Startseite Zur 2. Morphinistenseite WEGWEISER RECHTLICHES DER MORPHINIST DAS MORPHINISTISCHE MANIFEST Dr. HANNES KAPUSTE AXEL JUNKER KARLOS & Co. ERFAHRUNGEN KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN ANTIQUARIAT RECHT, POLITIK, WISSENSCHAFT UND MEHR.... SOZIAL & POLITISCH KRITISCHES GEMISCHTES GEDICHTE & PROSAISCHES BRIEFE SUCHEN

KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


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Frankies Abgang



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F R A N K I R S   A B G A N G 

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Verträumt, wankte Frankie aus dem hohen Torbogen des Bordells. Gedankenverloren, strich er mit dem Unterarm über seinen Mund und pflückte einige Schamhaare aus seinen Mundwinkeln. Bei Gott! - dachte er: Man müsste die feuchte Absonderung heißer Frauen auf Flaschen ziehen und als stärkendes Getränk für junge Männer auf den Markt bringen. Etwa unter der Bezeichnung "Pflaumenwasser", oder so ähnlich.- Man müsste den Leuten nur weis machen, es stamme ausschließlich von Jungfrauen unter 18 Jahren, obwohl man es natürlich, - wir leben im knallharten Kapitalismus -, auch den verkommensten alten Schabracken abschaben würde. Jetzt noch eine gute Dröhnung und der Tag war ein guter…-.

Vergnügt und erwartungsvoll, lenkte Frankie seine Schritte zur Dachauerstraße hin, wo zu dieser Zeit des Tages der Heroinschwarzmarkt stattfand.
Augen-Peter, der seinen Namen dem Umstand verdankte, dass jedes seiner Augen von anderer Farbe war, sah Frankie schon von weitem daherkommen und ging ihm entgegen. „Punkt- Dieter hat das Beste“, klärte Augen-Peter Frankie auf und zerrte ihn am Hemdsärmel auf eine Person zu, die in einiger Entfernung betont gelangweilt gegen eine Häuserwand lehnte. Punkt-Dieter, der wegen eines bläulichen tätowierten Punktes auf seinem linken Wangenknochen so hieß, kramte im Innern seiner Jacke. Er holte ein kleines weißes Papierbriefchen hervor und öffnete es, um Frankie den Inhalt zu zeigen. Kaum war das Briefchen geöffnet, hackte Punkt-Dieter mit der leichten Bewegung einer kleinen Messerklinge auf den Inhalt ein. Dies geschieht, wenn Heroin zu sehr mit einer Zuckerart, wie etwa Milchzucker, vermischt worden ist. Das Pulvergemisch nimmt Feuchtigkeit aus der Umwelt auf und klebt zu einem Plättchen zusammen. Aber Frankie hatte längst gesehen, dass das bisschen Pulver in Punkt-Dieters Briefchen zu einem Plättchen zusammen geklebt war. „Lass stecken“, sagte Frankie dann auch und ging auf eine Frau zu, die einige Meter entfernt stand. Es war Marion, eine Frau mit nicht wenig Mumm, arbeitete sie doch ganz alleine und flog gelegentlich nach Amsterdam, um ihren Vorrat aufzustocken. Marion murkste nicht mit ihrem Heroin und wenn doch, tat sie es auf unauffällige Weise. Ihr Stoff schien jedenfalls immer gut zu sein. Frankie schob Marion eine 100 DM Note zu, der Preis für ein so genanntes „Straßenhalbes“, angeblich ein halbes Gramm, in Wirklichkeit allerdings kaum mehr als ein Viertel. Diese Verkaufsgepflogenheit hatte sich eingebürgert und wurde von jedermann akzeptiert. Wollte man für 100 DM ein tatsächliches abgewogenes halbes Gramm haben, musste man sich eine „Privatverbindung“ suchen, die meist von zuhause aus verkaufte.
Frankie nahm das Briefchen von Marion entgegen und steckte es weg. Unruhe hatte ihn ergriffen. Er sah sich um. Es waren in der näheren Umgebung etwa dreißig Leute versammelt. Sie standen alleine oder zu zweien oder zu dritt beieinander. Standen sie zu dritt oder zu mehreren, war es wahrscheinlich, dass dort gerade ein Handel stattfand. Plötzlich kam Unruhe in die Menge. Sie stob auseinander, wie eine Schule Fische auseinander stiebt, wenn ein Hecht dazwischen fährt. Frankie sah den Hecht kommen. Er kam in der Form dreier Männer, die eng beieinander, gezielten Schrittes auf die Szene zukamen. Es waren die Kommissare Majnek, Karneval und Haumann. Frankies Instinkt funktionierte nach dem Motto, Flucht nach vorne, und so schritt er ebenfalls gezielten Schrittes, den drei Männern entgegen. Die Drei waren derart auf die zerstiebende Menge vor sich fixiert, dass sie Frankie kaum wahrnahmen, als der an ihnen vorüber und Richtung Hauptbahnhof ging. Noch mal gut gegangen, dachte Frankie, als er dort die Treppe zur kühlen U-Bahnhofebene hinabeilte…-

Zuhause angekommen, hing Frankie seine Jacke an den Haken, warf Marions Briefchen auf den runden hölzernen Wohnzimmertisch und ließ sich auf sein altes Sofa fallen, aus dem bereits große, stählerne Spiralfedern hervorsahen. Frankie holte seine Spritzutensilien hervor und bereitete seine Injektion. Komisch, dachte er, während er den Kolben der Spritze niederdrückte: Diese Entzugssymptome erscheinen in immer kürzeren Zeitabständen. Es schien, als verstoffwechselte Frankies Körper den Stoff mit zunehmender Gewöhnung stets rascher. - Wenn das so weiter geht, ging es Frankie durch den Kopf, während die Wirkung des Heroins wie ein gigantischer Wattebausch auf seinen Magen schlug und seine Wahrnehmung versank wie in Glyzerin -, dann kann ich mich bald an eine Dauerinfusion von Heroin hängen. Man müsste jetzt langsam zusehen, wieder runter zu kommen, von dem Zeug, und Frankie nahm sich eisern vor, seine Dosen von nun langsam zu reduzieren, bis er nichts mehr von dem Zeug nötig hatte. Gleich morgen, wollte er damit beginnen…-

Der Rest aus Marions Briefchen hatte noch gut ausgereicht um den neuen Tag zu beginnen. Frankie trat auf seinen Balkon hinaus und genoss die Wärme der Morgensonne auf seinem Gesicht. Er hatte Verständnis für Völker, welche die Sonne anbeteten. War die Sonne nicht anbetungswürdig?
Am frühen Nachmittag spazierte Frankie durch den Stadtpark. Wie seltsam doch. Egal woran er dachte, stets endeten seine Gedanken bei Heroin und je mehr Zeit verging, desto rascher dachte er daran. Schließlich kam der Zeitpunkt, an dem er an nichts anderes mehr denken konnte. Frankie zwang sich, diese Gedanken aus seinem Kopf zu verdrängen, doch ein langsam zunehmendes, dumpfes Gefühl in seinen Eingeweiden, erschwerte es stets mehr. Im hellen Sonnenschein eines Sommernachmittags, wurde es immer düsterer in Frankies Seele. Bald stellten sich nur noch hässliche, unangenehme Gedanken ein. Es kam die Stunde, da er keinen anderen Gedanken mehr fassen konnte, als Heroin. Es hatte keinen Zweck. Wozu noch länger warten. Schon jetzt kündigten, noch entfernt zwar, aber eben doch, Krämpfe in seinen Eingeweiden den Beginn eines Heroinentzuges an. Geschwinde schritt Frankie zur nächsten U-Bahn Haltestelle, von wo er die Bahn zur „Münchner Freiheit“ nahm, wo zu dieser Zeit des Tages der Heroinschwarzmarkt stattfand. Hoffentlich treffe ich Marion, dachte er, während er dahineilte.
Frankie hatte Glück. Er traf Marion. Wie meist, stand sie still und alleine inmitten der Meute Süchtiger, die sich auf der Szene tummelten. Frankie erwarb sein Briefchen und begab sich damit zurück zum Stadtpark. Dort, im Schutze eines Maidornbusches, bereitete er seine Injektion. Heute schien Marion anderen Stoff zu verkaufen als gestern. Heute war das Pulver heller von Farbe und es schien auch weniger zu sein, als sich gestern noch in Marions Briefchen befunden hatte. Es ist gewiss schwächer als das gestrige Zeug, dachte Frankie und kochte sich den gesamten Inhalt des Briefchens auf. Eigentlich wollte ich ja heute damit beginnen, meine Dosis zu verringern, dachte Frankie, während er zusah, wie das Pulver sich im siedenden Wasser löste. Aber ich wette, das Zeug, dass Marion heute verkauft, ist schwächer als das von gestern. Damit reduziere ich ja schon automatisch meine Dosierung. Wie ein gigantischer Wattebausch, schlug die Wirkung des Heroins auf Frankies Magen, wie in Glyzerin, versanken seine Gedanken. Doch diesmal sanken sie rascher und tiefer als sonst und immer noch tiefer, bis Frankie sie verlor. Am Ende verlor Frankie sich selbst. Es war, als knipste ein hinterhältiges Teufelchen mit rascher Hand sein Lebenslicht aus...-

Stunden später fanden Spaziergänger Frankies Körper. Der Cocker Spaniel der Leute hatte angeschlagen, als er Frankie so merkwürdig still hinter dem Gesträuch liegen sah. Inzwischen war aufgrund zu langem Sauerstoffmangel, Frankies Gehirn nur noch eine leblose Masse. Nur sein Herz klopfte noch, leicht und fast unmerklich zwar, aber eben doch. Mit letzter Kraft, hielt Frankies Körper an einemm letzten Faserrest von Leben fest. Doch auf dem Weg ins Krankenhaus, gaben auch die letzten Kräfte seines Körper nach. Er war bereits merklich abgekühlt, als man ihn ins Krankenhaus schaffte, wo am Ende nur noch sein Tod festgestellt werden konnte.

Frankies Tod war ein ungewollter Tod, ein versehentlicher, ein unnötiger. Dennoch geschah er, wie viele gleichartige Tode geschehen und weiterhin geschehen werden, solange ein Betäubungsmittelgesetz Menschen wie Frankie zwingt, ihre Medizin von Kranken und Kriminellen auf der Straße zu kaufen und die Unmöglichkeit weiter besteht, die Dosen korrekt zu bemessen...-

INTRACEREBRAL
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