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S.O.S. Familienforum. Sucht ohne Strafe
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S O S F A M I L I E N F O R U M . S U C H T O H N E S T R A F E
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SoS - Familienforum Sucht ohne Strafe
SoS Sucht ohne Strafe
Initiative für eine angemessene Drogenpolitik
Nach dem Bericht der Vereinten Nationen (Südl. Ztg. vom 27.6. 1997) setzen die Drogenschieber und -händler international bei 190 Millionen Konsumenten jährlich 400 Milliarden Dollar um. Damit machte das Drogengeschäft acht Prozent des Welthandels aus und ist damit vom Umsatz her bedeutender als der Export von Eisen und Stahl oder der Autoexport.
~700 Milliarden Mark für Drogen:
"Obwohl der Umfang der beschlagnahmten Drogen seit zehn Jahren zunimmt, können die Behörden den Handel nicht nennenswert stören. Ein Bruchteil des erzielten Erlöses reiche aus, um die Verluste wettzumachen." heißt es in dem Bericht des Drogenkontrollprogramms der Vereinten Nationen (UNDCP)."
Ohnmacht der Strafjustiz, oder ...
Ist diese Ohnmacht der Behörden das gottgegebene Schicksal des Scheiterns einer guten, klugen und gerechten Macht an bösen. cleveren und finanzstarken Dealern und der zu großen Lust der Jugend auf einen Zustand mit Drogen, oder hat gerade die Strafgesetzgebung etwas ganz Entscheidendes falsch gemacht? Wissenschaftler sehen seit langem in der staatlichen Verbotspolitik den eigentlichen Motor des illegalen Marktes (Bauer 1992 [1], Gersemann 1996 [2]): Je strenger die Verbotspolitik, desto höher der Preis, je höher der Preis, desto höher der Gewinn und das Interesse der Händler an einer dynamischen Geschäftsentwicklung. "Der Staat hält mit dem Verbot einen Mechanismus in Gang. der zur Rekrutierung immer neuer Suchtkranker führt" (Hartwig et al. 1989 [3]). Ist damit die bisherige Drogenpolitik
... einer der großen Fehler dieses Jahrhunderts?
Als Eltern drogenabhängiger Kinder und als Arzte mit entsprechenden Erfahrungen diskutieren wir mit Betroffenen und interessierten Bürgern • den repressiven und therapeutischen Wert von Strafmaßnahmen, • die verheerenden Folgen ihrer fördernden Wirkung auf das Wachstum des Drogenmarkts, • die Bedeutung verdrängter wissenschaftlicher Tatsachen für das Verständnis und die Behandlung der Sucht und zum Drogenkonsum führender Krankheiten. • Probleme des Umgangs mit süchtigen Kindern und • denkbare Wege aus dem führungslosen Dilemma der Suchtprobleme.
Repression durch Strafandrohung
Ohne Zweifel hindert die Strafbedrohung des Gebrauchs der verbotenen Suchtmittel die weit überwiegende Mehrheit unserer Bevölkerung daran, diese Mittel zu probieren. Man glaubt eben dem Gesetzgeber, dass sie schädlich sind. Das ist der Vorteil und Erfolg der Repression.
Allerdings gibt es bei diesem Erfolg in Bezug auf verschiedene Suchtmittel (Cocain, Heroin, Cannabis. Amphetamine) und verschiedene Bevölkerungsgruppen (Schulkinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen) inzwischen schon große und weiter wachsende Unterschiede. So haben sicher schon mehr als die Hälfte der Jugendlichen Cannabisprodukte probiert und dabei erkannt, dass die staatlichen Organe die Gefahren der Cannabisprodukte und die gegen ihren Gebrauch eingesetzten Strafmaßnahmen übertreiben. In dieser Einschätzung kann sie ein berechtigt erfolgreiches Buch über Hanf (Herer et al. 1993 [41] nur bestärken. Dieser Fehler der Gesetzgebung hat sehr negativen Auswirkungen: • die Glaubwürdigkeit des Staates und die Gesetzestreue der Jugendlichen sinken, • Fehlinformation und eigenes Wissen spalten die Bevölkerung, und • diese Meinungsunterschiede können wegen der Strafandrohung in der Öffentlichkeit nicht ausdiskutiert werden.
Misslingen der Repression
Hat der Jugendliche nach dem Genuss von Cannabisprodukten den Glauben an die Glaubwürdigkeit des Staates verloren, liegen zwei Dinge für ihn näher als bisher: seine Erfahrungen an Freunde und Bekannte weiterzugeben und vielleicht auch LSD, Heroin, Cocain und andere verbotene Stoffe zu probieren. Das hat zum Wachstum einer jugendlichen Subkultur mit dem gefährlich wachsenden Verlangen nach den Suchtmittein und der Tendenz zu Suchtkrankheiten geführt. An diesem Punkt liegt der schwere Fehler der Fehlinformation durch den Staat.
Je nach Persönlichkeit der Jugendlichen, versagt die repressive Wirkung der Strafandrohung an einem bestimmten Punkt der Entwicklung der Sucht, und der Süchtige überschreitet nacheinander die Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes, die familiären und persönlichen Regeln des guten Benehmens und die Gesetze gegen Betrug, Diebstahl und Raub. In diesem Stadium des Misslingens verursacht die Repression die verheerende Eskalation des illegalen Drogenhandels, über dessen gegenwärtigen Stand von 400 Milliarden Dollar wir oben berichtet haben.
Superwachstum durch Repression
Sobald der entfesselte Süchtige bereit ist, für das Suchtmittel so viel zu bezahlen. dass der illegale Markt genügend Geld gewinnt um die Hürden der Strafverfolgung zu überwinden, beginnt das unvergleichliche Wachstum des illegalen Marktes: derAnbau von Schlafmohn hat sich nach dem Bericht seit 1985 verdreifacht. und der Anbau von Cocablättern wuchs auf das Doppelte. Dergleichen findet man nicht bei den Suchtmitteln, deren Konsum staatlich geregelt ist (Alkoholika und Tabakprodukte). Die Gewinnspanne beim Kilogramm Rohopium von Pakistan für 90 Dollar bis in die USA für 290 000 Dollar liegt kaum noch vorstellbar bei 322 000 Prozent.
Da bei diesem Stand der Dinge jede weitere Repression vom Staat nicht mehr zu verantworten ist, lautet unsere Forderung:
Sucht ohne Strafe!
Literatur 1 Bauer, Christine: Heroinfreigabe - Möglichkeiten und Grenzen einer anderen Drogenpolitik. Rowohlt, Hamburg 1992. 2 Gersemann, Olaf: Kontrollierte Heroinabgabe - Optionen einer künftigen Drogenpolitik. S+W Steuer- und Wirtschaftsverlag. Hamburg 1996. 3 Hartwig K-J, Pies I: Drogen vorn Staat. Plädoyer für eine ökonomisch fundierte Politik; in: Die Zeit v. 3.3.1989, S. 95 4 Herer J, Bröckers M. Katalyse: Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf, Cannabis, Marihuana. Zweitausendeins, Hamburg 1993.
Der Weg zum Verständnis der Sucht
Die Unaufrichtigkeit der Behörden macht aber nicht bei dem Suchtpotential von Cannabis Halt. Auch in Bezug auf die Wirkung der Opiate wird die Öffentlichkeit weitgehend falsch unterrichtet und die Arzteschaft auf unverantwortliche Weise fehlinformiert und beim Versuch der Heilung von Süchtigen rigoros behindert. Bei richtiger Bewertung der biologischen Grundlagen des Suchtgeschehens kann die Heilungsrate aber viel größer werden Bedenken Sie die folgenden wissenschaftlichen Tatsachen als Belege für diese Feststellung:
1 Das Suchtpotential von Heroin: Die Untersuchung von Lee N Robins (1974 [5]) bei amerikanischen Soldaten. die in Vietnam heroinsüchtig waren, zeigt, dass die Sucht bei gesunden und gesund ernährten Soldaten kein großes Problem ist, wenn der Krieg für sie vorbei ist; der Anteil an chronisch Süchtigen in dieser Population lag bei 0,7 bis 3%. Dieses Ergebnis wurde durch Urinuntersuchungen bei 96% gesichert. Damit kann das Suchtpotential des Heroins gar nicht unser Hauptproblem sein. Es muß woanders liegen
2 Die heilende Wirkung der Opiate: In der Medizin waren Opiate seit langem erprobte Heilmittel, nicht nur bei Schmerzen, sondern weiter bei Schwermut und Depressionen (Weber 1987[6]), bei Schizophrenien, Psychosen, Angst und Aggressionen (Perfect 1787 [7], Vereby 1982[8]) und, wie jeder Arzt weiß, auch bei Durchfallserkrankungen. Da das Opium außerdem eine euphorisierende Wirkung hat. lindert es zudem Befindlichkeitsstörungen aller Art. Bei der Suchtbehandlung muß daher auch die heilende Wirkung der Opiate und der Selbstbehandlungsaspekt mit in Betracht gezogen werden.
3 Krankheiten die mit dem Entzug auftreten: Bei der Entzugsbehandlung von unseren Opiatabhängigen kommt es (im Gegensatz zu den Soldaten in Vietnam) bei gut der Hälfte zu Depressionen und bei vielleicht einem Drittel zu Wahrnehmungsstörungen und Psychosen (Kapuste 1986 [9]). Der ungute Lebenswandel und die schlechte Ernährung der Süchtigen tragen zu diesen Problemen bei und führen zu vielen weiteren Befindlichkeitsstörungen, die aus der verengten Sicht des Abhängigen mit Opiaten gut zu behandeln sind. Dazu kommt, dass fast alle Opiatabhängigen durch ihren Zuckermissbrauch Probleme mit der Blutzuckerregelung haben, deren Symptome den Entzugssymptomen gleichen. Die Abhängigen halten daher oft die Symptome ihrer Hypoglykamie für Entzugssymptome (Kapuste 1983 [9]). Das kompliziert ihre Selbstbehandlung und erschwert den Entzug. Daher muß man den Abhängigen in seinem Bestrebung auf Linderung seiner Beschwerden mit bester Ernährung und geeigneten natürlichen Mitteln unterstützen, um damit den Opiatgebrauch auf ein Minimum zu reduzieren.
4 Die üblichen Medikamente als schlechter Tausch: Zur Behandlung einiger der die Sucht begleitenden Krankheiten verwendet die etablierte Psychiatrie Medikamente, die ganz im Gegensatz zu den mit einer Euphorie einhergehenden Opiaten oft eine deutliche Dysphorie (schlechte Laune) bewirken (wie die Neuroleptika bei Schizophrenien) und eine Reihe von ernsteren Nebenwirkungen haben (Neuroleptika und Antidepressiva). Da Opiate bei richtiger Dosierung unschädlich sind, ist die übliche psychiatrische Behandlung für manchen Abhängigen bisher ein schlechter Tausch.
5 Nutriologische Behandlungen sind unbekannt. Es gibt aber eine große Anzahl von Berichten über die erfolgreiche Behandlung der mit den Suchtkrankheiten einhergehenden Symptome mit guter Ernährung, Vitaminen, Mineralien und anderen Nutrienten (Werbach 1999 [10]). Diese von unserer Psychiatrie bisher nicht beachteten Möglichkeiten können für die Behandlung von Opiatabhängigen genutzt werden
6 Nötigung zu Kunstfehlern: Die zur Zeit praktizierte kontrollierte Abgabe geht an den verschiedenen Wirkungshalbwertszeiten der Opiate vorbei (Heroin 4-5 Stunden. Methadon 15 Stunden). Wenn man Methadon unter Kontrolle nur einmal täglich einnehmen lassen kann. nimmt man Tagesschwankungen der Opiatwirkung von mehr als 70% in Kauf. Das steigert unmittelbar nach der (in diesem Moment zu hoch dosierten) Tagesdosis die Toleranz, erhöht dann nach 15 Stunden (im Stadium der auf mehr als die Hälfte verringerten Wirkungsspiegel) die Süchtigkeit und verleitet zu Alkohol, Barbituraten und anderen Mitteln. wenn die Leute - halb auf Entzug - in der Nacht nicht mehr schlafen können. Außerdem verlegt eine solche Dosierung jede Möglichkeit des ambulanten Entzugs, weil man bei so hohen Wirkungsschwankungen nicht mehr entziehen kann. Damit nötigen die bei der Substitutionsbehandlung bestehenden Kontrollvorschriften die Ärzte zu einer kunstfehlerhaften Anwendung des Methadons (Kapuste 1999/2000 [11]).
7 Fehlerhafte Schuldzuschreibung: Die genannten Fehler und Versäumnisse von Justiz und Psychiatrie müssen dazu führen, einen großen Teil unserer sogenannten „ Süchtigen" anders zu definieren: nämlich vor allem als Kranke, die ein Suchtmittel als Heilmittel gebrauchen. Damit sind sie implizit weitestgehend von ihrer Schuld an der illegalen Selbstbehandlung zu entlasten. Eine medizinisch-psychologische Neuorientierung in diesem Sinne kann das vernünftig traditionelle Ziel der Suchtbehandlung wieder in greifbare Nähe rücken, nämlich
die Heilung der meisten Süchtigen.
Literatur 5 Robins, Lee N: Drug Use by U.S. Army Enlisted Men in Vietnam: A Follow-up on their Return Home, Amer J Epidemiol, 99.4, 235-49,1974. 6 Weber, Matthias (Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München). Die Opiumkur in der Psychiatrie, Sudhoffs Archiv, Bd 71, Heft 1. S.31-61, 1987. 7 Perfect, William: Select Cases in the Different Species of Insanity, Lunacy, or Madness, with the Modes of Practice as Adopted in the Treatment of Each. Rochester 1787. In Hunter et al.: Three Hundred Years of Psychiatry, Oxford 1964. 8 Vereby Karl (Ed.): Opiates in Mental Illness, Ann New York Acad Sci. Vol 398, New York. 1982. 9 Kapuste, Hannes: Medizinische Differenzierung des Heroin-Suchtproblems. Wiener Ztschr. f Suchtforschg. 9:1/2 77-90, 1986. 10 Werbach, Melvyn R: Nutriologische Medizin - Ein Quellenbuch klinischer Forschung. Hädecke Verlag, Weil der Stadt, 1999. 11 Kapuste, Hannes. Medizinisch-Nutriologische Grundlagen der Entzugsbehandlung von Heroinsüchtigen. Journal für Orthomolekulare Medizin, 3/1999 bis 3/2000. (Sonderdruck. 88 S.)
Was können Eltern tun?
Erziehen Sie Ihre Kinder zu Selbständigkeit und Selbstverantwortlichkeit. Informieren Sie sie gut und sorgen Sie für gute Bücher. Fördern Sie ihre Begabungen. Es ist immer ein Wohlbefinden, das die Kinder suchen. Sorgen Sie dafür, dass sich Ihre Kinder wohlfühlen. Achten Sie darauf, dass die Schule keinen zu großen Leidensdruck ausübt. Arbeiten Sie beim Elternbeirat mit. Bedenken Sie, dass ein künstlich gesteigertes Wohlbefinden das Gemeinsame an der Wirkung aller Suchtmittel ist. Fühlen sich Ihre Kinder von Haus aus wohl, können sie den Drogen nicht leicht zum Opfer fallen.
Zum Wohlbefinden gehört in jedem Fall eine gute Ernährung und Sorgfalt in Bezug auf die Vermeidung von Umweltgiften. Eine möglichst naturbelassene, abwechslungsreiche Kost und die Vermeidung von zu viel Weißmehl, Zucker und gesüßten Getränken sind wichtige Grundlagen der Vorsorge. Missbrauch von Zucker oder Alkohol kann zu Depressionen führen.
Eine chemische Belastung der Schule, der Wohnung und besonders des Schlafzimmers kann sehr schädlich für das allgemeine Wohlbefinden sein. Beobachten Sie, ob es Ihren Kindern am Morgen beim Aufwachen, nach der Schule, in Ihrer Wohnung generell oder sonst wo vielleicht nicht so gut geht. Suchen Sie gegebenenfalls nach Quellen der chemischen Belastung durch Formaldehyd (Spanplatten, Kleider, Zeitschriften) Lindan (Wollteppiche), PCP, Pyrethroide (Holzschutzmittel. Insektenmittel), PCB (Fertigbauten), Teer und Bitumen (Flachdächer), Ledermöbel und -kleidung, Klebstoffe und vieles andere.
Keine Panik beim ersten Drogengebrauch. Reden Sie mit Ihrem Kind, lassen Sie sich informieren, zeigen Sie aber auch Ihr Interesse am Wohl des Kindes. In einem Elternhaus, in dem nur genörgelt und geschimpft wird (Was hast Du da schon wieder? Wie siehst Du wieder aus?). kann sich kein Kind wohl fühlen. Üben Sie keinen Leidensdruck aus, sondern versuchen Sie, im Gegenteil, alles. um dem Kind zu helfen, wieder ein normales Wohlbefinden zu haben.
Arbeiten Sie bei uns mit, die Drogenpolitik zu verändern. Die jetzige Politik fördert im Effekt das Drogenkartell und schafft immer mehr Süchtige. Dieses Thema muß diskutiert werden. vor allem müssen Betroffene selbst zu Wort kommen. Organisieren Sie Diskussions-Treffen. Wir stellen uns zu ihrer Verfügung. Arbeiten Sie mit uns, wir wollen, dass Ihnen ein böses Schicksal mit einem süchtigen Kind erspart bleibt.
SOS - Familienforum Sucht ohne Strafe
Gisela Kapuste, Hufnagelstr.1, 80686 München Telefon: 089 573 550, Fax: 089 5476 3021 E.mail: mailto:hannes.kapuste@t-online.de
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