______________________________________________________________________ Der grundsätzliche Fehler in unserer Ehe, war vermutlich die Ehe selbst. Zehn Jahre, hatten wir ehelos zusammengelebt und dabei zueinander gehalten, wie Pech und Schwefel. Durch die Welt waren wir gezogen, wie Bonny und Clyde, stehlend, betrügend, schmuggelnd, ein Leben voller Spannung und Genuss! Und wo war es geendet, dieses Leben voll Spannung und Genuss? In einer erbärmlichen Ehe! Ich hätte ihr nie zugestimmt, wäre es nicht um die verdammte Aufenthaltsgenehmigung für die Niederlande gegangen. Am Ende wurde mir eine Aufenthaltsgenehmigung, obwohl ich mit einer Niederländerin verheiratet war, dennoch verweigert...-
Sicher spielte auch das Kokain eine Rolle. Ehen und Kokain, schließen einander irgenwie aus. Es war jedenfalls bitter an der Zeit, meine Frau los zu werden. Sie ruinierte nicht nur meine Finanzen, sie ruinierte mich. Kennt eine Frau nach zehn Jahren des Zusammenlebens alle Knöpfe die gedrückt werden müssen, um ein Höchstmaß an Schmerz und Qualen zu erzielen, hat man , anstatt einer Lebensgefährtin, einen Folterknecht an seiner Seite. Ich musste das Weib loswerden, und zwar bald! Zivilisiert wie ich gelegentlich sein konnte, riet ich zuerst zu einer zeitlich begrenzten Trennung von etwa sechs Monaten, „Ein Neubeginn, Schatz! Wer weiß, vieleicht bringt uns eine kurze Trennung wieder zusammen“.?
Wohlwollend und wohlhabend wie ich damals noch war, stellte ich, wie im Kino, einen Globus auf den Tisch. Ich brachte ihn mit einem Streich meiner Hand in Drehung und sagte: „Suche dir einen hübschen Ort aus. Fliege hin und richte es dir schön ein. Das Geld dazu, gebe ich dir. Ich gebe dir vorerst 25.000 Euro mit auf die Reise. Sollte dir das Geld ausgehen, lässt du es mich wissen und ich schicke neues“. Sie lehnte ab! Jawohl! Madam lehnte ab!
Diese Frau hatte mich in den vergangenen Monaten bereits so sehr zur Verzweiflung gebracht. 380.000 Euro, hatte sie mich in der kurzen Zeit gekostet. Jawohl! Madam verlor nämlich ab und zu lupenreine Einkaräter! Als sie dann auch noch hochnäsig mein großzügiges Angebot ablehnte, war ich am Ende meiner Weisheit. Um sie los zu werden, sah ich keine andere Möglichkeit als sie zu ermorden.
Der Plan war rasch gefasst. Wir waren beide Morphinisten und verabreichten uns mehrmals am Tag intravenöse Injektionen von Heroin und Kokain. Das Feine daran war, es hatte sich so eingelebt, dass ich die Injektionen zubereitete. Ich werde ihr eine solche Mischung von Heroin und Kokain in die Pumpe packen, nahm ich mir vor, dass ihr beim Niederdrücken des Kolbens die Schädeldecke wegfliegt! Danach, so stellte ich mir vor, würde ich ihre Leiche im Badezimmer mit einer Motorsäge zerkleinern und des Nachts, wenn keiner guckt, an dem kleinen See hinterm Haus an die Fische verfüttern. Dazu müsste ich nur das Bedezimmer gut mit Kunststofffolie auskleiden. Spritzt nämlich Blut erst auf die Fugen zwischen den Badezimmerfliesen, wäre es nur schwer wieder so zu entfernen, dass die chemischen Indikatoren der Spurensicherung nicht darauf ansprächen...-
Von der Beseitigung der Leiche, hatte ich teils vage, teils sehr konkrete Vorstellungen. Damit beim Zersägen das Blut nicht allzu sehr umherspritzte, würde ich warten, bis Leichenstarre eingetreten war. Erst scnitte ich mit einer Motorsäge die Glieder und den Kopf vom Rumpf. Diese Teile, stopfte ich hinterher für zwei Tage in die Tiefkühltruhe. Danach könnte man sie, hartgefroren wie sie danach wären, mit der Motorsäge in dünne Scheiben schneiden. Menschliche Knochen können auch noch nach Jahrtausenden wie menschliche Knochen aussehen. Schnitte man sie aber in dünne Scheiben, ergäbe es gleich ein anderes Bild. Auf diese Weise erweckten beispielsweise Röhrenknochen nur noch den Eindruck ausgelutschter Suppenknochen. Um dafür zu sorgen, dass die abgesägten Scheiben auch sicher auf den Grund des Sees sänken und dort liegen blieben und nicht etwa am Ende tagelang auf der Oberfläche trieben, konnte man sie mit italienischem Vogelschrot vollpumpen. Für den Rumpf mit all dem Gekröse und Gechlampe darin hatte ich mir etwas besonderes einfallen lassen. Ich würde das Rückgrat daraus lösen und damit genauso verfahren wie mit den Einzelteilen. Den Rest, drehte ich einfach durch einen Fleischwolf, der hinterher artig mit verdünnter Salzsäure geschrubbt werden müsste. Das produzierte Gehackte landete, wie der ganze Rest, bei den Fischen im See interm Haus...-
Seit der kürzlich verstorbene alte Oorschot seine Aalzucht in dem See hinterm Haus aufgezogen hatte, wimmelte es dort von Aasfressern. Was Piranhas in den Amazonasarmen, waren Oorschots Aale in dem kleinen See hinterm Haus. Menschliche Zähne allerdings, können sehr verräterisch wirken. Egal, unter welchen Umständen man sie fand, sie erweckten unerbittlich den Eindruck menschlicher Zähne. Führe man allerdings einige Male mit der Motorsäge kreuz und quer über die beinhart gefrorene Schnauze, sähen auch sie bald völlig anders aus...-
„Oh, ich weiß nicht, wo meine Frau steckt. Ich habe seit Wochen nichts mehr von ihr gehört. Sie wollte mit der Eisenbahn nach Italien. Sie hatte fest versprochen, gleich nach ihrer Ankunft anzurufen, was sie auch getan hatte. Sie wollte weiter, zu Freunden nach Neapel. Mehr, kann ich Ihnen dazu leider auch nicht sagen, Herr Kommissar.
Doch wer würde sie schon suchen, wer eine Vermisstenanzeige aufgeben? Außer mir, hatte sie weder Verwandte noch Freunde, die nach ihr fragen könnten. Es war wunderbar! Ihr Schicksal, befand sich ganz in meiner Hand! Eine kleine, handliche Motorsäge der Marke "Makita" war rasch gekauft und, aufgetankt bis an den Rand, gut unter dem Wohnzimmerschrank verborgen. „Findest du nicht auch Schatz, dass es hier in letzter Zeit ein wenig nach Benzin riecht“? "Was du riechst, Liebes, ist nur mein neues Feuerzeug"...
Doch bald fiel mir auf, dass ich meinen Plan viel zu kompliziert gestaltet hatte. Die Arbeit mit der Motorsäge und den Fischen, konnte ich weglassen. Ich musste ihr nur die tödliche Ladung in die Pumpe packen und zusehen, wie ihre Seele entfleucht. Danach würde ich im nahegelegenen Supermarkt einkaufen gehen. Wieder zurück, würde ich die Polizei rufen. „Ich war nur kurz weg, Herr Kommissar, um Kaffeesahne zu holen. Als ich zurückkam, lag sie auf dem Fußboden, genau so wie jetzt. Nein. Ich habe nichts angefasst. Ich habe sofort nach dieser grausigen Entdeckung die Polizei gerufen. Oh! Wie schrecklich! Sehen Sie nur! Ist das nicht eine Spritze, dort, in ihrem Arm“?
Nur fantasielose Dummköpfe behaupten, den perfekten Mord gäbe es nicht! Jetzt musste ich nur noch den passenden Tag abwarten. Ein regnerischer Tag, sollte es sein. Warum ein regnerischer Tag? Das kann ich nicht mehr so genau beantworten. Ich fand jedenfalls, zum sterben, eigne sich am besten ein regnerischer Tag…-
Zum Glück kam vor dem Regen Wilhelm daher. „Wilhelm, der geistige Tiefflieger“, wie ich ihn in Gedanken nannte. Ein schnurrbärtiger Werftarbeiter, mit großem Schwanz in einer stets zu engen Hose und kein Gehirn im rotgesoffenen Kopf. Viel taugte Wilhelm nicht, der dumm gesoffene Werftarbeiter. Dennoch hatte er alles, was zur Erfüllung meiner Wünsche nötig war: Einen großen Schwanz in der Hose und kein Gehirn im Kopf!
Fortan, lud ich Wilhelm regelmäßig zu uns nachhause ein. Wilhelms Hobby waren Schmetterlinge, die er, tot und ausgetrocknet, auf Stecknadeln spießte und ettikiert in schmale Schubladen steckte. Um Wilhelm zu ködern, erniedrigte ich mich soweit, Nachtfalter für ihn zu fangen. Wilhelm war ledig und solo. Verliefe alles nach meiner Vorstellung, würde sich das alles bald geändert haben. Es war nicht viel nötig, um Wilhelm für meine Gattin zu erwärmen. Ihr Arsch, war allemal hinreichend. Bald klebten Wilhelms Blicke so fest daran, dass er noch nicht mal mehr Augen hatte für den blauen Preturius alluris, auch Pissbett-Falter genannt, den ich ihm vom Flohmarkt mitgebracht hatte. Von nun an hatte ich leichtes Spiel. Je mehr Wilhelm sich für meine Holde erwärmte, desto kühler benahm ich mich ihr gegenüber. Dadurch driftete sie, gemäß den Gesetzen der animalischen Wärme, ganz von selbst, wie ein Falterchen zum Licht, zu Wilhelm hin. Die beiden verhielten sich wie Vollidioten, mit ihren vermeintlich heimlichen Blicken und Gesten, wovon mir nichts verborgen blieb, ganz zu schweigen von ihrer widerwärtigen Vögelei auf dem dreckigen Rücksitz von Wilhelms vergammelten Ford.
Es dauerte nicht lange und der Tag war heran, an dem meine Gattin sich einbildete, mich zu verlassen. Sie zöge zu Wilhelm, erklärte sie kalt, und setzte dazu diese ekelhafte Schnute auf, mit der sie Unschuld zu heucheln pflegte. Trauer- oder Eifersuchtsszenen, brachte ich keine zustande. Wie schön war doch die erste Nacht alleine in meinem geräumigen Haus! Ich nahm mir vor, alle Räume bei geöffneten Fenstern mindestens 3 x 24 Stunden zu lüften. Einst hatte ich von einem Bekannten einige Späne eines Südamerikanischen Zauberholzes bekommen, mit dessen Rauch indianische Schamane böse Geister austrieben. Mit rauchenden Holzspänen in beiden Händen und Lieder von Van Morrissons trällernd, war ich vier Stunden lang durch alle Räume geschlichen. Danach war das Weib entgültig aus dem Haus! Weg weg weg! Mein Gott, ich war das Ungeheuer los! Mein Leben gehörte wieder ganz mir alleine!
Schön, war das Leben. So alleine und frei. Ich war frei zu denken und zu sprechen, wie der Geist es mir auf die Zunge legte, ohne damit gleich eine Welle des Terrors auszulösen. Die Wochen verstrichen und ich hörte und sah nichts während all dieser Tage, noch von meiner Verflossenen, noch von ihrem neuen Stecher, dem schnurrbärtigen und lobotimierten Werftarbeiter Wilhelm. Sie versteckten sich vor mir, die beiden Schwachsinnigen. In ihrer Vorstellung, gehörte es zum Spiel, dass sie zu treiben glaubten...-
Ganze drei Monate hatte es gedauert, bis bei meiner Ehemaligen der Groschen gefallen war und sie begriff, ihr Glück mit Wilhelm war von mir Inszeniert worden. Ich schnitt gerade Rosenstöcke in meinem Garten, als sie daher kamen. Meine Ex und Wilhelm, beide angesäuselt mit Alkohol, sie entschlossen, er verworren. Sie kochte dermaßen vor Wut, dass sie giftige Säure spie und Blut aus den geplatzten Äderchen ihrer Augen spritzte. Ich beging den Fehler, mich überwiegend auf das Muskelpaket Wilhelm zu konzentrieren. Das gab ihr die Gelegenheit, mit einem langen Stück Bauholz in Händen, unbemerkt hinter meinen Rücken zu gelangen. Sie legte all ihre Kraft in den Schlag. Er traf mich seitlich am Hinterkopf. Mir schwand sofort alle Optik. Ich sah nur noch samtenes Dunkelblau, mit silbernen kleinen Sternen darin. Mir war klar, dass ich jeden Moment das Bewusstsein verlieren würde, so es mir nicht gelänge, meinen Kreislauf zu stabilisieren. Ich ging in die Hocke und verweilte einige Sekunden in dieser Stellung. Auf diese Weise kehrten meine Kräfte rasch wieder. Ich erhob mich und griff nach einem einem schweren, langstieligen Beil, schwang es in die Höhe und trat auf die beiden zu. „Ich spalte sie einfach längs der Mitte“, war mein Gedanke. Furcht, ist der Urtrieb des Menschen. Man sah es im Blicke des lobotomierten Wilhelm, als er Mordlust in meinen Augen blitzen sah. Geschwind packte er seine Freundin um die Hüfte, klemmte sie unter seinen Arm wie eine Schaufensterpuppe und rannte mit ihr, während sie wild mit den Beinen strampelte, zu seinem Auto. Er warf sie auf den Rücksitz, schwang sich hinters Steuer und fuhr los. Mit schmerzendem Schädel und dem Beil noch in der Hand, war ich den beiden eine Strecke weit hinterher gerannt. Als ich einsehen musste, dass ich ihr Auto nicht mehr einholen konnte, warf ich ihnen das Beil hinterher. Es krachte durch die Hinterscheibe, sauste haarscharf am Kopf meiner Ehemaligen vorbei und grub sich in den Spalt zwischen den beiden Vordersitzen. Mit kreischenden Reifen, verschwand Wilhelms Wagen in der Ferne.
Monate später war ich beim Einwohnermeldeamt, um mich auf eine neue Adresse einzutragen. Dabei fiel mein Blick auf einen Computerausdruck, der langsam aus einem alten Nadeldrucker tickerte. Darauf las ich „Geschieden: 1981“. (In den Niederlanden ist es unter gewissen Umständen möglich, sich ohne Wissen des Ehepartners scheiden zu lassen) Ich war geschieden worden! Die Kuh hatte sich von mir scheiden lassen! Gott sei bedankt und gepriesen, ich war tatsächlich ein geschieder Mann! Jetzt erst war ich das giftige Weibsstück endgültig los! Und ich musste sie dazu noch nicht einmal ermorden. Ich musste nur einen Trottel finden, der sie von mir nahm. Mochte nun Wilhelm, der lobotomierte, schnurrbärtige Werftarbeiter zusehen, wie er mit dem Drachen fertig würde. Bis heute, 16 Jahre später, habe ich sie nicht wieder gesehen. Ich danke allen Göttern für dieses Glück!
INTRACEREBRAL Die Morphinistenseite
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