______________________________________________________________________ Doris war Nutte aus Leidenschaft. Ihr musste man nicht kommen mit „Willst du nicht vielleicht aufhören mit diesem abscheulichen Gewerbe“? Sie war nicht von diesem Gewerbe weg zu brennen. Selbst gab man ihr genügend Geld, damit sie ohne zu arbeiten gut leben konnte, es dauerte keine drei Tage, sie wurde unruhig, unausstehlich und schon verhökerte sie wieder ihren Arsch an irgendeiner Straßenecke. Damals hatte sie gerade einen Job in einem der Sexclubs der Stadt. Nicht in einem der Sexclubs, sondern in DEM Sexclub, im Casa Rosso des Amsterdamer Rotlichtviertels, einer der berühmtesten Sexclubs der Welt. Dort gab Doris allabendlich ihre "Flaschenshow" zum Besten. Diese Show bestand darin, dass Doris auf der Bühne für die Dauer von 20 Minuten, vor tausend geilen Männeraugen, unter kunstvollen Verrenkungen und farbigem Licht, eine Sektflasche in ihrer Pflaume versenkte. Wurde Doris befragt, was sie von Beruf sei, erklärte sie jedem völlig nüchtern und nicht ohne Stolz, sie gäbe die Flaschenshow im Casa Rosso...
Zog Doris im Casa Rosso ihre Show ab, half ich, wenn der Andrang es erforderte, ein wenig an der Bar aus. Ich mixte gerade Cocktails, als Doris’ Flaschenshow begann. Der Laden war brechend voll. Sicher 180 Gäste rutschten in ihren Stühlen unruhig hin und her. In den vordersten zwei Sitzreihen saßen Japaner, mit großen Yashicas um die Hälse. Nach einiger Zeit wurde das farbige Lichtspektakel auf der Bühne geringer. Dies war der Moment, in dem Doris sich mit gespreizten Knien auf ihre Flasche nieder ließ. Dabei stellte sie die Flasche, eine leere grüne Sektflasche größeren Vormats, an den vordersten Bühnenrand und senkte langsam und unter drehender Bewegung ihren Unterleib darüber. Nachdem die Flasche in sie eingedrungen war, erhob sie sich und nahm dabei die Flasche mit in die Höhe. Danach senkte sie sich wieder herab, erhob sich erneut und, TUSCH, die Flasche stand wieder auf ihrem Platz am vordersten Bühnenrand.
Das Schauspiel wiederholte sich. Wieder kreiste Doris’ Unterleib über der Flasche, wieder drang die Flasche in sie ein. Dabei komprimierte die Flasche die Luft, die sich durch Doris' Verrenkungen und dem Gestöpsel mit der Flasche in ihrem Bauch angesammelt hatte. Ein knatternder Votzenfurz von nie gekannter Länge, war davon das Resultat. Das Geräusch fuhr unter die angespannte Zuschauer wie eine Maschinengewehrsalve. Die Japaner aus den vordersten Sitzreihen johlten und sprangen begeistert aus ihren Stühlen. Mit knallroten Köpfen gaben sie stehende Ovation. Inzwischen hatte Doris so getan, als wäre das alles vorgesehen gewesen und als sei nichts Außergewöhnliches geschehen. (...Oh, wir furzen hier jeden Tag so durch die Gegend. Es ist eine unserer üblichen Stunt-Einlagen...) Doris beendete ihre Aufführung mit dem üblichen Ritual. Sie führte sich die Flasche mit den Händen ein, zog sie mit schmatzendem Geräusch wieder heraus und reichte sie einem der Gäste aus der vordersten Reihe. Ein Japaner nahm sie entgegen. Unter misstrauischen Blicken seiner Landsleute schnupperte er kurz daran, machte große Augen und stellte sie verschämt beiseite...-
Die Show ging weiter. Als nächstes kam die "Bananenfrau". Die "Bananenfrau" verwandte, anstatt einer Flasche, eine Banane mit dem besonderen Knaller, dass dabei einer der Gäste aus der vordersten Reihe die Banane zwischen ihren Beinen hervor knabbern durfte. Die "Bananenfrau" sorgte gerne mit kleinen Einlagen für Sensation. Wenn sie z.B. mit grellem Spotlight gut ausgeleuchtet, ohne dabei ihre Hände zu gebrauchen, eine ganze Banane völlig in sich verschwinden ließ, um sie hinterher langsam, Stück für Stück, wieder hervor kommen zu lassen. Und das Ganze vor den Augen der hypnotisierten Zuschauer noch einmal. Das Grölen des begeisterten Publikums nahm kein Ende. Einmal ließ ein japanischer Gast, wir hatten zu der Zeit viele Japaner im Haus, sich dazu hinreißen lassen, die Banane von ihrer Stelle zu pflücken und die "Bananenfrau", anstatt in ihre Banane, kräftig in ihre Pflaume zu beißen. Was der japanische Gast als Scherz empfunden hatte, empfand die Bananenfrau als schmerzhafte Beleidigung, als ernidrigende, öffentliche Misshandlung. Ihr Schrei, gemischt aus Schmerz und Empörung, gellte durch den ganzen Saal, bis vorne zu den Eingängen, wo die Türsteher und Rausschmeißer standen. Die kamen dann auch sofort herbeigeeilt. Sie warfen sich auf den schlitzäugigen Übeltäter, nahmen ihn beim Kragen, zerrten ihn in das kleine Kabäuschen hinter der Bar, wo die Druckgasflaschen aufbewahrt wurden, ohrfeigten ihn ordentlich zurecht und warfen ihn , zerzaust und durchgebeutelt, zur Tür hinaus. Leider war der Kerl Mitglied einer ganzen Gruppe von Japanern, sicher 25 Leute, die dann auch alle gingen. Doch ihre Sitze waren rasch wieder von neuen Gästen eingenommen. Das Casa Rosso war eigentlich zu jeder Stunde des Abends brechend voll. Es war ein gut laufender und rentabler Sexclub.
Unterdessen lief auf der Bühne die Bumsshow ab. Ein splitternacktes Paar verrenke die glänzenden Körper (Dazu verwandte man Öl und weil man oft kein Geld hatte, entweder Babyöl oder Sonnenblumenöl von zuhause, aus der Küche...) und gab vor, dabei zu poppen. Dies war die Zeit vor Viagra und so bewegte der männliche Teil der Darstellung sich stets so, dass seine schlaffen hängenden Hoden und sein kleines verschrumpeltes Pissröhrchen dabei nicht ins Sichtfeld rückten. Dass die Situation nur gestellt war, störte die Besucher nie. Sie gafften, stillschweigend, mit Speichelbläschen in den Mundwinkeln, bis sie, einer nach dem anderen, entweder in den Wasch- und Toiletenräumen verschwanden, oder in den rot beleuchteten Räumen der näheren Umgebung. Inzwischen wurden ihre Sitzplätze von neuen Gästen eingenommen, die mit schweißnassen Handflächen der kommenden Aufführung entgegen fieberten. Gleich würde die Flaschenshow beginnen...!
Arbeitete man in einem dieser Clubs, arbeitete man grundsätzlich in diesem Milieu und relativierte die Dinge. Man kannte die Frauen, die dort arbeiteten, kannte sie als Menschen, kannte vielfach ihre Hintergründe, ihre privaten Verhältnisse, ihre Freunde, ihre Kinder, ihre Freuden und Sorgen. So hieß unsere "Bananenfrau" beispielsweise Anita. Anita war aus Deutschland nach Amsterdam gekommen und hatte dort ihren Freund, einen Engländer namens Mike, kennengelernt. Die Beiden hatten miteinander zwei kleine Kinder. Sie wohnten in einer kleinen Wohnung unter dem Dach eines alten Mietshauses im Osten der Stadt. Mike arbeitete an einem Schiffs-Schrottplatz, wo er mithalf, alte Schiffe zu zerlegen. Nebenbei verhökerte er Cannabisprodukte an Touristen die zu dämlich waren die Coffee-Shops zu finden. Zusammen kamen die Beiden redlich über die Runden. Reich, wurde nie jemand der in diesem Millieu arbeitete. Dazu musste man schon im Milleu besitzen. In aller Regel verbarg sich hinter der glanzvollen, glitzernden Fassade jede Menge Elend und zersplitterte Illusionen...
Eines Abends hielt ein Wagen vor dem Haupteingang des Casa Rosso. Ein Mann stieg aus. Es war ein ehemaliger Mitarbeiter, der Tags zuvor entlassen worden war. In einer Hand hielt er einen Benzinkanister, in der anderen einen großkalibrigen Revolver. Er betrat den brechend vollen Club und goss den Inhalt seines Kanisters über den Boden. Dann schoss er mit seinem Revolver, erst auf die Lache und danach in die Menge. Die Lache Benzin entzündete sich. An diesem Abend brannte das berühmte Casa Rosso bis auf den Grund nieder. Dreizehn Menschen, kamen dabei ums Leben. Das war aber keinesfalls das Ende des berühmtesten Sexclubs der Welt. Inzwischen wurde der Club nämlich einige Meter weiter wieder eröffnet. An der Stelle wo der alte Club gestanden hatte, erinnert heute nur noch eine Gedenkplakette aus Bronze mit entsprechender Aufschrift an das schreckliche Ereignis, dort, am Achterzijds Voorburgwal zu Amsterdam. Der Brandstifter war noch am selben Abend festgenommen worden. Ein Amsterdamer Gericht verurteilte ihn schließlich wegen Todschlags in dreizehn Fällen zu 10 oder 12 Jahren. (Sind es nun 10 oder 12 Jahre gewesen? Ich erinnere mich nicht mehr so genau. Jedenfalls wäre er im harten Germany sicher nicht unter Lebenslang davon gekommen..)
Und Doris? Was war an diesem Abend mit Doris der Flaschenfrau geschehen? An diesem Abend wollte Doris sich, bevor sie zur Arbeit fuhr, die übliche Amphetamininjektion setzen. Dabei fand sie keine Vene. Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis sie endlich mit ihrer Nadel auf Blut stieß. Dadurch hatte sie sich zur Arbeit verspätet. Als sie schließlich beim Casa Rosso ankam, hatte sie nur noch die rauchenden Überreste des einst so berühmten Sexclubs vorgefunden. Danach arbeitete sie im Yab Yum, wohl das berühmteste Bordell der Welt. Dort verdiente sie nicht übel. Durchschnittlich tausend Mark pro Abend.
Heute ist Doris' Körper schon zu vergangen, ihr Arsch zu flach und zu weit unten für derlei Arbeit. Und so ist Doris heute zur alternden und frustrierten Ehefrau eines alkoholabhängigen Werftarbeiters geworden, der verkrampft versucht, ihr das zu geben, was sie nie hatte haben wollen, was sie stets mit Abscheu von sich gewiesen hatte: Ein ruhiges, kleinbürgerliches Leben mit Ehemann, Hündchen, Aquarium und Zimmerpflanze in einem kleinen Häuschen inmitten identischer kleiner Häuschen, alle fein säuberlich aufgereiht in einem spießigen Vorort Amsterdams...-
INTRACEREBRAL Die Morphinistenseite
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