Links und rechts von einem, verreckten die Leute wie angeschossene Tiere, anonym in irgend welchen Ecken, oder sie krepierten in Einzelzellen des modernen Deutschen Strafvollzugs, auf subtile Folter durch Einsamkeit und kalten Reglements konzipiert. Dabei hörte man von allen Seiten, wie toll wir es alle doch hätten, in welch großartigem Staat wir alle doch lebten und wie rosarot doch alles sei. Es war, als führe man ununterbrochen in einer phantastischen Achterbahn, auf und ab und kreuz und quer, mit dauernder Aussicht auf megalomanisch angelegte Klapsmühlen...-
Man saß irgendwo an einem Straßencafe in der Sonne, war in angenehmer Gesellschaft und schlürfte heißem Kakao, plötzlich tauchten irgendwelche Kerle auf, hielten einem durchgeladene Schießeisen ins Gesicht und forderten einen auf, jeglichen Tascheninhalt auf den Tisch zu legen. Lebensgefährliche Spinner, bevölkerten anonym die Straßen, ausgebildet vom Staate, ausschließlich um uns zu terrorisieren und in Gräber zu treiben.
Schön war’s, in Bundesdeutschen Landen, Mitte der Siebziger und Achtziger! Und wehe, man hatte etwas in den Taschen, an dem auch nur Krümel einer verbotenen Substanz hafteten. Man wanderte geradewegs ins Gefängnis dafür. Und welche Substanzen waren noch nicht verboten worden? Alle, die entweder höllisch ungesund waren, oder depressiv machten. Toll, war’s damals in Deutschland, und alles so optimistisch, rosarot und babyblau…-
Was blieb einem in solcher Situation anderes übrig, als mürrisch seinem Leben nach zu gehen. Sich zu verbergen, vor all den gefährlichen Spinnern, war unnötig. Sie waren überall, sie stellten einem nach, noch auf die Toiletten! Wir lebten innerhalb des engen Rahmens, der uns gesetzt worden war. Die einen verreckten dabei, die anderen wanderten, schon wieder, in irgendein Gefängnis und wieder andere rutschten so durch. Es war wie im Lotto. Hattest du die falschen Nummern, hattest du die Arschkarte und nur geringe Überlebenschancen.
Oder man hatte ein Date mit einer jungen Hübschen, die von dem ganzen Substanzterror keine Ahnung hatte. Man lief mit ihr gerade Hand in Hand die Straße zum Kino hoch und ein PKW hielt. Heraus sprangen drei oder vier schwachsinnige Cowboys mit riesen Wummen in den Pfoten. Sie warfen einen mit der Fresse gegen eine Wand, drückten einem den Lauf ihrer Walther PPK ins Ohr und gingen einem durch die Taschen. Die anderen suchten unterdessen die Straße ab, auf der man gekommen war. Vielleicht hatte man ja rasch etwas weggeworfen? Aus den Augenwinkeln sah man gerade noch seine junge Schönheit, wie sie, völlig verängstigt, auf klappernden Absätzen das Weite suchte. Ein schönes Land. Und so frei...!
Schön war’s, in unserer, - wie hieß der Spuk noch mal? -, ach ja, in unserer „freiheitlich demokratischen Grundordnung“. Der Kunstgriff innerhalb dieser Grundordnung war, die Gedanken der Bevölkerung in solch geordnete, sprich kontrollierte, Bahnen zu lenken, dass sie gar nicht erst dahinter kamen, sie lebten längst in einer faschistischen Terror-Diktatur!
Die Faschisten von damals, packten sich nur rasch neue Larven vor die Fressen, kassierten ihren Persilschein, glitten sofort wieder in einflussreiche Positionen und wurden zu Vorgesetzten und Auftraggebern.
So leicht sind sie eben nicht aus der Welt zu schaffen, funktionieren sie doch wie Fettaugen: Rührt man kräftig in der Suppe, sind sie alle verschwunden. Kaum hört man aber auf zu rühren, -schwupp-, schwimmen sie alle wieder oben auf...- Und sie sind ausgezeichnet „vernetzt“. So heißt das heutzutage. Früher nannte man das „verfilzt“. So ändert sich der Wortgebrauch. Denkt man gegenwärtig bei Netz eher an etwas aus der elektronischen Informationstechnik, so denkt man bei Filz immer noch an Läuse. Daher der Wortewandel...-
Und diejenigen, die gegenwärtig auf sie hören, die zeitgenössischen Häscher, arbeiten neuerdings in wohl ausgeklügelten und durch trainierten Teams. Die einen kommen daher wie Penner und observieren überwiegend, die anderen kommen auf ein Signal der Ersteren daher gesprungen, ausgestattet wie Robocops in einer Art Raumfahrerkostüm, legen einen auf den Boden, durchschnüffeln einem die Taschen und nehmen einen fest, so etwas gefunden wird. Oh nein, sie schämen sich keineswegs für solch abartiges Benehmen. Im Gegenteil. Sie sind stolz auf ihre Tätigkeit. Man hat ihnen dermaßen den Schädel vollgelogen, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie tatsächlich tun.
Sie glauben allen ernstes, sie fingen Kriminelle, und nicht nur arme, mittellos, unterdrückte, ausgebeutete und kranke Leute. Man hat ihnen erzählt, Dealer, seien Verbrecher die mit dem Verkauf von „Rauschgift“ sehr viel Geld machten. Das macht sie neidisch. Der Hass, der daraus generiert wird, gibt ihnen zusätzlichen Antrieb und macht manche von ihnen zu gehässigen, schäumenden Hunden. Dass die meisten „Dealer“, mit denen sie zu tun bekommen, eher mittellose Leute sind, die Freunden oder Bekannten aus Gefälligkeit gegen Unkostenbeitrag vom eigenen Besitz etwas abgetreten, wollen sie nicht wahr haben. Das schmälerte ihr Ansehen und ihr Selbstbewusstsein. Deshalb machen sie sich und anderen viel lieber vor, sie hätten es mit hartgesottenen, steinreichen Verbechern zu tun.
Sie machen sich längst lächerlich, diese zeitgenössischen Häscher. Dass man sie auslachte, sich über sie lustig machte, sie öffentlich verhöhnte und verspottete, verhindert eigentlich nur, dass sie bewaffnet sind und Macht besitzen.
INTRACEREBRAL Die Morphinistenseite
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