Startseite Zur 2. Morphinistenseite WEGWEISER RECHTLICHES DER MORPHINIST DAS MORPHINISTISCHE MANIFEST Dr. HANNES KAPUSTE AXEL JUNKER KARLOS & Co. ERFAHRUNGEN KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN ANTIQUARIAT RECHT, POLITIK, WISSENSCHAFT UND MEHR.... SOZIAL & POLITISCH KRITISCHES GEMISCHTES GEDICHTE & PROSAISCHES BRIEFE SUCHEN

KARLOS & Co. ERZÄHLUNGEN & KURZGESCHICHTEN:
Knast Storys, Sucht & Szenen Geschichten, überwiegend von Karlos, Fantasie begabter Erzähler, pessimistischer Visionär, grundsätzlicher Misanthrop, Gelegenheits-Philanthrop und Initiator der Morphinistenseite...-


Themen:
KNASTGESCHICHTEN
    Leben auf der Suchtstation H2
    Sterben auf der Suchtstation H2
    Abende der Suchtstation
    Unfall auf der Suchtstation H2
    Weihnachten auf der Suchtstation H2
    Im Strafbunker
    Kriminalfälle aus der Suchtstation H2
    Erinnerungen an H2
    Suchtstation H2
    Die Burg
    JVA Landsberg
    JVA Kaisheim
    Flucht aus dem Familienknast von F.
    Im Amsterdamer Gefängnis
    Ein Gefangenentransport
    Quasimodo
    Albert
    Der Stuhl an der Mauer
REISEN
    Keats' Urlaub in Marokko
    London Town
    Marihuana auf Jamaika
    Vom Hindukush zum Eifelturm
    Mit Morphiumhydrochlorid im Paradies
    Tropische Szenerien
    Rückkehr ins Paradies
    Die Rampe zu Dachau
    Deutschlandreise
    Einladung nach X-Stadt
VON MENSCHEN UND ANDEREN TIEREN...
    Von Ratten Joe und anderen Menschen...
    Jane, und die Asylantenstadt
    Der alte Hassan
    Johns Wohnbus
    Das Partyschiff
    Das Moormädchen
    Von Klausens Reichtum
    Annas Story
    Hells Angels
    SALLY
    Sylvia, oder die tödlichen Mühlen
    Dorothea
    Qualle
    Magere Zeiten...
    Wieder ein besonderer Fall...
    Der Fall Herbert...
    Das Beispiel "Walter"
    Beim Amsterdamer Arbeitsamt
    Paranoia im Park
    Im Sexclub
    Frankies Abgang
    Bone ist tot...-
    Hein de slager
    Erinnerungen an den Schauspieler W. Hefeteig
    Szenen einer Ehescheidung
JAGDSZENEN
    Die Urinkontrolle
    Die Bullen
    Der Fall Lee
    Der Sprung
    Regnerische Zeiten
    Ein Grenzübergang bei Kleve
    Verfluchter Doppelmord
    Der letzte Apothekenüberfall
    Fabians Tod und mehr...
    Die Überdosis
    Kommissar Hanser und seine Jungs...
    Freitag der 13.
    Der Wixer auf dem Bahnhofsklo
    Methadon & Elend in Nürnberg
    Korruption
    Vom Kommissar & der Nummer 7
Erzählungen & Kurzgeschichten 2
    Pedros Rache
    Die Regenbogengemeinschaft
    Das alte Lied...
    Bei der Musterung
    Das endgültige Ticket
    Codex Alimentarius
    Zeedijk, Amsterdam
    Spritzutensilien
    Am Amsterdamer Straßenstrich
    Ein Blick hinter die Coffeeshops
    Dort, wo man Hass sät...
    Der Ladenraum
    Der Surinamische Medizinmann
    Die Streckmittelindustrie
    Die Akha Khan Teestube
    Die Interviews der Morphinistenseite
    Kiffer wie Du und ich.
    Heroin mit Salzsäure
    Euro - Top Tour
    Bengali, und die Macht der Steine
    Amsterdamer Spirit
    Vergangene Früchtchen


Allgemein:
Arbeitsweise & Terminologie
Spenden
LINKS
Impressum
Kontakt


SALLY



Nach oben

______________________________________________________________________
Tief in Gedanken, eilte Sally die kleine Vorstadtstraße entlang. Es muss klappen -, dachte er dabei. Ich sehe keinen anderen Ausweg mehr. Es muss ganz einfach klappen...
Mit diesem Gedanken, der sich stets eindringlicher und eindringlicher in seinem Kopfe wiederholte, eilte Sally dahin, mit den Händen tief in seinen Hosentaschen vergraben und den Blick starr vor sich zu Boden gewandt...-

Es war ein Frühlingsvormittag. Der Himmel war blau und wolkenlos und die Sonne schien bereits zu dieser frühen Stunde, heiß und kräftig auf die Dächer, die Strassen und die Menschen der Stadt herab. Es versprach, ein schöner Tag zu werden. In den Bäumen entlang der Straße sangen die Vögel. Doch Sally achtete nicht auf ihren Gesang. Kleine Einfamilienhäuser, standen beiderseits der Straße. Luftig gekleidete Frauen in bunten Schürzen standen dort in grünen Vorgärten und hingen Wäsche an Leinen. Lachende, kleine Kinder klammerten sich dabei an ihre Beine. Von allen Seiten klingen fröhliche Stimmen. Doch Sally achtete nicht auf die fröhlichen Stimmen. Er achtete auch nicht auf die luftig gekleideten Frauen. Still und in sich gekehrt, eilte er dahin bis zu der Ecke, an der die kleine Vorstadtstraße in eine Hauptstraße mündete. Träge, floss dort der Verkehr vorüber. Von Fahrzeugen aufgewirbelter Staub, tanzte flimmernd im Streifen grellen Sonnenlichts. Ein Mangel an Heroin weitete Sallys Pupillen. Das helle Licht schmerzte seinen Augen. Er hielt schützend eine Hand über die Augen und wischte mit dem Rücken seiner anderen über seine ständig laufende Nase. Sally gähnte ein krampfhaftes Gähnen. Wie lange ist es jetzt her, dachte er, während er weiterlief. Wie lange war es jetzt schon her, da Edward mit diesem beschissenen bisschen weißen Pulvers bei mir zuhause ankam? Zweieinhalbe Jahre? Drei? Wie alt mochte ich damals gewesen sein? Sechsundzwanzig? Siebenundzwanzig? Jedenfalls hatte ich etwas von dem Zeug in meine Nase gezogen und hatte bald darauf das Gefühl, nach langer, beschwerlicher Reise endlich wieder zuhause angelangt zu sein. Ich fühlte mich mit einem Schlage so wohl wie kaum zuvor. Das war gutes Zeug. Das war noch Heroinhydrochlorid das in kaltem Leitungswasser wegschmolz wie Schnee in der Sonne. Nach dem Abdrücken hinterließ es diesen herrlichen medizinischen Geschmack im Rachen. Heute gibt es ja nur noch Base. Bis zur Unkenntlichkeit verstreckter, brauner Dreck, der sich nur mit Säure löst. Schneeweißes Heroinhydrochlorid sieht man nur noch selten. Wahrscheinlich deshalb, weil es so gut ist dass es schon an der Spitze der Heroinpyramide verbraucht wird und dort vermutlich gleich von den Produzenten selbst. Deshalb rieselt auf die Strassen unserer Städte nur noch der braune Dreck herab. Brauner Dreck, schlecht verarbeitet und voller Opiumrückstände, übel aussehend, übel riechend, verpantscht mit hunderttausend Stoffen die das Volumen aufblasen und nur mit Säure zu lösen. Da erreichte Sally die marmorne Fassade der “Dresdner Bank”.
Gerade ließ eine ungewöhnlich große Schar gro0er schwarzer Vögel sich in den Platanen auf der gegenüberliegenden Straßenseite nieder. Das Rauschen ihrer vielen Flügel übertönt für einige Augenblicke selbst den Lärm des vorüberziehenden Verkehrs. Omen, sprechen zuweilen glasklar und doch sind sie zuweilen so unverständlich wie das Orakel...
Als Säure nimmt man am besten reinen Apfelessig. Und kein Wasser dazu, sondern Apfelessig pur. Dann zieht einem zugleich mit der heran flutenden Heroinwirkung, dieses herrlich intensive Apfelaroma durch die Atemorgane. Man schmeckt es im den Rachen hinein und spürt es bis tief in die Bronchien. Das fühlt sich gut an. Gut und gerne fünf Liter reinen Apfelessig habe ich auf diese Weise schon durch meine Venen gejagt. Ob das wohl auch Nährwert hat? Oder Vitamine?
Mit dem Rauschen der Vogelflügel noch im Ohr, bestieg Sally die Stufen der Bankfiliale. Er stieß mit dem Fuß die Flügeltüren des Eingangs zur Seite und trat ein. Bis auf drei Angestellte, die im Hintergrund des Raumes mit gesenkten Köpfen an ihren Schreibtischen arbeiteten, war die Schalterhalle leer. Die hellbraunen Steinfliesen zu Sallys Füssen glänzten wie Glas. Saftig grüne Zimmerpflanzen standen in Ecken und an Säulen und gaben der Atmosphäre des Raumes etwas Friedfertiges, Gelassenes...-
Sally blickte zur Kasse. Er registrierte die Scheibe aus kugelsicherem Glas davor. Verdammt, dachte er. Die ist doch gestern noch nicht da gewesen? Verunsichert, verharret er einen Augenblick, dann trat er entschlossen auf die Kasse zu. Sally blickte dem jungen Bankangestellten hinter der kugelsicheren Scheibe ins Gesicht, zog eine Pistole aus seinem Hosenbund und rief: “Sofort alles Geld her und schnell!” Der junge Bankangestellte fühlte sich sichtlich sicher hinter seiner kugelsicheren Scheibe. Gelassen blickte er auf Sallys Pistole und lächelte. Sally dagegen blickte verstört, erst auf die Scheibe und dann auf den Kerl dahinter. Sally drehte sich um und sah in den Schalterhalle der Bank. Die Angestellten, die eben noch fleißig an ihren Schreibtischen gesessen hatten, waren unterdessen beim Anblick eines Bewaffneten geflüchtet. Vermutlich standen sie in diesem Moment ängstlich aneinander gedrängt in einem der Nebenräume und riefen die Polizei.
“Jetzt gib schon das Geld raus”, versuchte Sally es nochmals, diesmal schon ein wenig demütiger. Sally befand sich in einer äußerst bedrohlichen Lage. Die Zeit drängte und bald würde die Polizei eintreffen. Bekäme er aber das Geld nicht, würde ihn bald ein Mangel an Heroin auf Tage hinaus handlungsunfähig machen. “Jetzt mach schon und gib das Geld raus”, versuchte Sally es noch einmal, diesmal schon ein wenig weinerlich. Sally fuchtelte verzweifelt mit seiner Pistole und drohte: “Gib jetzt sofort das Geld raus oder ich schieße.” Während dessen verstrichen Minuten. “Gib mir dann wenigstens fünfhundert Euro”, flehte Sally zuletzt. Da platzten hinter seinem Rücken die Flügel der Eingangstür zur Seite und eine Anzahl Polizisten mit Pistolen in den Händen, drängten in den Schalterraum. Der vorderste Polizist richtete seine Pistole auf Sally und rief: “Sofort die Waffe weg!” Doch Sally warf seine Waffe nicht weg. Er senkte nur die Arme und blickte ruhig und gelassen. Es schien, als hätte er in diesem Augenblick keinerlei Anteil mehr an diesem Geschehen, als wäre er nur noch Zuschauer und des Weiteren völlig unbeteiligt. Doch dann hob Sally langsam, sehr langsam seine Pistole. Er führt sie an seine Schläfe, entsicherte sie hörbar mit dem Daumen und hauchte: “Halt. Stehen bleiben, oder ich schieße”. Die Polizisten erstarrten und sahen sich unschlüssig an. Nur einer, machte noch einen einzigen und unbedachten Schritt nach vorne...
Der Knall des Schusses hallte so häufig zwischen den Wänden der Schalterhalle hin und her dass es schien, keine der Wände wolle das Geräusch dieser schrecklichen Tat für sich behalten. Erschrocken, Aus den Platanen der gegenüberliegenden Straßenseite erhob eine große Schar schwarzer Vögel sich und verfinsterten während ihres Fluges in die Ferne für einige Augenblicke das Licht der Sonne...
Im Innern der Bankfiliale lag Sally am Boden. Ein steter Strom Blut floss aus seinen wirren Haaren und bildet eine dunkle, schillernde Lache um seinen Kopf. Die Lache schwoll an und wurde stetig größer, bis ein kleines Rinnsal sich löste. Erst bewegte es sich zaudernd, doch dann immer rascher, bis es schließlich wie zielstrebig auf die Füße der erschrocken stehenden Polizisten zu eilte, wo es sich genau um die Füße des Mannes ringelte, der den fatalen Schritt nach vorne getan hatte. Geschieht ihm recht, dachte Sally und schloss langsam seine schweren Augenlider. Inner leichter und leichter, fühlte Sally sich werden, bis er die Szene in der Bankhalle von oben sah. Dort standen die Polizisten. Sie standen jetzt eng beieinander und blickten betreten zu Boden. Dort hinten in der Ecke stand der junge Bankangestellte, der von hinter seiner Kasse hervorgekommen war und nun still vor sich hin weinte. Und dort am Boden sah Sally sich selbst liegen, in gekrümmter Haltung, den Kopf in einer schillernden Lache. Höher und höher stieg Sally, bis die Szene unter ihm kaum mehr wahrzunehmen war. Leichter und leichter wurde ihm, bis er sich schließlich schwinden fühlte und sich auflöste, in den Weiten eines blauen
, wolkenlosen Himmel eines Frühlingsvormittages...-

Alle Rechte
INTRACEREBRAL
Die Morphinistenseite



Nach oben