Startseite Zur 2. Morphinistenseite WEGWEISER RECHTLICHES DER MORPHINIST DAS MORPHINISTISCHE MANIFEST Dr. HANNES KAPUSTE AXEL JUNKER KARLOS & Co. ERFAHRUNGEN KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN ANTIQUARIAT RECHT, POLITIK, WISSENSCHAFT UND MEHR.... SOZIAL & POLITISCH KRITISCHES GEMISCHTES GEDICHTE & PROSAISCHES BRIEFE SUCHEN

KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


Themen:
KNASTGESCHICHTEN
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Paranoia im Park

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Wir saßen an der Hippiewiese im Vondelpark auf einer Bank. Muis, Jerry, Käpt’n und ich. Es war ein grauer trüber Tag. Wie Hühner auf einer Stange, so saßen wir nebeneinander, dicht aneinander gedrängt und schweigsam. Vor uns an dem rundlichen kleinen See waren zwei Angler dabei, gewiss seit einer Stunde schon auf die reglosen Schwimmer ihrer Angeln zu blicken. Heute wollte und wollte nichts beißen …-

Muis griff unter seine Jacke und holte einen Frischhaltebeutel voll Amphetamin hervor. Er griff in seine Hosentasche nach einem automatischen Schnappmesser, ließ es aufspringen und schöpfte mit der Spitze der Klinge ein Häufchen Amphetamin aus dem Beutel. Anschließend hielt er jeden von uns eine Messerspitze des weißen Pulvers unter die Nase. Keiner von uns hatte während der ganzen Prozedur auch nur ein Wort gesprochen. Danach saßen wir wieder, schweigsam und dicht aneinander gedrängt wie zuvor, und blickten wieder auf die beiden Angler am See. In diesen kleinen Seen des Vondelparks, ist nur Rentnern das Angeln gestattet. Sie benötigen dazu keine Angelscheine. Die Parkleute kannten sie.

Hinter uns am Himmel, leise aber unüberhörbar immer näher kommend, ertönte das Knattern eines Hubschraubermotors. Ich drehte meinen Kopf und sah nach oben. Ein Hubschrauber kam geradewegs in unsere Richtung geflogen. „Jetzt kommen sie uns holen, Muis“, sagte ich, Muis sah über seine Schulter hinweg zu dem Hubschrauber hoch. „Quatsch“, sagte er. Jetzt war der Hubschrauber schon über unseren Köpfen und es bestand kein Zweifel, er kam aus seiner Höhe auf uns herab. Am Ende schwebte er ratternd und knatternd keine 15 Meter entfernt direkt vor uns, etwa einen Meter über der Hippiewiese. Das Rotorblatt des Hubschraubers entfesselte einen Sturm. Alte Zeitungen und leere Getränkedosen wurden vom Boden gehoben und flogen durch die Luft. Das Wasser des kleinen Sees schlug aufgepeitscht in hohen Wellen gegen die Ufer. Plötzlich schrieen beide Angler auf. Sie hatten beide zum selben Zeitpunkt einen gewaltigen Fisch an der Angel. Die aufgepeitschte Wasseroberfläche hatte die Biester wohl zum Beißen animiert.

Vor uns schwebte noch stets der Hubschrauber etwa einen Meter über dem Boden. Dem Piloten fiel schwer, seinen Flugapparat still zu halten. Er drehte sich stets ein wenig hierhin und dann wieder dorthin. Dabei hielten aber die beiden Figuren in der Kanzel ihre Blicke direkt auf uns gerichtet. Einer von ihnen griff zu einem Mikrofon. „Ich glaube, es ist an der Zeit zu gehen, Jungs“, sagte ich. „Quatsch“, antwortete Muis. Ein Streifenwagen der Polizei kam direkt auf uns und auf den Hubschrauber zu gefahren. Er kam quer über den Rasen der Hippiewiese gehoppelt. Eine Polizistin stieg aus. Sie sah kurz zu uns herüber und sprach dann mit dem Piloten des Hubschraubers, der mit seinem Flugapparat noch stets etwa einen Meter über der Wiese schwebte. Jetzt sahen sie, die Polizisten, ihr Kollege hinterm Steuer des Streifenwagens, der Pilot des Hubschraubers und sein Co-Pilot, alle zu uns herüber. „Muis!“, sagte ich. „Quatsch“, sagte Muis. Muis stand auf und ging geradewegs auf den Hubschrauber zu und zu der Polizistin hin.
Dort stand er eine Weile und sprach mit ihr. Da setzte die Polizistin sich wieder in ihren Streifenwagen und fuhr davon. Der Hubschrauber erhob sich, flog knatternd in die Höhe und verschwand. Gelassen kam Muis zu uns zurück. „Wie hast du das nur gemacht, Muis“ fragte Jerry ehrfürchtig. Muis setzte sich und erzählte, was er in Erfahrung gebracht hatte.

Oben auf der Straße, außerhalb des Parks, war ein russischer Geschäftsmann durch eine Salve aus einer Maschinenpistole niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Der Rettungsdienst wollte den Mann per Hubschrauber ins nächste Krankenhaus fliegen, aber der Hubschrauber konnte oben an der Straße nicht landen, weil ihn die Kabel der Straßenbahn daran hinderten. So war geplant, der Hubschrauber sollte im Vondelpark landen und der Verletzte mit einer Ambulanz in den Park geschafft werden. Schließlich war anstatt des Ambulanzfahrzeugs ein Streifenwagen erschienen um den Piloten des Hubschraubers davon zu unterrichten, dass der Verletzte inzwischen auf der Straße an seinen Verletzungen verstorben war. „Klasse“, sagte Jerry und Muis holte nochmals seinen Beutel hervor und sein Schnappmesser…-




Anmerkung:
Muis, Jerry, Käptn und ich, hatten einige Jahre lang den "harten Kern" im Park gebildet. Fast täglich waren wir anwesend, außer im Winter. Kaum aber war es auch nur halbwegs wieder Frühling geworden, trafen wir uns wieder, an der alten Stelle, bei der Hippiewiese. Muis ist, wie ich hörte, inzwischen mit einem Fotomodell verheiratet, hat jetzt vermutlich viel anderes zu tun und erscheint nicht mehr so häufig. Käptn ist paranoid schizophren und hält sich mit Megadosen Psychopharmaka und Cocktails verbotener Drogen halbwegs in Schwung. Er ist schwer in Ordnung. Er hat seinen Arzt, von dem er seine Pillen bekommt, in der Nähe des Parks. Ihn sieht man noch heute im Park. Jerry ist Ire und lebt schon viele Jahre in Amsterdam. Er spielt Gitarre und ist so gut wie nie ohne seine Klampfe anzutreffen. Ihn kennt die halbe Stadt. Er hat einen Standart Witz, mit dem er Leute erschrickt. Er erzählt, er sei von der IRA mit einer rostigen Kugel angeschossen worden und fragt dabei, ob man die Schusswunde sehen wolle. Bejaht man, lässt Jerry seine Hose herab und zeigt den Leuten sein Arschloch: "Guckt genau hin, dann könnt ihr erkennen, wie rostig die Kugel gewesen ist“ ....-

Mich, trifft man nicht mehr so häufig im Park. Gesundheitliche Umstände und politische Zwänge nötigten mich, in einem anderen Land Exil zu nehmen. Nur manchmal noch, hin und wieder, bin ich im Park anzutreffen, inkognito, in Frauenkleidern, mit Perücke und falschem Schnurrbart...-



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