch gesagt, was der Polizeichef mir aufgetragen hatte. Alles weitere geht mich nichts an. Guten Abend“. Mit diesen Worten, schritt Santos aus der hinteren Seite des Restaurants auf den Strand hinaus. Er wollte sehen, ob die Schildkröten sichtbare Spuren ihrer Tätigkeit hinterlassen hatten. Nein, das hatten sie nicht. Danach lief Santos noch einige hundert Meter am Saum des Meeres entlang, bis er an die Stelle kam, an der oben an der Straße ein Bahnübergang zu dem Haus führte, das er zusammen mit Günther und dessen Freundin bewohnte.
Am nächsten Morgen hatte Santos verschlafen. Er war erst gegen 10 Uhr wach geworden. Rasch, schlüpfte er in seine Badehose, setzte eine Sonnenbrille auf seine Nase und warf das Motorrad an, eine Honda 750 cc, das Santos für die Dauer seines Aufenthaltes auf der Insel gemietet hatte.

Santos kam bei der Polizeistation an. Er stieg vom Motorrad, stellte es in den Schatten und sah sich um. Die vier Brüder, standen aufgereiht wie Soldaten im Hof. Wie Santos erfuhr, standen sie dort schon seit 8 Uhr morgens, also schon seit über 2 Stunden. Der Polizeichef, hatte sie in die Sonne gestellt und ihnen befohlen, dort stehen zu bleiben und auf Santos zu warten. Sie hatten sich feierlich herausgeputzt zu diesem Anlass, die vier Brüder. Schwarze Anzüge trugen sie, mit gesteiften weißen Hemden und Krawatten. Auf ihren Rücken zeigten sich, bis hinab zur Hüfte, große dunkle Schweißflecke auf ihren Anzügen. Ebenso unter ihren Achseln. Und auch von vorne besehen, schienen sie ziemlich aufgeweicht zu sein. Jetzt, da Santos eingetroffen war, durften sie ins Büro kommen. Wie geprügelte Hunde, kamen sie hereingeschlichen, die Helden des Abends zuvor.

„Soll ich sie verprügeln lassen“, fragte der Polizeichef auf der Stelle und wies dabei mit einer Geste zur Wand hin, wo die langen und breiten Ledergurte hingen. Das ging Santos dann doch zu weit. „Chef", sagte er, "Wir wissen ja gar nicht, ob sie wirklich etwas mit dem Verschinden meiner Tasche zu tun haben. Vielleicht hat ja ein Gast sie mitgenommen“. Doch davon wollte der Polizeichef nichts wissen. „Aber ganz gewiss, haben sie die Tasche gestohlen, dieses Schweinepack! Ich kenne diese Bastarde und ich weiß ganz genau, dass sie die Tasche gestohlen haben“! Während des Geschreis des Chefs, zogen die vier Brüder ängstlich die Köpfe zwischen ihre aufgeweichten Schultern. „Soll ich sie auch ganz gewiss nicht verprügeln lassen“, versuchte es der Chef nochmals. Doch zu seiner Enttäuschung sagte Santos, „Nein Chef. Wir wollen es so belassen wie es ist. Sollten die vier Brüder allerdings in Zukunft nochmals in ähnlicher Situation vor Ihnen stehen, dann Chef, walke sie gut durch und gib ihnen bei der Gelegenheit auch gleich noch ein paar Hiebe in meinem Namen mit“. Damit schien der Chef sich zufrieden zu geben. Er reichte Santos ein Dokument zur Unterschrift. Es war die ersehnte Verlustanzeige. Danach bekam Santos die Durchschrift. Santos steckte das Papier in seine Badehose. Er verabschiedete sich vom Polizeichef und ging. Die vier Brüder allerdings, durften auf Befehl des Poilizeichefs, das Büro erst dann zu verlassen, wenn Santos schon lange außer Sichtweite wäre. Jetzt hatte Santos die nötige Verlustanzeige. Damit würde er am folgenden Tag zur Citi bank fahren. Danach, brauchte er nur noch einen neuen Reisepass…-

Als Santos tags darauf in der Citi bank seine Geschichte präsentierte und die Durchschrift seiner Verlustanzeige, zog der Bankangestellte ein Gesicht, als hätte er auf Zitronen gebissen. Der wusste aus Erfahrung natürlich längst, dass die ganze Geschichte mit dem Verlust der Schecks erstunken und erlogen war. Er kannte all das bereits von den vielen Italienern, die alle auch in derselben Ortschaft lebten wie Santos und die alle auch ihre Verlustanzeige im gleichen Polizeibüro geholt hatten. Diese Tour lief bereits kräftig aus der Hand. Aber was sollte der Bankangestellte schon tun, außer Zähneknirschend klein beigeben und sagen, „Die neuen Schecks liegen morgen für Sie abholbereit hier an meinem Schalter“? Immerhin, was konnte der Mann schon beweisen?

Am nächsten Tag holte Santos die neuen Schecks ab. Sie fühlten sich gut an, neu noch und steif. So richtig wertvoll, fühlten sie sich an. Jetzt musste Santos nur noch einen neuen Reisepass besorgen, und das sah erst mal schwieriger aus als es am Ende sein sollte.

Santos traf fast der Schlag, als er auf dem Rasen vor der Deutschen Botschaft sicherlich 20 junge Leute sitzen sah. Ungewaschen sahen sie aus, mit langen, verworrenen Haaren und schwarzen Ringen unter den Augen. Einer von ihnen schrammte elende Klänge aus einer alten Klampfe, der mehrere Saiten fehlten. „Guten Tag“, sagte Santos zu dem Klampfenspieler. „Was macht ihr alle hier im Garten der Deutschen Botschaft?“ „Oh“, antwortete der junge Mann und wies dabei mit einer Hand durch die Runde. „Wir warten hier alle auf unseren neuen Reisepass“. In Santos keimte ein schrecklicher Verdacht. Sollte es doch schwieriger sein, an einen neuen Reisepass zu kommen, als Santos gedacht hatte? „Ihr wartet hier alle auf eure neuen Reisepässe?! Und, wie lange wartet ihr schon?“ Der Klampfenspieler legte sein Instrument beiseite und ließ seinen Blick über den Rasen schweifen. „Olaf dort hinten“, sagte er schließlich und wies mit dem Finger auf einen mageren jungen Mann der flach auf seinem Rücken im Grase lag, "der wartet jetzt schon seit 8 Wochen. Aber die meisten von uns, sind noch nicht länger hier als 3 Wochen“. Acht Wochen?! Drei Wochen?! Solche Wartezeiten kamen für Santos gar nicht erst in Frage. Er wollte seinen neuen Reisepass noch heute haben, um in nicht allzu langer Zeit in einem Flugzeug über dem Indischen Kontinent zu sein!

Santos sammelte sich. Er strich sein Haar glatt und marschierte auf den Eingang der Botschaft zu. In der Vorhalle kam ihm eine adrett gekleidete junge Frau entgegen. „Sie wünschen…?“, informierte sie hauchend. „Ich wünsche in einer dringenden Angelegenheit den Herrn Konsul zu sprechen“, sagte Santos und schenkte ihr dieses Lächeln, wie er es einst als Kind an den Stränden Kaliforniens gelernt hatte. Diese unwiederstehliche Fratze, mit glänzenden Augen und einem Maul mit 64 Zähnen. Die junge Frau lächelte und blickte zu Boden. Endlich sagte sie, „Folgen Sie mir bitte“. Sie führte Santos in ein weites klimatisiertes Büro. Dort bat sie Santos, er möge vor einem großen Schreibtisch aus Mahagonie Platz nehmen. „Der Herr Botschafter wird gleich bei ihnen sein“, sagte sie noch und schloss von außen die Tür.

Santos saß alleine im Büro des Botschafters und sah sich um. An allen Wänden des Büros hingen gerahmte Bilder, Fotoaufnahmen, von Kampfflugzeugen aus dem II Weltkrieg. Dort hingen Junkers, Fockers, Messerschmidts, und alle mit dem Hakenkreuz am Heckruder und einem deutschen Kreuz an den Flügeln. Da öffnete sich die Tür und ein älterer Herr mit kurz geschnittenen grauen Haaren betrat das Büro. Santos erhob sich und reichte dem Herrn die Hand. Der Mann setzte sich hinter den Schreibtisch. „Herr Botschafter sind im Krieg Kampfflieger gewesen?“ eröffnete Santos das Gespräch. Jawohl, ist er gewesen und da Santos nicht nur jeden Flugzeugtypen auf den Bildern an den Wänden des Büros kannte, sondern auch die Geschichte der deutschen Luftwaffe während des zweiten Weltkriegs und die Biographie Hermann Görings, dem Chef der Luftwaffe und somit ehemaliger Vorgesetzter des Herrn Botschafters, hatte er für die nächste Stunde Gesprächsstoff genug.

Santos und der Botschafter schwätzten über die Vorzüge der Stuka Abwurfhalterung und freilich auch über Hermann, der Schmid heißen wollte, sollte es auch nur einem alliierten Flieger gelingen, deutschen Luftraum zu erreichen. Es war für Beide ein sehr anregendes und interessantes Gespräch. Bis nach etwa einer Stunde Herr Botschafter fragte, „Sagen sie, weshalb sind sie eigentlich heute zu mir gekommen?“ „Mein Reisepass, Herr Oberst. (er ist Oberst gewesen, im Kriege, der gute Herr Botschafter...) Mein Reisepass ist mir gestohlen worden und da ich plane, folgende Woche schon das indische Festland zu betreten…-“. Mit der Geste einer Hand unterbrach der Herr Botschafter Santos Rede. Er drückte auf einen Knopf an der Unterseite seines Schreibtisches. Sogleich trat die junge Frau herein. So schnell wie sie, konnte kein Mensch auf das Klingelsignal des Herrn Botschafters reagieren, es sei denn, man hätte an der Tür gelauscht. „Haben sie ein Foto von sich?“ fragte der Botschafter. Ja. Natürlich hatte Santos eines. Er reichte es dem Herrn Botschafter. Der, öffnete eine Schreibtischschublade und entnahm ein leeres Reisepassformular. Mit den Worten, „Nieten sie dies hier bitte zusammen“, reichte er der jungen Frau den Blanko - Pass und das Foto von Santos. Trippelnd verließ die junge Frau mit beidem das Büro. Wenig später kam sie wieder zurück und reichte dem Herrn Botschafter den Pass. Der legte ihn vor sich auf den Schreibtisch, griff zu einem Kugelschreiber und fragte Santos nach allen Daten, die zum Ausfüllen eines Reisepasses nötig waren. Danach drückte er einige Stempel in den Pass und reichte ihn Santos.


Der Botschafter stand auf. Er reichte Santos die Hand und wünschte ihm gute Weiterreise.
Als Santos auf dem Rasen vor der Botschaft trat und durch die Meute der wartenden jungen Leute ging, hielt er triumphierend seinen neuen Reisepass in die Höhe und rief: „Heil Hitler, Jungs! Es lebe der Führer!“. Träge und getrübten Blickes, sahen die jungen Leute hinter Santos her. Fette, blau schillernde Fliegen, summten dabei um ihre Köpfe...-


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