Startseite Zur 2. Morphinistenseite WEGWEISER RECHTLICHES DER MORPHINIST DAS MORPHINISTISCHE MANIFEST Dr. HANNES KAPUSTE AXEL JUNKER KARLOS & Co. ERFAHRUNGEN KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN ANTIQUARIAT RECHT, POLITIK, WISSENSCHAFT UND MEHR.... SOZIAL & POLITISCH KRITISCHES GEMISCHTES GEDICHTE & PROSAISCHES BRIEFE SUCHEN

KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


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Vom Hindukush zum Eifelturm



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* * * * * * * * I M   L A N D   D E S   U N G E B R O C H E N E N   S T O L Z E S * * * * * * * * * 

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Hier, diesseits der Grenze, -und es ging schon in den grenznahen Bergen los-, zoffte die sowjetische Rote Armee im Bund mit den Afghanischen Regierungstruppen sich mit den aus Pakistan einströmenden und von den USA finanzierten moslemischen Kämpfern aus aller Welt. Es herrschte brutalster und blutigster Krieg, im schönen Lande diesseits der Grenze.

Wo Kriege herrschen, sind Waffen, Drogen und Menschen schon für sehr geringe Beträge zu kaufen. Heroin, gab es diesseits der Grenze schon für 500 US$ das Kilogramm! Nicht etwa Base, braun und stinkend. Nein, feinstes weißes. pharmazeutisch reines H-hydrochlorid. Dieses weiße Heroin war in Ziegel gepresst, wie Goldbarren. Man schabte sich die benötigte Menge davon mit der Messerklinge ab.

Die meisten Laboratorien befanden sich im grenznahen Stammesgebiet und man wurde nie den Eindruck los, sie wären alle fest in amerikanischer Hand. Alle Laborartikel schienen „made in USA“. Selbst die Essigsäure stammte von amerikanischen Firmen. Die Arbeiter dieser Laboratorien fraßen haufenweise Hershey bars und der Wind rollte leere Coca Cola Dosen vor sich her. Je weiter man ins Landesinnere kam, desto mehr waren Laborgeräte anstatt aus Glas, aus Blech. Dort gab es dann auch keine Hershey bars mehr und kein Coca Cola…-

Und weil ich Amis noch nie vertraut hatte, war es dort, wo ich meine „Goldbarren“ erwarb. Die Leute, die dort in traditionelle Kleidung gehüllt mit primitivsten Geräten der Mohnknolle Heroin abpressten, waren trotz ihrer Einfachheit so kunstfertig in ihrem Fach, dass Facharbeiter von Merck Darmstadt davor erblassen würden. Mit Wasser, Blecheimern, alten Öltonnen, irdenem Geschirr, herzhaften Flüchen und fünf Gebeten am Tag gelang ihnen immerhin ein Produkt von 96% Reinheitsgehalt.

Kaum jemandem war noch klar, wer eigentlich gegen wen kämpfte und so schoss man zur Sicherheit auf jeden, den man nicht kannte.
Etwa 80 Meilen südöstlich von Kandahar schlug etwas gegen meinen linken Oberschenkel. Erst dachte ich, es hätte sich um ein besonders fettes Fluginsekt gehandelt. Als ich aber etwa 15 Minuten später bemerkte, dass sich Flüssigkeit in meinem linken Stiefel sammelte, --man merkt das, weil man anfängt mit dem Fuß im Stiefel hin und her zu rutschen--, zog ich den Stiefel aus um nachzusehen. Mein Stiefel war voll Blut. Beim Ausziehen war mir auch mein linkes Hosenbein aufgefallen. Es war klatschnass und die grün – braune Camouflagefarbe war zu einem einheitlichen Rostrot geworden. Ich zog die Hose aus und sah nach. Etwa zwei handbreit unter meiner Hüfte und an der Vorderseite meines linken Oberschenkels befand sich ein in die Tiefe gehendes kreisrundes und blutrotes Loch. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass ich an der hinteren Seite meines Oberschenkels eine merkwürdige, harte Beule hatte. Dort stak ein Projektil, dicht unter der Haut und gut mit den Fingern hin und her zu bewegen. Ich nahm eine Rasierklinge und schnitt die Stelle auf. Man musste nicht tief schneiden, quasi nur die Oberhaut anritzen, um den schwarzen runden metallenen Kopf des Projektils zu sehen. Es saß fest im Gewebe und wollte sich nicht mit den Fingern herausdrücken oder gar hervorziehen lassen. Eine Kombizange musste her. Damit gelang es dann schließlich. Ein kleiner Schwall schwarzen Blutes, kam der Kugel hinterher.

„Lass mal sehen“, sagte Mehmet, der Kommandant. Ich ließ das noch blutige Kügelchen in seine geöffnete Hand fallen. Mehmet wischte es an seinem Ärmel sauber und hielt es sich unter die Nase. „5.6 Millimeter“, knurrte er. „Ein seltenes Kaliber in dieser Gegend. Es ist ein Hochgeschwindigkeitsgeschoss, dass in deinem Falle aus großer Entfernung abgefeuert worden sein musste, da es zu kraftlos war um mehr Schaden anzurichten“. An solcherlei Mathematik konnte ich mich im Augenblick nicht beteiligen. Mein Oberschenkel war in den letzten Minuten und praktisch vor meinen Augen um das Dreifache seines gewöhnlichen Umfanges angeschwollen. Jetzt kamen Reza, Mohamed, Mahmood und die anderen Jungs herbei und alle wollten sie einen längeren Blick auf meine Wunde werfen. Mehmet, der Kommandant, kam mit einer Spritze voll hellgrüner Flüssigkeit. „Penicillin“, murmelte er, während er die Nadel in die muskulöse Außenseite meines Oberschenkels stach.

Während des Sonnenunterganges kam der Spähtrupp zurück, der das Lager kurz nach dem Mittagessen verlassen hatte. Sie hatten zwei Gefangene bei sich, die sie vor sich herstießen. Die Waffen der beiden hatten sie mit sich. Zwei Gewehre. Ein Kalaschnikow amerikanischer Bauart (AK 47) und ein…-. Mehmet der Kommandant nahm das merkwürdige Gewehr zur Hand. Es war klein von Bauart und ungewöhnlich leicht. Mehmet ließ das Magazin aus der Waffe schnappen und besah sich die Munition. „5.6 Millimeter high speed?“ murmelte er. Danach rief er einige seiner Jungs zu sich und sprach in Urdu mit ihnen, einer Sprache, die ich nicht verstand.

Während Mehmet mit seinen Soldaten sprach, wies er einige Male nach mir. Als er geendet hatte, holte einer der Jungs ein Kabel herbei und band dessen Ende seelentuhig an die Kanone des T34, eines alten rostigen russischen Panzers mit groben, ungeschliffenen Schweißnähten, der schon Schlachten des II Weltkrieges gesehen haben mochte. Die Jungs stießen den Gefangenen, der die Hände auf dem Rücken gebunden hatte unter die Kanone und banden das Ende des herabhängenden Kabels um seinen Hals. Jetzt erst begriff ich, was hier geschehen sollte. Als ich den Kommandanten darauf ansprach, wies er auf das am Boden liegende Gewehr des Gefangenen: „Es ist vom selben Kaliber wie die Kugel aus deinem Bein“, sagte er dabei. Noch bevor mir gelang, auf irgendeine Weise einzugreifen, heulte der Mortor des alten Panzers auf und seine Knone schwang in die Höhe. Sie hob den Gefangenen am Kabel hängend einige Zoll vom Boden. Im nächsten Moment heulte der Motor des Panzers noch mehr. Flammen schlugen aus den Luftansaugöffnungen seines Motors. Der Panzerturm rotierte mit beeindruckender Geschwindigkeit. Die Kanone riss den Gefangenen mit sich und schleuderte ihn am Kabel hängend, ein um das andere Mal um den Panzer im Kreise. Der Mann machte sich in die Hose während er starb. Brauner, dünnflüssiger Dreck floss aus seinen weiten Hosenbeinen und formte einen Schweif hinter ihm, wie der Schweif eines verrückten Kometen...-

Auf dem Weg nach Peshawar machten wir eine Nacht lang Halt in einer verlassenen Ortschaft. Was wussten wir zu dem Zeitpunkt davon, dass diese ganze Ortschaft mit sonderbaren Chemikalien verseucht war, möglicherweise mit Abbauprodukten chemischer Waffen? Ein Drittel unseres Trupps, immerhin 12 Mann, sollte während der beiden darauf folgenden Wochen unter fremdartigen und abscheulichen Symptomen den Tod finden. Ich selbst, sollte erst Jahre später daran erkranken, fast erblinden und für viele Jahre von einer chronischen Schmerzkrankheit geplagt werden.

Was war geschehen? Erkundigungen nach den Vorfällen an diesem verlassenen Ort, sowie nach der Bschaffenheit der dort vorhandenen Gifte, stießen vom afghanischen Innen- und Verteidigungsministerium bis hin zur Deutschen Botschaft in Pakistan auf granitenes Desinteresse...-

In Peschawar, der pakistanischen Grenzstadt, ging es zu wie inmitten einer Weltstadt. Alle Nationalitäten, waren dort vertreten. Kaufen konnte man so ziemlich alles und alles war erlaubt, außer der Drogenhandel. Um den stand es eher kurios. Obwohl es niemanden bekümmerte was und in welchen Mengen man kaufen wollte oder schon gekauft hatte, obwohl einem dabei noch von den verschiedensten Seiten mit Rat und Tat geholfen wurde, warenüber die Landesgrenzen zu unterbinden. Auf diese Weise schafften sie sich nämlich unliebsame Konkurenz vom Hals...-

Ich hatte meine Einkäufe getätigt und war, - den Rucksack voll mit Ware in der Form von „Goldbarren“ -, mithilfe eines Krankentransportes, von Peschawar nach Karachi gelangt.
Zwei Tage hatte ich dort noch zu verbummeln, dann ginge mein Flug zurück nach Europa.

Karachi ist eine merkwürdige Stadt. Sie scheint wie mitten in der Wüste erbaut. Alles an ihr, ist vom feinen Staub der Wüste bedeckt. Wüstenstaub, dämpfte alle Farben und noch die Blätter von Palmen, andernorts von saftigem Grün, erschienen hier matt und nahezu farblos. Geier, kreisten ständig in einem fahlblau - grauen Himmel.

Es herrschte Unruhe in der Stadt. Eine Unruhe, die sich durch ungewöhnliche Stille bemerkbar machte und durch ein leises geschäftiges Summen, dass aus dem Untergrund zu kommen schien. Niemand, sprach laut. Man sprach miteinander in einer Art gehobenerem Flüsterton. Der Grund? Es war gerade geputscht worden: General Sia Ul Hag, hatte die Macht im Staate an sich gerissen und sicherheitshalber alle Polizisten Karachis hinter Gitter gesteckt bis ausgeknobelt worden war, wo die Loyalitäten lagen. Sia Ul Hags Soldaten beherrschten die Straßen. Man sah sie in offenen Armee Lastern sitzen, Gewehr zur Hand, und durch die Straßen fahren. Gut, dachte ich. Haben Sie anderes zu tun, als einfachen Leuten mit Heroin im Rucksack Probleme zu bereiten…

Das double ring Hotel, unweit des Hauptbahnhofes, war ein einfaches aber sauberes und stilles Haus. Die Toiletten befanden sich außerhalb der Zimmer irgendwo in den Korridoren. Ich ging danach auf die Suche und fand eine Tür, die auf eine Balustrade führte. Sie lief entlang der Außenseite des Gebäudes. Ich folgte ihr. Plötzlich sprangen Fenster auf und Frauenköpfe erschienen. Sie kreischten in voller Lautstärke und rissen sich an den Haaren. Noch heute wundert mich dass ich aus diesem ganzen Theater so rasch begriffen hatte, dass ich mich auf dem Wege zur Frauentoilette befand. Erschrocken, machte ich kehrt und landete so wieder im Korridor. Diesmal ließ ich die Tür zur Balustrade links liegen, folgte weiter dem Korridor und gelangte auf diese Weise prompt zur Herrentoilette. Die Herrentoilette war ein schmaler, langer Raum mit einer nackten Toilettenschüssel am Ende und darüber eine hohe schmale Fensteröffnung . Erleichtert, stellte ich mich vor die Schüssel. Ich fummelte meine Nudel aus der Hose und wollte gerade laufen lassen, als der Raum sich verfinsterte. Erschrocken, blickte ich auf. Ich sah einen gewaltigen Geier, der sich in der Fensteröffnung niedergelassen hatte. Flüssigkeit, tropfte von seiner gekrümmten Schnabelspitze. Er hatte seinen Blick direkt auf meine Nudel gerichtet. Sie wurde vor Schreck klein wie ein Mäuschen. Entsetzt, schloss ich die Hose und machte mich auf den Weg zurück in mein Zimmer. Dass ich unterwegs einige Tropfen verlor, kümmerte mich wenig.

Als ich mit meinem Rucksack auf dem Rücken Touristen mäßig durch die Stadt schlenderte, kam ich am Intercontinental Hotel vorbei. Dort, neben der Tür eines Gartenzaunes, hing eine Speisekarte. Ich las und fand, dass man in diesem Hotel amerikanische "pancakes with maple sirup" servierte. Wenn es etwas gab in dieser Welt, womit ich zu kaufen war, so waren das amerikanische pancakes with maple sirup. Für die kulinarischen Banausen unter den Lesern sei erklärt, dass es sich dabei um eine besondere Art von Pfannkuchen handelt, übergossen mit goldgelbem Ahornsirup.
Ich beschloss, am folgendenTag hier in diesem Hotelrestaurant pancakes with maple sirup zu frühstücken.

Das Intercontinental Hotel zu Karachi war ein vierkantiger Hochbau. Das Restaurant befand sich im Erdgeschoss linkerhand des Haupteinganges. Ein geräumiges Restaurant, bestückt mir viereckigen Tischen, Bänken an den Wänden und bequemen Stühlen. Das Restaurant war mäßig besetzt. Nur vereinzelt saßen einige Männer an den Tischen, aßen und sprachen miteinander. Diese Männer, so fiel mir auf, hatten alle etwas gemeinsam. Während ich noch stand und darüber nachdachte was dieses Gemeinsame sein konnte, kam eine Gruppe Männer an mir vorüber. Die Gruppe steuerte einen Tisch an und setzte sich. Einer dieser Kerle hatte in seiner hinteren Hosentasche ein Sprechfunkgerät, dessen dicke kurze schwarze Antenne daraus hervor lugte…-

Jetzt fiel mir auch ein, was es war, dass diese Leute verband. Sie waren alle in etwa gleichen Alters, sie hatten alle in etwa den gleichen sportlichen Körperbau, sie trugen alle einen militärischen Bürstenhaarschnitt und sie sprachen alle ein englisch mit deutlich amerikanischem Akzent. Jetzt, da mir all dies klar geworden war, roch es plötzlich mächtig nach Militär. Mein Rucksack hatte unterdessen, wie mir schien, beträchtlich an Gewicht und Temperatur zugenommen…-

Jetzt fiel mir auch wieder ein dass ich einst erfahren hatte, die amerikanische Regierung hatte für Mitarbeiter in Übersee günstige Verträge mit der Hotelkette „Intercontinental“ ausgehandelt. Die meisten dieser Männer, die in diesem Moment an den Tischen des Restaurants saßen und frühstückten, gehörten folglich in irgendeiner Weise der amerikanischen Regierung an...-

Ich hatte schon viel zu lange im Gang gestanden und so steuerte ich schließlich einen leeren Tisch links der Türe an und setze mich. Ein Kellner erschien und nahm meine Bestellung, pancakes und eine große Tasse heißen Kakaos, entgegen. (Heißer Kakao gehört zu pancakes wie Kräuterbutter zu Schnecken) Während ich auf meine Bestellung wartete wurde mir bewusst, dass es in diesem Moment in diesem Restaurant nur eine einzige Person gab, die absolut nicht ins allgemeine Bild passte, ja, die daraus hervorstach wie ein Blutfleck im Schnee. Diese Person war ich.
Wie es heutzutage mit diesen Dingen steht, weiß ich nicht. Damals jedenfalls, stand in Pakistan auf den Besitz dessen was ich in meinem Rucksack hatte, die Todesstrafe durch erschießen oder erhängen. ..-

Der Kellner brachte mein Essen. Mit ihm, kamen drei Männer zur Tür herein: Sie sahen nicht viel anders aus als der ganze Rest. Sie sahen sich kurz um und setzten sich dann ausgerechnet genau mir gegenüberan meinen Tisch. Kaum hatten sie sich gesetzt und bestellt, begannen sie sich miteinander zu unterhalten. Sie schienen mich noch nicht so richtig bemerkt zu haben. Sobald aber diesen Leuten der Gesprächsstoff ausgegangen sein würde, oder sobald sie auch nur eine Gesprächspause einlegten, so dachte ich, würden sie mich bemerken. Und genau so war es auch. Nachdem sie sich eine Weile unterhalten hatten, wurden sie stiller und stiller, sprachen schließlich kaum mehr und sahen auch schon zu mir. Bevor aber einer von ihnen das Wort an mich richten konnte, sprach ich sie an: „You'r workin’ for the US Government, arent you?“ und es ergab sich folgendes Gespräch:

„Yeah, something like that“.

“Even more, you are working for the company, am I right?“

“What company might that be?”

“The company in Langley McLean Virginia”.

“Yup”.

“And how about your friends? Are they from the company too?”

“Yea, Jessup here is, but Bill over there is with the DEA”.

“And what are you guys doing here in the Far East, if I may ask?”

“Jessup and I are on assignment with Bills department. We got to scoop up the entire heroin of the border region and ship it back to the world”.

“What do you mean with: back to the world?“

“Well, to the states of course”.

“You are taking the entire heroin out of the border region and ship it back to the states? And what do you do with it in the states?”

“I don’t know man. Maybe they are all freaking junkies up in the white house. I don’t know. What are you doing around here?”

Die Frage hatte ich schon die ganze Zeit befürchtet.

„Im a Journalist. Free lance. Work my ass of for myself“.

„What do you know? A fucking journalist! Well, maybe I shouldn’t have talked to you about our assignment?”

“Well, maybe you shouldn’t have… Relax. It doesn’t matter. The whole world knows that your president is a fucking junkie”.

Hier lachten sie und die Atmosphäre entspannte sich beträchtlich. Ich hatte meine pancakes zu Ende gegessen, zahlte, verabschiedete mich freundlich von meinen Tischgenossen und verschwand. Draußen, im Freien, bemerkte ich wie meine Knie zitterten...-

Klar, schifften sie alles Heroin aus der Grenzregion in die USA. Dies war die Methode, mit der ihre rechtsradikalen Freunde jenseits der Grenze die amerikanischen Waffen bezahlten, die sie so zahlreich erhielten. All das ist seit Olivier North und Nicaragua längst kein Geheimnis mehr. Aber wer will das schon wirklich wissen, in einer Welt, die längst so fest im Griff von Geheimdiensten steckt, dass jeder reale Versuch sich dem zu entziehen, den sicheren Untergang bedeuten würde?

Während meiner Spaziergänge durch Karachi traf ich zwei junge englische Kerle. Sie hatten sich ihr Geld und die Reisepässe stehlen lassen und warteten nun schon seit drei Wochen auf neue. Halb verhungert waren sie, so ohne Geld und Papiere im fernen Ausland. Ich lud die beiden zum Essen ein. Während wir in einem großen und gut besuchten Restaurant saßen und Brathühner mampften, erfuhr ich von den Beiden von Sia Ul Hags Putsch. „Wollt ihr mir erzählen, dass hier gerade eine Revolution im Gange ist?“, hatte ich gerufen und alle Köpfe im Restaurant, immerhin an die 300, drehten sich in meine Richtung. „Nicht so laut“, warnte einer meiner Gäste, „und verwende vor allem nicht das Wort Revolution…“.

Den Weg zum Flughafen, legte ich in einer Motorrikscha zurück. Diese Fahrzeuge sind eigentlich nichts weiter als dreirädrige überdachte Mopeds. Das letzte Stück derStrecke, ein pfeilgerades Stück Straße, führte an einem Fußballfeld vorüber. Während wir daran vorübe fuhren, sah ich einigen Jungs beim Fußballspiel zu. Einem von ihnen entglitt der Fußball. Er rollte direkt auf die Fahrbahn. Der Fahrer der Motorrikscha sah ihn zu spät und überfuhr ihn. Der Ball war direkt unter unser Vorderrad geraten. Bei der Geschwindigkeit mit der wir fuhren, machte unsere Rikscha einen Sprung dabei, der uns fast von der Fahrbahn geworfen hätte. Ob ich das wohl als schlechtes Omen für den Erfolg meiner Reise deuten sollte?

Karachi International Airport unterscheidet sich in nichts von anderen modernen internationalen Flughäfen. Ich stand gerade an einer Bar und trank einen Scotch auf Eis, als mir jemand von hinten auf die Schulter tippte. Ich drehte mich um. Vor mir stand ein Mann, gekleidet in rotem Lendenschurz, rotem Turban und Gummisandalen. Der Kerl war halb nackt. Erst dachte ich, er woll betteln. Aber er zog einen Hightech Kunststoffausweis aus seinem Lendenschurz und hielt ihn mir vor die Augen hielt. Das Wort DOUANE dominierte auf diesem Ausweis. Der Mann bat mich, ihm zu folgen. Er führte mich an einen großen hölzernen Tisch, etwas abseits des Rummels der weiten Flughafenhalle. Hinter dem Tisch standen vier uniformierte Soldaten. Wie den Uniformen anzusehen war, handelte es sich um zwei einfache Soldaten und zwei Offiziere, wovon der eine einen recht hohen Rang bekleiden musste, zog man all das gelbe Metall in Betracht dass er auf seiner Uniform trug. Im Geiste hielt ich ihn für einen General.

Der General bat mich, mein Gepäck, bestehend aus einem Reisekoffer und einem Rucksack, auf den Tisch zu legen. Ein Soldaten öffnete den Koffer, der andere den Rucksack. Ich sah den beiden zu, wie sie den Inhalt meines Gepäcks durchsuchten. Je länger sie suchten, desto unruhiger wurden sie. Inzwischen suchte ich in Gedanken nach der Ursache dieses Zwischenfalles. Es war am ersten Tag nach meiner Ankunft in Karachi geschehen, als ich auf der Strasse von jemandem angesprochen worden war. Der Kerl hatte gefragt, ob ich an einem Kauf von Heroin interessiert wäre. Kommt auf den Preis an, hatte ich geantwortet. Sein Preis war 50 US$ pro Gramm. Für 50 US$ pro Gramm, bekam ich auch zuhause in Europa welches. Dafür musste ich nicht erst um die halbe Welt reisen, dachte ich und lehnte ab. ich war noch unerfahren zu dem Zeitpunkt. Einige Jahre später, wäre mir ein solcher Fehler nicht unterlaufen. Der Kerl hatte sich natürlich gedacht: „Wenn ich an einem Handel kein Geld verdienen kann, dann verdiene ich mir eben welches, indem ich diesen Europäer an die Behörden verkaufe. Dass er Heroin kaufen will, scheint ja sicher zu sein. Dass er damit ausfliegen will, wahrscheinlich auch“. Schweißperlen, bildeten sich auf der Stirn der beiden Soldaten, als sie sich anschickten, mein Gepäck zum wiederholten Male zu durchstöbern. Ich kannte nicht die Sprache dieser Leute. Aber ich begriff dennoch, was gesprochen wurde. „Hattest du nicht gesagt, dieser Mann hier wäre ein Schmuggler?“, schnauzte der General einen der Soldaten an. „Ali hatte es mir versichert“, gab der zur Antwort. Ungeduldig geworden, stieß der General seine Untergebenen beiseite und machte sich selbst über den Inhalt meines Gepäcks her. Als er dabei sogar die Nähte meiner Kleidungsstücke abtastete, bestand kein Zweifel mehr darüber, wonach er suchte. Doch trotz aller Anstrengung, fanden sie am Ende nichts. Am Ende durfte ich meinen Koffer selbst wieder packen. Danach wurde ich in die weite Flughafenhalle entlassen. Dort saß ich noch eine Weile und wunderte mich, weshalb man nur mein Gepäck durchsucht hatte und nicht auch die Kleidung die ich trug...? Es waren vermutlich kulturell ethnische Gründe dafür verantwortlich. Immerhin befand ich mich in einem islamischen Land...-
Ich war hilfroh, als ich mich endlich in meinem Flieger befand und hoch in der Luft. Jetzt, so dachte ich, könnte nichts mehr schief gehen. Mein eigentliches Reiseziel war Barcelona, wo ich nur die Ware zu überhändigen und mein Geld in Empfang zu nehmen hätte. Da aber diese Maschine der Pakistan International Airline (PIA) Spanien nicht anflog, hatte ich ein Ticket nur bis Paris erworben. Von Paris aus, so dachte ich, würde ich auf dem Landweg nach Barcelona gelangen.

Ich griff eine Zeitschrift aus dem Netz an der Rücklehne des Sitzes vor mir und legte mich entspannt zurück. Ich hielt eine Zeitschrift der Pakistan International Airways in der Hand. Ich schlug sie auf. Mich traf fast der Schlag als ich in dieser Zeitschrift einen Globus abgebildet sah, auf dem in roten Linien die verschiedenen Flüge der PIA eingezeichnet waren. Mit einer Welle der Panik wurde mir bewusst, dass meine Maschine nicht, wie ich gedacht hatte, direkt nach Paris fliegen würde. Sie würde vor Paris noch eben in FRANKFURT zwischenlanden! Frankfurt? War das nicht in Deutschland? War das nicht in dem Land, in dem es ein Paket von Haftbefehlen gab auf meinen Namen, dick wie ein Telefonbuch??
(...Ich fand es schon immer ehrbarer, mehr Vorstrafen und Haftbefehle zu besitzen, als Lohnsteuerkarten...-)


 


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F L U G   I N S   U N G E W I S S E . . . 

Es fühlte sich sehr sonderbar an, mit einer Ladung Schmuggelware unweigerlich auf den Flughafen eines Landes zuzusteuern, in dem man polizeilich gesucht wurde. Sehr sonderbar. Mein erster Gedanke war: Fallschirm! Aber diesen Gedanken ließ ich rasch wieder fallen als mir unsere Flughöhe von zehn Kilometern bewusst wurde. Es gab keine Möglichkeit des Entrinnens mehr. Ich war wie in einem Käfig gefangen und flog unerbittlich meinem Untergang entgegen.

Als die Maschine in Frankfurt gelandet war, verließen die meisten Passagiere das Flugzeug und begaben sich in die Transit Lounge. Du rührst dich nicht von der Stelle, dachte ich bei mir, und erwiderte mit von Stress verzerrter Fresse das Lächeln der Stewardess. Sie schien mich mit Blicken aufzufordern, mich den anderen Passagieren anzuschließen und in die Transit Lounge zu gehen. Du bleibst schön hier sitzen, dachte ich, und blieb eisern sitzen. Gott sei’s gelobt, waren auch noch andere Passagiere im Flugzeug geblieben und so war ich nicht der einzige, der noch darin saß. 45 Minuten, sollte der Aufenthalt in Frankfurt dauern. Ich war mir absolut sicher, dass den Flughafenbehörden die Passagierliste aller Flugzeuge vorlag, die durch diesen Flughafen kamen. Es war, so schien mir, nur eine Frage der Zeit, bis man mich in Handschellen aus der Maschine führen würde.

Kein Mensch glaubt, wie viele Fahrzeuge mit rotierendem Blaulicht auf einem Flughafengelände umherfahren. Alle Augenblicke wieder, kam eines dieser Fahrzeuge mit polizei-blauem Rundumlicht auf die Maschine zugefahren, in der ich aus dem Fenster glotzte, mit Blutschweiß auf der Stirn…-

Endlich kamen die Passagiere aus der Transit Lounge zurück. Kein Mensch kann sich vorstellen, wie Minuten sich in einer solchen Lage in die Länge ziehen können. Ich war so angespannt, dass ich vor Anspannung beinah gekotzt hätte. Als sich die Maschine endlich im Steilflug wieder nach oben hob und sich immer mehr von den Lichtern des Flughafens unter mir entfernte, löste meine Spannung sich in einem Heulkrampf auf. Ich saß und weinte wie ein kleines Kind...-

Der Flughafen Orly in Paris kam mir sehr sonderbar vor. Zum einen schien ich der einzige Passagier zu sein, der die Maschine aus Pakistan verlassen hatte, zum anderen gab es, außer mir, in der ganzen Flughafenhalle keinen Menschen. Nur ganz hinten, in einer Ecke der weiten Halle, stand hinter seinem Stehpult ein Mann mit einem offiziell anmutendem Käppchen auf dem Kopf. Ich ging auf ihn zu und reichte ihm meinen Reisepass. Ohne auch nur richtig hinzusehen, knallte er einen Stempel in den Pass und ich war offiziell in Frankreich eingereist…-

Mir fiel auf, dass ich zwar schon meinen Reisepass abgestempelt hatte, aber mein Gepäck, mein Koffer und mein Rucksack, kreisten noch stets auf dem Förderband. Ich lief zum Förderband und wartete auf das Erscheinen meines Gepäcks. Als es schließlich kam, war es das einzige Gepäck auf dem ganzen Förderband. Das ist nicht normal, dachte ich. Der ganze Flughafen leer? Nur ich hier? Ganz alleine? Und außer meinem Gepäck kein anderes? Das kann nicht normal sein. Orly war immerhin ein internationaler Flughafen. Warum war es hier nur so leer? Es war eine Falle. Natürlich. Es musste eine Falle sein! Man hatte den Flughafen geräumt, damit im Falle einer Schiesserei niemand verletzt würde. Das schien mir in diesem Moment glasklar. Jeden Augenblick würden aus den Ecken bewaffnete Schergen hervor brechen und mich in Ketten legen. Langsam, ging ich auf die gläserne Schwingtüre zu die raus ins Freie führte und auf die Straße. Jetzt, dachte ich, sobald ich diese Glastüre auch nur anfasse, werden sie zuschlagen. Ich öffnete die Glastüre, trat auf die Straße hinaus und nichts geschah...-

Ich warf mein Gepäck auf den Rücksitz eines Taxis und setzte mich auf den Beifahrersitz. Ich war noch nie zuvor in Paris gewesen und musste mich erst orientieren. Aber jetzt, wollte ich erst so rasch wie möglich von diesem unheimlichen Flughafen weg! "Fahre mich in die Stadtmitte", befahl ich dem Taxifahrer. "Zur Stadtmitte?“, fragte der. „Wo in aller Welt ist die Stadtmitte?" Nach meiner Erfahrung, befanden Bahnhöfe sich meist in der Stadtmitte und so sagte ich: "Bring mich zum Bahnhof". "Zu welchem Bahnhof?", fragte der Taxifahrer zurück. Schließlich wurde es mir zu bunt und ich rief: "Bring mich zum verdammten Eifelturm aber fahre, zum Teufel, endlich los! ".

Am Rande des großen Platzes, in dessen Mitte der Eifelturm steht, setzte ich mich auf eine Parkbank und rauchte eine Zigarette. Danach schlenderte ich los, steuerte auf ein hübsches kleines Straßencafe zu und setzte mich. Ich öffnete eine, in dunkelgrünes Kunstleder gebundene Speisekarte. Ich las und entdeckte zu meiner Freude, dass man hier american pancakes with maple sirup servierte…-


Alle Rechte
Free wheelin’ Franklin & Mc Intosh
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Die Morphinistenseite


 


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