Startseite Zur 2. Morphinistenseite WEGWEISER RECHTLICHES DER MORPHINIST DAS MORPHINISTISCHE MANIFEST Dr. HANNES KAPUSTE AXEL JUNKER KARLOS & Co. ERFAHRUNGEN KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN ANTIQUARIAT RECHT, POLITIK, WISSENSCHAFT UND MEHR.... SOZIAL & POLITISCH KRITISCHES GEMISCHTES GEDICHTE & PROSAISCHES BRIEFE SUCHEN

KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


Themen:
KNASTGESCHICHTEN
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Dorothea



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D O R O T H E A 

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Wie bitte hätte ich wissen können, dass Dorothea die Tochter eines Polizeikommissars der Abteilung zur Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität war? Sie selbst, hatte nie etwas davon erzählt. Beamter sei er, hatte sie wohl einmal durchschimmern lassen. Mehr nicht. Der Einfachheit halber war ich davon ausgegangen, er wäre vielleicht ein hohes Tier bei der Feuerwehr, oder vielleicht bei der Müllabfuhr oder so…- Hätte ich es gewusst, ich hätte Dorothea laufen lassen. So aber, hatte ich ihr von meinem Zeug gegeben und das nicht zu knapp. Ich verfügte damals über eine Menge sonderbaren Materials aus den Stammgebieten der Pakistanisch Afghanischen Grenzgegend. Zwar hatte es sich um Heroinbase gehandelt, aber eine Heroinbase, die man nach der Herstellung mit gepulvertem Rohopium versetzt hatte. Von diesem Rohopium ging beim Aufkochen nur ein geringer Teil in Lösung über. Der Rest, zog sich zurück in seine ursprüngliche, knetbare Form. Man sog die Flüssigkeit in eine Pumpe, gab sie sich intravenös und bewahrte den verbliebenen knetbaren Opiumrückstand für schlechte Zeiten. Ein letztes Mal aufgekocht, gab das Zeug noch beträchtlich her. Und davon, hatte Dorothea in den 14 Tagen, in denen ich sie versorgt hatte, sicher 40 Gramm verbraucht. Es gelang Dorothea, auf lange Zeit, immer nur in dieselbe Stelle ihrer Armbeuge zu injizieren. Dadurch entwickelten sich bei ihr nie die für intravenös gebrauchende Freunde des Opiats so typischen Narben. Diese Narben, im Jargon ”Straßen” genannt, entstehen wenn man seine Venen Streckenweise gebraucht, also über ihre ganze Länge, und nicht Punktweise, möglichst immer an ein und derselben Stelle...-
Jedenfalls sparte Dorothea durch ihre Art zu Injizieren ungeheuer an Venen...

Was hätte ich tun sollen? Dorothea war ein Flittchen. Um an Geld für ihre Medizin zu kommen lief sie, gerade erst siebzehn geworden, den Straßenstich auf der Dachauerstraße. Morgens rannte sie in irgendeine Schule und am Nachmittag stand sie bereits in der Dachauerstraße und prügelte sich dort mit den alteingesessenen Huren um den besten Platz. Ich hatte ihr kostenlos gegeben und so ging Dorothea von nun an, anstatt in die Dachauerstraße, mit mir zum Tanzen.
Ließen wir den Freunden des Opiats nur grundsätzlich ihre Medizin und wären wir dabei auch nur eine Spur liebenswürdiger zueinander, wären Sozialarbeiter und Sozialpädagogen weitgehend überflüssig.

Als Dorothea und ich eines Abends Arm in Arm über die Leopoldstrasse laufen wollten, tauchte plötzlich dieser Kerl auf. Schon von Weitem gestikulierend, war er auf uns zu gerannt. Er riss Dorothea aus meinem Arm und brüllte: ”Ich bin ihr Vater!” Er schlug beide Arme um Dorothea und wollte sie auf diese Weise, wie eine Schaufensterpuppe, zu seinem Wagen schleifen. Diesen Plan hatte er aber schlecht mit Dorothea koordiniert. ”Ich bin ihr Vater!” –rief er zum wiederholten Male. Dorothea, das liebe Mädchen, fauchte und spukte und trat nach ihm. Mit der Geschmeidigkeit eines Panters kämpfte sie sich schließlich frei und trat ihm mit einer Wucht, die man dem zierlichen Geschöpf nie zugetraut hätte, punktgenau zwischen die Beine. Pfeifend, entwich Papas Luft. Er verdrehte die Augen, krallte mit verzerrter Fresse beide Hände um sein schmerzendes Gehänge und sank, langsam wie in Zeitlupe, stöhnend in die Knie. Dorothea war sofort über ihm. Sie krallte mit beiden Händen in seine Haaren, beugte sich zu ihm und biss sich lange und ausdauernd in seinem Ohr fest. Rot und heiß, troff Papas Brühe von seiner Wange. Aber er ließ nicht nach. Schließlich gelang es ihm doch, Dorothea unter Stößen und Püffen, wie ein widerstrebendes Bündel, auf den Rücksitz seines Wagens zu stopfen. Unter dem entnervenden Kreischen eines schleifenden Keilriemens fuhren sie beide davon. Ich hatte dem Wagen noch hinterher gesehen, bis er in die Giselastrasse eingebogen war und Dorothea mit ihren knallroten Plateauschuhen durch die Hinterscheibe getreten hatte. Danach, waren sie meinen Blicken entschwunden.
Leise, fing es zu regnen an. Ich drehte nachdenklich eine Zigarette und lief danach rüber zur Giselastrasse. Ich trat die Glassplitter der geborstenen Rückscheibe von der Fahrbahn. Damit fertig, schlenderte ich, alleine wie einStein, wieder zu meinem Hotel zurück... –






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Seitdem war schon ein Jahr vergangen und noch immer war Kommissar Mayjnek, der rächende Vater, deswegen hinter mir her! Der hatte nämlich fest die Meinung gefasst, ich sei es gewesen, der seine Tochter mit diesem ”Teufelszeug Heroin” vertraut gemacht hatte. Wie man daran ersehen kann schafft man sich gelegentlich Feinde noch mit den besten Absichten. Wie so häufig der Fall, wusste Papa buchstäblich nichts vom Treiben seiner Tochter. Er wusste nichts davon, dass sie seit fast zwei Jahren schon auf der Dachauerstraße anschaffen ging und auch von Dieter wusste er nichts, mit dem Dorothea einige Zeit zusammengelebt und der sie mit Zeug aus seinen Apothekeneinbrüchen versorgt hatte, lange bevor ich sie traf. Dass Papa Kommissar mich eines Tages in die Finger bekäme, war nicht auszuschließen...

Papa, hatte seine Tochter natürlich sofort in ärztliche Behandlung gegeben. Dadurch landete das liebe Mädchen erst in der Klapsmühle eines Landeskrankenhauses, wo man sie auf die übliche Tour vom Heroin herab quälte. (Am ersten Tag 10 mg Diazepam, danach nichts mehr...)

Abrupt zu entziehen, ist schädlich. Man leidet dabei nicht nur unnötig Schmerzen und stresst dadurch unnötig den Organismus, man zerrüttet auch, oft auf Monate oder gar Jahre hinaus, die delikate Harmonie der biochemischen Abläufe im Zentralen Nervensystem. Denk- und Konzentrationsstörungen, Depression und Verwirrungszustände, können die Folgen sein. All diese Zustände können mit Opiaten schlagartig wieder gelindert, wenn nicht gar beseitigt werden. Wer also wundert sich in Zeiten, in denen das kalte Entziehen zur Mode geworden ist, noch über die hohen Rückfallquoten?

Von der Klapsmühle entlassen, drückte man Dorothea, halb wahnsinnig noch von den Nachwehen des kalten Entzugs, in eine Therapieeinrichtung für Drogenabhängige. In solchen Einrichtungen führt man meist aus Unwissenheit, schierer Verzweiflung und nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen, aberwitzige und für die Patienten meist äußerst schmerzhafte und degradierende soziale und psychologische Experimente durch. Zum Erzielen eines von ”Drogen freien Lebens”, eignen sich solcherlei Therapiestätten ebenso wenig wie Heizöl zum Löschen eines Feuers. Man könnte diese Stätten zur Sammlung und zum „Sich wieder Finden“ nach langer Zeit des Drogenkonsums verwenden, ließen einem die dortigen Therapeuten die nötige Ruhe dazu. In aller Regel ist das Gegenteil der Fall. Oft, ersehnt man sich nach der Strapaze einer solchen ”Drogentherapie” nichts sehnlicher als eine kräftige Injektion Opiat um den zerrütteten Geist wieder halbwegs auf feste Beine zu stellen.
Foltern einer "Drogen"therapie...-
In einer solchen Einrichtung saß Dorothea dann, hasste die Welt im Allgemeinen und ihren Vater im Besonderen. Der aber hatte sich inzwischen fest vorgenommen, noch die kleinsten Anklagepunkte, selbst noch aus dem letzten Kehricht zu lesen, um mich Verurteilen und für viele Jahre hinter Gitter sperren zu lassen!



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